Den Blutdruck wirklich richtig messen

🎯 Wichtigste Erkenntnisse

Kernpunkte:

  • Die richtige Blutdruckmessung ist entscheidend für therapeutische Entscheidungen, da falsche Messwerte zu unzureichenden oder übermäßigen Behandlungen führen können, die beide schädlich sind.
  • Messe den Blutdruck immer in vollständiger Ruhe, idealerweise morgens auf der Bettkante, um verlässliche Werte zu erhalten, die nicht durch körperliche oder seelische Belastung verfälscht sind.
  • Für die Bestimmung des Ruheblutdrucks solltest du an fünf aufeinanderfolgenden Tagen morgens drei Messungen durchführen und jeweils den niedrigsten systolischen und diastolischen Wert notieren.
  • Der Ruheblutdruck ist der verlässlichste Indikator für das Risiko von Langzeitschäden an Organen wie Herz, Nieren und Gehirn und sollte als Grundlage für die Therapie dienen.
  • Bevor Medikamente eingesetzt werden, sollten konservative Maßnahmen wie Gewichtsreduktion, geringerer Salzkonsum und reduzierter Alkoholkonsum in Betracht gezogen werden, da diese oft eine signifikante Blutdrucksenkung ermöglichen.
  • Blutdruckwerte nach Belastungen oder im Laufe des Tages ohne Ruhe sind irrelevant für die Therapie und sollten ignoriert werden, da sie kurzfristig erhöht sein können, aber keine Aussagekraft über chronischen Hochdruck haben.

🔍 Zusammenfassung

Bedeutung der korrekten Blutdruckmessung
Die korrekte Messung des Blutdrucks ist von entscheidender Bedeutung, da fehlerhafte Messungen direkte therapeutische Konsequenzen haben. Wenn der Blutdruck falsch gemessen wird, kann dies dazu führen, dass eine Therapie zu gering ausfällt und somit keine Wirkung zeigt, oder dass sie zu stark ausfällt, was zu Beschwerden und gesundheitlichen Schäden führen kann. Ein unzureichend behandelter Bluthochdruck birgt das Risiko langfristiger Nebenwirkungen und Organschäden, wie sie am Herzen, den Nieren oder dem Gehirn auftreten können. Da erhöhter Blutdruck oft keine Symptome verursacht und daher oft unbemerkt bleibt, ist eine präzise Messung unerlässlich, um ihn überhaupt zu erkennen und angemessen zu behandeln.

Anleitung zur korrekten Blutdruckmessung und Bestimmung des Ruheblutdrucks
Um genaue und therapeutisch relevante Blutdruckwerte zu erhalten, muss die Messung immer in vollständiger Ruhe erfolgen. Dies bedeutet, dass man sich vor der Messung fünf bis zehn Minuten entspannt hinsetzen und an nichts denken sollte. Messungen, die direkt nach körperlicher Anstrengung, wie dem Treppensteigen, vorgenommen werden, sind ungenau, da der Blutdruck durch die Aktivierung des Körpers und Hormone wie Adrenalin kurzfristig erhöht ist. Der Therapieblutdruck wird am besten durch morgendliche Messungen auf der Bettkante bestimmt, kurz nachdem man aufgewacht ist. Zu diesem Zeitpunkt ist der Blutdruck am höchsten, falls er erhöht ist, und spiegelt die reine Gefäßweite und Blutdruckregulation des Körpers wider. Für die Bestimmung des Ruheblutdrucks wird empfohlen, an fünf aufeinanderfolgenden Tagen morgens nach zwei bis drei Minuten Ruhe drei Messungen mit einem Oberarm- oder Handgelenksmessgerät durchzuführen. Von diesen drei Werten sollte jeweils der niedrigste systolische und diastolische Wert in eine Tabelle eingetragen werden. Die niedrigsten Werte korrelieren am besten mit einer 24-Stunden-Blutdruckmessung und sind weniger anfällig für Nervosität.

Therapeutischer Wert und individuelle Behandlung
Der errechnete Mittelwert dieser fünf Tage stellt den Ruheblutdruck dar, welcher eine verlässliche Grundlage für ein diagnostisches oder therapeutisches Gespräch mit dem Hausarzt bietet. Dieser Wert gibt Aufschluss über mögliche negative Auswirkungen des hohen Blutdrucks auf Gefäße und Organe und ist der beste Prädiktor für die Langzeitprognose. Ein Blutdruck unter 130 zu 80 oder 130 zu 85 gilt als unbedenklich, während Werte über 145 zu 85 oder 95 leichte therapeutische Maßnahmen erforderlich machen könnten. Es wird darauf hingewiesen, dass die Zielwerte für den Blutdruck nicht unnötig niedrig angesetzt werden sollten, wie es manchmal von pharmazeutisch gesponserten Studien suggeriert wird. Eine Blutdrucktherapie ist immer eine individuelle Entscheidung, die der Hausarzt in Absprache mit dem Patienten auf Basis der Ruheblutdruckwerte treffen sollte. Zudem sind konservative Maßnahmen wie Gewichtsreduktion, weniger Salz und Alkohol oft genauso oder sogar wichtiger als Medikamente, insbesondere bei frisch manifestiertem Bluthochdruck, und sollten zuerst in Angriff genommen werden.

Irrelevanz von Messungen außerhalb der Ruhe
Blutdruckwerte, die tagsüber oder unmittelbar nach körperlicher oder seelischer Belastung gemessen werden, sind für die Diagnose und Therapie von chronischem Bluthochdruck irrelevant. Es ist normal, dass der Blutdruck bei Anstrengung oder Stress kurzfristig ansteigt, da dies eine natürliche Reaktion des Körpers ist. Nach der Belastung sinkt er jedoch wieder ab. Diese kurzfristigen Erhöhungen stellen keine Gefahr dar, solange der Ruheblutdruck im normalen Bereich liegt. Interessanterweise kann der Blutdruck nach einer Belastung sogar niedriger sein als üblich, da sich die Muskelgefäße geöffnet haben, um die Abbauprodukte der Muskelaktivität abzutransportieren. Dies zeigt den positiven Effekt von Bewegung und körperlicher Belastung auf die Blutdruckregulation, da der Körper lernt, die Gefäße zu weiten und den Blutdruck zu senken, was sich langfristig vorteilhaft auf die Blutdruckentwicklung auswirken kann.

Blutdruckmessung im Sitzen

Den Blutdruck richtig zu messen, ist eine häufig unbeachtete aber dringend erforderliche Grundlage für eine erfolgreiche Therapie.
Dein Ruheblutdruck und wann du handeln musst, sind das Thema dieser Folge.

Wie hoch ist der Blutdruckwert, an dem du handeln musst?

Mein Zielwert ist ein Ruheblutdruck von 130/85 mmHg.

Viele Fachgesellschaften offerieren dir an Leitlinien unterschiedliche Zielwerte, die aus Interventionsstudien mit neuen Pharmaka gewonnen werden. Die Einschlusskriterien dieser Untersuchungen sind fast immer sehr stark limitiert. Dadurch werden die Ergebnisse nur für diese Studienteilnehmer nutzbar.

Blutdrucktherapie ist aber eine Individualtherapie, die du mit deinem Hausarzt durchführst. Denn nur dein Hausarzt kennt alle deine Erkrankungen und kann daher optimal für dich sorgen. Da kann es durchaus sinnvoll sein, auch höhere Blutdruckwerte für dich zu akzeptieren.

Aber die Grundlage ist: den Blutdruck richtig messen.

Mein Fazit

Nicht jeder hohe Blutdruckwert ist ein Grund zur Sorge.

Entscheidend ist, wiewann und unter welchen Bedingungen gemessen wurde.

Wenn Du Deinen Blutdruck morgens in Ruhe über mehrere Tage hinweg dokumentierst, erhältst Du wesentlich aussagekräftigere Informationen als durch einzelne Messungen im hektischen Alltag.

So schaffst Du eine solide Grundlage für Gespräche mit Deinem Arzt – und vermeidest unnötige Sorgen ebenso wie unnötige Veränderungen der Therapie.

Deine kleine Aufgabe für die nächsten fünf Tage

Miss Deinen Blutdruck an den nächsten fünf Morgen direkt nach dem Aufwachen.

  • Drei Messungen
  • Drei Minuten Abstand
  • Niedrigsten systolischen und diastolischen Wert notieren

Mit diesen Werten kannst Du gemeinsam mit Deinem Hausarzt deutlich fundierter über Deine Blutdruckeinstellung sprechen.

Hinweis: Dieser Artikel ersetzt keine individuelle ärztliche Beratung. Bei sehr hohen Blutdruckwerten, Beschwerden wie Brustschmerzen, Atemnot, Lähmungserscheinungen oder starken Kopfschmerzen solltest Du umgehend ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen.

FAQ

Warum ist der morgendliche Blutdruck so wichtig?

Weil er am wenigsten durch Bewegung, Stress und Alltag beeinflusst wird und den Ruheblutdruck am besten widerspiegelt.

Wie oft sollte ich meinen Blutdruck messen?

Für die Beurteilung des Ruheblutdrucks empfiehlt sich eine Messung an fünf aufeinanderfolgenden Morgen mit jeweils drei Einzelmessungen.

Warum ist der erste Messwert oft höher?

Nervosität oder Anspannung können den ersten Messwert kurzfristig erhöhen. Weitere Messungen fallen häufig etwas niedriger aus.

Soll ich nach dem Sport meinen Blutdruck kontrollieren?

Ein unmittelbar nach Belastung gemessener Wert eignet sich nicht zur Beurteilung der Blutdrucktherapie. Wichtiger ist der Ruheblutdruck.

Kann ich meine Medikamente anhand meiner Messwerte selbst verändern?

Nein. Änderungen der Behandlung sollten immer gemeinsam mit Deinem behandelnden Arzt erfolgen.

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Transkript:

Ja, heute Folge 93. Wir machen noch mal, sag ich so, ein ganz klein bisschen Wiederholung, aber auch noch mal neue Aspekte über die Tatsache, wie der Blutdruck wirklich richtig gemessen wird, und was denn der Therapiewert ist und was der Ruheblutdruckwert ist. Ich wünsche dir viel Spaß dabei.

Jetzt sind wir bei einem sehr, sehr wichtigen Thema angekommen, denn ich glaube, hier werden die meisten Fehler gemacht, und ich denke, da ist keiner davon befreit, diese Fehler auch mal selber zu machen, nämlich bei dem Blutdruckmessen. Denn das Messen des Blutdrucks hat ja unmittelbar therapeutische Konsequenzen, und diese Konsequenzen sind umso bitterer, wenn der Blutdruck eben halt falsch gemessen wird. Dann würde zum Beispiel eine Therapie möglicherweise zu gering ausfallen, oder eine Therapie würde zu stark ausfallen, und sie würde dich in jeder Hinsicht schädigen. Wenn sie zu stark ausfällt, hast du Beschwerden, weil der Blutdruck zu niedrig ist, und wenn sie zu gering ausfällt, dann nimmst du Medikamente oder machst irgendwas in deinem Leben, ohne dass es einen therapeutischen Effekt hat. Der therapeutische Effekt muss natürlich sein, dass es keine Nebenwirkungen durch den hohen Blutdruck im Bereich des Langzeitverlaufes entstehen, aber auch keine Organschäden entstehen, und das sind ja die Zielpunkte bei der Blutdrucktherapie.

Denn der erhöhte Blutdruck selber, weißt du ja schon aus eigener Erfahrung, tut ja leider nicht weh, und deswegen ist er auch bei so vielen Leuten nicht richtig behandelt, weil eben halt er nicht bekannt ist. Und um ihn bekannt zu machen, muss man ihn erst mal richtig messen. Und bei dem richtig messen, sag ich dir mal: Wenn du gerade nach Hause kommst und bist gerade von Stockwerk E auf Stockwerk 3 gestiegen und hast dabei möglicherweise noch 2 Flaschen Wasser und den Tageseinkauf in der Hand, und setzt dich hin und misst dann deinen Blutdruck, was erwartest du dann? Du erwartest erstens, dass der Puls schnell ist, weil nämlich deine Muskeln, das hatte ich dir in der vorigen Folge erzählt, mehr Durchblutung brauchten, weil sie ja viel Leistung abgeben mussten. Aber dein Körper ist auch aktiviert, und durch das Adrenalin und das Noradrenalin, was eben halt dein Körper braucht, damit du die Treppe raufsteigen kannst, ist der Blutdruck in dem Fall auch erhöht. Das bedeutet: Wenn du jetzt den Blutdruck misst, dann misst du einfach einen Blutdruck, der falsch hoch ist.

Das bedeutet auch für dich, dass jede Blutdruckmessung, die du machen musst, immer nur in vollständiger Ruhe stattfinden sollte. Das heißt, du musst hergehen und wirklich 5 bis 10 Minuten dich entspannt hinsetzen und an nichts denken und dich sozusagen in eine Ruhe hineinbringen, damit du überhaupt in der Lage bist, einen verlässlichen Blutdruck zu messen. Und dann gibt es noch das andere Problem, dass der Blutdruck tageszeitlich Schwankungen unterworfen ist. Das hatte ich dir bereits in einer der Podcast-Folgen erzählt. Und diese tageszeitlichen Schwankungen, die bestimmen natürlich auch, wann es am besten ist, deinen Blutdruck wirklich zu messen, um eine therapeutische Entscheidung bezüglich des Blutdruckes bei dir treffen zu können. Und da hat sich herausgestellt, dass der Therapieblutdruck am besten bestimmt wird bei der morgendlichen Blutdruckmessung, quasi auf der Bettkante.

Wenn du wach wirst, dann ist da der Blutdruck, wenn er erhöht ist, am höchsten, weil er nämlich da lediglich von der Gefäßweite und von der dir eigenen Blutdruckregulation abhängig ist. Weil du hast in der Nacht geschlafen und du warst ruhig, und dann haben dich ab 04:00 Uhr die Hormone geweckt, 05:00 Uhr, dann steigt sozusagen automatisch der Blutdruck an, weil der Körper dich aufwecken möchte. Und gerade in diesem Zeitpunkt, in diesem Zeitraum, wenn du also die Augen aufmachst, dann möchtest du wissen, wie hoch dein Blutdruck ist, und dein Hausarzt möchte das auch wissen. Denn dein Hausarzt möchte eine verlässliche Blutdrucktherapie machen, und deswegen ist es für dich einfach sinnvoll, deinen Ruheblutdruck zu bestimmen. Und den Ruheblutdruck bestimmen, da habe ich eine eigene Podcast-Folge gemacht, die werde ich dir eben noch mal verlinken, und da gibt es auch eine Seite bei mir, da kannst du deine Blutdruckwerte eintragen, und da wird dann für dich automatisch dein Ruheblutdruck aus insgesamt 5 aufeinanderfolgenden Morgen oder Tagen berechnet, und diesen Wert kannst du dann ausdrucken und deinem Hausarzt mitbringen.

Warum mache ich so viel Berei um den Ruheblutdruck? Der Ruheblutdruck ist der einzige Blutdruck, der verlässliche Aussagen darüber machen lässt, ob deine Gefäße durch den hohen Blutdruck, ob deine Organe durch den hohen Blutdruck, ob dein Herz durch den hohen Blutdruck und ob deine Nieren durch den hohen Blutdruck und ob dein Gehirn durch den hohen Blutdruck in irgendeiner Form negativ beeinflusst wird. Der Ruheblutdruck sagt am meisten aus über deine Prognose, und deswegen ist es sinnvoll, auch den zu behandeln und den auch in Ruhe zu messen. Wie macht man das? Du gehst her und wirst morgens wach, setzt dich auf die Bettkante, wartest 2 bis 3 Minuten, und dann misst du, wie es dein Blutdruckmessgerät anzeigt, mit einem Oberarmmessblutdruckmessgerät oder mit einem Handgelenksblutdruckmessgerät im aufrechten Sitzen in Ruhe 3 Mal im Abstand von 3 Minuten deinen Blutdruck.

Diese 3 Blutdruckwerte schreibst du dir auf, und dann nimmst du an diesem Tag den niedrigsten systolischen Wert und den niedrigsten diastolischen Wert, und den trägst du dir in die Tabelle ein. Also nicht den höchsten, sondern den niedrigsten systolischen und den niedrigsten diastolischen Blutdruckwert dieser 3 Messungen. Warum den niedrigsten? Die höchsten Blutdruckwerte werden beeinflusst durch deine Nervosität. Ja, der Blutdruck könnte hoch sein, und diese niedrigsten Blutdruckwerte, die korrelieren am besten mit der 24-Stunden-Blutdruckmessung. Das machst du an 5 aufeinanderfolgenden Tagen, und dann trägst du jeweils die niedrigsten Werte ein, und das Programm auf meiner Seite, ich verlinke es dir dann, rechnet dir dann den Mittelwert aus diesen Tagen aus, und das ist dann dein Ruheblutdruck. Und über diesen Ruheblutdruck kannst du dich dann mit deinem Hausarzt in ein therapeutisches oder diagnostisches Gespräch begeben.

Das heißt, dein Hausarzt hat dann wirklich ganz harte Parameter: Das ist der Blutdruck, den ich bei dir behandeln muss, oder das ist der Blutdruck, der so noch in Ordnung ist und wo man nichts weiter machen muss. Also: Der Ruheblutdruck an 5 aufeinanderfolgenden Tagen, gemessen und gemittelt, ist ein sicherer, guter Wert, anhand der man eine entscheidende Therapie festlegen kann. Denn zu viele Medikamente sind nicht gut, und zu wenige Medikamente auch nicht. Und natürlich hat die Industrie ein Interesse daran, möglichst viele Medikamente zu verordnen, damit möglichst viel verschrieben wird. Deswegen legt sie nicht so einen großen Wert auf die Bestimmung des Ruheblutdruckes. Aber das kannst du ja machen, und du kannst dann mit deinem Hausarzt gemeinsam entscheiden, welchen therapeutischen Bereich dein Blutdruck liegt und was dann am besten getan werden muss.

Natürlich darfst du nicht vergessen, dass die konservativen Maßnahmen, deinen Blutdruck zu senken, genauso wichtig sind oder sogar wichtiger sind als die Medikamente. Und da kannst du, wenn dein Blutdruck gerade frisch, manifest ist, auf jeden Fall erst mal drauf zugreifen. Also, ich will nur 2 oder 3 nennen, da kannst du mal durch meine Podcast-Folgen gucken, da gibt es einen Haufen. Da ist sicherlich als allererstes das Körpergewicht zu nennen, zweitens der Salzkonsum, drittens der Alkoholkonsum.

Die sollten zumindest auf jeden Fall erst mal reduziert werden oder angegangen werden, damit du schon die Chance hast, durch deine eigene Therapie deinen Blutdruck wirklich zu senken. Es stellt sich natürlich die Frage: Was haben denn dann die Blutdruckwerte, die du dann nach dem Treppensteigen misst und die dann erhöht sind, für dich für eine Folgerung? Keine.

Vergiss diese Blutdruckwerte, die du im Laufe des Tages misst, wenn sie nicht in absoluter Ruhe gemessen werden. Und die Ruhebestimmung ist absolut entscheidend für den Blutdruck. Es ist ganz normal, dass, wenn du die Treppe steigst, dich belastest oder hinter dem Auto her, hinter dem Bus her rennst oder du zum Beispiel vor dem Nachbarn Bello weglaufen musst, dann ist das einfach so, dass der Körper dann kurzfristig seinen Blutdruck erhöht und dann sinkt er auch wieder.

Guck mal, die ganzen Sportler, die eben halt hergehen und sozusagen maximale Leistungsfähigkeit innerhalb von kurzer Zeit erwerben müssen, 100-Meter-Läufer, die haben während dieser Läufe riesig hohe Blutdruckwerte. Aber sie leiden nicht darunter, weil der Blutdruck hinterher nach dieser Belastung sofort wieder absinkt. Und deswegen ist der abgesenkte Blutdruck nach der Belastung oder der morgendliche Ruheblutdruck für dich von entscheidender Bedeutung.

Dann noch eine Kleinigkeit: Wenn du deinen Blutdruck länger nach einer Belastung, so 5 bis 10 bis 15 Minuten nach einer Belastung misst, wird der niedriger sein als üblich. Oder er kann niedriger sein als üblich. Und zwar, das liegt daran, weil dein Körper durch die Belastung ja alle Muskelgefäße öffnen musste, und alle Muskelgefäße sind jetzt noch gut durchblutet, und da werden die Abbauprodukte der Muskelaktivität noch beiseite geschafft.

Das bedeutet, weil dann diese Gefäße alle weit sind, sinkt dein Blutdruck unter diese deine normale Blutdruckerhöhung, als wenn du nichts getan hättest vorher. Das bedeutet also, nach einer Belastung kann der Blutdruck deutlich niedriger sein als vor der Belastung und kann auch deutlich niedriger sein als der Ruheblutdruck. Daran siehst du auch, dass natürlich Bewegung und körperliche Belastung für die Blutdruckregulation von Vorteil ist.

Nämlich, der Körper lernt dann auch mal, die Gefäße weit zu machen und den Blutdruck zu senken. Und das kann sicherlich eine positive Wirkung auf deine langfristige Blutdruckentwicklung haben. Also: Bestimme den Ruheblutdruck.

Dann vielleicht ganz kurz und knapp: Der Therapiewert. Ja, jetzt fangen wir ein ganz heißes Eisen an. Das kann man auch eigentlich in einer Podcast-Folge gar nicht machen. Ich sage dir nur: Wenn dein Blutdruck 130 zu 80 oder 130 zu 85 nicht überschreitet, ist sicher alles in Ordnung. Wenn dein Blutdruck 145 zu 85 oder zu 95 erscheint, dann muss man davon ausgehen, dass dein Blutdruck möglicherweise erhöht ist als sonst und dass man dann leichte therapeutische Entscheidungen treffen muss.

Also, der Blutdruck ist nicht so niedrig abzusenken, wie das viele auch von Pharmafirmen gesponserten Untersuchungen verlangen und auch wie sich manche Gesellschaften sich auf das Ziel gesetzt haben, den Blutdruck zu niedrig zu senken. Das sind alles Studienergebnisse aus langfristigen Untersuchungen, die haben mit dem täglichen Leben überhaupt nichts zu tun, weil sie in einer besonderen Situation gemacht sind.

Viel entscheidender und viel genauerer wäre man, wenn man wirklich Ereignisstudien messen würde, wo man wirklich sagt, unabhängig davon, man beobachtet einfach den Blutdruck und guckt, was passiert. Aber diese Studien werden heutzutage nicht mehr finanziert. Und ich hatte dir ja in der vorletzten Folge bereits über die Finanzierung von Wissenschaft was erzählt, und das ist einfach bedauerlich, dass man nur noch Finanzierung für externe Studien im Bereich der Pharmaindustrie findet, aber nicht mehr Studien finanziert werden, die eben halt zu wirklichem Erkenntnisgewinn führen und die nicht sozusagen einen Bias haben, wo man einfach guckt, dass der Blutdruck so niedrig wie möglich sein muss.

Außerdem ist Blutdrucktherapie eine Individualtherapie, und da trifft dein Hausarzt mit dir mit Sicherheit die richtige Entscheidung. Aber er kann sie nur treffen, wenn du ihm wirklich deinen Ruheblutdruck vermittelst. Also noch mal: Es ist uninteressant, wie hoch dein Blutdruck nach einer oder unmittelbar nach einer Belastung oder einer körperlichen oder einer seelischen Belastung gemessen wird.

Wichtig ist der Blutdruck morgens auf der Bettkante, und dort wird der Ruheblutdruck an 5 aufeinanderfolgenden Tagen bestimmt. Du kannst das noch mal in den Shownotes nachsehen. Ich habe die Seiten, wo das noch mal genau beschrieben wird, und die Seite, in der du auch die Blutdruckwerte eintragen kannst und den Mittelwert errechnen kannst, in den Shownotes verlinkt.

Ich danke dir für deine Anwesenheit heute oder dein Hören dieser Folge, und ich freue mich nach wie vor, dass Hendrik immer noch meine Podcasts in so eine gute, hörbare Fassung schneidet. Also, einen schönen Tag wünsche ich dir noch.

Den Blutdruck richtig messen

🎯 Wichtigste Erkenntnisse

Kernpunkte:

  • Die richtige Blutdruckmessung ist entscheidend für therapeutische Entscheidungen, da falsche Messwerte zu unzureichenden oder übermäßigen Behandlungen führen können, die beide schädlich sind.
  • Messe den Blutdruck immer in vollständiger Ruhe, idealerweise morgens auf der Bettkante, um verlässliche Werte zu erhalten, die nicht durch körperliche oder seelische Belastung verfälscht sind.
  • Für die Bestimmung des Ruheblutdrucks solltest du an fünf aufeinanderfolgenden Tagen morgens drei Messungen durchführen und jeweils den niedrigsten systolischen und diastolischen Wert notieren.
  • Der Ruheblutdruck ist der verlässlichste Indikator für das Risiko von Langzeitschäden an Organen wie Herz, Nieren und Gehirn und sollte als Grundlage für die Therapie dienen.
  • Bevor Medikamente eingesetzt werden, sollten konservative Maßnahmen wie Gewichtsreduktion, geringerer Salzkonsum und reduzierter Alkoholkonsum in Betracht gezogen werden, da diese oft eine signifikante Blutdrucksenkung ermöglichen.
  • Blutdruckwerte nach Belastungen oder im Laufe des Tages ohne Ruhe sind irrelevant für die Therapie und sollten ignoriert werden, da sie kurzfristig erhöht sein können, aber keine Aussagekraft über chronischen Hochdruck haben.

🔍 Zusammenfassung

Bedeutung der korrekten Blutdruckmessung
Die korrekte Messung des Blutdrucks ist von entscheidender Bedeutung, da fehlerhafte Messungen direkte therapeutische Konsequenzen haben. Wenn der Blutdruck falsch gemessen wird, kann dies dazu führen, dass eine Therapie zu gering ausfällt und somit keine Wirkung zeigt, oder dass sie zu stark ausfällt, was zu Beschwerden und gesundheitlichen Schäden führen kann. Ein unzureichend behandelter Bluthochdruck birgt das Risiko langfristiger Nebenwirkungen und Organschäden, wie sie am Herzen, den Nieren oder dem Gehirn auftreten können. Da erhöhter Blutdruck oft keine Symptome verursacht und daher oft unbemerkt bleibt, ist eine präzise Messung unerlässlich, um ihn überhaupt zu erkennen und angemessen zu behandeln.

Anleitung zur korrekten Blutdruckmessung und Bestimmung des Ruheblutdrucks
Um genaue und therapeutisch relevante Blutdruckwerte zu erhalten, muss die Messung immer in vollständiger Ruhe erfolgen. Dies bedeutet, dass man sich vor der Messung fünf bis zehn Minuten entspannt hinsetzen und an nichts denken sollte. Messungen, die direkt nach körperlicher Anstrengung, wie dem Treppensteigen, vorgenommen werden, sind ungenau, da der Blutdruck durch die Aktivierung des Körpers und Hormone wie Adrenalin kurzfristig erhöht ist. Der Therapieblutdruck wird am besten durch morgendliche Messungen auf der Bettkante bestimmt, kurz nachdem man aufgewacht ist. Zu diesem Zeitpunkt ist der Blutdruck am höchsten, falls er erhöht ist, und spiegelt die reine Gefäßweite und Blutdruckregulation des Körpers wider. Für die Bestimmung des Ruheblutdrucks wird empfohlen, an fünf aufeinanderfolgenden Tagen morgens nach zwei bis drei Minuten Ruhe drei Messungen mit einem Oberarm- oder Handgelenksmessgerät durchzuführen. Von diesen drei Werten sollte jeweils der niedrigste systolische und diastolische Wert in eine Tabelle eingetragen werden. Die niedrigsten Werte korrelieren am besten mit einer 24-Stunden-Blutdruckmessung und sind weniger anfällig für Nervosität.

Therapeutischer Wert und individuelle Behandlung
Der errechnete Mittelwert dieser fünf Tage stellt den Ruheblutdruck dar, welcher eine verlässliche Grundlage für ein diagnostisches oder therapeutisches Gespräch mit dem Hausarzt bietet. Dieser Wert gibt Aufschluss über mögliche negative Auswirkungen des hohen Blutdrucks auf Gefäße und Organe und ist der beste Prädiktor für die Langzeitprognose. Ein Blutdruck unter 130 zu 80 oder 130 zu 85 gilt als unbedenklich, während Werte über 145 zu 85 oder 95 leichte therapeutische Maßnahmen erforderlich machen könnten. Es wird darauf hingewiesen, dass die Zielwerte für den Blutdruck nicht unnötig niedrig angesetzt werden sollten, wie es manchmal von pharmazeutisch gesponserten Studien suggeriert wird. Eine Blutdrucktherapie ist immer eine individuelle Entscheidung, die der Hausarzt in Absprache mit dem Patienten auf Basis der Ruheblutdruckwerte treffen sollte. Zudem sind konservative Maßnahmen wie Gewichtsreduktion, weniger Salz und Alkohol oft genauso oder sogar wichtiger als Medikamente, insbesondere bei frisch manifestiertem Bluthochdruck, und sollten zuerst in Angriff genommen werden.

Irrelevanz von Messungen außerhalb der Ruhe
Blutdruckwerte, die tagsüber oder unmittelbar nach körperlicher oder seelischer Belastung gemessen werden, sind für die Diagnose und Therapie von chronischem Bluthochdruck irrelevant. Es ist normal, dass der Blutdruck bei Anstrengung oder Stress kurzfristig ansteigt, da dies eine natürliche Reaktion des Körpers ist. Nach der Belastung sinkt er jedoch wieder ab. Diese kurzfristigen Erhöhungen stellen keine Gefahr dar, solange der Ruheblutdruck im normalen Bereich liegt. Interessanterweise kann der Blutdruck nach einer Belastung sogar niedriger sein als üblich, da sich die Muskelgefäße geöffnet haben, um die Abbauprodukte der Muskelaktivität abzutransportieren. Dies zeigt den positiven Effekt von Bewegung und körperlicher Belastung auf die Blutdruckregulation, da der Körper lernt, die Gefäße zu weiten und den Blutdruck zu senken, was sich langfristig vorteilhaft auf die Blutdruckentwicklung auswirken kann.

Blutdruckmessung im Sitzen

Den Blutdruck richtig zu messen, ist eine häufig unbeachtete aber dringend erforderliche Grundlage für eine erfolgreiche Therapie.
Dein Ruheblutdruck und wann du handeln musst, sind das Thema dieser Folge.

Wie hoch ist der Blutdruckwert, an dem du handeln musst?

Mein Zielwert ist ein Ruheblutdruck von 130/85 mmHg.

Viele Fachgesellschaften offerieren dir an Leitlinien unterschiedliche Zielwerte, die aus Interventionsstudien mit neuen Pharmaka gewonnen werden. Die Einschlusskriterien dieser Untersuchungen sind fast immer sehr stark limitiert. Dadurch werden die Ergebnisse nur für diese Studienteilnehmer nutzbar.

Blutdrucktherapie ist aber eine Individualtherapie, die du mit deinem Hausarzt durchführst. Denn nur dein Hausarzt kennt alle deine Erkrankungen und kann daher optimal für dich sorgen. Da kann es durchaus sinnvoll sein, auch höhere Blutdruckwerte für dich zu akzeptieren.

Aber die Grundlage ist: den Blutdruck richtig messen.

Mein Fazit

Nicht jeder hohe Blutdruckwert ist ein Grund zur Sorge.

Entscheidend ist, wiewann und unter welchen Bedingungen gemessen wurde.

Wenn Du Deinen Blutdruck morgens in Ruhe über mehrere Tage hinweg dokumentierst, erhältst Du wesentlich aussagekräftigere Informationen als durch einzelne Messungen im hektischen Alltag.

So schaffst Du eine solide Grundlage für Gespräche mit Deinem Arzt – und vermeidest unnötige Sorgen ebenso wie unnötige Veränderungen der Therapie.

Deine kleine Aufgabe für die nächsten fünf Tage

Miss Deinen Blutdruck an den nächsten fünf Morgen direkt nach dem Aufwachen.

  • Drei Messungen
  • Drei Minuten Abstand
  • Niedrigsten systolischen und diastolischen Wert notieren

Mit diesen Werten kannst Du gemeinsam mit Deinem Hausarzt deutlich fundierter über Deine Blutdruckeinstellung sprechen.

Hinweis: Dieser Artikel ersetzt keine individuelle ärztliche Beratung. Bei sehr hohen Blutdruckwerten, Beschwerden wie Brustschmerzen, Atemnot, Lähmungserscheinungen oder starken Kopfschmerzen solltest Du umgehend ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen.

FAQ

Warum ist der morgendliche Blutdruck so wichtig?

Weil er am wenigsten durch Bewegung, Stress und Alltag beeinflusst wird und den Ruheblutdruck am besten widerspiegelt.

Wie oft sollte ich meinen Blutdruck messen?

Für die Beurteilung des Ruheblutdrucks empfiehlt sich eine Messung an fünf aufeinanderfolgenden Morgen mit jeweils drei Einzelmessungen.

Warum ist der erste Messwert oft höher?

Nervosität oder Anspannung können den ersten Messwert kurzfristig erhöhen. Weitere Messungen fallen häufig etwas niedriger aus.

Soll ich nach dem Sport meinen Blutdruck kontrollieren?

Ein unmittelbar nach Belastung gemessener Wert eignet sich nicht zur Beurteilung der Blutdrucktherapie. Wichtiger ist der Ruheblutdruck.

Kann ich meine Medikamente anhand meiner Messwerte selbst verändern?

Nein. Änderungen der Behandlung sollten immer gemeinsam mit Deinem behandelnden Arzt erfolgen.

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Transkript:

Ja, heute Folge 93. Wir machen noch mal, sag ich so, ein ganz klein bisschen Wiederholung, aber auch noch mal neue Aspekte über die Tatsache, wie der Blutdruck wirklich richtig gemessen wird, und was denn der Therapiewert ist und was der Ruheblutdruckwert ist. Ich wünsche dir viel Spaß dabei.

Jetzt sind wir bei einem sehr, sehr wichtigen Thema angekommen, denn ich glaube, hier werden die meisten Fehler gemacht, und ich denke, da ist keiner davon befreit, diese Fehler auch mal selber zu machen, nämlich bei dem Blutdruckmessen. Denn das Messen des Blutdrucks hat ja unmittelbar therapeutische Konsequenzen, und diese Konsequenzen sind umso bitterer, wenn der Blutdruck eben halt falsch gemessen wird. Dann würde zum Beispiel eine Therapie möglicherweise zu gering ausfallen, oder eine Therapie würde zu stark ausfallen, und sie würde dich in jeder Hinsicht schädigen. Wenn sie zu stark ausfällt, hast du Beschwerden, weil der Blutdruck zu niedrig ist, und wenn sie zu gering ausfällt, dann nimmst du Medikamente oder machst irgendwas in deinem Leben, ohne dass es einen therapeutischen Effekt hat. Der therapeutische Effekt muss natürlich sein, dass es keine Nebenwirkungen durch den hohen Blutdruck im Bereich des Langzeitverlaufes entstehen, aber auch keine Organschäden entstehen, und das sind ja die Zielpunkte bei der Blutdrucktherapie.

Denn der erhöhte Blutdruck selber, weißt du ja schon aus eigener Erfahrung, tut ja leider nicht weh, und deswegen ist er auch bei so vielen Leuten nicht richtig behandelt, weil eben halt er nicht bekannt ist. Und um ihn bekannt zu machen, muss man ihn erst mal richtig messen. Und bei dem richtig messen, sag ich dir mal: Wenn du gerade nach Hause kommst und bist gerade von Stockwerk E auf Stockwerk 3 gestiegen und hast dabei möglicherweise noch 2 Flaschen Wasser und den Tageseinkauf in der Hand, und setzt dich hin und misst dann deinen Blutdruck, was erwartest du dann? Du erwartest erstens, dass der Puls schnell ist, weil nämlich deine Muskeln, das hatte ich dir in der vorigen Folge erzählt, mehr Durchblutung brauchten, weil sie ja viel Leistung abgeben mussten. Aber dein Körper ist auch aktiviert, und durch das Adrenalin und das Noradrenalin, was eben halt dein Körper braucht, damit du die Treppe raufsteigen kannst, ist der Blutdruck in dem Fall auch erhöht. Das bedeutet: Wenn du jetzt den Blutdruck misst, dann misst du einfach einen Blutdruck, der falsch hoch ist.

Das bedeutet auch für dich, dass jede Blutdruckmessung, die du machen musst, immer nur in vollständiger Ruhe stattfinden sollte. Das heißt, du musst hergehen und wirklich 5 bis 10 Minuten dich entspannt hinsetzen und an nichts denken und dich sozusagen in eine Ruhe hineinbringen, damit du überhaupt in der Lage bist, einen verlässlichen Blutdruck zu messen. Und dann gibt es noch das andere Problem, dass der Blutdruck tageszeitlich Schwankungen unterworfen ist. Das hatte ich dir bereits in einer der Podcast-Folgen erzählt. Und diese tageszeitlichen Schwankungen, die bestimmen natürlich auch, wann es am besten ist, deinen Blutdruck wirklich zu messen, um eine therapeutische Entscheidung bezüglich des Blutdruckes bei dir treffen zu können. Und da hat sich herausgestellt, dass der Therapieblutdruck am besten bestimmt wird bei der morgendlichen Blutdruckmessung, quasi auf der Bettkante.

Wenn du wach wirst, dann ist da der Blutdruck, wenn er erhöht ist, am höchsten, weil er nämlich da lediglich von der Gefäßweite und von der dir eigenen Blutdruckregulation abhängig ist. Weil du hast in der Nacht geschlafen und du warst ruhig, und dann haben dich ab 04:00 Uhr die Hormone geweckt, 05:00 Uhr, dann steigt sozusagen automatisch der Blutdruck an, weil der Körper dich aufwecken möchte. Und gerade in diesem Zeitpunkt, in diesem Zeitraum, wenn du also die Augen aufmachst, dann möchtest du wissen, wie hoch dein Blutdruck ist, und dein Hausarzt möchte das auch wissen. Denn dein Hausarzt möchte eine verlässliche Blutdrucktherapie machen, und deswegen ist es für dich einfach sinnvoll, deinen Ruheblutdruck zu bestimmen. Und den Ruheblutdruck bestimmen, da habe ich eine eigene Podcast-Folge gemacht, die werde ich dir eben noch mal verlinken, und da gibt es auch eine Seite bei mir, da kannst du deine Blutdruckwerte eintragen, und da wird dann für dich automatisch dein Ruheblutdruck aus insgesamt 5 aufeinanderfolgenden Morgen oder Tagen berechnet, und diesen Wert kannst du dann ausdrucken und deinem Hausarzt mitbringen.

Warum mache ich so viel Berei um den Ruheblutdruck? Der Ruheblutdruck ist der einzige Blutdruck, der verlässliche Aussagen darüber machen lässt, ob deine Gefäße durch den hohen Blutdruck, ob deine Organe durch den hohen Blutdruck, ob dein Herz durch den hohen Blutdruck und ob deine Nieren durch den hohen Blutdruck und ob dein Gehirn durch den hohen Blutdruck in irgendeiner Form negativ beeinflusst wird. Der Ruheblutdruck sagt am meisten aus über deine Prognose, und deswegen ist es sinnvoll, auch den zu behandeln und den auch in Ruhe zu messen. Wie macht man das? Du gehst her und wirst morgens wach, setzt dich auf die Bettkante, wartest 2 bis 3 Minuten, und dann misst du, wie es dein Blutdruckmessgerät anzeigt, mit einem Oberarmmessblutdruckmessgerät oder mit einem Handgelenksblutdruckmessgerät im aufrechten Sitzen in Ruhe 3 Mal im Abstand von 3 Minuten deinen Blutdruck.

Diese 3 Blutdruckwerte schreibst du dir auf, und dann nimmst du an diesem Tag den niedrigsten systolischen Wert und den niedrigsten diastolischen Wert, und den trägst du dir in die Tabelle ein. Also nicht den höchsten, sondern den niedrigsten systolischen und den niedrigsten diastolischen Blutdruckwert dieser 3 Messungen. Warum den niedrigsten? Die höchsten Blutdruckwerte werden beeinflusst durch deine Nervosität. Ja, der Blutdruck könnte hoch sein, und diese niedrigsten Blutdruckwerte, die korrelieren am besten mit der 24-Stunden-Blutdruckmessung. Das machst du an 5 aufeinanderfolgenden Tagen, und dann trägst du jeweils die niedrigsten Werte ein, und das Programm auf meiner Seite, ich verlinke es dir dann, rechnet dir dann den Mittelwert aus diesen Tagen aus, und das ist dann dein Ruheblutdruck. Und über diesen Ruheblutdruck kannst du dich dann mit deinem Hausarzt in ein therapeutisches oder diagnostisches Gespräch begeben.

Das heißt, dein Hausarzt hat dann wirklich ganz harte Parameter: Das ist der Blutdruck, den ich bei dir behandeln muss, oder das ist der Blutdruck, der so noch in Ordnung ist und wo man nichts weiter machen muss. Also: Der Ruheblutdruck an 5 aufeinanderfolgenden Tagen, gemessen und gemittelt, ist ein sicherer, guter Wert, anhand der man eine entscheidende Therapie festlegen kann. Denn zu viele Medikamente sind nicht gut, und zu wenige Medikamente auch nicht. Und natürlich hat die Industrie ein Interesse daran, möglichst viele Medikamente zu verordnen, damit möglichst viel verschrieben wird. Deswegen legt sie nicht so einen großen Wert auf die Bestimmung des Ruheblutdruckes. Aber das kannst du ja machen, und du kannst dann mit deinem Hausarzt gemeinsam entscheiden, welchen therapeutischen Bereich dein Blutdruck liegt und was dann am besten getan werden muss.

Natürlich darfst du nicht vergessen, dass die konservativen Maßnahmen, deinen Blutdruck zu senken, genauso wichtig sind oder sogar wichtiger sind als die Medikamente. Und da kannst du, wenn dein Blutdruck gerade frisch, manifest ist, auf jeden Fall erst mal drauf zugreifen. Also, ich will nur 2 oder 3 nennen, da kannst du mal durch meine Podcast-Folgen gucken, da gibt es einen Haufen. Da ist sicherlich als allererstes das Körpergewicht zu nennen, zweitens der Salzkonsum, drittens der Alkoholkonsum.

Die sollten zumindest auf jeden Fall erst mal reduziert werden oder angegangen werden, damit du schon die Chance hast, durch deine eigene Therapie deinen Blutdruck wirklich zu senken. Es stellt sich natürlich die Frage: Was haben denn dann die Blutdruckwerte, die du dann nach dem Treppensteigen misst und die dann erhöht sind, für dich für eine Folgerung? Keine.

Vergiss diese Blutdruckwerte, die du im Laufe des Tages misst, wenn sie nicht in absoluter Ruhe gemessen werden. Und die Ruhebestimmung ist absolut entscheidend für den Blutdruck. Es ist ganz normal, dass, wenn du die Treppe steigst, dich belastest oder hinter dem Auto her, hinter dem Bus her rennst oder du zum Beispiel vor dem Nachbarn Bello weglaufen musst, dann ist das einfach so, dass der Körper dann kurzfristig seinen Blutdruck erhöht und dann sinkt er auch wieder.

Guck mal, die ganzen Sportler, die eben halt hergehen und sozusagen maximale Leistungsfähigkeit innerhalb von kurzer Zeit erwerben müssen, 100-Meter-Läufer, die haben während dieser Läufe riesig hohe Blutdruckwerte. Aber sie leiden nicht darunter, weil der Blutdruck hinterher nach dieser Belastung sofort wieder absinkt. Und deswegen ist der abgesenkte Blutdruck nach der Belastung oder der morgendliche Ruheblutdruck für dich von entscheidender Bedeutung.

Dann noch eine Kleinigkeit: Wenn du deinen Blutdruck länger nach einer Belastung, so 5 bis 10 bis 15 Minuten nach einer Belastung misst, wird der niedriger sein als üblich. Oder er kann niedriger sein als üblich. Und zwar, das liegt daran, weil dein Körper durch die Belastung ja alle Muskelgefäße öffnen musste, und alle Muskelgefäße sind jetzt noch gut durchblutet, und da werden die Abbauprodukte der Muskelaktivität noch beiseite geschafft.

Das bedeutet, weil dann diese Gefäße alle weit sind, sinkt dein Blutdruck unter diese deine normale Blutdruckerhöhung, als wenn du nichts getan hättest vorher. Das bedeutet also, nach einer Belastung kann der Blutdruck deutlich niedriger sein als vor der Belastung und kann auch deutlich niedriger sein als der Ruheblutdruck. Daran siehst du auch, dass natürlich Bewegung und körperliche Belastung für die Blutdruckregulation von Vorteil ist.

Nämlich, der Körper lernt dann auch mal, die Gefäße weit zu machen und den Blutdruck zu senken. Und das kann sicherlich eine positive Wirkung auf deine langfristige Blutdruckentwicklung haben. Also: Bestimme den Ruheblutdruck.

Dann vielleicht ganz kurz und knapp: Der Therapiewert. Ja, jetzt fangen wir ein ganz heißes Eisen an. Das kann man auch eigentlich in einer Podcast-Folge gar nicht machen. Ich sage dir nur: Wenn dein Blutdruck 130 zu 80 oder 130 zu 85 nicht überschreitet, ist sicher alles in Ordnung. Wenn dein Blutdruck 145 zu 85 oder zu 95 erscheint, dann muss man davon ausgehen, dass dein Blutdruck möglicherweise erhöht ist als sonst und dass man dann leichte therapeutische Entscheidungen treffen muss.

Also, der Blutdruck ist nicht so niedrig abzusenken, wie das viele auch von Pharmafirmen gesponserten Untersuchungen verlangen und auch wie sich manche Gesellschaften sich auf das Ziel gesetzt haben, den Blutdruck zu niedrig zu senken. Das sind alles Studienergebnisse aus langfristigen Untersuchungen, die haben mit dem täglichen Leben überhaupt nichts zu tun, weil sie in einer besonderen Situation gemacht sind.

Viel entscheidender und viel genauerer wäre man, wenn man wirklich Ereignisstudien messen würde, wo man wirklich sagt, unabhängig davon, man beobachtet einfach den Blutdruck und guckt, was passiert. Aber diese Studien werden heutzutage nicht mehr finanziert. Und ich hatte dir ja in der vorletzten Folge bereits über die Finanzierung von Wissenschaft was erzählt, und das ist einfach bedauerlich, dass man nur noch Finanzierung für externe Studien im Bereich der Pharmaindustrie findet, aber nicht mehr Studien finanziert werden, die eben halt zu wirklichem Erkenntnisgewinn führen und die nicht sozusagen einen Bias haben, wo man einfach guckt, dass der Blutdruck so niedrig wie möglich sein muss.

Außerdem ist Blutdrucktherapie eine Individualtherapie, und da trifft dein Hausarzt mit dir mit Sicherheit die richtige Entscheidung. Aber er kann sie nur treffen, wenn du ihm wirklich deinen Ruheblutdruck vermittelst. Also noch mal: Es ist uninteressant, wie hoch dein Blutdruck nach einer oder unmittelbar nach einer Belastung oder einer körperlichen oder einer seelischen Belastung gemessen wird.

Wichtig ist der Blutdruck morgens auf der Bettkante, und dort wird der Ruheblutdruck an 5 aufeinanderfolgenden Tagen bestimmt. Du kannst das noch mal in den Shownotes nachsehen. Ich habe die Seiten, wo das noch mal genau beschrieben wird, und die Seite, in der du auch die Blutdruckwerte eintragen kannst und den Mittelwert errechnen kannst, in den Shownotes verlinkt.

Ich danke dir für deine Anwesenheit heute oder dein Hören dieser Folge, und ich freue mich nach wie vor, dass Hendrik immer noch meine Podcasts in so eine gute, hörbare Fassung schneidet. Also, einen schönen Tag wünsche ich dir noch.

Blutdruck messen wann, wie und wo?

Blutdruck richtig messen: Dein Leitfaden

Ich begrüße dich herzlich zu dieser Folge, in der es um die richtige Blutdruckmessung geht. Ich möchte dir zeigen, wie du Messfehler vermeidest und wirklich verlässliche Werte bekommst. Denn wie wir messen, entscheidet am Ende darüber, wie gut wir deinen Blutdruck einschätzen können.

In der letzten Folge habe ich dir erzählt, wie sich die Blutdruckmessung historisch entwickelt hat – von Riva-Rocci bis Korotkow. Heute gehen wir einen Schritt weiter: Ich erkläre dir, welcher Blutdruckwert wirklich zählt und wie du unter den richtigen Bedingungen misst.

Blutdruck ist nie gleich

Dein Blutdruck ist keine feste Zahl. Er schwankt ständig – und das ist völlig normal. Bewegung, Atmung, Anspannung oder Stress verändern ihn sofort. Deshalb ist es so wichtig, unter vergleichbaren Bedingungen zu messen.

Auch im Tagesverlauf verändert sich dein Blutdruck. Nachts ist er niedriger als am Tag. Dein Körper nutzt den Schlaf, um Herz und Gefäße zu entlasten. Eine nächtliche Senkung von etwa 10 bis 15 % ist ein gutes Zeichen.

Der nächtliche Blutdruck – warum er so wichtig ist

Dein Blutdruck in der Nacht sagt viel darüber aus, wie gut sich dein Körper wirklich erholt. Am besten lässt sich das morgens direkt nach dem Aufwachen einschätzen.

So empfehle ich dir vorzugehen:

Du setzt dich nach dem Aufwachen drei bis vier Minuten ruhig auf die Bettkante.

Dann misst du zum ersten Mal.

Nach drei Minuten misst du erneut.

Nach weiteren drei Minuten ein drittes Mal.

Der niedrigste dieser drei Werte gibt dir den besten Eindruck deines nächtlichen Ruheblutdrucks.

Ruheblutdruck messen

Was den Morgenwert beeinflusst

Auch morgens können deine Werte verfälscht sein. Wenn du dir Sorgen machst, unter Zeitdruck stehst oder schon über den Tag nachdenkst, steigt dein Blutdruck leicht an. Diese Werte sagen dann wenig über deinen tatsächlichen Zustand aus.

Deshalb ist Ruhe der wichtigste Faktor beim Messen. Wenn du entspannt bist, bekommst du Werte, mit denen dein Arzt auch wirklich arbeiten kann.

So findest du die richtige Ruhe

Bevor du misst, setz dich bequem hin. Lass Schultern, Bauch und Beine locker. Atme ruhig. Denk kurz an etwas Angenehmes oder begrüße einfach den neuen Tag. Erst dann startest du die Messung.

Wichtig ist außerdem: Miss immer im Sitzen, nicht im Liegen. Dein Oberarm sollte locker herunterhängen – so befindet sich die Manschette automatisch auf der richtigen Höhe.

Warum die Höhe deines Arms entscheidend ist

Die Manschette muss auf Herzhöhe sein. Wenn du den Arm zu hoch hältst, bekommst du zu niedrige – also falsche – Werte.

Du kannst das leicht selbst testen: Miss einmal mit angehobenem Arm und einmal mit locker hängendem Arm. Der Unterschied wird deutlich sein.

Handgelenksgeräte richtig nutzen

Wenn du ein Handgelenksgerät verwendest, lege es am rechten Handgelenk an. Dann legst du das Handgelenk quer über deine Brust, so dass deine Fingerspitzen ungefähr unter dem Schlüsselbein der anderen Seite liegen. In dieser Position ist das Gerät auf Herzhöhe.

Danach startest du die Messung und lässt den Arm anschließend wieder locker liegen.

Die wichtigsten Regeln auf einen Blick

Ich fasse dir das Wesentliche zusammen:

  • Miss in Ruhe, ohne Stress.
  • Miss immer im Sitzen, nicht im Liegen.
  • Achte darauf, dass die Manschette auf Herzhöhe ist.

Diese drei Punkte entscheiden darüber, ob deine Werte brauchbar sind oder nicht.

Warum Aufschreiben so wichtig ist

Ich empfehle dir dringend, deine Werte aufzuschreiben. Notiere Datum, Uhrzeit und den gemessenen Wert. So erkennst du Muster, und dein Arzt kann deine Situation besser beurteilen.

Außerdem sieht dein Arzt dann genau, dass du zuerst gemessen und erst danach Medikamente genommen hast – ein entscheidender Punkt.

Ein praktisches Beispiel

Stell dir vor, jemand misst seinen Blutdruck direkt nach dem Aufwachen, während er schon an Arbeit denkt. Die Werte sind leicht erhöht, und der Arzt verschreibt Medikamente.

Wenn diese Person aber drei Minuten wartet, sich entspannt und dreimal misst, sind die Werte plötzlich deutlich niedriger. Nach Rücksprache passt der Arzt die Medikamente an. Genau deshalb ist die richtige Messmethode so wichtig.

Fazit

Ich habe dir gezeigt, wie du deinen Blutdruck zuverlässig messen kannst. Ruhe, die richtige Sitzposition und die korrekte Manschettenhöhe machen den entscheidenden Unterschied.

Probier diese Schritte einfach aus und beobachte, wie sich deine Werte verändern. Wenn du Fragen hast, erreichst du mich jederzeit unter info@runtermitdemblutdruck.de.

Ich wünsche dir einen ruhigen, guten Tag – bis zur nächsten Folge.

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Transkript:

Hallo, hier ist wieder Harald Messner vom Podcast „Runter mit dem Blutdruck.“de. Ich freue mich, dass du eingeschaltet hast, und in dieser neuen Folge werde ich dir zeigen, wie man den Blutdruck am vernünftigsten misst und welche Fehler man beim Blutdruckmessen machen kann.

Zunächst einmal möchte ich aber wiederholen, was wir in der letzten Folge besprochen haben. Du hast erfahren, dass der Blutdruck schon lange bekannt ist, aber erst in den letzten Jahren oder Jahrhunderten messbar geworden ist. Dass es einen Herrn Riva-Rocci gab, der die systolische Blutdruckmessung entdeckt hat, und dass es einen Herrn Korotkov gab, der die Korotkov-Töne gefunden hat, mit denen wir nun in der Lage sind, auch den diastolischen Blutdruck zu messen. Und der systolische und der diastolische Blutdruck und die Differenz zwischen beiden sagen dir etwas über deine Elastizität der Gefäße aus. Das hast du in der letzten Folge sehr schön gelernt.

Heute gehen wir auf die spannende Frage: Welcher ist der richtige Blutdruck und wie kannst du ihn unter welchen Bedingungen am vernünftigsten messen? Viel Spaß bei der vierten Folge von „Runter mit dem Blutdruck.“de unter dem Titel „Blutdruck messen – wann, wie, wo“.

Das Thema sagt dir schon, dass es nicht ganz egal ist, wann man welchen Blutdruck unter welchen Bedingungen misst. Als allererstes möchte ich dir sagen, dass dein Blutdruck niemals eine Konstante darstellt. Du wirst immer schwankende Blutdruckwerte haben, denn diese schwankenden Blutdruckwerte entsprechen deinem Lebensrhythmus, deinem Bewegungsgefühl, deiner Atmung, deiner Belastung, deinem Stress. Und damit habe ich dir auch schon die ersten wichtigen Faktoren genannt, die deinen Blutdruck beeinflussen.

Grundsätzlich musst du wissen, dass der Blutdruck einer Tagesrhythmik unterlegen ist. Sprich, in der Nacht ist der Blutdruck niedriger und im Laufe des Tages ist der Blutdruck höher. Das ist auch logisch, dass man das von einem Körper erwarten kann, der sich nachts zur Ruhe legt, dass er seinen Blutdruck senkt und damit auch seine Gefäße und sein Herz schont. Das Herz, das ja 60 bis 70 Schläge pro Minute macht, möchte da auch, wenn du schläfst, weniger arbeiten und zur Ruhe kommen.

Das bedeutet, der Körper muss nachts, wenn du dich ins Bett legst, deinen Blutdruck senken. Man sagt so etwa, der nächtliche Blutdruck sollte 10 bis 15 % niedriger sein als der Blutdruck im Laufe des Tages. Also du musst behalten: Der Blutdruck unterliegt einer Tages-Nacht-Rhythmik und in dieser Tages-Nacht-Rhythmik ist der Blutdruck nachts niedriger und im Laufe des Tages, wenn du tätig bist oder aufgeregt bist, höher.

Wie kann man nun diesen nächtlichen Blutdruck etwa abschätzen? Wir haben uns insgesamt darauf geeinigt, dass der morgendliche Blutdruck auf der Bettkante, den du da misst, bevor du Medikamente eingenommen hast, am besten den nächtlichen Blutdruck, der während deines Schlafens da ist, widerspiegelt. Das heißt, die wichtige Aufgabe für dich ist: Du musst deinen morgendlichen Blutdruck, wenn du wach wirst und 3 bis 4 Minuten auf der Bettkante gesessen hast, messen. Im Laufe des Tages wird der Blutdruck mit Sicherheit höher sein. Du setzt dich also auf die Bettkante, wartest 3 Minuten ab und misst deinen Blutdruck. Und nach weiteren 3 Minuten misst du nochmal den Blutdruck und nach weiteren 3 Minuten nochmal den Blutdruck. Und der Blutdruckwert, der von diesen 3 Blutdruckwerten am niedrigsten ist, ist dein nächtlicher Blutdruck.

Das heißt nochmal: Dein nächtlicher Blutdruck, der ein wichtiger Marker für die Gefäßschädigung bei dir ist, der sollte morgens auf der Bettkante erfasst werden. Und dieser Bettkantenblutdruck, wenn ich ihn so nennen darf, der widerspiegelt, wie weit du dich in der Nacht mit deinem Herzen und dem Schlafen zur Ruhe legen kannst.

Was kann jedoch diesen nächtlichen oder morgendlichen Bettkantenblutdruck noch beeinflussen? Ganz einfach: Wenn du morgens aufwachst und du bist schon nervös, was der Tag so für dich bringen wird, dass du gleich irgendwas Wichtiges erledigen musst oder Angst vor einer gewissen Untersuchung oder ähnlichen Ärger hast, wird der Blutdruck automatisch höher sein. Und das ist nicht dein Blutdruck. Das bedeutet, du solltest den Blutdruck wirklich nur dann messen, wenn du körperlich und physisch und psychisch die Ruhe hast, den Blutdruck wirklich zu messen.

Die körperliche und die seelische Ruhe sind eine wichtige Voraussetzung für die Messung deines Blutdrucks. Auch die Therapieentscheidung wird man von dieser Situation abhängig machen müssen. Das heißt, wenn du immer aufgeregt bist, wenn du den Blutdruck misst, wird man niemals in der Lage sein, deinen Blutdruck wirklich richtig zu messen und damit eine therapeutische Entscheidung hinzuführen.

Du gehst also am besten her, entspannst dich am ganzen Körper, lässt deine Füße sinken, deinen Oberschenkel locker, deinen Bauch locker, deine Schultern locker und denkst an etwas Schönes oder begrüßt den Tag und dann misst du den Blutdruck. Und dann kommen Werte heraus, mit denen auch dein Arzt etwas anfangen kann.

Zusätzlich ist wichtig, wie du dort sitzt. Wichtig ist, dass du erstmal sitzt und nicht im Liegen misst und dass dein Arm, wenn du ein Oberarmmessgerät benutzt, sich wirklich am Oberarm befindet und etwa die Manschette auf Herzhöhe ist. Das ist beim Sitzen und einer Oberarmmanschette ganz einfach, denn da ist die Oberarmmanschette, wenn du den Arm runterhängen lässt, immer etwa auf der Herzhöhe. Wenn du dich aber hinlegst, kannst du diese Herzhöhe gar nicht mehr richtig bestimmen.

Warum ist das mit der Herzhöhe so wichtig? Wenn du den Oberarm z.B. beim Blutdruckmessen hochhebst, etwa dass die Manschette in Kopfhöhe ist, dann wirst du wesentlich niedrigere Blutdruckwerte messen als in der normalen Position. Und das sind falsche Blutdruckwerte. Die sind nicht mit den Blutdruckwerten, die zu einer therapeutischen Entscheidung führen können, vereinbar. Das kannst du ganz leicht testen, wenn du dich mal hinsetzt und deinen Arm hoch neben den Kopf nimmst und dann den Blutdruck misst. Du wirst sehen, der ist wesentlich niedriger als der Blutdruck, den du misst, wenn der Oberarm ganz locker an deinem Körper herunterhängt.

Das Gleiche gilt natürlich auch für die Messgeräte, die an den Handgelenken benutzt werden. Die Handgelenksmessgeräte müssen in ihrer Position immer auf der Herzhöhe sein. Diese Herzhöhenbestimmung ist nach vielen Anleitungen unter meinen Gesichtspunkten ungeeignet, um diese Herzhöhe wirklich festzustellen. Die einfachste Möglichkeit, das Handgelenk auf die Herzhöhe zu bringen, ist die: Du nimmst z.B. das rechte Handgelenk und legst das Blutdruckmessgerät am rechten Handgelenk an und lagerst dann das Handgelenk quer über der Brust so, dass deine Fingerspitzen sich unter dem Schlüsselbein auf der Gegenseite befinden und zwar in dem Loch zwischen dem Schulter und dem Schlüsselbein. Dann wirst du sehen, dass das Handgelenksmessgerät genau auf der richtigen Höhe ist. Wenn du diese Position eingenommen hast und du sitzt aufrecht, dann drückst du auf den Startknopf des Gerätes und legst den Arm wieder locker in die Position. Damit hast du immer eine gleichbleibende Position des Blutdruckmessgerätes in Bezug auf die Herzhöhe und du bekommst vergleichbare Blutdruckwerte. Und nur diese vergleichbaren Blutdruckwerte registrierst du für deinen Hausarzt.

Du hast also heute gelernt, dass die Ruhe, die Position des Körpers, die Position der Manschette ganz entscheidend sind für die Ergebnisse der Blutdruckmessung und damit auch entscheidend sind für die Wahl der Therapie oder für die Indikation zur Therapie überhaupt. Wichtig ist, dass du dies mit deinem Hausarzt besprichst und dass der mit dir bespricht, wie du die Blutdruckwerte machst und ihm dann die Blutdruckwerte auch mitteilst.

Diese Blutdruckwerte solltest du einschließlich des Zeitpunktes immer in ein Heft eintragen, damit du siehst, wie sich deine Blutdruckwerte entwickelt haben und dass der Hausarzt auch weiß, dass du die Medikamente erst nach der Blutdruckmessung eingenommen hast. Ich hoffe, ich habe dir damit die erste gute Idee geliefert, wie du deinen Blutdruck verlässlich messen kannst. Ich wünsche dir viel Spaß beim Ausprobieren.

Wenn du Fragen für mich hast, dann werde ich dir gerne bereit sein, auf info-runtermitdemblutdruck.de diese Fragen auch zu beantworten. Ich wünsche dir noch einen schönen Tag und bis bald.