Blutdruck messen wann, wie und wo?

Blutdruck richtig messen: Dein Leitfaden

Ich begrüße dich herzlich zu dieser Folge, in der es um die richtige Blutdruckmessung geht. Ich möchte dir zeigen, wie du Messfehler vermeidest und wirklich verlässliche Werte bekommst. Denn wie wir messen, entscheidet am Ende darüber, wie gut wir deinen Blutdruck einschätzen können.

In der letzten Folge habe ich dir erzählt, wie sich die Blutdruckmessung historisch entwickelt hat – von Riva-Rocci bis Korotkow. Heute gehen wir einen Schritt weiter: Ich erkläre dir, welcher Blutdruckwert wirklich zählt und wie du unter den richtigen Bedingungen misst.

Blutdruck ist nie gleich

Dein Blutdruck ist keine feste Zahl. Er schwankt ständig – und das ist völlig normal. Bewegung, Atmung, Anspannung oder Stress verändern ihn sofort. Deshalb ist es so wichtig, unter vergleichbaren Bedingungen zu messen.

Auch im Tagesverlauf verändert sich dein Blutdruck. Nachts ist er niedriger als am Tag. Dein Körper nutzt den Schlaf, um Herz und Gefäße zu entlasten. Eine nächtliche Senkung von etwa 10 bis 15 % ist ein gutes Zeichen.

Der nächtliche Blutdruck – warum er so wichtig ist

Dein Blutdruck in der Nacht sagt viel darüber aus, wie gut sich dein Körper wirklich erholt. Am besten lässt sich das morgens direkt nach dem Aufwachen einschätzen.

So empfehle ich dir vorzugehen:

Du setzt dich nach dem Aufwachen drei bis vier Minuten ruhig auf die Bettkante.

Dann misst du zum ersten Mal.

Nach drei Minuten misst du erneut.

Nach weiteren drei Minuten ein drittes Mal.

Der niedrigste dieser drei Werte gibt dir den besten Eindruck deines nächtlichen Ruheblutdrucks.

Ruheblutdruck messen

Was den Morgenwert beeinflusst

Auch morgens können deine Werte verfälscht sein. Wenn du dir Sorgen machst, unter Zeitdruck stehst oder schon über den Tag nachdenkst, steigt dein Blutdruck leicht an. Diese Werte sagen dann wenig über deinen tatsächlichen Zustand aus.

Deshalb ist Ruhe der wichtigste Faktor beim Messen. Wenn du entspannt bist, bekommst du Werte, mit denen dein Arzt auch wirklich arbeiten kann.

So findest du die richtige Ruhe

Bevor du misst, setz dich bequem hin. Lass Schultern, Bauch und Beine locker. Atme ruhig. Denk kurz an etwas Angenehmes oder begrüße einfach den neuen Tag. Erst dann startest du die Messung.

Wichtig ist außerdem: Miss immer im Sitzen, nicht im Liegen. Dein Oberarm sollte locker herunterhängen – so befindet sich die Manschette automatisch auf der richtigen Höhe.

Warum die Höhe deines Arms entscheidend ist

Die Manschette muss auf Herzhöhe sein. Wenn du den Arm zu hoch hältst, bekommst du zu niedrige – also falsche – Werte.

Du kannst das leicht selbst testen: Miss einmal mit angehobenem Arm und einmal mit locker hängendem Arm. Der Unterschied wird deutlich sein.

Handgelenksgeräte richtig nutzen

Wenn du ein Handgelenksgerät verwendest, lege es am rechten Handgelenk an. Dann legst du das Handgelenk quer über deine Brust, so dass deine Fingerspitzen ungefähr unter dem Schlüsselbein der anderen Seite liegen. In dieser Position ist das Gerät auf Herzhöhe.

Danach startest du die Messung und lässt den Arm anschließend wieder locker liegen.

Die wichtigsten Regeln auf einen Blick

Ich fasse dir das Wesentliche zusammen:

  • Miss in Ruhe, ohne Stress.
  • Miss immer im Sitzen, nicht im Liegen.
  • Achte darauf, dass die Manschette auf Herzhöhe ist.

Diese drei Punkte entscheiden darüber, ob deine Werte brauchbar sind oder nicht.

Warum Aufschreiben so wichtig ist

Ich empfehle dir dringend, deine Werte aufzuschreiben. Notiere Datum, Uhrzeit und den gemessenen Wert. So erkennst du Muster, und dein Arzt kann deine Situation besser beurteilen.

Außerdem sieht dein Arzt dann genau, dass du zuerst gemessen und erst danach Medikamente genommen hast – ein entscheidender Punkt.

Ein praktisches Beispiel

Stell dir vor, jemand misst seinen Blutdruck direkt nach dem Aufwachen, während er schon an Arbeit denkt. Die Werte sind leicht erhöht, und der Arzt verschreibt Medikamente.

Wenn diese Person aber drei Minuten wartet, sich entspannt und dreimal misst, sind die Werte plötzlich deutlich niedriger. Nach Rücksprache passt der Arzt die Medikamente an. Genau deshalb ist die richtige Messmethode so wichtig.

Fazit

Ich habe dir gezeigt, wie du deinen Blutdruck zuverlässig messen kannst. Ruhe, die richtige Sitzposition und die korrekte Manschettenhöhe machen den entscheidenden Unterschied.

Probier diese Schritte einfach aus und beobachte, wie sich deine Werte verändern. Wenn du Fragen hast, erreichst du mich jederzeit unter info@runtermitdemblutdruck.de.

Ich wünsche dir einen ruhigen, guten Tag – bis zur nächsten Folge.

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Transkript:

Hallo, hier ist wieder Harald Messner vom Podcast „Runter mit dem Blutdruck.“de. Ich freue mich, dass du eingeschaltet hast, und in dieser neuen Folge werde ich dir zeigen, wie man den Blutdruck am vernünftigsten misst und welche Fehler man beim Blutdruckmessen machen kann.

Zunächst einmal möchte ich aber wiederholen, was wir in der letzten Folge besprochen haben. Du hast erfahren, dass der Blutdruck schon lange bekannt ist, aber erst in den letzten Jahren oder Jahrhunderten messbar geworden ist. Dass es einen Herrn Riva-Rocci gab, der die systolische Blutdruckmessung entdeckt hat, und dass es einen Herrn Korotkov gab, der die Korotkov-Töne gefunden hat, mit denen wir nun in der Lage sind, auch den diastolischen Blutdruck zu messen. Und der systolische und der diastolische Blutdruck und die Differenz zwischen beiden sagen dir etwas über deine Elastizität der Gefäße aus. Das hast du in der letzten Folge sehr schön gelernt.

Heute gehen wir auf die spannende Frage: Welcher ist der richtige Blutdruck und wie kannst du ihn unter welchen Bedingungen am vernünftigsten messen? Viel Spaß bei der vierten Folge von „Runter mit dem Blutdruck.“de unter dem Titel „Blutdruck messen – wann, wie, wo“.

Das Thema sagt dir schon, dass es nicht ganz egal ist, wann man welchen Blutdruck unter welchen Bedingungen misst. Als allererstes möchte ich dir sagen, dass dein Blutdruck niemals eine Konstante darstellt. Du wirst immer schwankende Blutdruckwerte haben, denn diese schwankenden Blutdruckwerte entsprechen deinem Lebensrhythmus, deinem Bewegungsgefühl, deiner Atmung, deiner Belastung, deinem Stress. Und damit habe ich dir auch schon die ersten wichtigen Faktoren genannt, die deinen Blutdruck beeinflussen.

Grundsätzlich musst du wissen, dass der Blutdruck einer Tagesrhythmik unterlegen ist. Sprich, in der Nacht ist der Blutdruck niedriger und im Laufe des Tages ist der Blutdruck höher. Das ist auch logisch, dass man das von einem Körper erwarten kann, der sich nachts zur Ruhe legt, dass er seinen Blutdruck senkt und damit auch seine Gefäße und sein Herz schont. Das Herz, das ja 60 bis 70 Schläge pro Minute macht, möchte da auch, wenn du schläfst, weniger arbeiten und zur Ruhe kommen.

Das bedeutet, der Körper muss nachts, wenn du dich ins Bett legst, deinen Blutdruck senken. Man sagt so etwa, der nächtliche Blutdruck sollte 10 bis 15 % niedriger sein als der Blutdruck im Laufe des Tages. Also du musst behalten: Der Blutdruck unterliegt einer Tages-Nacht-Rhythmik und in dieser Tages-Nacht-Rhythmik ist der Blutdruck nachts niedriger und im Laufe des Tages, wenn du tätig bist oder aufgeregt bist, höher.

Wie kann man nun diesen nächtlichen Blutdruck etwa abschätzen? Wir haben uns insgesamt darauf geeinigt, dass der morgendliche Blutdruck auf der Bettkante, den du da misst, bevor du Medikamente eingenommen hast, am besten den nächtlichen Blutdruck, der während deines Schlafens da ist, widerspiegelt. Das heißt, die wichtige Aufgabe für dich ist: Du musst deinen morgendlichen Blutdruck, wenn du wach wirst und 3 bis 4 Minuten auf der Bettkante gesessen hast, messen. Im Laufe des Tages wird der Blutdruck mit Sicherheit höher sein. Du setzt dich also auf die Bettkante, wartest 3 Minuten ab und misst deinen Blutdruck. Und nach weiteren 3 Minuten misst du nochmal den Blutdruck und nach weiteren 3 Minuten nochmal den Blutdruck. Und der Blutdruckwert, der von diesen 3 Blutdruckwerten am niedrigsten ist, ist dein nächtlicher Blutdruck.

Das heißt nochmal: Dein nächtlicher Blutdruck, der ein wichtiger Marker für die Gefäßschädigung bei dir ist, der sollte morgens auf der Bettkante erfasst werden. Und dieser Bettkantenblutdruck, wenn ich ihn so nennen darf, der widerspiegelt, wie weit du dich in der Nacht mit deinem Herzen und dem Schlafen zur Ruhe legen kannst.

Was kann jedoch diesen nächtlichen oder morgendlichen Bettkantenblutdruck noch beeinflussen? Ganz einfach: Wenn du morgens aufwachst und du bist schon nervös, was der Tag so für dich bringen wird, dass du gleich irgendwas Wichtiges erledigen musst oder Angst vor einer gewissen Untersuchung oder ähnlichen Ärger hast, wird der Blutdruck automatisch höher sein. Und das ist nicht dein Blutdruck. Das bedeutet, du solltest den Blutdruck wirklich nur dann messen, wenn du körperlich und physisch und psychisch die Ruhe hast, den Blutdruck wirklich zu messen.

Die körperliche und die seelische Ruhe sind eine wichtige Voraussetzung für die Messung deines Blutdrucks. Auch die Therapieentscheidung wird man von dieser Situation abhängig machen müssen. Das heißt, wenn du immer aufgeregt bist, wenn du den Blutdruck misst, wird man niemals in der Lage sein, deinen Blutdruck wirklich richtig zu messen und damit eine therapeutische Entscheidung hinzuführen.

Du gehst also am besten her, entspannst dich am ganzen Körper, lässt deine Füße sinken, deinen Oberschenkel locker, deinen Bauch locker, deine Schultern locker und denkst an etwas Schönes oder begrüßt den Tag und dann misst du den Blutdruck. Und dann kommen Werte heraus, mit denen auch dein Arzt etwas anfangen kann.

Zusätzlich ist wichtig, wie du dort sitzt. Wichtig ist, dass du erstmal sitzt und nicht im Liegen misst und dass dein Arm, wenn du ein Oberarmmessgerät benutzt, sich wirklich am Oberarm befindet und etwa die Manschette auf Herzhöhe ist. Das ist beim Sitzen und einer Oberarmmanschette ganz einfach, denn da ist die Oberarmmanschette, wenn du den Arm runterhängen lässt, immer etwa auf der Herzhöhe. Wenn du dich aber hinlegst, kannst du diese Herzhöhe gar nicht mehr richtig bestimmen.

Warum ist das mit der Herzhöhe so wichtig? Wenn du den Oberarm z.B. beim Blutdruckmessen hochhebst, etwa dass die Manschette in Kopfhöhe ist, dann wirst du wesentlich niedrigere Blutdruckwerte messen als in der normalen Position. Und das sind falsche Blutdruckwerte. Die sind nicht mit den Blutdruckwerten, die zu einer therapeutischen Entscheidung führen können, vereinbar. Das kannst du ganz leicht testen, wenn du dich mal hinsetzt und deinen Arm hoch neben den Kopf nimmst und dann den Blutdruck misst. Du wirst sehen, der ist wesentlich niedriger als der Blutdruck, den du misst, wenn der Oberarm ganz locker an deinem Körper herunterhängt.

Das Gleiche gilt natürlich auch für die Messgeräte, die an den Handgelenken benutzt werden. Die Handgelenksmessgeräte müssen in ihrer Position immer auf der Herzhöhe sein. Diese Herzhöhenbestimmung ist nach vielen Anleitungen unter meinen Gesichtspunkten ungeeignet, um diese Herzhöhe wirklich festzustellen. Die einfachste Möglichkeit, das Handgelenk auf die Herzhöhe zu bringen, ist die: Du nimmst z.B. das rechte Handgelenk und legst das Blutdruckmessgerät am rechten Handgelenk an und lagerst dann das Handgelenk quer über der Brust so, dass deine Fingerspitzen sich unter dem Schlüsselbein auf der Gegenseite befinden und zwar in dem Loch zwischen dem Schulter und dem Schlüsselbein. Dann wirst du sehen, dass das Handgelenksmessgerät genau auf der richtigen Höhe ist. Wenn du diese Position eingenommen hast und du sitzt aufrecht, dann drückst du auf den Startknopf des Gerätes und legst den Arm wieder locker in die Position. Damit hast du immer eine gleichbleibende Position des Blutdruckmessgerätes in Bezug auf die Herzhöhe und du bekommst vergleichbare Blutdruckwerte. Und nur diese vergleichbaren Blutdruckwerte registrierst du für deinen Hausarzt.

Du hast also heute gelernt, dass die Ruhe, die Position des Körpers, die Position der Manschette ganz entscheidend sind für die Ergebnisse der Blutdruckmessung und damit auch entscheidend sind für die Wahl der Therapie oder für die Indikation zur Therapie überhaupt. Wichtig ist, dass du dies mit deinem Hausarzt besprichst und dass der mit dir bespricht, wie du die Blutdruckwerte machst und ihm dann die Blutdruckwerte auch mitteilst.

Diese Blutdruckwerte solltest du einschließlich des Zeitpunktes immer in ein Heft eintragen, damit du siehst, wie sich deine Blutdruckwerte entwickelt haben und dass der Hausarzt auch weiß, dass du die Medikamente erst nach der Blutdruckmessung eingenommen hast. Ich hoffe, ich habe dir damit die erste gute Idee geliefert, wie du deinen Blutdruck verlässlich messen kannst. Ich wünsche dir viel Spaß beim Ausprobieren.

Wenn du Fragen für mich hast, dann werde ich dir gerne bereit sein, auf info-runtermitdemblutdruck.de diese Fragen auch zu beantworten. Ich wünsche dir noch einen schönen Tag und bis bald.

Blutdruckmessung früher und heute

Die faszinierende Geschichte der Blutdruckmessung

Du wirst nun auf eine Reise in die Vergangenheit mitgenommen. Du blickst zurück auf die Entwicklung des medizinischen Verständnisses von Blutkreislauf und Blutdruck. Dabei stellt sich die grundlegende Frage: Wann begriff der Mensch überhaupt, dass Blut in einem Kreislauf fließt? Und ab welchem Zeitpunkt wurde ein Zusammenhang zwischen erhöhtem Blutdruck und Krankheit erkannt? Diese beiden Leitfragen ziehen sich durch die gesamte historische Entwicklung.

All das erfährst du in dieser Podcastfolge!

Frühe Beobachtungen: Die Entdeckung des Zusammenhangs

Bereits vor etwa 4000 Jahren machte der chinesische Gelehrte Huang Ti bemerkenswerte Beobachtungen. Er stellte einen Zusammenhang her zwischen der Qualität des Pulses, Übergewicht, Salzkonsum und dem Risiko eines Schlaganfalls. Seine Methode war schlicht, aber präzise: Er tastete den Puls am Handgelenk seiner Patienten.

Dabei fiel ihm auf, dass ein harter, schwer komprimierbarer Puls besonders häufig bei übergewichtigen Menschen vorkam, die viel Salz zu sich nahmen. Genau diese Personen erlitten später häufiger Schlaganfälle. Schon in dieser frühen Phase der Medizin erkannte man also, dass Lebensgewohnheiten mit gesundheitlichen Risiken verknüpft sind.

Etwa 2000 Jahre später beschrieb Galen im europäischen Raum erstmals den sogenannten „Pulsus Durus“ – den „harten Puls“. Auch er verband diesen Befund mit einer ungünstigen Prognose. Obwohl die physiologischen Mechanismen noch unbekannt waren, legten diese Beobachtungen den ersten Grundstein für das spätere Verständnis von Bluthochdruck.

Der Kreislauf des Blutes: Eine bahnbrechende Entdeckung

Erst 1628 kam es zu einem entscheidenden Durchbruch. William Harvey erkannte, dass das Herz als Pumpe fungiert und das Blut in einem geschlossenen Kreislauf zirkuliert. Er zeigte, dass Blut vom Herzen durch den Körper strömt, zurückkehrt und über die Lunge geleitet wird.

Diese Erkenntnis widersprach der damaligen Lehrmeinung, nach der Blut im Körper „verbraucht“ werde. Harveys Entdeckung veränderte die Medizin grundlegend. Sie schuf erst die Grundlage dafür, über Druckverhältnisse in den Gefäßen nachzudenken – und damit über Blutdruck im modernen Sinne.

Ohne dieses Verständnis des Kreislaufs wäre eine gezielte Blutdruckmessung niemals möglich gewesen. Die gesamte moderne Kardiologie baut auf dieser Einsicht auf.

Die ersten Messungen: Von Pferden zu Menschen

Die erste tatsächliche Blutdruckmessung erfolgte 1733 durch Stephen Hales. Er führte eine direkte, invasive Messung an einem Pferd durch, indem er eine Glasnadel in die Halsschlagader einführte und das Blut in einen senkrechten Schlauch steigen ließ. Die Höhe der Blutsäule entsprach dem Blutdruck.

Hales 1671-1761

Eine historische Abbildung der ersten blutigen Blutdrucmessung beim Pferd 1733

Obwohl diese Methode wissenschaftlich wegweisend war, war sie für den Menschen ungeeignet. Damit wurde klar: Es musste eine nicht-invasive Messmethode entwickelt werden.

Ende des 18. Jahrhunderts entstand schließlich das Quecksilbermanometer, das Druck über die Höhe einer Quecksilbersäule sichtbar machte. Damit rückte eine praktikable Blutdruckmessung erstmals in greifbare Nähe.

Die Oberarmmanschette: Ein Meilenstein

1896 entwickelte Scipione Riva-Rocci die heute noch bekannte Oberarmmanschette. Sie wurde um den Oberarm gelegt und aufgepumpt, bis der Puls am Handgelenk nicht mehr tastbar war. Über ein Quecksilbermanometer konnte der Druck abgelesen werden.

Beim langsamen Ablassen der Luft wurde der Wert registriert, bei dem der Puls wieder fühlbar war – der systolische Blutdruck. Obwohl Riva-Rocci nur diesen oberen Wert bestimmen konnte, ist sein Name bis heute präsent: „RR“ steht für Riva-Rocci.

Seine Methode machte die Blutdruckmessung erstmals wiederholbar, vergleichbar und klinisch nutzbar. Damit begann die routinemäßige Blutdruckkontrolle in der Medizin.

Korotkow-Töne: Die komplette Blutdruckmessung

Der entscheidende nächste Schritt gelang Nikolai Korotkow. Er nutzte ein Stethoskop in der Ellenbeuge während der Messung mit der Manschette.

Beim Ablassen der Luft hörte er erstmals Klopfgeräusche – die später nach ihm benannten Korotkow-Töne. Der Moment ihres Auftretens markierte den systolischen Wert. Das Verschwinden dieser Töne entsprach dem diastolischen Blutdruck.

Damit war es erstmals möglich, beide Blutdruckwerte präzise zu bestimmen. Die Messung nach Korotkow bildet bis heute die Grundlage der klassischen auskultatorischen Blutdruckmessung.

Moderne Messverfahren: Präzision und Komfort

Heute stehen dir mehrere Messmethoden zur Verfügung:

1) Palpatorische Methode nach Riva-Rocci

Du pumpst die Manschette auf und tastest den Puls. Der systolische Wert wird abgelesen, sobald der Puls wieder fühlbar ist.

2) Auskultatorische Methode mit Stethoskop

Du hörst mit dem Stethoskop die Korotkow-Töne ab. Beginn der Töne = systolisch, Ende der Töne = diastolisch. Diese Methode gilt als besonders präzise.

3) Oszillometrische Messung mit automatischen Geräten

Moderne Blutdruckmessgeräte erfassen die Pulswellen in der Manschette und berechnen beide Werte per Algorithmus. Sie sind benutzerfreundlich und ideal für die Heimmessung.

Jede Methode hat ihren Platz: Die auskultatorische Messung wird häufig in der ärztlichen Praxis verwendet, während automatische Geräte die regelmäßige Selbstkontrolle erleichtern.

Warum die Blutdruckmessung so wichtig ist

Erst seit wenigen Jahrhunderten ist der Blutkreislauf wissenschaftlich verstanden, und erst seit gut 100 Jahren ist eine zuverlässige Blutdruckmessung möglich. Davor konnte man den Blutdruck nur indirekt über den Puls abschätzen.

Gleichzeitig zeigt die Geschichte, dass der Zusammenhang zwischen Pulsqualität und Krankheit bereits vor Jahrtausenden erkannt wurde. Die Entwicklung von der einfachen Pulstastung bis zu modernen Messgeräten verdeutlicht den enormen medizinischen Fortschritt.

Eine zuverlässige Blutdruckmessung ist heute ein zentrales Instrument zur Prävention und Behandlung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Ein gut eingestellter Blutdruck ist eine wesentliche Voraussetzung für langfristige Gesundheit.

Fazit

Von Huang Tis frühen Beobachtungen über Harveys Entdeckung des Blutkreislaufs bis hin zu Riva-Roccis Manschette und Korotkows Stethoskop-Methode hat sich das Verständnis des Blutdrucks Schritt für Schritt entwickelt. Moderne automatische Geräte ermöglichen dir heute präzise, einfache und regelmäßige Messungen.

In der nächsten Folge erfährst du, wie du die verschiedenen Messmethoden sinnvoll und korrekt bei dir selbst anwenden kannst. Bleib dabei – und entdecke, wie du deinen Blutdruck zuverlässig im Blick behältst.

Viel Spaß beim Zuhören! Und wie immer: bei Fragen: info(at)runtermitdemblutdruck.de

Wenn dir die Folge gefallen hat, dann kannst du mir eine Freude machen!
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Vielleicht möchtest Du den Podcast dort auch abonnieren, um keine Folge mehr zu verpassen.

Transkript:

Hallo, hier ist wieder Harald Messner mit dem Podcast „Runter mit dem Blutdruck“. Schön, dass du dich auch bei der dritten Folge des Podcasts eingeschaltet hast.

Du wirst dich sicher erinnern, in der zweiten Folge hatten wir besprochen, was im Körper den Blutdruck reguliert. Wir haben gemerkt, dass die Weite der Gefäße den Blutdruck viel, viel mehr reguliert als die Schlagkraft des Herzens.

Die Schlussfolgerung für uns und für dich war ganz wichtig, dass das Herz nicht die Ursache des hohen Blutdruckes ist, sondern eher unter dem hohen Gefäßwiderstand leidet. Und das führt dazu, dass es Herzerkrankungen gibt und das ist auch ein wichtiger Grund, warum wir versuchen sollten, deinen Blutdruck so gut wie möglich einzustellen.

Heute habe ich sicher ein paar spannende Themen ausgepackt, und zwar eher so historische Themen, die uns darauf hinweisen, wie spät oder wie früh die Menschen auf die Idee gekommen sind, dass es überhaupt einen Kreislauf im Körper gibt.

Heute wollen wir einen Ausblick oder besser einen Rückblick in die Vergangenheit wagen, und ich will dir erzählen, wann zum ersten Mal eine Verbindung zwischen einem möglichen hohen Blutdruck und einer krankmachenden Situation entdeckt wurde.

Vor 4000 Jahren beschreibt der Chinese Huang Ti, dass es eine Verbindung gibt mit der Höhe der Pulsqualität, dem Übergewicht, dem Salzkonsum und der Folge daran, an einem Schlaganfall zu erleiden. Was hat Huang Ti gemacht? Er hat einfach nur den Puls an seiner Hand gefühlt und an der Hand der Patientin gefühlt und hat festgestellt, wenn der Puls sehr hart ist und schwer unterdrückbar ist, dass das häufig Patienten sind, die ein Übergewicht haben, die eine Menge Salz zu sich nehmen und in deren weiterem Lebenslauf offensichtlich gehäuft Schlaganfälle vorkommen.

Vor 2000 Jahren hat dann Galen auch zum ersten Mal in der Literatur im europäischen Sprachraum den sogenannten Pulsus Durus beschrieben. Das nennt sich nichts anderes als der harte Puls, und auch da war die Assoziation offensichtlich, dass dieser Pulsus Durus mit einer schlechten Prognose für das Überleben des Patienten verbunden ist.

Und dann hat es ewig lange gedauert, bis im Jahr 1628, bis man dann entdeckte, dass das Herz im Prinzip eine Pumpe ist und dass diese Pumpe einen Kreislauf aufrechterhält und dass das Blut im Körper kreist und wieder zum Herzen zurückfließt, über die Lungen fließt. All das hat William Harvey im Jahre 1628 entdeckt, also noch gar nicht so lange her.

Und die erste wirkliche Blutdruckmessung, die ist beschrieben im Jahre 1733. Da hat nämlich Stephen Hales oder Stephen Hales, er kam aus England, eine blutige Blutdruckmessung beim Pferd durchgeführt. Er hat das Pferd hingelegt und hat dann in die Halsschlagader des Pferdes eine dünne Glasnadel eingefüllt und dann einen Schlauch damit verbunden und den Schlauch senkrecht nach oben gehoben und hat dann ablesen können, an der Höhe, wie hoch das Blut durch den Druck in dem Schlauch nach oben ging, wie hoch der Blutdruck war. Das war für die regelmäßige Blutdruckmessung auch beim Menschen überhaupt nicht zu gebrauchen, und es hat gedauert bis Ende des 18. Jahrhunderts, wo man dann das Quecksilbermanometer eingeführt hat.

Das Quecksilbermanometer ist ein ganz einfaches Prinzip. Da wird der Druck, der in einer Flüssigkeit oder in der Luft herrscht, gemessen gegen eine Quecksilbersäule. Die Quecksilbersäule stellt das Gegengewicht gegen den Druck dar, und je nachdem, wie hoch die Quecksilbersäule nach oben getrieben wird, so riss dann auch der Druck in dem entsprechenden Bereich, der gemessen wird.

Und noch viel später, 1896, also kurz vor 1900, hat dann Scipione Rivarocci die Oberarmmanschette entdeckt. Denn er ist hergegangen und hat einfach eine Manschette genommen und die um den Oberarm gelegt. Diese Manschette enthielt quasi einen luftdichten Raum, den er aufblasen konnte, und dieser luftdichte Raum, den er aufblies, der wurde dazu aufgeblasen, bis der Puls in der Hand nicht mehr tastbar war. Und er hat dann diese Manschette mit einem Quecksilbermanometer verbunden, und er konnte dann sozusagen den Blutdruck darüber messen.

Und zwar ist er hergegangen, hat dann den Puls oder die Manschette so weit aufgeblasen, bis er an der Hand keinen Puls mehr tasten konnte und hat dann langsam die Luft aus der Manschette herausgelassen. Und zu dem Zeitpunkt, wo er dann wieder einen Puls tasten konnte, hat er dann den Blutdruck abgelesen. Und wie du dir sicher vorstellen kannst, hat er den systolischen Blutdruck abgelesen, nämlich den Blutdruck, der dann entsteht, wenn das Herz mit der Pulswelle, die sich gerade zusammengezogen hat und die Pulswelle erzeugt hat. Das bedeutet, Scipione Rivarocci hat nur die systolische Blutdruckmessung vollziehen können.

Obwohl Rivarocci nur den systolischen Blutdruck messen konnte, ist sozusagen seine Namensgebung heutzutage auf jeder Blutdruckregistrierung zu sehen. Die Ärzte schreiben dann immer „RR“ hin, und „RR“ bedeutet Blutdruck, und diese „RR“ stehen für Rivarocci. Der Blutdruck wurde auch bei Scipione Rivarocci schon mit dem Quecksilbermanometer gemessen, sodass die Blutdruckwerte, die er systolisch registriert hatte, die systolischen Blutdruckwerte, die wir heute auch mit einer normalen Blutdruckmanschette messen können.

Nikolai Korotkow ist auf die Idee gekommen, ein Stethoskop zur Blutdruckmessung zur Hilfe zu nehmen. Und zwar hat er das Stethoskop auf die Ellenbogen gelegt und die Manschette so weit aufgeblasen, bis er keinen Puls mehr in der Schlagader am Handgelenk tasten konnte. Dann hat er langsam die Luft aus der Manschette abgelassen und konnte genauso wie Rivarocci dann mit dem Puls wieder den systolischen Blutdruck messen. Er hat aber dabei bemerkt, zu dem Zeitpunkt, wo er den systolischen Blutdruck gemessen hat, fing ein Klopfen im Stethoskop an, und das Klopfen hielt so lange an, bis es plötzlich verschwand. Und dieser zweite Blutdruck, wo das Klopfen im Arm plötzlich verschwindet, das entspricht dem sogenannten diastolischen Blutdruck.

Eigentlich messen wir heute also nicht nach Rivarocci den Blutdruck, sondern nach Nikolai Korotkow. Und der feine Unterschied dabei ist, wir können sozusagen jetzt hergehen, zwischen dem oberen und dem unteren Blutdruck unterscheiden und auch da viele neue Erkenntnisse über die Gefäße herausgewinnen.

Du siehst also, die Blutdruckmessung ist noch gar nicht so lange vorhanden. Man konnte das früher schätzen, und viel, viel entscheidender ist, dass wir sehr spät, wir Menschen, erst darauf gekommen sind, dass das Blut sich in einem Kreislauf bewegt und nicht irgendwo im Körper verloren geht, wie das viele Jahre bis 1628 eigentlich die Menschen dachten.

Nochmal: Blutdruck wird also durch den Begriff Rivarocci, der hat die Manschette erfunden, und wir nutzen heutzutage die Korotkow-Töne, um den systolischen und den diastolischen Blutdruck zu messen. Wir haben im Prinzip drei verschiedene Blutdruckmessungen. Die einfachste ist die palpatorische nach Rivarocci. Das heißt, die Manschette wird aufgeblasen, die Luft wird abgelassen, und zu dem Zeitpunkt, wo der systolische Blutdruck den Manschettendruck übersteigt, kannst du den systolischen Blutdruck auf der Skala der Quecksilbersäule oder dem Manometer ablesen. Die zweite Möglichkeit ist die auskultatorische. Du gehst also her und legst ein Stethoskop auf den Ellenbogen, und du bist in der Lage, dann den systolischen Blutdruck zum Zeitpunkt Beginn der Korotkow-Töne und den diastolischen Blutdruck zum Zeitpunkt des Endes der Korotkow-Töne abhören. Und die neuesten Messmethoden sind die, die mit den automatischen Geräten gemacht werden. Das sind sogenannte oszillometrische Messmethoden. Im Prinzip geht dieses Gerät her und nimmt den kräftigsten Puls wahr, und der Unterschied zwischen dem oberen und dem unteren Blutdruck wird damit im Prinzip über einen Rechenweg sehr verlässlich gemessen.

Was habe ich dir erzählt? Blutdruck ist erst sehr spät entdeckt worden. Herz und Kreislauf sind spät entdeckt worden. Die Notwendigkeit der Blutdruckmessung wurde schon sicher früh erkannt, weil die Erkrankungsassoziation schon vor 4000 Jahren bei den Chinesen bekannt war, und ich habe dir die verschiedenen Messverfahren erklärt.

In der nächsten Folge werde ich mit dir besprechen, wie man sinnvoll und einfach die einzelnen Messmethoden bei sich selber durchführen kann. Ich freue mich, dass du eingeschaltet hast, und ich wünsche dir noch einen schönen Tag. Bis dann, tschüss.