Dein Blutdruck – die Wahrheit über „normal“

Was ist denn jetzt nun der normale Blutdruck?

Die Diskussion um Blutdruck-Normwerte ist seit der Einführung neuer, deutlich niedrigerer Leitlinien besonders intensiv. Ich nehme dich mit auf eine sachliche Reise durch aktuelle Studien und Leitlinien und zeige auf, weshalb ein zu stark gesenkter Blutdruck nicht automatisch mit mehr Sicherheit verbunden ist. Dabei wird deutlich, dass niedrigere Werte auch unerwartete Risiken bergen können und dass der Blick auf den einzelnen Menschen entscheidend bleibt.

Kapitelübersicht

00:00 Blutdruck-Normwerte: Amerikanische Leitlinien

Praxisblutdruck:

KategorieSystolisch (mmHg)Diastolisch (mmHg)
Normal< 120< 80
Erhöht („Elevated“)120–129< 80
Hypertonie Stadium 1130–13980–89
Hypertonie Stadium 2≥ 140≥ 90

Therapieziel für nahezu alle Risikogruppen: < 130/80 mmHg

Ich erläutere die aktuellen amerikanischen Leitlinien und ordne ein, welche Veränderungen sie für die Definition von „normalem“ Blutdruck mit sich bringen.

03:00 Gefahren zu niedriger Blutdruckwerte

Ich zeige auf, welche Risiken mit sehr niedrigen Blutdruckwerten verbunden sein können und warum diese Aspekte in der öffentlichen Diskussion oft zu wenig Beachtung finden.

07:07 Individueller Zielblutdruck und Messung

Ich verdeutliche, weshalb der Zielblutdruck immer individuell festgelegt werden sollte und welche Rolle eine korrekte und kontextbezogene Messung dabei spielt.

10:09 Bedeutung der Versorgungsforschung

Ich stelle dar, warum Ergebnisse aus der Versorgungsforschung für die tägliche medizinische Praxis unverzichtbar sind und wie sie helfen, Therapieziele realistisch und patientenorientiert zu definieren.

Zentrale Zitate

„Wir leben hier nicht auf dieser Welt, um irgendwelche Normwerte zu erzielen, sondern wir wollen, dass unser Blutdruck möglichst normal ist und wir wollen ein möglichst langes Leben erzielen.“ – Dr. Harald Messner

„Das heißt, je niedriger dein Blutdruck in der Systole ist, kleiner 114 in dieser Gruppe, desto höher ist deine Wahrscheinlichkeit zu sterben.“ – Dr. Harald Messner

„Dein Hausarzt kennt deine Gefäße, kennt deine Situation und kennt deine Lebensführung. Deswegen ist ein Therapieziel von 130 zu 85 oder maximal 135 zu 85 in vielen Fällen sinnvoll.“ – Dr. Harald Messner

Hintergrund zur Geschichte

Die amerikanischen Leitlinien haben die Schwelle für einen als „normal“ geltenden Blutdruck deutlich abgesenkt. Dadurch werden erheblich mehr Menschen als hyperton eingestuft. Ich erläutere, weshalb diese strengen Grenzwerte nicht automatisch im besten Interesse jedes Patienten liegen. Anhand einer Studie zeige ich einen unerwarteten Zusammenhang zwischen einem sehr niedrigen systolischen Blutdruck und einer erhöhten Sterblichkeit bei normotensiven Menschen auf. Diese Ergebnisse stellen die weit verbreitete Annahme infrage, dass ein möglichst niedriger Blutdruck grundsätzlich mit einem besseren gesundheitlichen Ausgang verbunden ist, und unterstreichen die Bedeutung individueller Therapieentscheidungen.

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Transkript:

Ja, immer wieder höre und sehe ich Diskussionen über, wow, ist das jetzt nun mein normaler Blutdruck oder ist der nicht normal, was muss er jetzt tun? Und jetzt sind diese amerikanischen Leitlinien so weit runtergegangen, dass sogar ein Blutdruck systolisch über 120 offensichtlich ein Problem darstellt. Ja, ich will dich mal aufklären, viel Spaß dabei.

Oder ich will dir besser mal meine Meinung zu dem Thema sagen. Erstens, wir leben hier nicht auf dieser Welt, um irgendwelche Normwerte zu erzielen, sondern wir wollen, dass unser Blutdruck möglichst normal ist und wir wollen ein möglichst langes Leben erzielen. Und das ist unser Ziel. Aber wir wollen aber auch ein beschwerdefreies Leben erzielen. Wir wollen bei allen therapeutischen Gesichtspunkten, die man so hat, natürlich auch kein erhöhtes Risiko eingehen, indem man zum Beispiel einen Wert sehr niedrig macht oder einen Wert sehr hoch lässt oder einen Wert niedrig macht und damit sozusagen negative Effekte zum Beispiel von Medikamenten oder anderen Therapien einzugehen. Also wir wollen hier einen Risikofaktor behandeln, wenn der Blutdruck nicht extrem hoch ist und extrem hoch, würde ich jetzt mal ansagen, ist auf die Dauer Ein Blutdruck über 140 zu 95, wenn der morgens bei dir auf der Bettkante gemessen wird, dann muss man darüber nachdenken, irgendetwas zu tun. Und jetzt kommen wir mal zu den niedrigen Blutdruckwerten.

Und zwar die amerikanischen Leitlinien haben jetzt gesagt, und damit sind ganz, ganz viele Menschen plötzlich zu Hypertonikern geworden, dass ein normaler Blutdruck unter 120 zu 80 sein soll und dass ein erhöhter Blutdruck bereits bei 120 bis 129 mm Hg systolisch und bei einem Blutdruck größer gleich 80 mm Hg ist. Oh, Stein, vor allem kleine 80 mm Hg. Das heißt also, wenn du einen Blutdruck von 125 zu 75 hast, dann hast du nach den amerikanischen Leitlinien schon einen erhöhten Blutdruck. Damit werden ein Haufen von Amerikanern plötzlich zu Hypertonikern. Das wird vor allen Dingen die Pharmaindustrie interessieren. Und das bedeutet für dich und für die Pharmaindustrie, wow, essentiell bin ich gesund, wenn ich 120 zu 75 habe und ich muss jetzt bald Medikamente nehmen. Und da freut sich die Pharmaindustrie.

Aber jetzt wollen wir mal die Kirche im Dorf lassen. Diese Normwerte sind nahezu meines Erachtens nicht vernünftig zu interpretieren und auch gar nicht zu vertreten. Denn es gibt eine sehr schöne Untersuchung. Die haben sich nämlich mal die Aufgabe gemacht, die Menschen, die nach den alten Leitlinien Normwert Blutdruckwerte, Menschen waren das nämlich alle die, die kleiner 140 zu 90 Blutdruck hatten. Und da haben sie insgesamt, lass mich schauen, in der englischen Biobank

Menschen insgesamt gefunden, die eben halt nicht hypertone waren, also die einen dauerhaften Blutdruck kleiner 140 zu 90 mm AG haben. Und die haben sie dann untersucht und haben sie über 13,7 Jahre nachverfolgt und in dieser Zeit gab es 2553 Todesfälle. Und jetzt findet man ja einen linearen Zusammenhang zwischen dem diastolischen Blutdruck und der Mortalität. Das bedeutet, je höher der diastolische Blutdruck war in dieser Gruppe der noch Normotensiven, desto größer war deren Chance an der Gruppe der 2553 Toten beteiligt gewesen zu sein. Aber in Bezug auf den systolischen Blutdruck gab es eine ganz andere Nachricht, und zwar die, die den niedrigsten systolischen Blutdruckwert hatten. Und das war die Gruppe, die einen systolischen Blutdruck dauerhaft unter 114 hatten, war mit einer 16-prozentig höheren Wahrscheinlichkeit zu versterben gekennzeichnet. Das heißt, je niedriger dein Blutdruck in der systole ist, kleiner 114 in dieser Gruppe, desto höher ist deine Wahrscheinlichkeit zu sterben. Und wenn der Blutdruck in dieser systolische Blutdruck in dieser Gruppe größer 120 zu 126 war, dann war bei den Normotensiven auch da die Wahrscheinlichkeit, dass sie versterben auch etwas höher.

Was bedeutet das für diese Normwertdiskussion um den systolischen Blutdruck? Da sage ich mal ganz die Kirche im Dorf lassen. Und zwar muss man sagen, dass offensichtlich Blutdruckwerte bis 135 zu 185 Normwert Blutdruckwerte gemessen sind, wenn sie Plaque Praxis Blutdruckwerte sind. Das heißt also, wenn du in deinen Hausarzt gehst und dort deinen Blutdruck messen lässt, dann ist das einfach ein Praxisblutdruck Und der sollte 135 zu 85 nicht überschreiten. Und dann gibt es hier eine Situation, wo das vergleichbar ist, nämlich auch bei der Langzeitblutdruckmessung sagt man, dass der Tagesblutdruck nicht über 135 zu 85 sein sollte, und zwar der mittlere Tagesblutdruck und nicht kleiner 120 zu 80 und deswegen bitte lasst eure Blutdruckwerte nicht zu niedrig senken, denn dann nehmen die Nebenwirkungen zu.

Und es gibt noch eine sehr schöne Studie, die zwar bei Diabetikern gemacht worden ist, und zwar ging es dabei um die Anwendung des Medikamentes Irbisatan und dabei hat man festgestellt, dass diese Gruppe derer, die durch das Irbisartan mit einem sehr niedrigen Blutdruck behaftet waren, eine höhere Mortalität hatten. Diese hatten aber auch das mal auch ganz klar sagen, mehr Beschwerden unter der Blutdrucksenkung. Deswegen kommen wir zu dem Du darfst mit deinem Hausarzt zusammen deinen Zielblutdruck festlegen. Das ist der Blutdruck, bei dem du keine Beschwerden hast, der am besten im Bereich von 135 zu 85 und tiefer liegt, aber der sicherlich nicht unter 120 zu 80 sein wollen, denn wir wollen ja nicht sozusagen, dass die Pharmaindustrie unnötiges Geld verdient für Situationen, die einfach deine Prognose nicht beeinflussen oder sogar deine Prognose verschlechtern.

Ich wiederhole es noch Deine Blutdrucktherapie darfst du mit deinem Hausarzt festlegen unter den Kriterien, die du mit deinem Hausarzt vereinbart hast. Dein Hausarzt kenn deine Gefäße und kennt deine Situation und der kennt deine Lebensführung und deswegen ist da insgesamt ein Therapieziel von 130 zu 85 oder maximal 135 zu 85 sicher sinnvoll. Solltest du älter sein, auch da gibt es immer noch Leitlinien, die ganz klar sagen, dass dann der Blutdruck systolisch etwas höher sein darf. Auf keinen Fall sollte aber dein Blutdruck dauerhaft unter 100 mm Hg gesenkt werden. Oder sogar nach dieser Studie der Normotensiven unter 114 mm Hg, denn dann wird deine Prognose nach dieser Untersuchung bei einer großen Patienten oder Probandenzahl offensichtlich deutlich schlechter, also hin zu deinem Hausarzt, diskutiere das mit ihm und dann wird bei dir der Ruheblutdruck gemessen und du sollst den Wirklich in Ruhe messen.

Das ist der morgendliche Blutdruck auf der Bett. Ich wiederhole es, ich weiß das, Aber dieser Blutdruck ist so entscheidend für deine Prognose, weil da bist du nämlich dann nicht mehr nervös, da bist du nicht beunruhigt und da sind deine endogenen Substanzen, die eben halt deinen Blutdruck aus dir selbst heraus am höchsten. Und das ist eben halt Adrenalin, Noradrenalin und das Cortisol und andere Faktoren, die dann den Blutdruck im Laufe des Tages erhöhen, sind am Morgen am höchsten. Und deswegen solltest du deinen Ruheblutdruck morgens auf der Bettkante messen. Und wenn du zu deinem Hausarzt gehst und dich schon sorgst beim Blutdruckmessen durch die Helferin oder durch den Hausarzt selber, dann kannst du davon ausgehen, dass dein Blutdruck auf jeden Fall höher ist, als er normalerweise ist.

Und Wenn du eine 24 Stunden Blutdruckmessung machst und kannst die ganze Nacht nicht schlafen, weil das Blutdruckmessgerät dich an deinem Arm stört, dann kann man diese Werte auch nicht benutzen, um einen Blutdruck festzustellen. Das heißt, nur die in Ruhe gemessenen Werte sind die entscheidenden. Und auch so sind die meisten Untersuchungen ausgelegt. Und dann noch vielleicht was Es gibt immer nur Studien mit einzelnen Medikamenten oder Medikamentenkombinationen oder irgendwelchen anderen Geschichten, die isoliert an einer Gruppe von Menschen gemacht worden ist. Aber es gibt leider keine Versorgungsforschung. Was bedeutet Versorgungsforschung? Versorgungsforschung bedeutet, dass man alle Menschen, die sozusagen in der Praxis irgendwo aufschlagen, mit einer gewissen Therapie versieht und schaut, wie diese Situation sich bei den Menschen langfristig ändert. Denn da fallen dann auch die Sachen mit rein, die eben halt ganz bedeutungsvoll sind, Nämlich zum Beispiel lassen manche Menschen die Medikamente einfach weg, holen sie sich die und nehmen die einfach nicht. All diese Dinge oder sie ändern ihre Lebensumstände und all diese Dinge, die sind doch viel auch noch entscheidend für das Ergebnis, für dein subjektives Ergebnis nach 10 oder 20 Jahren Bluthochdruck.

Deswegen halt die, sage ich mal, halt die Waffen still und gehe erstmal in Ruhe zu deinem Hausarzt, bestimm das mit ihm und und dann kannst du über die anderen Dinge der Lebensführung über die ich ja hier auch sehr viel berichte, auch nachdenken, sodass du dann deinen individuellen Normwert sogar mit wenigen oder gar keinen Medikamenten erreichen kannst. Ja gut, nochmal Aufklärung zu den Normwerten, die eben halt, ich glaube, sehr stark in die Diskussion hinein verändert werden müssen.

OK, ich wünsche dir noch einen schönen Tag. Ich danke dir, dass du bis hierher gehört hast. Ich freue mich, Wenn du bei Apple Podcast, bei Spotify oder bei YouTube oder überall da, wo man die Podcasts hören kann, eine positive Bemerkung hinterlässt, wenn diese Podcast Folge dir gefallen hat. Denn dann kommen immer mehr Menschen in die Lage, diese Podcast Podcast zu hören und sich über ihren Blutdruck zu informieren. Und wenn dir was einfällt, was ich unbedingt besprechen soll, dann schick mir eine Mail. Ich freue mich darauf. Bis bald.

Dein Blutdruck: was wirklich zählt!

  • Hallo, sag mal ehrlich: Misst du auch alle fünf Minuten deinen Cholesterinwert? Nee? Warum dann deinen Blutdruck? Genau darum geht’s in dieser Folge! Ich erkläre dir, warum die ständige „Gelegenheitsmessung“ kompletter Blödsinn ist und wie du stattdessen mit echten Ruhewerten was über deine Gesundheit erfährst. Morgens auf der Bettkante, dreimal im Abstand von drei Minuten – das ist dein Goldstandard.
  • Du lernst: Blutdrucktherapie ist Prävention.Also keine Panik. Und Medikamente? Nur wenn nötig. Und was du selbst tun kannst, habe ich dir in diesen Podcastfolgen erläutert! Es ist deine Verantwortung, dein Körper, dein Blutdruck. Keine Ausreden mehr, nur noch Individualtherapie mit Sinn und Verstand. Und dein Hausarzt ist dabei dein Dirigent im Risikofaktor-Orchester.

Finde deine Balance und deinen Fokus!

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