🎯 Wichtigste Erkenntnisse
Kernpunkte:
- Die richtige Blutdruckmessung ist entscheidend für therapeutische Entscheidungen, da falsche Messwerte zu unzureichenden oder übermäßigen Behandlungen führen können, die beide schädlich sind.
- Messe den Blutdruck immer in vollständiger Ruhe, idealerweise morgens auf der Bettkante, um verlässliche Werte zu erhalten, die nicht durch körperliche oder seelische Belastung verfälscht sind.
- Für die Bestimmung des Ruheblutdrucks solltest du an fünf aufeinanderfolgenden Tagen morgens drei Messungen durchführen und jeweils den niedrigsten systolischen und diastolischen Wert notieren.
- Der Ruheblutdruck ist der verlässlichste Indikator für das Risiko von Langzeitschäden an Organen wie Herz, Nieren und Gehirn und sollte als Grundlage für die Therapie dienen.
- Bevor Medikamente eingesetzt werden, sollten konservative Maßnahmen wie Gewichtsreduktion, geringerer Salzkonsum und reduzierter Alkoholkonsum in Betracht gezogen werden, da diese oft eine signifikante Blutdrucksenkung ermöglichen.
- Blutdruckwerte nach Belastungen oder im Laufe des Tages ohne Ruhe sind irrelevant für die Therapie und sollten ignoriert werden, da sie kurzfristig erhöht sein können, aber keine Aussagekraft über chronischen Hochdruck haben.
🔍 Zusammenfassung
Bedeutung der korrekten Blutdruckmessung
Die korrekte Messung des Blutdrucks ist von entscheidender Bedeutung, da fehlerhafte Messungen direkte therapeutische Konsequenzen haben. Wenn der Blutdruck falsch gemessen wird, kann dies dazu führen, dass eine Therapie zu gering ausfällt und somit keine Wirkung zeigt, oder dass sie zu stark ausfällt, was zu Beschwerden und gesundheitlichen Schäden führen kann. Ein unzureichend behandelter Bluthochdruck birgt das Risiko langfristiger Nebenwirkungen und Organschäden, wie sie am Herzen, den Nieren oder dem Gehirn auftreten können. Da erhöhter Blutdruck oft keine Symptome verursacht und daher oft unbemerkt bleibt, ist eine präzise Messung unerlässlich, um ihn überhaupt zu erkennen und angemessen zu behandeln.
Anleitung zur korrekten Blutdruckmessung und Bestimmung des Ruheblutdrucks
Um genaue und therapeutisch relevante Blutdruckwerte zu erhalten, muss die Messung immer in vollständiger Ruhe erfolgen. Dies bedeutet, dass man sich vor der Messung fünf bis zehn Minuten entspannt hinsetzen und an nichts denken sollte. Messungen, die direkt nach körperlicher Anstrengung, wie dem Treppensteigen, vorgenommen werden, sind ungenau, da der Blutdruck durch die Aktivierung des Körpers und Hormone wie Adrenalin kurzfristig erhöht ist. Der Therapieblutdruck wird am besten durch morgendliche Messungen auf der Bettkante bestimmt, kurz nachdem man aufgewacht ist. Zu diesem Zeitpunkt ist der Blutdruck am höchsten, falls er erhöht ist, und spiegelt die reine Gefäßweite und Blutdruckregulation des Körpers wider. Für die Bestimmung des Ruheblutdrucks wird empfohlen, an fünf aufeinanderfolgenden Tagen morgens nach zwei bis drei Minuten Ruhe drei Messungen mit einem Oberarm- oder Handgelenksmessgerät durchzuführen. Von diesen drei Werten sollte jeweils der niedrigste systolische und diastolische Wert in eine Tabelle eingetragen werden. Die niedrigsten Werte korrelieren am besten mit einer 24-Stunden-Blutdruckmessung und sind weniger anfällig für Nervosität.
Therapeutischer Wert und individuelle Behandlung
Der errechnete Mittelwert dieser fünf Tage stellt den Ruheblutdruck dar, welcher eine verlässliche Grundlage für ein diagnostisches oder therapeutisches Gespräch mit dem Hausarzt bietet. Dieser Wert gibt Aufschluss über mögliche negative Auswirkungen des hohen Blutdrucks auf Gefäße und Organe und ist der beste Prädiktor für die Langzeitprognose. Ein Blutdruck unter 130 zu 80 oder 130 zu 85 gilt als unbedenklich, während Werte über 145 zu 85 oder 95 leichte therapeutische Maßnahmen erforderlich machen könnten. Es wird darauf hingewiesen, dass die Zielwerte für den Blutdruck nicht unnötig niedrig angesetzt werden sollten, wie es manchmal von pharmazeutisch gesponserten Studien suggeriert wird. Eine Blutdrucktherapie ist immer eine individuelle Entscheidung, die der Hausarzt in Absprache mit dem Patienten auf Basis der Ruheblutdruckwerte treffen sollte. Zudem sind konservative Maßnahmen wie Gewichtsreduktion, weniger Salz und Alkohol oft genauso oder sogar wichtiger als Medikamente, insbesondere bei frisch manifestiertem Bluthochdruck, und sollten zuerst in Angriff genommen werden.
Irrelevanz von Messungen außerhalb der Ruhe
Blutdruckwerte, die tagsüber oder unmittelbar nach körperlicher oder seelischer Belastung gemessen werden, sind für die Diagnose und Therapie von chronischem Bluthochdruck irrelevant. Es ist normal, dass der Blutdruck bei Anstrengung oder Stress kurzfristig ansteigt, da dies eine natürliche Reaktion des Körpers ist. Nach der Belastung sinkt er jedoch wieder ab. Diese kurzfristigen Erhöhungen stellen keine Gefahr dar, solange der Ruheblutdruck im normalen Bereich liegt. Interessanterweise kann der Blutdruck nach einer Belastung sogar niedriger sein als üblich, da sich die Muskelgefäße geöffnet haben, um die Abbauprodukte der Muskelaktivität abzutransportieren. Dies zeigt den positiven Effekt von Bewegung und körperlicher Belastung auf die Blutdruckregulation, da der Körper lernt, die Gefäße zu weiten und den Blutdruck zu senken, was sich langfristig vorteilhaft auf die Blutdruckentwicklung auswirken kann.

Den Blutdruck richtig zu messen, ist eine häufig unbeachtete aber dringend erforderliche Grundlage für eine erfolgreiche Therapie.
Dein Ruheblutdruck und wann du handeln musst, sind das Thema dieser Folge.
Wie hoch ist der Blutdruckwert, an dem du handeln musst?
Mein Zielwert ist ein Ruheblutdruck von 130/85 mmHg.
Viele Fachgesellschaften offerieren dir an Leitlinien unterschiedliche Zielwerte, die aus Interventionsstudien mit neuen Pharmaka gewonnen werden. Die Einschlusskriterien dieser Untersuchungen sind fast immer sehr stark limitiert. Dadurch werden die Ergebnisse nur für diese Studienteilnehmer nutzbar.
Blutdrucktherapie ist aber eine Individualtherapie, die du mit deinem Hausarzt durchführst. Denn nur dein Hausarzt kennt alle deine Erkrankungen und kann daher optimal für dich sorgen. Da kann es durchaus sinnvoll sein, auch höhere Blutdruckwerte für dich zu akzeptieren.
Aber die Grundlage ist: den Blutdruck richtig messen.
Mein Fazit
Nicht jeder hohe Blutdruckwert ist ein Grund zur Sorge.
Entscheidend ist, wie, wann und unter welchen Bedingungen gemessen wurde.
Wenn Du Deinen Blutdruck morgens in Ruhe über mehrere Tage hinweg dokumentierst, erhältst Du wesentlich aussagekräftigere Informationen als durch einzelne Messungen im hektischen Alltag.
So schaffst Du eine solide Grundlage für Gespräche mit Deinem Arzt – und vermeidest unnötige Sorgen ebenso wie unnötige Veränderungen der Therapie.
Deine kleine Aufgabe für die nächsten fünf Tage
Miss Deinen Blutdruck an den nächsten fünf Morgen direkt nach dem Aufwachen.
- Drei Messungen
- Drei Minuten Abstand
- Niedrigsten systolischen und diastolischen Wert notieren
Mit diesen Werten kannst Du gemeinsam mit Deinem Hausarzt deutlich fundierter über Deine Blutdruckeinstellung sprechen.
Hinweis: Dieser Artikel ersetzt keine individuelle ärztliche Beratung. Bei sehr hohen Blutdruckwerten, Beschwerden wie Brustschmerzen, Atemnot, Lähmungserscheinungen oder starken Kopfschmerzen solltest Du umgehend ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen.
FAQ
Warum ist der morgendliche Blutdruck so wichtig?
Weil er am wenigsten durch Bewegung, Stress und Alltag beeinflusst wird und den Ruheblutdruck am besten widerspiegelt.
Wie oft sollte ich meinen Blutdruck messen?
Für die Beurteilung des Ruheblutdrucks empfiehlt sich eine Messung an fünf aufeinanderfolgenden Morgen mit jeweils drei Einzelmessungen.
Warum ist der erste Messwert oft höher?
Nervosität oder Anspannung können den ersten Messwert kurzfristig erhöhen. Weitere Messungen fallen häufig etwas niedriger aus.
Soll ich nach dem Sport meinen Blutdruck kontrollieren?
Ein unmittelbar nach Belastung gemessener Wert eignet sich nicht zur Beurteilung der Blutdrucktherapie. Wichtiger ist der Ruheblutdruck.
Kann ich meine Medikamente anhand meiner Messwerte selbst verändern?
Nein. Änderungen der Behandlung sollten immer gemeinsam mit Deinem behandelnden Arzt erfolgen.
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Transkript:
Ja, heute Folge 93. Wir machen noch mal, sag ich so, ein ganz klein bisschen Wiederholung, aber auch noch mal neue Aspekte über die Tatsache, wie der Blutdruck wirklich richtig gemessen wird, und was denn der Therapiewert ist und was der Ruheblutdruckwert ist. Ich wünsche dir viel Spaß dabei.
Jetzt sind wir bei einem sehr, sehr wichtigen Thema angekommen, denn ich glaube, hier werden die meisten Fehler gemacht, und ich denke, da ist keiner davon befreit, diese Fehler auch mal selber zu machen, nämlich bei dem Blutdruckmessen. Denn das Messen des Blutdrucks hat ja unmittelbar therapeutische Konsequenzen, und diese Konsequenzen sind umso bitterer, wenn der Blutdruck eben halt falsch gemessen wird. Dann würde zum Beispiel eine Therapie möglicherweise zu gering ausfallen, oder eine Therapie würde zu stark ausfallen, und sie würde dich in jeder Hinsicht schädigen. Wenn sie zu stark ausfällt, hast du Beschwerden, weil der Blutdruck zu niedrig ist, und wenn sie zu gering ausfällt, dann nimmst du Medikamente oder machst irgendwas in deinem Leben, ohne dass es einen therapeutischen Effekt hat. Der therapeutische Effekt muss natürlich sein, dass es keine Nebenwirkungen durch den hohen Blutdruck im Bereich des Langzeitverlaufes entstehen, aber auch keine Organschäden entstehen, und das sind ja die Zielpunkte bei der Blutdrucktherapie.
Denn der erhöhte Blutdruck selber, weißt du ja schon aus eigener Erfahrung, tut ja leider nicht weh, und deswegen ist er auch bei so vielen Leuten nicht richtig behandelt, weil eben halt er nicht bekannt ist. Und um ihn bekannt zu machen, muss man ihn erst mal richtig messen. Und bei dem richtig messen, sag ich dir mal: Wenn du gerade nach Hause kommst und bist gerade von Stockwerk E auf Stockwerk 3 gestiegen und hast dabei möglicherweise noch 2 Flaschen Wasser und den Tageseinkauf in der Hand, und setzt dich hin und misst dann deinen Blutdruck, was erwartest du dann? Du erwartest erstens, dass der Puls schnell ist, weil nämlich deine Muskeln, das hatte ich dir in der vorigen Folge erzählt, mehr Durchblutung brauchten, weil sie ja viel Leistung abgeben mussten. Aber dein Körper ist auch aktiviert, und durch das Adrenalin und das Noradrenalin, was eben halt dein Körper braucht, damit du die Treppe raufsteigen kannst, ist der Blutdruck in dem Fall auch erhöht. Das bedeutet: Wenn du jetzt den Blutdruck misst, dann misst du einfach einen Blutdruck, der falsch hoch ist.
Das bedeutet auch für dich, dass jede Blutdruckmessung, die du machen musst, immer nur in vollständiger Ruhe stattfinden sollte. Das heißt, du musst hergehen und wirklich 5 bis 10 Minuten dich entspannt hinsetzen und an nichts denken und dich sozusagen in eine Ruhe hineinbringen, damit du überhaupt in der Lage bist, einen verlässlichen Blutdruck zu messen. Und dann gibt es noch das andere Problem, dass der Blutdruck tageszeitlich Schwankungen unterworfen ist. Das hatte ich dir bereits in einer der Podcast-Folgen erzählt. Und diese tageszeitlichen Schwankungen, die bestimmen natürlich auch, wann es am besten ist, deinen Blutdruck wirklich zu messen, um eine therapeutische Entscheidung bezüglich des Blutdruckes bei dir treffen zu können. Und da hat sich herausgestellt, dass der Therapieblutdruck am besten bestimmt wird bei der morgendlichen Blutdruckmessung, quasi auf der Bettkante.
Wenn du wach wirst, dann ist da der Blutdruck, wenn er erhöht ist, am höchsten, weil er nämlich da lediglich von der Gefäßweite und von der dir eigenen Blutdruckregulation abhängig ist. Weil du hast in der Nacht geschlafen und du warst ruhig, und dann haben dich ab 04:00 Uhr die Hormone geweckt, 05:00 Uhr, dann steigt sozusagen automatisch der Blutdruck an, weil der Körper dich aufwecken möchte. Und gerade in diesem Zeitpunkt, in diesem Zeitraum, wenn du also die Augen aufmachst, dann möchtest du wissen, wie hoch dein Blutdruck ist, und dein Hausarzt möchte das auch wissen. Denn dein Hausarzt möchte eine verlässliche Blutdrucktherapie machen, und deswegen ist es für dich einfach sinnvoll, deinen Ruheblutdruck zu bestimmen. Und den Ruheblutdruck bestimmen, da habe ich eine eigene Podcast-Folge gemacht, die werde ich dir eben noch mal verlinken, und da gibt es auch eine Seite bei mir, da kannst du deine Blutdruckwerte eintragen, und da wird dann für dich automatisch dein Ruheblutdruck aus insgesamt 5 aufeinanderfolgenden Morgen oder Tagen berechnet, und diesen Wert kannst du dann ausdrucken und deinem Hausarzt mitbringen.
Warum mache ich so viel Berei um den Ruheblutdruck? Der Ruheblutdruck ist der einzige Blutdruck, der verlässliche Aussagen darüber machen lässt, ob deine Gefäße durch den hohen Blutdruck, ob deine Organe durch den hohen Blutdruck, ob dein Herz durch den hohen Blutdruck und ob deine Nieren durch den hohen Blutdruck und ob dein Gehirn durch den hohen Blutdruck in irgendeiner Form negativ beeinflusst wird. Der Ruheblutdruck sagt am meisten aus über deine Prognose, und deswegen ist es sinnvoll, auch den zu behandeln und den auch in Ruhe zu messen. Wie macht man das? Du gehst her und wirst morgens wach, setzt dich auf die Bettkante, wartest 2 bis 3 Minuten, und dann misst du, wie es dein Blutdruckmessgerät anzeigt, mit einem Oberarmmessblutdruckmessgerät oder mit einem Handgelenksblutdruckmessgerät im aufrechten Sitzen in Ruhe 3 Mal im Abstand von 3 Minuten deinen Blutdruck.
Diese 3 Blutdruckwerte schreibst du dir auf, und dann nimmst du an diesem Tag den niedrigsten systolischen Wert und den niedrigsten diastolischen Wert, und den trägst du dir in die Tabelle ein. Also nicht den höchsten, sondern den niedrigsten systolischen und den niedrigsten diastolischen Blutdruckwert dieser 3 Messungen. Warum den niedrigsten? Die höchsten Blutdruckwerte werden beeinflusst durch deine Nervosität. Ja, der Blutdruck könnte hoch sein, und diese niedrigsten Blutdruckwerte, die korrelieren am besten mit der 24-Stunden-Blutdruckmessung. Das machst du an 5 aufeinanderfolgenden Tagen, und dann trägst du jeweils die niedrigsten Werte ein, und das Programm auf meiner Seite, ich verlinke es dir dann, rechnet dir dann den Mittelwert aus diesen Tagen aus, und das ist dann dein Ruheblutdruck. Und über diesen Ruheblutdruck kannst du dich dann mit deinem Hausarzt in ein therapeutisches oder diagnostisches Gespräch begeben.
Das heißt, dein Hausarzt hat dann wirklich ganz harte Parameter: Das ist der Blutdruck, den ich bei dir behandeln muss, oder das ist der Blutdruck, der so noch in Ordnung ist und wo man nichts weiter machen muss. Also: Der Ruheblutdruck an 5 aufeinanderfolgenden Tagen, gemessen und gemittelt, ist ein sicherer, guter Wert, anhand der man eine entscheidende Therapie festlegen kann. Denn zu viele Medikamente sind nicht gut, und zu wenige Medikamente auch nicht. Und natürlich hat die Industrie ein Interesse daran, möglichst viele Medikamente zu verordnen, damit möglichst viel verschrieben wird. Deswegen legt sie nicht so einen großen Wert auf die Bestimmung des Ruheblutdruckes. Aber das kannst du ja machen, und du kannst dann mit deinem Hausarzt gemeinsam entscheiden, welchen therapeutischen Bereich dein Blutdruck liegt und was dann am besten getan werden muss.
Natürlich darfst du nicht vergessen, dass die konservativen Maßnahmen, deinen Blutdruck zu senken, genauso wichtig sind oder sogar wichtiger sind als die Medikamente. Und da kannst du, wenn dein Blutdruck gerade frisch, manifest ist, auf jeden Fall erst mal drauf zugreifen. Also, ich will nur 2 oder 3 nennen, da kannst du mal durch meine Podcast-Folgen gucken, da gibt es einen Haufen. Da ist sicherlich als allererstes das Körpergewicht zu nennen, zweitens der Salzkonsum, drittens der Alkoholkonsum.
Die sollten zumindest auf jeden Fall erst mal reduziert werden oder angegangen werden, damit du schon die Chance hast, durch deine eigene Therapie deinen Blutdruck wirklich zu senken. Es stellt sich natürlich die Frage: Was haben denn dann die Blutdruckwerte, die du dann nach dem Treppensteigen misst und die dann erhöht sind, für dich für eine Folgerung? Keine.
Vergiss diese Blutdruckwerte, die du im Laufe des Tages misst, wenn sie nicht in absoluter Ruhe gemessen werden. Und die Ruhebestimmung ist absolut entscheidend für den Blutdruck. Es ist ganz normal, dass, wenn du die Treppe steigst, dich belastest oder hinter dem Auto her, hinter dem Bus her rennst oder du zum Beispiel vor dem Nachbarn Bello weglaufen musst, dann ist das einfach so, dass der Körper dann kurzfristig seinen Blutdruck erhöht und dann sinkt er auch wieder.
Guck mal, die ganzen Sportler, die eben halt hergehen und sozusagen maximale Leistungsfähigkeit innerhalb von kurzer Zeit erwerben müssen, 100-Meter-Läufer, die haben während dieser Läufe riesig hohe Blutdruckwerte. Aber sie leiden nicht darunter, weil der Blutdruck hinterher nach dieser Belastung sofort wieder absinkt. Und deswegen ist der abgesenkte Blutdruck nach der Belastung oder der morgendliche Ruheblutdruck für dich von entscheidender Bedeutung.
Dann noch eine Kleinigkeit: Wenn du deinen Blutdruck länger nach einer Belastung, so 5 bis 10 bis 15 Minuten nach einer Belastung misst, wird der niedriger sein als üblich. Oder er kann niedriger sein als üblich. Und zwar, das liegt daran, weil dein Körper durch die Belastung ja alle Muskelgefäße öffnen musste, und alle Muskelgefäße sind jetzt noch gut durchblutet, und da werden die Abbauprodukte der Muskelaktivität noch beiseite geschafft.
Das bedeutet, weil dann diese Gefäße alle weit sind, sinkt dein Blutdruck unter diese deine normale Blutdruckerhöhung, als wenn du nichts getan hättest vorher. Das bedeutet also, nach einer Belastung kann der Blutdruck deutlich niedriger sein als vor der Belastung und kann auch deutlich niedriger sein als der Ruheblutdruck. Daran siehst du auch, dass natürlich Bewegung und körperliche Belastung für die Blutdruckregulation von Vorteil ist.
Nämlich, der Körper lernt dann auch mal, die Gefäße weit zu machen und den Blutdruck zu senken. Und das kann sicherlich eine positive Wirkung auf deine langfristige Blutdruckentwicklung haben. Also: Bestimme den Ruheblutdruck.
Dann vielleicht ganz kurz und knapp: Der Therapiewert. Ja, jetzt fangen wir ein ganz heißes Eisen an. Das kann man auch eigentlich in einer Podcast-Folge gar nicht machen. Ich sage dir nur: Wenn dein Blutdruck 130 zu 80 oder 130 zu 85 nicht überschreitet, ist sicher alles in Ordnung. Wenn dein Blutdruck 145 zu 85 oder zu 95 erscheint, dann muss man davon ausgehen, dass dein Blutdruck möglicherweise erhöht ist als sonst und dass man dann leichte therapeutische Entscheidungen treffen muss.
Also, der Blutdruck ist nicht so niedrig abzusenken, wie das viele auch von Pharmafirmen gesponserten Untersuchungen verlangen und auch wie sich manche Gesellschaften sich auf das Ziel gesetzt haben, den Blutdruck zu niedrig zu senken. Das sind alles Studienergebnisse aus langfristigen Untersuchungen, die haben mit dem täglichen Leben überhaupt nichts zu tun, weil sie in einer besonderen Situation gemacht sind.
Viel entscheidender und viel genauerer wäre man, wenn man wirklich Ereignisstudien messen würde, wo man wirklich sagt, unabhängig davon, man beobachtet einfach den Blutdruck und guckt, was passiert. Aber diese Studien werden heutzutage nicht mehr finanziert. Und ich hatte dir ja in der vorletzten Folge bereits über die Finanzierung von Wissenschaft was erzählt, und das ist einfach bedauerlich, dass man nur noch Finanzierung für externe Studien im Bereich der Pharmaindustrie findet, aber nicht mehr Studien finanziert werden, die eben halt zu wirklichem Erkenntnisgewinn führen und die nicht sozusagen einen Bias haben, wo man einfach guckt, dass der Blutdruck so niedrig wie möglich sein muss.
Außerdem ist Blutdrucktherapie eine Individualtherapie, und da trifft dein Hausarzt mit dir mit Sicherheit die richtige Entscheidung. Aber er kann sie nur treffen, wenn du ihm wirklich deinen Ruheblutdruck vermittelst. Also noch mal: Es ist uninteressant, wie hoch dein Blutdruck nach einer oder unmittelbar nach einer Belastung oder einer körperlichen oder einer seelischen Belastung gemessen wird.
Wichtig ist der Blutdruck morgens auf der Bettkante, und dort wird der Ruheblutdruck an 5 aufeinanderfolgenden Tagen bestimmt. Du kannst das noch mal in den Shownotes nachsehen. Ich habe die Seiten, wo das noch mal genau beschrieben wird, und die Seite, in der du auch die Blutdruckwerte eintragen kannst und den Mittelwert errechnen kannst, in den Shownotes verlinkt.
Ich danke dir für deine Anwesenheit heute oder dein Hören dieser Folge, und ich freue mich nach wie vor, dass Hendrik immer noch meine Podcasts in so eine gute, hörbare Fassung schneidet. Also, einen schönen Tag wünsche ich dir noch.





