„Endlich erwachsen“ – vom Kinderarzt zur Eigenverantwortung

„endlich erwachsen“

Ich freue mich sehr, mit dieser Folge einen kleinen Beitrag dazu leisten zu dürfen, dass diese wertvolle Arbeit mehr Aufmerksamkeit bekommt. Diese Episode von “Runter mit dem Blutdruck” beleuchtet die Herausforderungen und Chancen für junge Menschen mit chronischen Nierenerkrankungen beim Übergang von der Kinder- zur Erwachsenenmedizin. Es werden die Bedeutung von Akzeptanz und Unterstützung hervorgehoben.

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Podcasthon 2026

Die Einladung, mich am Podcasthon 2026 mit einer eigenen Folge zu beteiligen, habe ich sehr gerne angenommen.

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Der Podcasthon ist eine wunderbare Initiative, die Podcasts auf der ganzen Welt zusammenbringt, um gemeinnützige Organisationen und ihre wichtige Arbeit sichtbar zu machen. Genau dieses Anliegen hat mich sofort angesprochen: Menschen und Projekte zu unterstützen, die sich mit Engagement und Herz für andere einsetzen.

Gastinformationen

  • Helen Zentner Helen Zentner: Teilnehmerin am Programm “Endlich erwachsen”, teilt ihre persönliche Geschichte und Erfahrungen.
  • Christina Breuch: Fachkrankenschwester für Nephrologie und Dialyse, Leiterin des KfH-Transferprogramms “Endlich erwachsen”.
  • Professor Dr. Beige: Leitender Arzt im KfH-Zentrum Leipzig und Finsterwalde, medizinischer Leiter des KfH.

Diskussionspunkte

  • Persönliche Erfahrung mit Nierenerkrankung: Helen Zentner Helen Zentner erzählt von ihrer Kindheit mit Nierenerkrankung, der Zeit der Peritonealdialyse und der Transplantation. Sie spricht über die Wichtigkeit der Akzeptanz ihrer Krankheit und wie sie daraus Stärke zieht.
  • Herausforderungen des Übergangs: Frau Breuch und Herr Professor Beige diskutieren die Sensibilität des Übergangs von der pädiatrischen zur Erwachsenenmedizin. Sie erläutern, dass der plötzliche Wechsel, der Verlust des umfassenden Betreuungspakets und die kürzeren Arzttermine eine große Belastung darstellen.
  • Das Programm “Endlich erwachsen”: Das Programm bietet Jugendlichen ein Forum zum Austausch, sportliche Aktivitäten und interaktiven Unterricht zu medizinischen Themen. Ziel ist es, sie auf ein selbstbestimmtes Leben vorzubereiten und ihnen Ängste zu nehmen.
  • Prävention und Akzeptanz: Die Experten betonen die wachsende Bedeutung der Prävention von Nierenerkrankungen und die Rolle der Akzeptanz der Krankheit als entscheidender Faktor für den Umgang damit.
  • Rolle des Kuratoriums für Dialyse und Nierentransplantation e.V. (KfH) : 
    Herr Professor Beige erläutert die gemeinnützige Arbeit des KfH und dessen Engagement für die langfristige Betreuung von Patienten nicht nur durch das Programm „Endlich erwachsen“.

Zitate

  • Helen Zentner “Ich glaube, endlich erwachsen hat mir dabei geholfen, meine Krankheit viel mehr zu akzeptieren und auch alltäglicher damit umzugehen.”
  • Helen Zentner “Ich sehe das durchaus jetzt als: ‘Die Krankheit bin ich, und ich bin die Krankheit’, also gar nicht so als das Negative, dass viele das vielleicht denken, sondern es ist eigentlich eher was Positives, und ich kann daraus sehr viel Stärke ziehen.”
  • Christina Breuch: “Redet wieder persönlich miteinander.”
  • Professor Dr. Beige: “Kluge Kompromisse sind der Weg zum Frieden.”

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Häufig gestellte Fragen 💭

Q: Was ist die “Endlich erwachsen”-Initiative?
A: “Endlich erwachsen” ist eine Initiative des Kuratoriums für Dialyse und Nierentransplantation (KfH). Sie wurde gegründet, um jungen Menschen mit chronischen Nierenerkrankungen den Übergang von der Kinder- in die Erwachsenenmedizin zu erleichtern. Das Programm unterstützt sie dabei, Selbstständigkeit und Wissen über ihre Krankheit zu entwickeln.

Q: Warum ist der Übergang von der Kinder- in die Erwachsenenmedizin für junge Menschen mit chronischen Nierenerkrankungen so schwierig?
A: Der Übergang ist sensibel, weil er oft abrupt kommt und die vertraute, umfassende Betreuung im Kinderzentrum wegfällt. Im Erwachsenenbereich sind Termine kürzer, ein Vorwissen über die Erkrankung wird erwartet, und die psychosoziale Unterstützung ist oft weniger ausgeprägt, was zu Unsicherheiten führen kann.

Q: Was lernen Jugendliche im Programm “Endlich erwachsen”?
A: Die Jugendlichen lernen in interaktiven Workshops viel über Anatomie, Physiologie, Medikamentenmanagement und Nierentransplantation. Zudem werden Themen wie Ernährung, Sport, psychosoziale Aspekte (z.B. Schwerbehindertenausweis) und Zukunftsplanung behandelt, um sie auf ein selbstbestimmtes Leben vorzubereiten.

Q: Wie ist das Programm “Endlich erwachsen” strukturiert?
A: Das Programm beginnt mit einem einwöchigen Auftaktseminar in Österreich. Danach folgen über drei Jahre verteilt sechs Workshops in verschiedenen deutschen Städten, bei denen sich die Gruppen mischen und ein wichtiger Austausch stattfindet.

Q: Welche Vorteile hat der Austausch mit anderen Betroffenen im Rahmen von “Endlich erwachsen”?
A: Der Austausch mit anderen, die ähnliche Erfahrungen machen, ist für die Jugendlichen sehr wichtig. Helen Zentner berichtet, dass ihr die Gespräche mit älteren Teilnehmern viel Ruhe gegeben und Ängste genommen haben, da sie Fragen direkt an Freunde stellen konnte, die die Situation bereits erlebt haben.

Q: Welche Rolle spielt Akzeptanz im Umgang mit einer chronischen Nierenerkrankung?
A: Akzeptanz ist laut Helen Zentner entscheidend, um die Krankheit als Teil von sich selbst zu sehen und daraus Stärke zu ziehen. Anstatt gegen die Krankheit anzukämpfen, ermöglicht die Akzeptanz einen alltäglicheren Umgang und hilft, positiv mit der Situation umzugehen.

Q: Wie können junge Menschen motiviert werden, Verantwortung für ihre Gesundheit und ihr Berufsleben zu übernehmen?
A: Christina Breuch motiviert die Jugendlichen, indem sie ihnen hilft, ihre Stärken zu erkennen und ihre Zukunftswünsche zu verfolgen. Sie kämpft gegen Vorurteile des Arbeitsamtes und zeigt auf, dass viele Wunschberufe trotz Erkrankung realisierbar sind, um ein selbstbestimmtes Leben zu führen und am gesellschaftlichen Leben teilzuhaben.

Transkript:

Ich glaube, endlich erwachsen hat mir dabei geholfen, meine Krankheit viel mehr zu akzeptieren und auch alltäglicher damit umzugehen. Ich sehe das durchaus jetzt als: „Die Krankheit bin ich, und ich bin die Krankheit“, also gar nicht so als das Negative, dass viele das vielleicht denken, sondern es ist eigentlich eher was Positives, und ich kann daraus sehr viel Stärke ziehen.

Hallo, ich begrüße dich zu einer Folge, die kein Marathon ist, aber ein Podcast-Ton ist und deswegen eine ganz besondere Folge ist.

Warum komme ich auf Podcast-Ton? Podcast-Ton ist eine internationale Veranstaltung, in der Podcaster eingeladen werden, gemeinnützigen Organisationen ein Forum zu bieten. Und da ich Nephologe bin, ist natürlich naheliegend, dass ich mich mit einem Nierenthema an diesem Podcast-Ton beteilige.

Die meisten Menschen gehen davon aus, dass Nierenerkrankungen nur im hohen Alter vorkommen können. Falsch! Sie können leider auch im Kinder- und Jugendlichenalter vorkommen, und sie sind dann genauso schwerwiegend wie im Erwachsenenalter. Das heißt, diese Kinder bedürfen der regelmäßigen Betreuung durch eine nephrologische Klinik oder einen Fachnephrologen und sind dann quasi auch in ihren Lebensbereichen durch die Erkrankung genauso teilweise eingeschränkt, wie es eben halt auch Jugendliche (Diabetiker) sind oder Menschen mit einem chronischen Asthma auch als Kinder.

Und dann passiert auch Folgendes: Diese Kinder werden älter, und dann trifft es die besonders hart im Bereich der Pubertät. Dann, wenn sie ihre Selbständigkeit, ihren Eigensinn, ja, und ihre Initiative entfalten wollen, dann treffen sie auf Einschränkungen – Einschränkungen, die die Erkrankung für diese Kinder mit sich bringen. Und dann passiert noch Folgendes: Dann sagen die Kinderärzte: „Boah, da sind wir ja auch bald nicht mehr für zuständig.“ Oder der Jugendliche sagt: „Ich möchte nicht mehr zum Kinderarzt, ich möchte zum Erwachsenenmediziner.“ Und dann kommt es zu der sogenannten Transition.

Das heißt also, der Kinderarzt sagt: „Jetzt ist es nicht mehr meins, jetzt musst du in die Erwachsenenmedizin.“ Und das ist eine schwere Umstellung, weil dann treffen die auf ein komplett anderes Alterskollektiv. Und das in einer Zeit, wo sie in der Pubertät oder am Ende in ihrer schulischen Laufbahn sind, also eine schwierige Situation.

Und für diese schwierige Situation hat das Kuratorium für Dialyse und Nierentransplantation eine Initiative gegründet, und die heißt „Endlich erwachsen“, und über diese werden wir jetzt sprechen. Heute drei liebe Menschen, die sich mit dem Thema „Endlich erwachsen“ beschäftigen. Und als allererstes begrüße ich die Frau Helen Zentner, die wohl die Erfahrenste, weil sie subjektiv gemerkt hat, was das Programm „Endlich erwachsen“ mit ihr gemacht hat, weil sie nämlich Teilnehmerin ist.

Dann sehe ich Frau Christina Breuch. Sie ist Fachkrankenschwester für Nephrologie und Dialyse und seit vielen, vielen Jahren Leiterin des KFH-Transferprogramms „Endlich erwachsen“. Und heute habe ich gelesen, dass sie diesen Helmut-Werner-Preis von der Kinderhilfe-Organtransplantation bekommen. Da sage ich immer noch mal: Herzlichen Glückwunsch! Ist ja auch erst ein Jahr her, habe ich gesehen.

Vielen Dank.

Und dann sehe ich natürlich meinen Kollegen, Herrn Professor Dr. Beige. Er hat sich sozusagen als leitender Arzt im KFH-Zentrum Leipzig und Finsterwalde sozusagen profiliert und ist nebenbei auch noch medizinischer Leiter oder Advisor des KFHs. Und ich begrüße ihn ganz herzlich, weil wir heute sicher am Ende auch ein bisschen über mein Lieblingsthema reden werden, nämlich über die Prävention in der wirklichen im wirklichen Sinne auch für Nierenerkrankungen. Frau Zentner, mit Ihnen würde ich gerne beginnen.

Ja.

Okay. Viele Menschen können sich wirklich nur schwer vorstellen, wie es ist, als junger Mensch mit einer chronischen Erkrankung zu leben. Vielleicht erzählen Sie uns ein wenig von Ihrer Geschichte.

Ja, also ich bin mit meiner Nierenerkrankung aufgewachsen. Also das erste Mal wurde das festgestellt, als ich ca. 4 und 5 Jahre alt war. Also ich bin damit quasi groß geworden, und da kann ich gar nicht so von meinem Leben ohne Krankheit berichten. Aber ja, es war schon immer ein großer Teil meines Lebens. Und gerade deshalb, da ich damit aufgewachsen bin, ja, habe ich alle Höhen und Tiefen meiner Krankheit miterlebt.

Und gerade die Zeit während der Dialyse, der Bauchfelldialyse, die ich ja gemacht habe in der dritten und vierten Klasse, also während ich 8 oder 9 Jahre alt war, ja, war, glaube ich, das, was so am meisten hängengeblieben ist, auch von dem, ja, also von der Krankheit an sich, das Schlimme quasi, weil ich im Jahre 2017 dann transplantiert wurde, also nun schon 9 Jahre her ist, und seitdem tatsächlich ein sehr friedliches Leben führe und ein relativ normales Leben.

Natürlich muss ich täglich Medikamente nehmen und auch auf meine Trinkmenge achten, dass ich täglich 2 Liter trinke, was der Niere einfach dabei hilft, vernünftig zu arbeiten. Aber ja, gerade die Zeit während der Dialyse ist natürlich etwas, was sehr mit viel Anstrengung und Schmerzen behaftet ist und was Betroffenen auch generell am meisten, ja, Kraft, also bei Betroffenen am meisten Kraft beansprucht.

Und ja, da kann ich mich nur daran erinnern, wie ich einmal im Sommer 2016 in meinem Bett lag und an der Dialyse und dialysiert habe. Und das ist, glaube ich, das, was am meisten bei mir, ja, das Negative an der Krankheit zurückholt, weil man doch sehr abgeschottet lebt in dieser Zeit oder in der Zeit einer Dialyse, gerade wenn man nicht Freunde hat, die das verstehen, was natürlich durch „Endlich erwachsen“ sozusagen.

Sagen Sie was. Da ist ja in der Zeit, wo man so eine schwere Erkrankung hat, ist ja die Zeit, wo man so als Jugendlicher aufblüht, wo man möchte, dass man teilnimmt an ganz vielen Dingen. Wie haben Sie das denn erlebt eigentlich? Haben Sie da eine Situation erlebt, wo Sie gesagt haben: „Boah, meine Freunde und Bekannte, die merken das, und denen kann ich das erklären“? Oder waren Sie da wie so der spooky Geist, und der da nicht dran teilnehmen konnte?

Ich war ja noch recht jung, deshalb Kinder verstehen das noch nicht so gut. Und ich bin sehr viel zu spät gekommen in der Zeit der Dialyse, also zu spät zur Schule. Und ganz viele meiner Klassenkameraden haben das dann nicht verstanden. Und ja, es ist natürlich auch als Kind schwer, das zu erklären, und da fühlt man sich ab und zu schon etwas alleingelassen.

Aber gerade wenn man älter wird, ist der Umgang damit, auch mit den Mitmenschen, sehr viel einfacher. Und man lernt ja auch sozusagen damit umzugehen, und man ist irgendwann daran gewöhnt, das Leuten zu erklären. Und gerade das ist, wenn man damit aufwächst, eben ein sehr großer Prozess, auch mit der Krankheit umzugehen.

Was hier ist, mein Publikum weiß ja nicht, was Peritonealdialyse ist. Können Sie da vielleicht sagen, was das für ein Aufwand für Sie war als Kind in der Schule? Wie haben Sie das gemanagt? Das ist doch super interessant.

Also ich hatte die PD, die Bauchfelldialyse, und das macht man oder das kann man zu Hause machen, über Nacht. Und das ist quasi so, dass man die Flüssigkeit im Bauchfell jede Nacht ausgetauscht wird. Dann verweilt die kurzzeitig im Bauchfell, und dann entgiftet das sozusagen den Körper und übernimmt quasi die Aufgabe der Niere, die die Niere nicht mehr selbstständig ausführen kann, weil die Niere eben zu schwach ist und nicht mehr selbstständig den Körper im Laufen halten kann. Und ich hatte das Glück, dass ich es eben zu Hause machen konnte.

Und ja, genau, dadurch ist man halt aber die ganze Nacht an so einem Gerät befestigt quasi und kann nicht aufstehen und muss die ganze Zeit liegen. Aber man kann den Tagesablauf noch halbwegs normal ausführen und hat auch einen Alltag dementsprechend und muss nicht, wie zum Beispiel bei der PD, bei der HD, hier regelmäßig ins Krankenhaus fahren. Also man hat einen geordneteren Tagesablauf, den man auch die ganze Woche lang ausführen kann.

Gut. Aber abends so: Wie alt waren Sie, bis wann Sie noch Peritonealdialyse gemacht haben?

Da war ich 9 Jahre alt, und dann wurde ich ja transplantiert. Und dann wurde ich wirklich quasi aus dem Leben gerissen in der vierten Klasse für ein paar Monate. Aber ja, ich bin sehr dankbar, dass ich in meinen jugendlichen Jahren quasi nicht an der Dialyse war, weil mich das schon sehr eingeschränkt hätte.

Ja. Haben Sie das alles selbst gemacht, die Peritonealdialyse, oder haben das Ihre Eltern gemacht?

Größtenteils haben das meine Eltern gemacht, weil ich eben sehr jung war. Aber mit dem Alter würde das auch selbst an das Kind weitergegeben werden.

Super. Jetzt haben wir das Thema „Endlich erwachsen“. Wie sind Sie denn damit in Kontakt gekommen? Wann haben Sie dann diese Beziehung zu „Endlich erwachsen“ bekommen? Wer hat Sie da in Verbindung gebracht?

Ja, also das erste Mal „Endlich erwachsen“ wurde ich aufmerksam durch Christina Breuch. Und ja, ich wurde gefragt, ob ich nicht vielleicht Lust hätte, mal daran teilzunehmen und mir das mal anzuschauen. Und dann haben wir uns das mal angeguckt und dann auch direkt angemeldet.

Und das ist ja so, dass man eine Woche lang in Österreich ist, auf dem Ederhof, und sich dort kennenlernt. Und je nachdem, zu welcher Jahreszeit man dann dort ist, fährt man eventuell Ski oder geht ein bisschen wandern. Und ja, im Nachmittag setzt man sich dann mit den verschiedenen Krankheiten auseinander, die die Niere betreffen können.

Und das Schöne daran ist, dass man sich dann nach dieser Woche einmal im halben Jahr wiedersieht und in verschiedene Städte in Deutschland fährt und dort dann Workshops macht und alle Teilnehmer wiedersieht, auch die Teilnehmer aus anderen Wochen. Und ja, einfach der Austausch ganz wichtig ist bei „Endlich erwachsen“. Und gerade das ist auch das, worauf man sich immer am meisten freut, die anderen wiederzusehen und auch neue Gesichter zu sehen.

Hat der Austausch?

Ich konnte ja Helen persönlich ansprechen, weil Helen in Hamburg behandelt wurde und ich in der Zeit dort gearbeitet habe und auch mir angeguckt habe, wer von den Patienten wäre denn jetzt im Alter. Und da hatte ich da direkt ein Auge auf sie. Und dann ist es auch noch mal persönlicher, dann als jetzt einfach so einen Prospekt zu lesen und das dann wieder auf Seite zu legen. Habe ich da ein bisschen dran gearbeitet, dass das Interesse steigt.

Ja, ich sehe schon, dass Sie sich sehr gut verstehen hier. Das finde ich ganz toll. Das kommt super gut rüber. Frau Zentner, Sie erzählen das ganz toll. Was hat denn der Austausch Ihnen vermittelt?

Da ich eine der jüngeren Kandidaten bin, ist der Austausch mit den Älteren, die schon auch natürlich haben wir alle unser eigenes Päckchen zu schleppen, aber die schon etwas mehr Erfahrung auch mit der Erwachsenenmedizin haben, super wichtig für mich gewesen. Und das hat mir unglaublich viel Ruhe gegeben und mir auch richtig viele Ängste genommen. Und immer, wenn ich Fragen hatte, konnte ich direkt meine quasi Freunde fragen.

Und ja, das war einfach das Schöne daran, dass man nicht sich bei einem seiner Fachärzte melden muss, sondern direkt den Zugang zu Freunden hat. Und auch wenn ich immer noch Fragen habe, würde ich mich eher tendenziell bei meinen Freunden melden, die den Kontakt direkt und es quasi schon erlebt haben. Deshalb ja.

Also bevor Sie den Arzt aufsuchen, fragen Sie Ihre Freunde.

Tendenziell eher, ja.

Sehr schön. Hat sich denn eigentlich, das würde ich gerne wissen, Ihr Blick auf Ihre Erkrankung durch diesen „Endlich erwachsen“-Prozess geändert?

Ich glaube, „Endlich erwachsen“ hat mir dabei geholfen, meine Krankheit viel mehr zu akzeptieren und auch alltäglicher damit umzugehen. Ich sehe das durchaus jetzt als: Die Krankheit bin ich, und ich bin die Krankheit. Also gar nicht so als das Negative, dass viele das vielleicht denken, so, sondern es ist eigentlich eher was Positives, und ich kann daraus sehr viel Stärke ziehen.

Super. Sie strahlen das aber auch wirklich komplett aus. Das darf ich Ihnen mal sagen. Herzlichen Glückwunsch.

Dankeschön.

Wenn Sie möchten, auch für uns „Erwachsenenärzte“ in Anführungsstrichen. Also ich bin kein Kindernephrologe, Frau Zentner, sondern für die Großen. Ich arbeite aber hier direkt in einem Nachbarschaftsverhältnis mit der Kindernephrologie.

Die sind 50 Meter von uns entfernt, und wir haben immer wieder dann die jungen Leute, die wir entweder als Transplantierte, manchmal in der Nierensprechstunde, manchmal aber auch an der Dialyse übernehmen. Und Sie wissen ja nur selber, Sie haben es ja erfahren, dass die Bedingungen in der Erwachsenennephrologie schon ganz anders sind, Stichwort Betreuungsschlüssel und solche Dinge.

Und obwohl ich kann mir sehr gut vorstellen, dass die betroffenen Jugendlichen oder jungen Erwachsenen das manchmal schon schwierig aufnehmen, diesen Übergang. Aber ich kann Ihnen versichern, dass wir uns da viel Gedanken drum machen und genauso wie Sie so eine Übergangsproblematik entwickeln und uns überlegen, was wir richtig und falsch machen.

Und eins kann ich Ihnen auch sagen: Also wir fühlen uns natürlich schon verantwortlich, aber sicherlich auf eine ganz andere Art und Weise, als das die Kinderärzte tun, die natürlich entwicklungspsychologisch und so weiter da viel besser geschult sind als wir. Also wir liefern einfach nur unsere medizinische Professionalität ab und hoffen, dass das für einen Patienten möglichst gut ist.

Und deswegen ist natürlich die Funktion so eines Programms, was Sie auf diesen Wechsel vorbereitet, auch aus meiner Sicht ganz wichtig.

Ja, was sehr Wichtiges gesagt, Herr Professor Beige, weil ich glaube, in der Erwachsenennephrologie, da steht, ich sag mal, ich nenne das jetzt mal ganz banal, das Kreatinin und die Spiegel und das im Vordergrund und der Blutdruck. Und auch da müssen wir uns mal die Nase packen. Da ist die seelische Seite sicherlich unterversorgt, sage ich mal so ganz ehrlich. Und das ist sicherlich auch ein Thema, über das wir mal reden müssen, sage ich mal ganz ehrlich. Ich möchte aber noch einmal mit Frau Zentner was wissen: Was würden Sie denn einem Jugendlichen sagen, der jetzt gerade erfährt: „Wow, du hast, er hätte eine chronische Nierenerkrankung“? Was würden Sie dem mitgeben?

Ich finde, das ist eine sehr schwierige Frage, weil es doch immer sehr individuell ist. Aber ich glaube persönlich, dass Akzeptanz ganz, ganz wichtig ist und dass man durch Akzeptanz auch später dadurch viel mehr Kraft aus der Krankheit rausziehen kann und ja, sehr stolz darauf sein kann, was man schon alles geschafft hat und was man schon alles erlebt hat. Und ja, das gibt einem einfach sehr viel Stärke. Und deshalb: Akzeptanz ist da ein sehr großes Thema, finde ich.

Frau Zentner, Sie sind unglaublicherweise, darf ich Ihnen das mal sagen, weil wir kämpfen oder die Leute kämpfen immer gegen ihre Erkrankung an. Wenn ich das aus meiner Ambulanz sehe: Ich kämpfe gegen meinen hohen Blutdruck. Das geht immer in die Hose. Und aber das sagen Sie: Akzeptieren und dann entsprechend handeln, ist wesentlich besser. Ganz toll. Ich bin begeistert.

Jetzt möchte ich jetzt zu Frau Breuch kommen. Frau Breuch, Sie leiten dieses Programm „Endlich erwachsen“. Und vielleicht beginnen wir mal mit einer grundsätzlichen Frage: Warum ist der Übergang von der Kinder- in die Erwachsenenmedizin eigentlich so sensibel?

Ja, das kann man ganz gut jetzt anknüpfen an das, was die beiden Vorgänger gesagt haben. Der ist sensibel, weil er in der Regel abrupt kommt, auch wenn wir versuchen, die darauf vorzubereiten. Er kommt meistens abrupt. Man hat immer irgendwas, wo man es auf Seite schieben kann. Dann kommt der Tag X, du musst das Kinderzentrum verlassen und du musst zum Erwachsenenzentrum. Und dann ist das ein Arzt, den man überhaupt nicht kennt. Also es ist eine ganz neue Beziehung, die man aufbauen kann. Da gibt es erst mal kein Vertrauensverhältnis.

Unsere Jugendlichen sind ja oft von klein an gewöhnt, in unseren Kinderzentren betreut zu werden, was in der Regel eine hervorragende Betreuung ist, muss man sagen, weil wir nicht nur den Arztkontakt, die Kinder haben nicht nur den Arztkontakt, sondern die haben ein ganzes Paket dabei. Die haben die Pflegekräfte, die ansprechbar sind. Die haben das ganze psychosoziale Team. Teilweise sind Erzieher da, Ernährungsberatung, Psychologen, Sozialpädagogen, die bei Anträgen helfen, die aber auch bei Schwierigkeiten Gespräche mit den Eltern führen oder mit den Kindern. Und das entfällt alles. Also das ist so für die, sagen wir mal, das Paket, so ein Wohlfühlprogramm, was für die ganz normal ist, für die Familien.

Und dann kommt aber der Cut, Erwachsenennephrologe. Alles ist neu, der arbeitet anders, die Termine sind anders getaktet. Also die sind viel kürzer. Die Ärzte gehen davon aus, dass ein Vorwissen da ist über die Erkrankung. Das ist, wenn jetzt ein Patient nicht kommt, da ruft keiner an und sagt: „Warum bist du nicht gekommen? Lass uns mal einen neuen Termin ausmachen“, so wie wir das machen. Wir sind direkt: „Oh, der ist nicht gekommen.“ Wird direkt ein Zettel auf die Akte geklebt, muss man anrufen: „Was war los? Warum bist du nicht gekommen?“ Manchmal verblaseln es die Eltern, manchmal die Kinder oder Jugendlichen selber. Aber da sind wir natürlich hinterher, weil wir die Spiegelkontrolle machen müssen etc. Einfach die regelmäßigen Kontrollen. Und das entfällt da alles. Auch es gibt keinen Ansprechpartner mehr für psychologische Fragen oder so. Und ja, und dann

gehen die Kinder oder Jugendlichen da ungerne hin. Das dauert, bis man da irgendwie diese Verbindung geschaffen hat, dass man sich wohlfühlt. Deshalb ist unser Anliegen, dass die Jugendlichen mit 17 anfangen, sich eine Praxis zu suchen, wo sie hingehen. Es ist ja nicht immer wie beim Professor Beige, dass beides im KFH dann ist, oft sind es niedergelassene Ärzte, sich die Leute anguckt und sagt: „Der ist mir aber überhaupt nicht sympathisch. Da habe ich aber die Möglichkeit, mir noch mal einen anderen Arzt anzugucken und schon mal sagen: Ich würde dann in einem Jahr kommen. Sie werden dann mein neuer Arzt und so weiter.“

Dass man da schon mal so ein bisschen ins Gespräch kommt, dass man auch vielleicht mal dann dem Nephrologen im Kinderzentrum sagen kann: „Könnt ihr nicht mal Kontakt aufnehmen?“ So ein bisschen Übergabe des Patienten, damit es nicht so abrupt ist.

Und sensibel ist es auch deshalb, weil das ist nicht das Einzige, was ist, wenn die Patienten 18 werden. Es kommen andere Sachen dazu. Es kommt vielleicht eine Berufsausbildung dazu, ein Studium, ein Wohnungswechsel in einer anderen Stadt. Und dann passiert so viel bei denen. Das ist eine komplett neue Welt. Da muss man sich erst mal zurechtfinden.

Und am ehesten leidet dann vielleicht diese Versorgung, diese medizinische Versorgung. Dann sagt man: „Ah ja, ist ja gut gegangen.“ Und dann hat man mal vielleicht die Tabletten nicht genommen. Ist ja auch gut gegangen. Passiert ja nichts. Werte waren noch in Ordnung. Aber irgendwann ist es dann vielleicht auch mal zu spät.

Und da wollen wir halt vorbeugen, dass die das wissen, dass das eigentlich man kann mal was verbaseln, aber dann muss man wieder den Anschluss finden und sich da gut betreuen lassen.

Haben Sie das erlebt, Frau Breuch, dass mal was zu spät war in so einer Situation?

Ich frage das: Was war der Anlass? Ist ja im Prinzip die Frage: War mal irgend so ein Ereignis ein Anlass: „Boah, wir müssen jetzt was tun?“ Und die nächste wichtige Frage noch mal für den, der zu dem Thema eigentlich nichts weiß: Da ist ja ein zwanghafter Schnitt mit dem 18. Lebensjahr, so viel ich weiß. Da wird einfach die Kindermedizin nicht mehr bezahlt. Ist das nicht so oder ist das?

Genau. Also es gibt jetzt gerade Diskussionen beziehungsweise ich glaube, es ist schon durch, eine Verlängerung, dass Jugendliche bis zum 21. Lebensjahr weiter betreut werden können. Ich glaube, da hat man dann sehr hart für gekämpft, weil je nachdem, in welcher Phase man erkrankt, gibt es halt körperliche Entwicklungsdefizite, und Pubertät findet später statt. Und deshalb verzögert sich das bei vielen so ein bisschen nach hinten. Und wir sind der Ansicht oder viele Ärzte halt, dass unsere Patienten halt noch nicht reif sind für die Erwachsenennephrologie. Und da gibt es früher gab es das mit Anträgen für Ausnahmen, dass man Patienten länger behält. Aber ich glaube, beide, wissen Sie, es ist, glaube ich, jetzt durch, dass.

Also sagen wir mal so: Es gibt ja Patientinnen und Patienten, die leider nicht mit so einer offenbar auf den ersten Blick guten Gesundheit gesegnet sind, wie das bei der Helen Zentner jetzt der Fall ist. Gerade wenn man lange Jahre und Jahrzehnte der Kindheit und Entwicklung an der Dialyse geblieben ist, hat man häufig Entwicklungsverzögerung, Kleinwüchsigkeit, kognitive Einschränkungen. Also wirklich Besonderheiten, die dann wir müssen ja auch trennen zwischen diesen beiden Szenarien: Transplantiert oder vielleicht selten auch noch mal Sprechstunde, also ambulante Betreuung. Und das andere ist natürlich bestehende Dialysenotwendigkeit und dann eben häufig sogar als Hämodialyse. Das sind dann häufig die Jugendlichen, bei denen die Peritonealdialyse schon über viele Jahre gelaufen ist, dann irgendwann mal nicht mehr funktioniert.

Und dann ist es Hämodialyse. Und dann kommt man in so ein Erwachsenenzentrum mit fünf, sechs Erwachsenen oberhalb 70 Jahre im Zimmer. Natürlich versuchen wir, das zu sortieren, na klar. Aber manchmal sind die Zwänge einfach so. Und in solchen Fällen, auf Schilderung der speziellen Situation, haben wir eigentlich die Erfahrung hier gemeinsam mit unseren Kindernephrologinnen hier nebenan, dass die Kostenträger dann schon noch mal nach Verlängerung zustimmen. Teilweise auch also einen Patienten mit wirklich so schwierigen, spezifischen Problemen. Die ist jetzt 28 geworden und immer noch bei den Kolleginnen drüben.

Aber das Problem ist ja, es geht nicht weg. Irgendwann muss man quasi mal springen.

Irgendwann muss man erwachsen werden, ja.

Ja, aber na gut. Aber wie gesagt, das sind ganz andere Patientinnen als Frau Zentner. Und das wird häufig dann doch individuell mit den Kostenträgern irgendwie besprochen. Und zumindest hier in Leipzig gibt es häufig Auswege. Aber also nicht jeden Ausweg sollte man nutzen, so will ich es vielleicht ausdrücken. Manchmal ist es auch sinnvoll, dann doch mal über eine Brücke zu gehen.

Also es ist so, in vielen Fällen, die sich nicht so abbilden lassen, wie eigentlich die Medizin das sehen möchte, kann man, wenn man engagierter Arzt ist, auch Sonderregelungen erwirtschaften. Das habe ich auch in vielen Fällen gesehen. Aber das muss man einfach dann auch mit einer gewissen Zähigkeit machen, weil man dann schon mal gegen Verständnislosigkeit kämpfen muss.

Und ich als jetzt in der Sprechstundensituation Transplantierte, da muss ich vielleicht das so ein bisschen ergänzen. Also ich meine, wir haben ja schon also ich sehe meine Patienten eben auch über Jahrzehnte immer die gleichen. Und ich habe dann schon auch eine enge Betreuung und so weiter. Und wenn es ernst wird, ich habe zwar nur die berühmte Viertelstunde bis manchmal eine halbe, aber dann habe ich eben notfalls in ein oder zwei Wochen einen Wiederholungstermin bei Problemen.

Also ich würde das schon so ein bisschen also wenn man also gerade in so einem ambulanten Bereich beim KFH oder sicherlich auch in einer niedergelassenen Praxis hat man schon eine persönliche Bindung. Und das ist einfacher, das Setting, als dieses Setting Erwachsenenhemodialyse. Also das ist, glaube ich, für junge Leute wirklich schwierig. Aber die Ambulanz kann auch ganz gut laufen, so nach.

Ja gut, aber da gibt es ja auch diese jedenfalls war das in unserem Zentrum so, dass eine psychosoziale Betreuung auch da war. Wenn man das wollte, wenn man schwere Indikationen hat, ging das auch super gut. Also da kann ich das KFH aus meiner Erfahrung nur loben in der Situation.

Das gibt es aber nur im KFH.

Ja, ich sage das ja auch nur in dieser Situation.

Ja. Aber noch mal zu der Frage, ob ich das schon mal erlebt habe. Also jetzt von meinen Patienten insofern nicht, dass es jetzt im Nachhinein mal so gewesen ist, dass sie eine Abstoßungsreaktion hatten. Jetzt also gerade rede ich jetzt von den Transplantierten.

Aber ich hatte mal einen Teilnehmer, der mir der ist als also der war schon über 18, als er mitgefahren ist. Und der hat mir halt erzählt, dass er im Prinzip durch solche Sachen seine Niere wirklich versemmelt hat. Und der war natürlich auch ein guter Gesprächspartner für die anderen Teilnehmer, weil er gesagt hat: „Ich würde es nie wieder machen.“ Und der hat die dann also wirklich so aufgeklärt und auch gewarnt, dass man so gewisse Dummheiten einfach nicht machen soll.

Ich habe aber schon auch erlebt, dass während unserer Maßnahmen in Österreich hat ein Betreuer von uns gesagt: „Christina, komm mal mit, guck mal in die Toilette. Da lagen halt die ganzen Tabletten drin.“ Und dann habe ich mir eine Ärztin geschnappt und dann haben wir da reingeguckt und: „Das ist das, das ist das, das ist das. Ah, das kann nur der und der Patient sein.“

Datenschutz, ja.

Ja, genau.

Und da hatten wir halt auch noch nicht das Thema Medikamente besprochen. Und das bot sich dann halt super an. Und ich meine, ich sage den Teilnehmern auch: „Was ihr jeden Tag also als transplantierte Patienten an Medikamenten nehmen musst, das sind ja manchmal Hände voll.“ Das

schaffen wir schaffen als Gesunde noch nicht mal, Antibiotika ordentlich zu nehmen bis zum Schluss. Also fällt uns schwer. Und ich bewundere die, dass die das machen, dass die das echt können. Und ich habe auch Verständnis dafür, dass sie mal eine Ladung ins Klo schmeißen, weil sie einfach gerade die Nase voll haben und nicht mehr schlucken wollen.

Es war gerade auch unsere Aufgabe, das so zu gestalten, dass es möglichst wenige Tabletten zur gleichen Wirkung führen. Da muss ich sagen, also ich habe immer den großen Reinigungs-, Befreiungsschlag, wenn die Leute aus der Kindermedizin kommen, einfach, weil wir nicht so kompliziert dosieren auf die letzte Kommastelle nach Gewicht und irgendwie. Also und da das ist auch so eine Erfahrung, dass auch viele erst mal misstrauisch sind: „Was, der macht aus vier Tabletten eine? Das kann kein guter Arzt sein.“

Ja, genau.

Genau.

Wenn das Umfeld der Mitpatienten in der Zentrumshemodialyse ins Spiel kommt, dann haben wir eben ein medianes Alter heutzutage von 70 Jahren in unseren Dialysen. Und dann sind wir jetzt, glaube ich, ganz glücklich, doch wieder bei uns hier, weil wir so eine große Dialyse sind, wo es eben auch junge Leute gibt.

Ja, also wie gesagt, im Peritonealdialyse oder allgemein Heimdialysebereich, also auch Heimhemodialyse ist ja durchaus denkbar und eben Transplantierte und auch durchaus Nierensprechstunde, das gibt es ja auch noch, Vor- und Nierenersatztherapie, bleibt ja so ein individueller Arzt-Patientenbezug erhalten. Da spielt jetzt das Umfeld der Mitpatienten nicht so eine große Rolle.

Jetzt möchte ich noch mit Herrn Professor Beige reden. Der hat schon einen Teil meiner Fragen beantwortet eben in dem Thema, nämlich: Wie sieht das aus, wenn jetzt so jemand aus einer Kinderdialyse zu Ihnen kommt? Wie erleben Sie diesen Übergang? Da noch mal vielleicht kurz drauf einzugehen, wäre, glaube ich, für den Hörer auch noch ganz hilfreich und wird das Programm „Endlich Erwachsen“ noch mal in seiner Bedeutung unterstreichen.

Frau Breuch, Sie strahlen die Faszination für Ihre Tätigkeit richtig aus. Das macht mich total glücklich, dass Sie das so toll machen. Und das haben Sie offensichtlich an die Frau Zentner auch ganz erfolgreich weitergegeben. Die ist ja auch so ein ja, die strahlt das genauso aus.

Also das ist so richtig schön zu hören, dass die wirklich so ihre Ziele auf so lange Sicht dann erreicht haben und glücklich sind. Also die machen alle einen relativ glücklichen Eindruck.

Da kommen auch direkt Mails zurück: „Ja, ich bin jetzt verheiratet. Meine Niere ist schon 37 Jahre alt. Ich bin total happy.“ Oder: „Ich hatte mal einen Rückfall und was weiß ich, Hodenkrebs bekommen, aber da bin ich jetzt auch drüber weg und wird alles wieder besser.“

nachzuarbeiten oder mal einen anzusprechen. Und das ist eigentlich so das Schöne, dass es vorangeht, dass es aufwärts geht. Ich habe also Teilnehmer, die mich zwischendurch noch mal anrufen oder ich schreibe mal, sage: „Hallo, wie geht’s?“

Ja, überhaupt zu fahren wird schwieriger. Aber es ist dann einfach so schön zu sehen, dass man so ja, ich will nicht sagen erfolgreich, aber dass man doch merkt: Ja, die haben was mitgenommen. Das eine früher, das andere später. Aber ich habe ja die drei Jahre Zeit, immer noch mal so ein bisschen

Das ist immer schwieriger wird.

Da gibt es so viel Potenzial. Und dann natürlich auch die Veränderung zu sehen, wenn man die dann beim nächsten Workshop sieht, dass die halt vielleicht ihre Bahnfahrt schon selber organisiert haben und vorher gar nicht wussten, wie man überhaupt Zug fährt. Das ist so was, was man.

Das sind ihre Freunde, ne?

Also viele fühlen sich ja auch schlecht und elendig und allein. Und die sind oft ja, wenn man die so ein bisschen kennenlernt, so länger, sind die ja alle ganz süß.

dass ich mich also ich glaube, ich habe so einen ganz guten Draht zu Jugendlichen. Ich kann mich ganz gut in die reindenken. Aber ich versuche natürlich so rauszukristallisieren: Wo kann ich bei wem ansetzen? Das ist ja nicht bei allen gleich. Wo kriege ich den irgendwie gepackt, wenn er irgendwie zurückhaltend ist? Also das macht mir Spaß, da mich vorwärts zu pirschen, um dann halt ja gute Ansätze zu vermitteln, die mal so ein bisschen anzustupsen und zu sagen: „Mensch, mach das doch oder das ist doch super und du hast auch so und so viele Stärken und nutz die doch.“

Im Prinzip ist das,

Super. Frau Breuch, Sie haben einen tollen Ausdruck gerade gebraucht, dass der Wunschberuf, dass die Faszination und da kommt für mich sofort die Frage: Was motiviert Sie an der Arbeit mit den jungen Menschen?

Es gibt wenige Berufe, die die nicht machen können. Aber dann muss man sich halt entsprechend schützen, wenn es Infektionszeit ist und so weiter. Aber wir haben da gute Erfahrungen mit. Also was die Teilnehmer berichten, ist eigentlich gut.

Ich sage: „Wenn ihr einen Job machen wollt, ist das meistens machbar.“ Viele sagen auch: „Du darfst den Job nicht machen und den Job nicht machen.“ Wir haben Profifußballer, die sind transplantiert. Ja, wir haben ich habe Teilnehmer, die haben Medizin studiert und arbeiten in der Klinik oder machen Arzthelferinnen oder Arzthelfer. Da heißt es ja auch mal: „Jetzt alles viel zu gefährlich, viel zu viel Infektionsgefahr.“ Aber wenn das ein Wunschberuf ist, finde ich immer, sollte man das möglichst durchziehen.

Ich hatte mal einen Teilnehmer, der hat gesagt: „Mein Ziel ist es mal, Rentner zu werden.“ Und da bin ich ja erst mal vom Stuhl gefallen. Aber er meinte tatsächlich, er möchte so lange arbeiten, um Rentner zu werden. Das fand ich eigentlich ganz schön. Ja, also das ist nicht immer so, dass die sagen: „Ja, toll, dass du das sagst. Das stimmt ja und so.“ Aber ich glaube, dass die das schon aufnehmen und mitnehmen.

Haben die Kinder da auch Verständnis für? Sagen die: „Boah, Frau Breuch, da haben Sie recht?“ Oder gibt es da welche: „Boah, ich habe da eigentlich gar keine Lust drauf. Ich setze mich lieber zurück und sage: Ich mache den Rentner.“

Dann kämpfe ich aber im Vorfeld dagegen an und sage: „Leute, ihr seid jung. Ihr wollt was vom Leben haben. Dazu braucht man Geld. Dazu braucht man einen Job. Und dafür braucht man Anteilnahme am Leben. Und wenn ihr Rentner seid, dann hockt ihr mit euren paar Mark zu Hause und dann ist das Leben vorbei, bevor es angefangen hat. Weil da könnt ihr keine nichts mit reisen mit den paar Euro, die es da gibt.“

Problematisch ist oft das Arbeitsamt, weil die sagen: „Boah, der ist transplantiert, der hat das und das. Nee, der ist nicht vermittelbar. Am besten machen wir ein Rentnerausdehnen.“ Und da kämpfe ich halt im Vorfeld schon gegen ja, das ist tatsächlich so.

Super.

Und dann gibt es mal so ein paar: „Ja, ich möchte mal gerne ins Ausland.“ Aber das ist alles, was machbar ist. Das ist eigentlich sehr schön zu hören, weil man kann die auch daranführen und sagen: „Okay, da fehlt dir noch ein bisschen Schule. Da musst du das und das noch machen.“ Aber in der Regel kannst du deine Ziele eigentlich sehr gut erreichen.

Und das Schöne ist, also eigentlich durchweg ist es sehr bescheiden. Man will die Jugendlichen wollen eine Familie gründen. Die wollen nur eine eigene Wohnung haben. Die wollen ein Auto haben. So.

Also ich mein, mein Part ist zum Beispiel, ich rede mit denen einfach so ganz locker über: „Was habt ihr denn für Zukunftswünsche? Was wollt ihr werden? Könnt ihr das mit eurer Schulausbildung oder müsst ihr dann auch was dranhängen? Was habt ihr für eine Lebensvorstellung? Was habt ihr für Visionen überhaupt?“

Dialyse also Dialyseverfahren Moment. Na, wie soll ich jetzt sagen? Nierenersatzverfahren. Das ist Sport und Bewegung, Ernährung und Kochen, Psychosoziales. Also wir sprechen über den Schwerbehindertenausweis. Was hat der für Vor- und Nachteile? Muss ich das meinem Arbeitgeber überhaupt melden oder kann ich das auch sein lassen?

Also dann ist es das Auftaktseminar vom Januar und vom Dezember und von den Jahren davor. Die mischen sich dann. Und dann kommt immer eine Gruppe quasi dazu und eine geht wieder raus, weil nach drei Jahren verabschieden wir die dann. Also man macht ein Auftaktseminar, sechs Workshops. Zwei Workshops finden im Jahr statt. Und wenn man den sechsten hat, wird man verabschiedet ganz offiziell. Dann fangen die Themen wieder von vorne an. Und also wir haben ja so Schwerpunkte. Das ist

Also wir bieten zweimal im Jahr ein Auftaktseminar an, so heißt das. Das ist eine Woche. Also es ist von Samstag bis Samstag in Österreich, wo man einmal dran teilnehmen kann. Und danach bieten wir Workshops an, wo sich dann verschiedene Gruppen auch wieder mischen.

Wie lange sind denn die Jugendlichen da jeweils bei Ihnen? Sind die eine Woche oder zwei Wochen oder haben die immer eine Anlaufstelle, die sie haben? Rufen die immer bei Frau Breuch an, wenn es Themen gibt oder wie sieht das aus?

Dann haben wir das ist jetzt ein bisschen durcheinander. Also wir reden über Medikamente, wir reden über das Thema Transplantation. Was passiert da? Wie wird das gemacht? Was ist, wenn man eine Lebensspende kriegt oder eine Verstorbenenspende? Wie funktioniert die Vergabe auch? Dann haben wir Säure-Basen-Haushalt.

Und dann haben wir so einen medizinischen Bereich. Wir haben halt Ärzte, die unterrichten. Und das ist also so möglichst interaktiv wird das gestaltet. Also nicht hier, wir stehen da und reden und ihr habt zuzuhören, sondern wir gucken auch immer, was haben die denn für Erfahrungen und so weiter. Dann machen wir Anatomie. Ja, wie ist der Körper aufgebaut? Dann machen wir Physiologie.

Unser, sagen wir mal, unser Seminarprogramm sieht halt also den also wir haben immer entweder Vor- oder Nachmittagsunterricht und den anderen Part machen wir Sportanbietung. Also entweder im Winter ist es halt Skifahren und im Herbst sind es so Freizeitgestalten wie Klettern, Bogenschießen, ja, was weiß ich, was wir da alles mal wandern und so weiter.

Okay. Also das Angebot ist erst mal also ich finde, dass die größte Nummer ist, dass wir den Jugendlichen ein Forum bieten, wo sie zusammenfinden können und zusammenleben können. Also wir leben auch wir als Betreuer, wir machen alles also wir versuchen, alles zusammen zu machen. Unterricht, gut, da ist immer der eine oder andere draußen, zusammen zu essen, zusammen Spaß zu haben, zusammen Sport zu machen. Das ist so unser Anliegen, dass wir so viel wie möglich zusammen machen, aber jeder natürlich auch von den Teilnehmern, die die Möglichkeit hat, sich zurückzuziehen, in den Austausch zu gehen und so weiter.

Frau Breuch, die Frau Zentner hat schon so ein bisschen anklingen lassen, was denn in diesem Programm „Endlich Erwachsen“ passiert. Vielleicht können Sie uns und dem Hörer ein paar so Stichpunkte sagen, welche Dinge Sie mit dem wie das Angebot aussieht und was Sie mit denen machen.

Super, reicht aus. Reicht aus, fantastisch. Ich danke Ihnen allen drei recht herzlich. Ich nehme aus diesem Gespräch wirklich mit, dass die Menschen, die egal, was sie für ein Schicksal haben, was sie ihnen sozusagen ihr Körper, ihre Seele anbietet, wer nicht aufgibt, sondern versucht, ja, das anzuerkennen, was da ist, zu akzeptieren, Frau Zentner, der schafft es und der kann konstruktiv im Hier und Jetzt sein.

Redet wieder persönlich miteinander.

Sehr gut. Und Frau Breuch?

Kluge Kompromisse sind der Weg zum Frieden.

Herr Beige, fällt Ihnen was ein?

Super.

Ich glaube, ich würde so was schreiben wie: „Legen Sie sich einen Organspendeausweis zu.“

Smartphone, SMS, mehr nicht.

Einen Satz, oh.

Einen Satz.

Wie viele Sätze dürfen wir denn schreiben?

Was?

Wie viele Sätze dürfen wir denn schreiben?

Freiwillige vor.

Sehr gut. Und dann wünsche ich Ihnen da super viel Spaß dabei. Ich habe aber an alle drei noch eine andere Frage. Wenn Sie einen Tag lang eine Botschaft auf alle Smartphones der Welt schicken könnten, was würden Sie schreiben?

Ich mache dieses Jahr mein Abitur und danach geht es hoffentlich ein bisschen auf Reisen und ein bisschen die Welt entdecken.

Aber Sie haben es in die Hand genommen. Und aber das zeichnet alle drei Mitstreiter hier aus, dass Sie sich nicht sozusagen zurückgelegt haben, ich kann ja sowieso nichts tun, sondern alle drei Mitstreiter hier, und ich schließe mich da auch so ein bisschen ein, Sie haben das in die Hand genommen und nicht einfach sich ergeben. Und das finde ich ganz, ganz wichtig. Frau Zentner, ich bin neugierig, was machen Sie jetzt im Moment beruflich? Erzählen Sie mal.

Und die Freiheit kam dann später.

Ja, also ich bin nämlich, also das war, ich bin in der DDR groß geworden und mit 18,5 wurde ich zur Nationalen Volksarmee mehr oder weniger gezwungen. Anderthalb Jahre Pflichtgrundwehrdienst. Und danach habe ich mich dann entschieden, dieses Land zu verlassen. Sodass, also sagen wir mal, dieses endlich erwachsen für mich schon mit großen Problemen gestartet ist.

Sie können auch sagen, Ihnen fällt nichts ein, da würde ich jetzt nicht.

Das ist sehr persönlich.

Im eigenen biografischen Kontext, ja.

Im eigenen biografischen Kontext, ja.

Super, vielen Dank. Herr Professor Beige, was bedeutet das für Sie? Endlich erwachsen.

Also da hat man ganz schnell gemerkt, dass man wieder in seine Schranken gewiesen wird und wirklich auch Unterstützung der Eltern braucht, auch egal, ob krank oder gesund. Das ist bei allen gleich. Und hat dann so manchmal so ein bisschen die Laune verhagelt. Aber im Großen und Ganzen war das schon Eigenverantwortung, selbstbestimmtes Leben und.

Natürlich habe ich natürlich auch die Klatsche bekommen, eigene Wohnung, jetzt muss man auch noch sich um Versicherungen kümmern und dies und das. Und das waren alles Sachen, ja, die zählten, aber jetzt nicht zu endlich erwachsen werden. Da hatte man gar keinen Bock drauf. Aber man musste seinen Fernsehrundfunk bezahlen und was weiß ich, was da alles kam.

Also ich endlich erwachsen, also wenn ich da zurückdenke, dass ich davor stand, endlich erwachsen zu werden, war das für mich die Freiheit schlechthin. Also Jubelschreie, boah, jetzt bin ich endlich erwachsen. Jetzt kann ich machen, was ich will. Keiner hat mir was vorzuschreiben. Ich kann Auto fahren, also damals war es ja noch mit 18, ich kann einen Führerschein machen, ich kann Auto fahren. Und keiner kann mir mehr sagen, was ich zu tun habe. Und das war für mich erst mal so der Befreiungsschlag.

Ja, genau.

Meinen Sie jetzt für mich persönlich?

Super. Frau Breuch, was bedeutet für Sie der Titel „Endlich Erwachsen“?

Ja, also „Endlich Erwachsen“ verbinde ich natürlich direkt mit dem Projekt und dementsprechend auch mit Austausch, aber halt auch mit unglaublich viel Wissensvermittlung durch Workshops und halt durch diese eine Woche, die man dann in Österreich verbringt. Aber ja, auch mit Freunden und mit sehr viel Freiraum, den man dann hat und der einem dadurch auch geboten wird.

Herr Beige, Sie treten bei mir offene Türen ein, weil aus diesem Grund habe ich auch mit dem KFH zusammengearbeitet. Das haben Sie sehr schön geschildert. Ich habe jetzt noch, finde ich, ein, zwei Fragen an die Gesprächsrunde. Und zwar, wenn man den Titel hört „Endlich Erwachsen“, was bedeutet dieser Begriff für Sie persönlich? Vielleicht fange ich da Frau Zentner an, die die ganze Zeit schweigen musste oder durfte, was dazu sagen. Was bedeutet für Sie „Endlich Erwachsen“?

Aber wir sind ja auch ein ärztlich getragener Verein, das merkt man ja immer wieder, dass wir doch aus der Sicht der, na ja, der Träger dieser Versorgung eine erhebliche Mitsprache haben. Und das ist fürs KFH, denke ich, schon eine positive Einschätzung. Und da gibt es nicht mehr viel davon mit diesen Institutionen, die wirklich so viel ärztliche Mitwirkung haben.

Das Einzige, was man sich natürlich positiv überlegen kann, dass wirklich Gelder, Mittel, die Versicherte einbezahlt haben, nicht an private Anteilseigner von Aktienfirmen abfließen. Was ich, also das ist ein Widerspruch in sich, wie unser Gesundheitswesen da aufgestellt ist mit diesem erheblichen Anteil privatwirtschaftlicher Organisationen. Also sozusagen im täglichen Alltag, um Ihre Frage zu beantworten, merkt man es vielleicht nicht immer, weil ja, wo die Gewinne hingehen, das wirkt sich nicht unbedingt in jedem Alltag aus.

Ich habe mir immer gewünscht, dass ich sozusagen Gesundheitsleistung, ärztliche Tätigkeit nicht eingebunden in gewinnmaximierte private Organisationen erbringen kann. Das ist in vielen Krankenhäusern so, das ist auch im KFH so. Nichtsdestotrotz, also gerade Krankenhäuser sind unter erheblichem Druck, dass KFH auch unter nicht unerheblichen wirtschaftlich arbeiten. Und am Ende die schwarze Null muss man ja doch. Also der Kostendruck, der berühmte, ist dann doch da.

Vielleicht noch eine Frage zum KFH selbst. Das KFH arbeitet ja als gemeinnützige Organisation. Was bedeutet dieser Auftrag für Sie in Ihrem klinischen Alltag?

Noch, eigentlich haben Sie jetzt gerade schon ein ganz positives Datum gesetzt oder dazu angesetzt, dass wir also in den entwickelten Ländern deutlich weniger Menschen trotz eingeschränkter Nierenfunktion an die Dialyse tun müssen. Und das finde ich schon sehr, sehr wichtig, unterstreicht auch noch mal die Wertigkeit der Vorbeugung. Was für mich eine Katastrophe war, dass bis vor ein paar Jahren die Bestimmung der Nierenfunktion nicht Teil der Gesundheitsuntersuchung war, war für mich eine Katastrophe. Das hat sich ja jetzt Gott sei Dank gebessert.

Da machen 60 bis 70 Prozent aller Grunderkrankungen, wie wir das nennen, an der Dialyse aus. Ich würde dann die Herzerkrankungen noch mit dazunehmen, also die Durchblutungsstörungen des Herzens, die dann im hohen Alter zu Herzinfarkten führen. Und da fällt dann natürlich auch so die Hochaltrigkeit insgesamt rein, die Lebenserwartung steigt. Die Leute werden mit ihren Herz-Kreislauf-Erkrankungen immer älter. Und die Niere ist dann aber eines der Organe, welches dann am Ende eben doch irreversibel geschädigt ist. Deswegen erleben heute viele noch Dialyse, die es vielleicht vor 25, 30 Jahren nicht erlebt hätten.

Also Diabetes, Bluthochdruck, Übergewicht, diese normalen Dinge, die häufig für klein gehalten werden, und aber doch dann hinterher dazu führen, dass die Menschen doch eine chronische Nierenerkrankung bekommen.

Viele Menschen denken ja immer, chronische Nierenerkrankung ist Dialyse. Aber eigentlich beginnt das ja schon viel, viel früher. Und deswegen ist es eben halt so wichtig, präventiv, also vorbeugend tätig zu werden, zu erkennen, wer sozusagen in der Lage ist, irgendwie eine Nierenerkrankung zu entwickeln oder wer überhaupt eine Nierenerkrankung entwickelt. Und da sollten wir vielleicht auch mal kurz über die Risikofaktoren reden, die eben halt mit einer chronischen Nierenerkrankung verbunden sind.

Als Überbegriff für alle Ursachen. Also es gibt da natürlich verschiedene Krankheiten, angeborene Fehlbildungen, wie das vielleicht bei Frau Zentner war. Dann gibt es Autoimmunerkrankungen, dann gibt es Hochdruck und Diabetesschäden. Und diese chronische Nierenerkrankung, das ist so ein Sammelbecken für alles sozusagen.

Aber CKD müssen wir noch mal für das ist Chronic Kidney Disease, also das ist eine chronische Nierenerkrankung. Dass wir das noch für den, der sich mit den Terminologien nicht so auskennt, ergänzen.

Was absolut für die Prävention spricht, ja.

Also was ja für die Prävention spricht.

Und bei uns ist es so, dass wir natürlich, Sie hatten Prävention angesprochen, jetzt diese erweiterten Instrumentarien der neuen Medikamente haben und wir jetzt mittlerweile ganz viel eben auch abfangen. Und wir haben zwar mittel- und höhergradige Nierenschwäche in der Bevölkerung, sagen wir mal 10 bis 20, 25 Prozent altersabhängig, aber das muss sich nicht mehr weiterentwickeln, jedenfalls so in der Breite und in der Masse. Also was ich einfach erlebe, dass wir viel weniger Dialysezugänge haben bei gleichzeitig verdoppelten und verdreifachten Patientenzahlen in der Sprechstunde. Also wir bis.

Ich habe jetzt gerade aber vergangenes Wochenende ganz neue Daten gehört, Krankenkassendaten, die zeigen, dass also Deutschland genauso wie alle entwickelten Länder, gerade in Europa, sich jetzt mit den Zuwachszahlen auch in dem CKD-Bereich deutlich langsamer entwickelt als ärmere Länder. Also die CKD-Epidemie, die schlägt so ganz hart in Afrika zu, also auch bei jüngeren Menschen dort einfach wegen der fehlenden Versorgung.

Das ist eine schwierige Frage. Also ein bisschen allgemeiner kann ich sie beantworten. Es hat vor einigen Jahren die Publikation vom Kollegen Gürnt aus Halle gegeben im Deutschen Ärzteblatt, der eigentlich diese Erhebung seine eigene dort publiziert hat. Und da kann man so grob gesagt sagen: Na ja, in der Größenordnung 10 Prozent in der Allgemeinbevölkerung, vielleicht 7, 8, und aber bei älteren Menschen dann bis 20, 25 Prozent mindestens mittelgradige Nierenschwäche.

Kann ich nur unterstreichen. Wenn wir jetzt den Blick ein bisschen erweitern, wie groß ist denn eigentlich, Herr Professor Beige, das Problem chronischer Nierenerkrankungen in Deutschland aktuell?

Und soweit wir im individuellen Verhältnis sind, dadurch, dass es eine Langzeitbetreuung ist, haben wir, glaube ich, gegenüber der Allgemeinmedizin insgesamt als Nephrologen ja doch ein bisschen was zu bieten, weil wir so lange mit unseren Patienten ja Kontakt haben.

Also diese äußeren Dinge versuchen wir zu korrigieren.

Bei uns sind das sechs, in manchen Zentren auch acht oder so.

Für mich, das ist eigentlich die größte Herausforderung dieses Mitpatientenumfeld, damit eben der Veränderungsschock aus dieser doch behüteten Welt mit ja auch meistens weniger Mitpatienten, also in den Kinderhemozentren, da liegen, Frau Breuch, widersprechen Sie mir, aber da liegen, glaube ich, kaum mal mehr als vier in einem Behandlungsraum.

Ja, das haben die auch so gemacht.

Die versuchen wir dann so ein bisschen in die Obhut von diesen, ja, dann doch berufstätigen, eben sagen wir mal, mittelalten Menschen zu geben, die sich dann auch manchmal so ein bisschen um die jungen Leute auch kümmern. Und wenn man das schafft zu organisieren in diesen etwas rehabilitativer ausgerichteten Schichten, wo die berufstätigen sind und so weiter, dann klappt das auch.

Ex-Kinder, der ist gut.

Und weil ich für meine auch erwachsenen Patienten seit 20 Jahren so ein bisschen dieses Schild der rehabilitativen Dialyse vor mir hertrage. Und deswegen haben wir Spätschichten und Nachtschichten. Und wir ziehen eben mit diesen Angeboten auch jüngere Hemodialysepatienten an. Und dann versuchen wir, die ganz jungen Leute, das sind nur wenige. Wir haben zwei, drei zurzeit oder so, also transitierte Ex-Kinder oder wie man das nennen will.

Das glaube ich auch, das ist ganz entscheidend, auch in der neuen Zeit, in der wir hier leben, dass wir uns auf das Präsens, auf das, was wir tun und machen, aktuell konzentrieren und nicht in die Zukunft gucken. Und ich nehme auch mit, dass solche super schönen oder super gut durchdachten Angebote, wir endlich erwachsen, wir viel, viel mehr bräuchten, um unsere Menschen, um unsere Mitbürger durch, sage ich mal, durch den Irrgarten der Gesundheitsversorgung zu führen. Und da danke ich Ihnen allen sehr, sehr herzlich.

Also das Projekt „Endlich Erwachsen“ zeigt, wie wichtig eine strukturelle Begleitung für junge Menschen mit chronischen Nierenerkrankungen ist. Und ich werde all das auch noch mal in den Shownotes veröffentlichen, Ihre Adressen, und werde oder zumindest den Zugang zum KFH und werde da noch mal die Links auch zu Ihrem Preis, Frau Breuch, nehmen, damit Sie ein bisschen mehr die Menschen auch die Möglichkeit bekommen, zu sehen, was endlich erwachsen ist.

Ich sage vielen Dank, wünsche allen noch einen schönen Abend und danke den Zuhörern, die das bis hierhin mitangehört haben, und freue mich auf die nächste Podcast-Folge und viel Erfolg beim Marathon, beim Podcaston. Schönen Abend.

200 Folgen Prävention – Warum ich diesen Podcast mache

Stell dir vor, ich würde dir heute eine Pille anbieten. Kostenlos. Nebenwirkungsfrei. Und sie würde dein Risiko für Herzinfarkt oder Schlaganfall um 10 % senken. Du würdest sofort fragen, wo du unterschreiben kannst.

Pille

Diese Pille existiert. Sie heißt Eigenverantwortung.

Heute ist die 200. Folge von RuntermitdemBlutdruck.de. Zweihundertmal Mikrofon an. Zweihundertmal die gleiche Frage im Hinterkopf: Warum mache ich das eigentlich?

Ich bin Nephrologe. Ich habe unzählige Menschen an der Dialyse betreut. Dialyse rettet Leben – das steht außer Frage. Aber jedes Mal habe ich gedacht: Wie viele dieser Verläufe hätten wir verhindern können? Wie viele Gefäße hätten wir schützen können, bevor sie zerstört wurden?


Warum ich lieber 1000 Notfälle verhindere als einen Patienten dialysiere

Ich möchte lieber 1000 Menschen vor einem kardiovaskulären Notfall bewahren, als einen einzigen Menschen an die Dialyse anschließen.


Medizinischer Fortschritt – und trotzdem mehr Bluthochdruck

Medizinisch sind wir hervorragend aufgestellt. Herzkatheter, Stroke Units, Intensivmedizin – Weltklasse. Und doch explodiert die Zahl der Menschen mit Bluthochdruck. In 20 Jahren verdoppelt. Auch bei Kindern. Bewegungsmangel, Übergewicht, gesüßte Getränke – das ist kein Fortschritt. Das ist ein Warnsignal.

5 mmHg: Die unterschätzte Größe in der Prävention

Und jetzt kommt mein Lieblingsfakt:

5 mmHg weniger systolischer Blutdruck bedeuten 10 % weniger kardiovaskuläres Risiko.

Fünf. Nicht fünfzig.

Diese fünf mmHg können kommen durch:

Das ist keine Magie. Das ist Biologie.

Leitlinien verändern Grenzwerte. Das ist notwendig und richtig. Aber mein Ansatz ist ein anderer: Du bist nicht machtlos. Du kannst handeln – bevor die zweite oder dritte Tablette kommt. Bevor Resignation einzieht.

Prävention hat kein Blaulicht – aber enorme Wirkung

Prävention hat kein Blaulicht. Sie kommt nicht mit Tatütata. Niemand feiert, dass er heute Morgen nicht kollabiert ist. Und doch passiert genau das – jeden Tag, still und wirksam.

Ich möchte nicht mit Angst überzeugen. Ich möchte mit Verständnis überzeugen. Wenn nach einer Folge jemand sagt: „Jetzt verstehe ich meinen Körper besser“, dann hat sich meine Arbeit gelohnt.

Kleine Veränderungen retten große Gefäße.

Und wenn du diese Botschaft weiterträgst, dann beginnt Prävention zu wirken – nicht nur bei dir, sondern bei vielen anderen.

Wir fangen gerade erst an.

Die häufigsten Fragen oder FAQs:

FAQ 1: Worum geht es in der 200. Folge von RuntermitdemBlutdruck.de?

In der 200. Folge geht es um Prävention: warum kleine Veränderungen im Alltag (Bewegung, Gewicht, Salz, Verständnis für den eigenen Körper) das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall messbar senken können – und warum Dr. Harald Messner diesen Podcast macht.

FAQ 2: Warum ist Prävention bei Bluthochdruck so wichtig?

Prävention verhindert Folgeschäden, bevor sie entstehen. Bluthochdruck bleibt oft lange unbemerkt, kann aber Herzinfarkt, Schlaganfall, Herzschwäche und Vorhofflimmern begünstigen. Frühzeitiges Handeln schützt Gefäße und Organe.

FAQ 3: Was bedeutet „5 mmHg weniger Blutdruck“ konkret?

Schon 5 mmHg weniger systolischer Blutdruck können das kardiovaskuläre Risiko um etwa 10 % senken. Es geht also nicht um „alles oder nichts“, sondern um realistische Schritte mit großer Wirkung.

FAQ 4: Wie kann ich meinen Blutdruck um etwa 5 mmHg senken – ohne alles umzukrempeln?

Typische Hebel sind z. B. 10 Minuten Bewegung am Morgen, moderater Gewichtsverlust (z. B. 5 kg) und ein bewusster Umgang mit Salz. Bei Bedarf kann auch ein Medikament einen messbaren Beitrag leisten.

FAQ 5: Warum nimmt Bluthochdruck trotz guter Medizin zu?

Obwohl Akutmedizin (z. B. Herzkatheter, Stroke Units) sehr stark ist, steigen Risikofaktoren im Alltag: Bewegungsmangel, Übergewicht und ungünstige Ernährung – zunehmend auch bei Kindern und Jugendlichen.

FAQ 6: Sind Leitlinien-Grenzwerte beim Blutdruck nicht wichtig?

Leitlinien sind wichtig und hilfreich. Gleichzeitig können Grenzwerte sich ändern, während Lebensstiländerungen Zeit brauchen. Der Ansatz dieser Folge: nicht resignieren, sondern verstehen, was du selbst beeinflussen kannst – bevor die Medikamentenliste länger wird.

FAQ 7: Was ist die zentrale Botschaft der Folge 200?

„Kleine Veränderungen retten große Gefäße.“ Wissen allein reicht nicht – entscheidend ist, dass du ins Handeln kommst und aus kleinen Schritten eine stabile Routine machst.

FAQ 8: Für wen ist diese Jubiläumsfolge besonders geeignet?

Für alle, die Bluthochdruck haben oder befürchten, sich von Zahlen verunsichern lassen, Medikamente reduzieren möchten (ärztlich begleitet) oder verstehen wollen, wie Prävention im Alltag praktisch funktioniert.

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Transkript:

Stell dir vor, du bekommst heute eine Pille. Kostenlos, nebenwirkungsfrei, und sie senkt dein Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall um glatte 10%. Du würdest fragen: „Wie wo kann ich unterschreiben, wo kriege ich die Pille?“ Gute Nachricht: Die Pille existiert. Die schlechte Nachricht ist: Sie heißt Eigenverantwortung. Und genau darüber reden wir heute. Willkommen zur 200. Folge von RuntermitdemBlutdruck.de, ich freue mich auf dich.

200 Folgen, 200 Mal Mikrofon an. 200 Mal die gleiche Frage im Kopf: Warum mache ich mir diese Mühe eigentlich? Unbezahlt, regelmäßig, und manchmal denke ich sogar da auch nachts drüber nach. Die Antwort nach Überlegung ist einfach simpel: Ich möchte lieber 1000 Menschen vor einem kardiovaskulären Notfall bewahren, als einen einzigen Menschen an die Dialyse anzuschließen. Denn ich bin Nephrologe und das habe ich mein Leben lang gemacht. Ich weiß, Dialyse die rettet Leben, keine Frage. Aber Prävention verhindert Leid. Und Leid, bevor es entsteht. Und genau dafür habe ich diese Podcast-Folgen und diesen Podcast gegründet.

Jetzt wird’s erstmal paradox: Wir sind medizinisch so gut wie nie zuvor, wenn wir unser Gesundheitssystem betrachten. Herzkatheter Weltklasse, Schlaganfallversorgung hochpräzise, wir haben überall Stroke Units. Und trotzdem: Die Anzahl der Menschen, die an Bluthochdruck leidet, explodiert exponentiell. In den letzten 20 Jahren hat sich die Zahl der Betroffenen verdoppelt. Nicht nur bei Erwachsenen, sondern auch bei den Kindern und den Jugendlichen. Die sind einfach immer weniger beweglich, sie sind immer mehr darauf fixiert, eben halt in das Handy zu gucken und nicht mehr draußen zu spielen. Und die Angebote an ja gesüßten Getränken sind eben gut und deswegen steigt einfach natürlich die Inzidenz fürs hohen Blutdruckes, weil auch die Kinder schon übergewichtig sind.

Ja mal ganz ehrlich: Das ist doch kein Fortschritt in unserer Medizin. Das ist für mich ein Alarmsignal mit einer hohen Herzfrequenz, ich würde sie bei 180 ansiedeln. Also: Kurzer Realitätsscheck, versprochen, ohne Statistik-Narkose, aber ihr solltet es wissen: Todesfälle durch HK, also durch eine koronare Herzkrankheit und Schlaganfalle sind rückläufig. Ich wiederhole das nochmal: Todesfälle durch Schlaganfall oder eine koronare Herzkrankheit, also Infarkt, sind rückläufig, das sind gute Nachrichten. Todesfälle im Zusammenhang aber mit Bluthochdruck sind gestiegen und zwar von 8,3 auf 10,8 pro 100.000. Und dazu kommen immer häufiger noch andere Dinge wie z.B. das Auftreten einer Herzminderleistung oder Vorhofflimmern, die wieder indirekt zu erneuten Erkrankungen führen. Und wir können jetzt mal feststellen: Wir löschen Brände auf der einen Seite, aber wir legen immer mehr Zündschnure auf der anderen Seite.

Und jetzt kommt mein Lieblingsfakt, wirklich es ist wirklich mein Lieblingsfakt: 5 mmHg weniger systolischer Blutdruck bedeutet für dich 10% weniger kardiovaskuläres Risiko. Das heißt 5, nicht 50. Nicht Lebensstil komplett neu erfinden, nein, einfach nur 5 mmHg weniger. Und jetzt halte dich mal fest: Woher diese 5 mmHg kommen können? Ein Medikament alleine senkt deinen Blutdruck um 5 mmHg. 10 Minuten Bewegung am Morgen etwa 5 mmHg. Ich wiederhole das: 10 Minuten Bewegung am Morgen. Kein Dauerlauf, einfach Bewegung 5 mmHg. 5 kg weniger Gewicht etwa 5 mmHg. Und das Salz klug austauschen, indem man einfach 30% Kaliumchlorid in das Salz tut, dann hat man einen messbaren Infekt auf die Schlaganfallrate und die Inzidenz einer koronaren Herzkrankheit. Und genommen, das ist keine Magie, das ist Biologie mit gesundem Menschenverstand. Da muss man keine Zuckersteuer einrichten, da muss man überzeugt von sein.

Und jetzt ein Wort zu den Leitlinien. Ich liebe diese Leitlinien, ehrlich, aber sie haben einen kleinen Tick. Sie senken die Grenzwerte schneller, als Menschen ihren Lebensstil ändern können. Ganz ehrlich: Natürlich nimmt die Inzidenz der arteriellen Hypertonie zu, wenn ich in den Leitlinien die Werte senke, die für die Bestimmung oder für die Diagnose des hohen Blutdruckes verantwortlich sind. Plötzlich bist du krank, weil eine Zahl beschlossen hat, dass sie heute anders sein möchte. Mein Ansatz hier im Podcast ist ein anderer: Nein, du bist nicht krank, sondern du kannst was tun. Und zwar VOR der 2. Tablette oder der 3. Tablette ODER dem resignierten Schulterzucken, es sind meine Gene.

Nein, ich will noch was anderes sagen: Prävention hat ein echtes Marketingproblem. Ein Marketingproblem deswegen, weil Prävention ist kein Drama. Prävention kommt nicht her Tatütata, nein, Prävention hat kein Blaulicht. Und mit Prävention bläst auch nicht die Heldenmusik. Das heißt, wenn ich von Prävention rede, dann werde ich relativ schnell weggewischt, weil da muss ich ja was ändern. Niemand sagt: „Wow, dank 10 Minuten Bewegung bin ich heute Morgen nicht kollabiert.“ Hä? Aber genau das ist passiert jeden Tag. Still, unauffällig und wirksam. Und genau deshalb habe ich diesen Podcast genannt.

Ich möchte mein Geld nicht mit Angst verdienen und auch nicht mit diesem Podcast. Nicht mit Panik möchte ich überzeugen, ich möchte vor allen Dingen aber auch nicht mit Abhängigkeit überzeugen. Ich verdiene es lieber damit, dass Menschen verstehen, warum ihr Blutdruck tut, was er tut und was sie selbst daran beeinflussen können. Und das war auch meine Maxime während meiner Zeit, als ich noch als Arzt in meiner Praxis tätig war. Und deswegen sage ich: Wenn nach einer Folge jemand sagt: „Jetzt verstehe ich meinen Körper besser“, dann hat sich diese Folge für mich dicke gelohnt. Das muss nur einer sagen. Und wenn jemand keinen Notarzt braucht, weil er früher gehandelt hat, dann wäre ich unbezahlbar, dann wäre diese Folge fantastisch.

Also, wenn du heute nur eine Sache mitnimmst, dann diese: Kleine Veränderungen retten große Gefäße. Ich wiederhole das gerne nochmal: Kleine Veränderungen retten große Gefäße. Wissen senkt Blutdruck, manchmal effektiver als Tabletten, wenn du in die Handlung kommst. Und ich bitte dich: Teile diese Folge, empfiehl sie weiter, nicht mir zuliebe, sondern den Menschen, die noch glauben, Bluthochdruck sei Schicksal zuliebe. Ich danke dir für deine Zuhörerschaft, das war die Folge 200 von RuntermitdemBlutdruck.de. Ich wiederhole das nochmal: RuntermitdemBlutdruck.de. Und wir fangen gerade erst an.

Dein Blutdruck entgleist – was tun?

Wenn der Blutdruck plötzlich explodiert – und was du dann wirklich tun solltest

Es passiert schneller, als man denkt.

Du misst deinen Blutdruck – und plötzlich steht da eine Zahl wie 180 zu 110.

In diesem Moment sehe ich bei vielen meiner Patientinnen und Patienten dasselbe: Angst. Alarm. Gedanklich schon im Rettungswagen.

Aber hier beginnt meine wichtigste Botschaft:

Nicht jeder hohe Blutdruck ist ein Notfall.

Die Hypertensive Entgleisung

Die erste Situation: Hoch, aber ohne Beschwerden

Wenn dein Blutdruck bei 180 liegt, du aber klar denken kannst, keine Luftnot hast, keine Brustschmerzen, keine Lähmungen – dann sprechen wir von einer hypertensiven Entgleisung.

Das bedeutet: Der Wert ist hoch. Sehr hoch. Aber dein Körper zeigt keine akute Organschädigung.

Und genau hier kannst du selbst aktiv werden.

Ich empfehle dir:

Setz dich ruhig hin. Nicht hinlegen. Aufrecht sitzen.

Atme langsam ein – etwa vier Sekunden.

Halte kurz inne.

Atme länger aus – mindestens sechs Sekunden.

Nach wenigen Minuten beginnt dein Nervensystem umzuschalten.

Adrenalin sinkt. Der Blutdruck folgt.

In der Praxis sehe ich häufig, dass allein diese Maßnahme 5–10 mmHg bringt. Und oft noch mehr.

Handgelenksmessung

Wichtig ist auch: korrekt messen.

Handgelenksmessgerät auf Herzhöhe. Oberarmmanschette in Oberarmmitte angelegt.

Messfehler sind einer der häufigsten Gründe für falsch hohe Blutdruckmessungen und Panik.

Wenn nach 15–30 Minuten Ruhe der Blutdruck weiterhin hoch bleibt, kannst du – sofern ärztlich besprochen – eine zusätzliche Tablette einnehmen und deinen Hausarzt kontaktieren.

Die zweite Situation: Der hypertensive Notfall

Jetzt wird es ernst.

Wenn zusätzlich zum hohen Blutdruck Symptome auftreten wie:

  • Luftnot
  • Brustschmerz mit Ausstrahlung
  • Sprachstörung
  • Lähmung
  • Sehstörung
  • Bewusstseinsveränderung
  • heftigste Oberbauchschmerzen

Dann sprechen wir von einem hypertensiven Notfall.

Hier liegt möglicherweise eine akute Organschädigung vor – am Gehirn, Herzen, an der Lunge oder der Hauptschlagader.

Und dann gilt:

110 wählen. Sofort.

Während du wartest:

Oberkörper erhöht lagern. Ruhe bewahren. Nicht herumlaufen. Keine zusätzlichen Medikamente „auf Verdacht“.

Ein zu schneller Blutdruckabfall kann die Situation verschlechtern – insbesondere bei neurologischen Ereignissen.

Sicherheit statt Angst

Mir ist wichtig: Diese Folge soll dir keine Angst machen.

Sie soll dir Handlungssicherheit geben.

Denn wenn du weißt, was zu tun ist, verschwindet ein großer Teil der Panik.

Und genau das ist mein Ziel mit diesem Podcast:

Wissen, das beruhigt.

Medizin, die verständlich ist.

Handlungsschritte, die du umsetzen kannst.

📌 FAQ – Häufige Fragen zum plötzlich hohen Blutdruck


❓ Was bedeutet ein Blutdruck von 180 zu 110?

Ein Blutdruck von 180 zu 110 mmHg gilt als stark erhöht und wird als hypertensive Entgleisung bezeichnet. Wenn keine Beschwerden wie Luftnot, Brustschmerz oder neurologische Symptome auftreten, liegt meist noch kein Notfall vor. Wichtig ist zunächst Ruhe, korrektes Nachmessen und gegebenenfalls ärztliche Rücksprache.


❓ Ab wann ist hoher Blutdruck ein Notfall?

Ein hypertensiver Notfall liegt vor, wenn zusätzlich zum hohen Blutdruck akute Beschwerden auftreten – zum Beispiel Brustschmerzen, Luftnot, Lähmungen, Sprachstörungen, Sehstörungen oder Bewusstseinsveränderungen. In diesem Fall muss sofort die 110 gewählt werden.


❓ Was kann ich selbst tun, wenn mein Blutdruck plötzlich hoch ist?

Setzen Sie sich aufrecht hin, atmen Sie langsam ein (ca. 4 Sekunden), halten Sie kurz die Luft an und atmen Sie länger aus (mindestens 6 Sekunden). Wiederholen Sie die Messung nach 5–10 Minuten. Oft sinkt der Blutdruck allein durch Entspannung deutlich.


❓ Soll ich mich bei hohem Blutdruck hinlegen?

Nein. Bei stark erhöhtem Blutdruck ohne Beschwerden ist aufrechtes Sitzen sinnvoller als Liegen. Beim Hinlegen kann der Blutdruck im Kopf ansteigen. Nur bei Kreislaufschwäche oder im Notfall sollte mit erhöhtem Oberkörper gelagert werden.


❓ Darf ich bei einem hohen Wert zusätzliche Medikamente einnehmen?

Nur wenn dies zuvor mit Ihrem Arzt besprochen wurde. Eine einzelne zusätzliche Tablette (z. B. ein Kalziumantagonist) kann sinnvoll sein. Mehrere Medikamente auf eigene Faust einzunehmen ist nicht ratsam, da ein zu schneller Blutdruckabfall gefährlich sein kann.


❓ Wie unterscheide ich eine Blutdruckentgleisung vom hypertensiven Notfall?

Bei der Blutdruckentgleisung ist der Wert hoch, aber Sie sind beschwerdefrei.

Beim hypertensiven Notfall treten zusätzlich Symptome einer Organschädigung auf – etwa Schlaganfallzeichen, Herzschmerzen oder schwere Atemnot. Dann ist sofortige ärztliche Hilfe erforderlich.


❓ Ist hoher Blutdruck in der Schwangerschaft immer ein Notfall?

Ja. Starke Blutdruckerhöhungen in der Schwangerschaft gelten grundsätzlich als Notfallsituation und müssen umgehend ärztlich abgeklärt werden, da Mutter und Kind gefährdet sein können.

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Transkript:

Wenn du deinen Blutdruck misst und er ist plötzlich riesig hoch, dann denkst du immer sofort an eine Blutdruckkrise. Aber was das wirklich ist, das besprechen wir in dieser Podcast-Folge. Und vor allen Dingen, wann du dringend den Notarzt rufen musst, das erzähle ich dir auch.

Früher sprach man immer von der hypertensiven Krise, und das war dann einfach nicht ganz klar definiert, was eigentlich dabei stattfinden sollte. Und deswegen haben wir jetzt auch für dich greifbar zwei unterschiedliche Situationen, die mit der Blutdruckentgleisung deines Blutdruckes verbunden sein können und die ganz, ganz unterschiedliche Vorgehensweisen mit sich bringen. Und deswegen möchte ich mit dir gemeinsam über diese beiden Situationen sprechen.

Und zwar gibt’s zuerst die Bluthochdruckentgleisung oder wie es im Fachchinesisch heißt: hypertensive Entgleisung sprechen. Und zwar diese ist definiert, dass du deinen Blutdruck misst und der ist über oder gleich 180 zu 110 oder 120 diastolisch oder höher. Das ist primär erstmal ein stark erhöhter Blutdruck, darüber sind wir uns komplett einig. Und das macht dich auch ein bisschen nervös und unruhig: „Wow, jetzt müssen wir irgendwas tun.“ Aber sonst fühlst du dich wohl, es gibt keine Schmerzen, du hast keine Luftnot und du hast sonst überhaupt keine Beschwerden, kannst klar denken, hast keine Sehstörung und hast so auch nichts, was dich körperlich irgendwie beeinträchtigt, außer vielleicht diese innere Unruhe. Also hier ist lediglich einfach plötzlich der Blutdruck zu hoch.

Was machst du in dieser Situation? Zuerstmal gehst du her und setzt dich in Ruhe hin. Und zwar du legst dich nicht hin, sondern du bleibst bitte sitzen, weil wenn du dich hinlegst, würde ja der Blutdruck, der im Kopf beim Sitzen immer niedriger ist als in der Brust, der Blutdruck im Kopf weiter ansteigen. Und das wäre keine kluge Idee. Außerdem ist dann sozusagen ein Teil deines Blutes auch in den Beinen, so dass man sagen kann: „Hier ist das Hinsetzen und das ruhige Hinsetzen schon eine schöne Maßnahme, wie du dich sozusagen in der Situation verhalten darfst.“

Wenn du jetzt hingehst und erstmal in Ruhe tief ein- und tief ausatmest und versuchst, deine Beine und deinen Körper zu entspannen, dann wird der Blutdruck weiter sinken. Das Atmen, das sollte dann aber nicht so sein, dass du ganz schnell ein- und ausatmest, sondern dass du dir 4 Sekunden Zeit nimmst zum Einatmen, dann 4-5 Sekunden die Luft anhältst und dann möglichst lange mindestens 6 Sekunden ausatmest. Und das machst du in der Folge ganz langsam und in der Ruhe. Und dann gehst du her und misst den Blutdruck nach 3 bis 4 Minuten noch einmal. Und wenn du diese Maßnahmen, die beruhigenden Maßnahmen, sozusagen 15 bis 30 Minuten durchziehst, dann wirst du merken, dann wird dein Blutdruck langsam sinken.

Denn die erste Messung ist meistens die, die stressbedingt natürlich noch erhöht sind. Es gab ja vielleicht einen Auslöser, der diesen hohen Blutdruck bewirkt hat. Also gehst du her und wiederholst die Messung nach 5 bis 10 Minuten nochmal. Und dann wirst du merken, dass in den meisten Fällen dein Blutdruck nach unten geht. Vor allen Dingen beachte, dass du eben halt auch Messfehler begehen kannst. Da habe ich dir ganz klar gesagt: Das Handgelenksmessgerät muss auf der Herzhöhe sein. Da habe ich auch gute Beschreibungen in meiner Webseite, aber auch in den Podcast gegeben. Also das Handgelenksgerät auf der Herzhöhe und die Oberarmmanschette bitte Mitte des Oberarms, sonst ist sie nicht auf der Herzhöhe und du misst entweder einen zu hohen Blutdruck, weil du diese Fehler machst.

Also wichtig in der Situation ist für dich erstmal Ruhe zu bewahren und dann beobachtest du, wie nach 5 bis 10 Minuten möglicherweise dein Blutdruck schon sinkt. Klug ist es dann, dass du dann eine ruhige Umgebung hast, du diese Atmung weiterführst und du hast jetzt eine klare Information: „Wow, ich kann in Ruhe das tun, was mir möglich ist, um den Blutdruck zu senken.“ Das bedeutet für dich, du hast eine Sicherheit, weil du hast ja sonst keine Beschwerden, außer dass dieser Wert hoch ist. Und deswegen ist es am besten, wenn du die Angst und quasi die Alarmierung in dir reduzierst, weil das führt dazu, dass dann der Blutdruck gerade wegen des Cortisols, was da ausgeschüttet wird und des Adrenalins und des Noradrenalins weiter hoch bleibt.

Und da möchte ich dich nochmal dran erinnern an diese tiefen Atemtechniken: Langsam einatmen, nur ein länger die Luft anhalten und dann ruhig wieder ausatmen. Wenn du zu viel atmest und zu schnell atmest, dann atmest du sehr viel CO2 ab und das könnte dann zum Kribbeln um den Mund und verkrampfende Hände oder ähnlichem führen. Deswegen achte auf deine Atmung, dass du diese 4, 6 und 8 Sekunden etwas etwa einhältst. Du musst jetzt nicht genau diese Sekunden einhalten, aber du darfst natürlich auch nicht zu viel atmen, damit eben halt diese Verkrampfung in dir nicht entsteht.

So und dann wird dein Blutdruck mit Sicherheit schon um 5 bis 10 mmHg sinken, wenn du auch deine Beinmuskeln, deine Pommuskeln und so entspannst. Wenn dann der Blutdruck immer noch hoch ist, dann darfst du dir eins von deinen Tabletten nehmen und zwar eine Tablette, die eben halt ein Kalziumantagonist ist. Da gehen eben halt Nitrendipin, Amlodipin oder ähnliches dazu. Die darfst du dann zusätzlich nehmen, aber nur eine. Und wenn dann der Blutdruck nach einer Dreiviertelstunde immer noch 180-110 ist, dann darfst du sozusagen in Ruhe den Arzt anrufen, den Kassenarzt anrufen und mit ihm besprechen, was du tun kannst. Es ist aber in der Regel sinkt durch diese Maßnahmen dein Blutdruck wieder ab und du kannst dich am nächsten Tag vertrauensvoll an deinen Hausarzt wenden.

All das gilt nur dann, wenn du keine zusätzlichen Beschwerden von Seiten des hohen Blutdrucks hast. Also du bist beschwerdefrei, du hast keine Luftnot, du hast nur den hohen Blutdruck. Und jetzt kommen wir zu der Situation, die wir ganz eben am Anfang schon mal erwähnt haben, nämlich zu dem hypertensiven Notfall.

Bei dem hypertensiven Notfall ist die Situation dadurch kompliziert, dass zusätzlich zu dem hohen Blutdruck, der gar nicht so hoch sein muss, akute Schäden anderer Organe für dich spürbar werden. Zum Beispiel, dass du eben halt Luftnot bekommst, dass du Herzschmerzen, Brustschmerzen mit Ausstrahlung in den linken Arm oder heftigste Oberbauchbeschwerden oder sogar eine Einschränkung deines Gedächtnisses oder sogar eine Lähmung oder eine schwere Sprache oder ähnliche Dinge auftreten, die eben halt zeigen, dass mit dieser Blutdruckerhöhung eine Organschädigung verbunden ist. Also entweder das Gehirn mit einem Schlaganfall oder ähnlichen Symptomen oder eben halt eine Überwässerung in der Lunge durch die Luftnot zu sehen wird und ein Rascheln in der Lunge, dass du Herzschmerzen hast oder dass du heftigste Bauchschmerzen hast, wo dann die Bauchschlagader möglicherweise ein heftiges Symptom macht. Und das ist dann der hypertensive Notfall.

Und weil diese Endorganschädigung dabei ist, da musst du sofort 110 anrufen und den Notarzt anrufen und sofort quasi dich dich um ärztliche Hilfe bemühen. Und das ist ganz, ganz wichtig, denn die Endorganschädigen weisen darauf hin, dass hier mehr ist als nur eine Blutdruckerhöhung. Und diese Art der Blutdruckerhöhung bedarf dann der sofortigen ärztlichen Intervention.

Was aber auch immer wichtig ist: In dieser Situation wirst du ja eine gewisse Zeit auf deinen Notarzt warten müssen. Und da ist auch ganz entscheidend: Erst prima bis dahin setzen, wenn es der Kreislauf erlaubt oder hinlegen und dann mit erhöhtem Oberkörper, dass also der Kopf über der Herzhöhe ist und das Herz über den Beinen ist. Das bedeutet, dass einfach auch wenn du Luftnot hast, dass dann der Kreislauf und das Herz entlastet werden. Deswegen nicht unbedingt hinlegen, wenn es irgend geht. Wenn es aber nicht geht, wirst du dich hinlegen müssen, aber auch dann mit erhöhtem Oberkörper. Und du solltest auf keinen Fall irgendwelche körperlichen Aktivitäten machen und versuchen wieder in Ruhe durchzuatmen.

Und diese Ruhe-Durchatmung, die senkt genau so, wie das in dem ersten Fall beschrieben ist, deinen Blutdruck. Und diese wiederholte Blutdruckmessung machst du während der Zeit. Du wirst eine Person haben bei dir haben, wenn du Glück hast, die wird dann auch den Notarzt informieren und die muss nichts weiter tun, als bei dir zu bleiben, bis die entsprechende Hilfe kommt. Alle anderen Dinge kannst du in dieser Situation nicht gestalten, denn es ist nicht klug herzugehen, jetzt rasch irgendwelche vielen Medikamente einzuwerfen, denn du weißt dann nicht, ob dein Blutdruck dramatisch nach unten saust und das ist auch nicht sinnvoll. Denn wenn der dramatisch nach unten saust, kann es auch passieren, dass im Falle eines Schlaganfalls deine Situation noch schlechter wird.

Deswegen, wenn du neurologische Schmerzbeschwerden hast, also irgendeine Lähmung oder ähnliches aufgetreten, du hast Brustschmerzen, du hast Luftnot, du hast Sehstörungen oder eine Bewusstseinsveränderung, dann darfst du sofort den Notarzt rufen, aber bleibst trotzdem in Ruhe, denn er kommt und er wird dir helfen und wird dann auf jeden Fall dein Thema in Ruhe ärztlich in den Angriff nehmen. Denn da gibt es klare medizinische Leitlinien, auf die jeder Notarzt quasi ja auf die jeder eben halt hingewiesen ist und der weiß auch, wie er das zu handeln hat.

Eine besondere Situation ist, wenn Beschwerden der Endorganschädigung vortreten, ist der hypertensive Notfall in der Schwangerschaft. Wenn in der Schwangerschaft solch hohe Blutdruckwerte auftauchen, dann ist immer ein hypertensiver Notfall da und da braucht es auch sofort den Kontakt zu einem Krankenhaus oder zu einer Situation, wo die Schwangerschaft untersucht wird und wo eben halt verhindert wird, dass der Schwangerschaft irgendetwas passiert.

Also, du hast jetzt heute gelernt, es gibt zwei unterschiedliche Situationen der Blutdruckentgleisung. Die eine Situation ist die, wo du einfach den Blutdruck misst und der ist hoch und du hast keine Beschwerden. Da kannst du in aller Ruhe erstmal selbst handeln und selbst deinen Blutdruck runterbringen, indem du quasi dich entspannst, dich zurücksetzt, in Ruhe atmest und die Tipps, die ich dir gegeben habe, befolgst. Der zweite Teil ist der hypertensive Notfall, wo eben halt die Endorganschädigung dazukommt, wo eben halt entsprechende Symptome noch dazukommen, die eben halt ähm möglicherweise auf die Schädigung eines Organs, das Gehirn, des Herzens, der Lunge oder der Bauchaorta äh hindeuten. Dann solltest du sofort den Notarzt rufen.

Ich hoffe, ich habe jetzt dir keine Angst gemacht, sondern dir erstmal die Sicherheit gegeben, das Richtige zum richtigen Zeitpunkt zu tun. Denn das ist ganz entscheidend: Wenn du das Richtige tust, kann dir auch richtig sofort geholfen werden und du kannst dir selber richtig helfen, wie ich dir mit den Maßnahmen gezeigt habe. In jeder Situation, auch in der hypertensiven Notfallsituation, ist es einfach so, dass es das Beste ist, Ruhe zu bewahren, den Körper durch Atmung zu entspannen. Denn das ist ein ganz entscheidender Punkt und die anderen Maßnahmen haben wir besprochen und das, was der Notarzt mit dir macht, das weiß er alleine in Abhängigkeit von der Symptomatik.

Wenn dir die Folge gefallen hat, würde ich mich freuen, wenn du bei Apple Podcasts oder bei Spotify oder überall da, wo man Podcastfolgen beurteilen kann, eine positive Beurteilung hinterlässt. Denn dann kommen immer mehr Menschen in die Lage, diese Podcastfolgen zu hören und die wissen dann auch, was sie im hypertensiven Notfall, aber auch in der hypertensiven Entgleisung tun müssen. Bis bald.

Dein Gewicht und dein Blutdruck

Wie weit senkt 1 kg Gewichtsabnahme den Blutdruck?

Schon 1 kg weniger kann den Blutdruck um etwa 1 mmHg senken. Übergewicht erhöht das Risiko für Bluthochdruck, Herzinfarkt und Schlaganfall. Nachhaltige Gewichtsreduktion mit kleinen Schritten kann den Blutdruck messbar verbessern.

Das bedeutet:

Das ist medizinisch relevant und durch Studien gesichert– und zeigt, dass kleine Schritte große Wirkung haben können.

Warum Dein Gewicht Deinen Blutdruck beeinflusst

Dein Körpergewicht spielt eine zentrale Rolle für Deinen Blutdruck und Deine Herz-Kreislauf-Gesundheit. Übergewicht zählt zu den wichtigsten Risikofaktoren für Bluthochdruck, Herzinfarkt und Schlaganfall.

Dabei geht es nicht um Perfektion oder Schönheitsideale – sondern um Entlastung für Dein Herz, Deine Gefäße und Deinen gesamten Stoffwechsel. Schon kleine Veränderungen können messbare gesundheitliche Effekte haben.

Der BMI – Orientierung, aber kein Urteil

Zur groben Einschätzung wird häufig der Body-Mass-Index (BMI) genutzt. Er setzt Dein Gewicht ins Verhältnis zu Deiner Körpergröße.

Hier kannst Du jetzt Deinen Body Mass Index (BMI) berechnen:

BMI-Rechner

BMI:
Einordnung:
Eingaben sind nur für Erwachsene sinnvoll. Bei Kindern/Jugendlichen gelten altersabhängige Perzentile.

Richtwerte:

  • Unter 18,5 → Untergewicht
  • 18,5–24,9 → Normalgewicht
  • 25–29,9 → Übergewicht
  • Ab 30 → Adipositas

Wichtig:

Der BMI ist nur ein Richtwert. Manche Menschen mit höherem BMI haben normale Blutdruckwerte. Entscheidend ist nicht nur die Zahl – sondern Deine langfristige Gesundheit und Dein persönliches Risiko.

Warum Übergewicht den Blutdruck erhöht

Fettgewebe ist kein passiver Speicher – es ist ein hormonell aktives Organ.

Es beeinflusst:

  • Deine Gefäße (sie werden enger und steifer)
  • Dein Nervensystem (Stressreaktionen nehmen zu)
  • Deine Nieren (Salz- und Wasserhaushalt verändern sich)
  • Deine Stresshormone (ähnlich wie bei Dauerstress)

Das versetzt Deinen Körper in einen ständigen Hochdruck- und Alarmmodus.

Wenn Dein Gewicht sinkt, kann sich dieses System entspannen – Dein Blutdruck normalisiert sich oft spürbar.

Nachhaltig abnehmen – ohne Crash-Diäten

Schnelle Diäten führen selten zu dauerhaftem Erfolg. Viel wirksamer sind realistische und machbare Ziele.

Empfohlen:

Es geht nicht um Verzicht, sondern um Bewusstsein, Balance und Alltagstauglichkeit.

Kleine Veränderungen mit großer Wirkung

Du musst Dein Leben nicht komplett umkrempeln. Oft reichen kleine, konsequente Schritte:

Ernährung

  • Portionsgrößen bewusst reduzieren
  • Lieblingsspeisen weiterhin genießen – aber in Maßen
  • Langsamer essen und bewusster schmecken

Bewegung

  • Mehr Gehen im Alltag
  • Treppe statt Aufzug
  • Kurze Spaziergänge statt Leistungsdruck

Stress reduzieren

Stress treibt den Blutdruck nach oben.

Entspannung, Pausen, Atmung und mentale Ruhe sind genauso wichtig wie Ernährung und Bewegung.

Wie oft solltest Du Dich wiegen?

Tägliches Wiegen erzeugt oft Stress und Frust – und schwankende Werte verunsichern.

Empfehlung:

➡ Einmal pro Woche wiegen

➡ Morgens nach dem Toilettengang

➡ Immer unter ähnlichen Bedingungen

So bleiben die Werte vergleichbar – und Dein Kopf entspannt.

Fazit: Dein Blutdruck reagiert auf kleine Schritte

Du musst nicht und niemals perfekt sein!.

Schon wenige Kilos weniger können Deinen Blutdruck senken, Dein Herz entlasten und Dein Risiko für Folgeerkrankungen deutlich reduzieren.

Der wichtigste Punkt:

➡ Nachhaltigkeit schlägt Geschwindigkeit

➡ Kleine Schritte sind besser als gar keine

➡ Du darfst freundlich mit Dir selbst sein

Die Frage an Dich

👉 Hast du noch andere alltagstaugliche Strategien zur Blutdrucksenkung?

👉 Womit möchtest Du deinen sanften Weg zu weniger Druck starten?

FAQ:

  • Wieviel sollte ich in einem Monat abnehmen?
    Grundsätzlich solltest du nicht mehr als 1-2 kg im ersten Monat verlieren. Du verlierst in der ersten Tagen mehr Wasser und weniger an Substanz. Mach Dir keinen Stress und lege erst mal eine kleine Gewohnheit ab!
    Es geht um den Weg der kleinen Schritte! Vielleicht kann Dir die Podcastfolge mit Miriam Junge helfen!
  • Was kann ich tun, um meine Gewicht zu halten?
    Du solltest Deine Ernährung sehr langsam und dauerhaft umstellen. Wenn Du die Phase des Abnehmens als Kampf empfindest, wirst Du Dich hinterher mit den schlechten Gewohnheiten wieder belohnen. Bleib locker und vertrau deinem Ziel. Visualisiere Dich in Deinem gewünschten optischen Ziel und fühle das, als wenn Du es schon erreicht hättest!
  • Wieviel sollte ich während der Phase des Abnehmens trinken?
    Beim Weg der kleinen Schritte kann die Trinkmenge, also wenn Du auf eine Gewohnheit verzichtest, kann Deine Trinkmenge unverändert bei 1,5 bis 2,0 Liter Wasser bleiben.

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📚 Kurze Studienübersicht – Gewicht & Bluthochdruck

StudientitelAutor(en)VeröffentlichungsmediumJahrDOI
Influence of Weight Reduction on Blood Pressure: A Meta-AnalysisNeter JE et al.Hypertension200310.1161/01.HYP.0000094221.86888.AE
Effect of Weight Loss on Blood Pressure Changes in Overweight PatientsYang S et al.Journal of Clinical Hypertension202310.1111/jch.14661
Interventions That Cause Weight Loss and the Impact on Cardiovascular Risk FactorsZomer E et al.Obesity Reviews201610.1111/obr.12433
Mechanisms Linking Obesity to HypertensionDorresteijn JAN et al.Obesity Reviews201210.1111/j.1467-789X.2011.00914.x
Obesity and HypertensionSeravalle G, Grassi GPharmacological Research201710.1016/j.phrs.2017.11.001
Obesity-Related Hypertension: Pathophysiology & ManagementShariq OA, McKenzie TJGland Surgery202010.21037/gs.2019.12.03
Effect of Body Weight Loss and Normalization on Blood PressureIkeda Y et al.Hypertension Research200910.1038/hr.2009.220
How Much Excess Weight Loss Can Reduce the Risk of HypertensionPoorolajal J et al.Journal of Hypertension201710.1097/HJH.0000000000001375
Hypertension Related to Obesity: Pathogenesis and TreatmentEl Meouchy P et al.International Journal of Molecular Sciences202210.3390/ijms232012305
Long-Term Effects of Weight Loss on Hypertension (SOS Study)Sjöström L et al.New England Journal of Medicine200410.1056/NEJMoa035422
DASH Diet, Weight Loss and Blood PressureSacks FM et al.New England Journal of Medicine200110.1056/NEJM200101043440101
Prevention of Hypertension by Weight ReductionHe J et al.JAMA200010.1001/jama.282.17.1577
Weight Change and Incident HypertensionGelber RP et al.Circulation200710.1161/CIRCULATIONAHA.106.671495
Impact of Obesity on HypertensionHall JE et al.Hypertension201510.1161/HYPERTENSIONAHA.115.04275
Exercise, Weight Loss and Blood PressureCornelissen VA, Smart NAHypertension201310.1161/HYPERTENSIONAHA.112.201491

Das Transkript

Die erste Frage, die häufig auftaucht, wenn es um deinen hohen Blutdruck geht: Wie viel wiegst du denn? Ja, und das ist das Thema von heute. Wir gehen es locker an, würde ich mal sagen.

Ja, das Gewicht ist immer so eine Sache, da spricht man gerne drüber, aber ich finde, wir sollten uns erstmal darüber unterhalten, bevor wir uns beschäftigen mit der Frage, was denn Gewicht und Blutdruck miteinander zu tun haben, wie denn das Gewicht überhaupt bestimmt wird. Na klar, in Kilogramm. Und wenn ich mich erinnere, als ich im Studium war, da wurde sozusagen ein Normgewicht festgelegt, und dieses Normgewicht wurde damals ständig wieder weitergetragen. Und zwar stammte das aus der Untersuchung von vielen Schweizer Soldaten, und da wurde einfach festgestellt: Ja, irgendwo ist das Normgewicht. Und da gab es eine Tabelle, und da konnte man daran entstöbern und konnte man sagen: Wow, wo hältst du dich denn da auf? Und konnte man sagen: Ja, jetzt bin ich übergewichtig oder nicht übergewichtig. Und damals war ich nach diesen Kriterien normgewichtig.

So, und jetzt ist die WHO und viele andere schlaue Leute vor nicht allzu langer Zeit hergegangen, ich würde sagen, so vor 15 Jahren etwa oder etwas früher noch, und hat gesagt: Boah, wir müssen mal gucken, ob wir dieses ganze Thema nicht auch abhängig machen können von der oder müssen von der Körpergröße. Und da haben sie sozusagen den Body Mass Index erfunden. Dieser Body Mass Index, der wird gebildet aus der Division deines Körpergewichts durch das Quadrat deiner Körpergröße in Metern. Also, wenn du zum Beispiel wie ich 110 Kilo wiegst und bist 1,96 groß, dann nimmst du 1,96 mal 1,96, da kommt so etwa 3,8 und ein paar kleine raus. Und jetzt musst du quasi das Gewicht 110 durch 3,8 und ein paar kleine dividieren. Da kommt dann ein Body Mass Index von 28 raus, und den habe ich auch.

Und wenn man jetzt guckt, da gibt es jetzt schöne Tabellen oder schöne Richtlinien, die man mal danach schauen kann, was denn jetzt als Übergewicht und was als Adipositas, also erheblichem Übergewicht, deklariert wird. Also, bei einem Body Mass Index unter 18,5, da bist du twiggy, also da bist du untergewichtig. Und beim Body Mass Index zwischen 18,5 und 24,9, da bist du normalgewichtig. Und zwischen einem Body Mass Index zwischen 25 und 29,9, da hast du Übergewicht. Und bei einem Body Mass Index über 30, da bist du einfach adipös. So ist die Definition, also sehr stark übergewichtig.

Und jetzt kommt man: Wie kommt man auf diese Grenze? Und auf diese Grenze kommt man deswegen, weil man Studien angeschaut hat, in denen man gefunden hat, dass Menschen mit einem Body Mass Index über 25 schon ein etwas erhöhtes Risiko haben, unter einem Bluthochdruck oder ähnlichen Nebenwirkungen zu leiden. Und einem Body Mass Index über 30, da ist dann das ein deutlich erhöhtes Risiko. Und da gibt es auf jeden Fall eine erhöhte Krankheitslast nach diesen Studien.

Und jetzt fragt man sich natürlich: Was sagen solche Indizes über dich selber aus? Ich sage mal so ganz ehrlich, ich kenne einen Haufen Leute, die einen Body Mass Index deutlich über 30 haben und ihr ganzes Leben lang einen normalen Blutdruck hatten. Also, jetzt müssen wir mal sagen, es ist eine Mittlung der Bevölkerung und eine Mittlung des Risikos, aber sagt natürlich etwas aus, dass dein Individualrisiko etwas größer sein könnte. Aber in dir selber sagt das überhaupt nichts aus. Wenn du einen Body Mass Index von 28 oder 29 oder 30 hast und hast einen normalen Blutdruck, ist alles im Lot.

Ganz schlaue Leute sagen natürlich: Wow, wow, wow. Wenn du einen Body Mass Index länger oder höher als 29 über mehrere Jahre hast, dann wirst du hinterher, auch wenn du dann deinen Body Mass Index etwas reduziert hast, eher unter einen Nebenwirkungen des Übergewichtes leiden als andere Menschen. Ja, das ergibt sich häufig aus den Untersuchungen, aber bei diesen Untersuchungen muss man immer genau gucken. Es sind Untersuchungen, die an einer definierten Population gemacht worden sind, und die sind gemittelt worden. Und natürlich gibt es Interessen dahinter, und deswegen muss man immer ganz vorsichtig sein und sein eigenes Wohlfühlgewicht vielleicht wirklich heraussuchen.

Natürlich, wenn man einen hohen Blutdruck hat, dann sollte man überlegen, ob man vielleicht diese Risiken etwas minimieren kann, dass Blutdrucknebenwirkungen auftreten. Und da kommen wir jetzt zu dem Thema von heute. Also, dein Individualgewicht, dein Wohlfühlgewicht bei normalem Blutdruck sind die entscheidenden Dinge. Wir leben nicht auf dieser Welt, um irgendwelchen Gesichtspunkten Rechnung zu tragen, die irgendwelche Menschen und schon gar nicht die WHO zusammengetragen hat.

So, und jetzt kommen wir zu Bluthochdruck und dem Übergewicht und dessen Zusammenhang. Viele Menschen sagen natürlich: Mein Blutdruck ist eben halt genetisch, da kann man nicht viel machen. Und der Opa war auch schon übergewichtig, und die Oma war auch schon übergewichtig, und mein Vater war auch nicht der Dünnste. Also, hier wird einfach ganz klar gesagt: Ich bin meinem Körper ausgeliefert, und das stimmt wirklich nicht ganz. Denn wir wissen inzwischen, dass Übergewicht einer der stärksten Treiber von Bluthochdruck ist. Und diesen Zusammenhang kann man auch sehr schön sehen, wenn man jetzt hergeht und bezüglich des Gewichtes mal interveniert.

Und da kann ich dir eine sehr schöne Zahl nennen, und zwar: Wir wissen eben halt, dass pro Kilogramm Körpergewicht dein Blutdruck um 1 mm Hg im Mittel sowohl systolisch als auch diastolisch sinkt oder steigt. Also, wenn du 5 Kilo abnimmst, dann sinkt dein Blutdruck um 5 mm Hg. Ja, welches Medikament senkt den Blutdruck um 5 mm Hg? Alle Blutdruckmedikamente, jedes einzelne, erzielt im Mittel 5 mm Hg. Also, das heißt, wenn du 5 Kilo abnimmst, sparst du eine Pille. Und wenn du 10 Kilo abnimmst, dann sparst du vielleicht zwei Pillen. Und das geht so weiter. Aber warum ist das so entscheidend? Und da wissen wir ganz genau, dass, wenn der Blutdruck 5 mm Hg systolisch höher ist, dann hast du ein deutlicheres Risiko noch für einen Schlaganfall. Wenn du aber 10 mm Hg deinen Blutdruck erhöhst, dann hast du ein 40-prozentig höheres Schlaganfallrisiko. Und umgekehrt, wenn du einen Blutdruck um 5 mm Hg systolisch senkst, hast du ein geringeres Schlaganfallrisiko. Und wenn du 10 Kilo abnimmst, hast du ein bis zu 40 Prozent geringeres Schlaganfallrisiko. Das Gleiche gilt für die Herzinfarkte, das Gleiche gilt für die Herzschwäche, und das Gleiche gilt für deine Lebenserwartung. Denn weil diese Ereignisse nicht eintreten, ist deine Lebenserwartung deutlich besser.

Also, was du schon mal mitnehmen kannst: Schon kleine Schritte können dein Risiko bezüglich des Blutdruckes spürbar verändern. Das bedeutet auch für dich: Du musst nicht perfekt sein, aber du darfst anfangen.

Und da fragst du dich natürlich: Sag mal, warum ist eigentlich Übergewicht so effektiv bezüglich des hohen Blutdrucks? Was passiert da eigentlich? Und da wissen wir inzwischen viel mehr als früher. Als ich anfing zu studieren, da war das so: Das Fettgewebe war relativ inaktiv, das lag da rum und schützte einen vor Geld, aber sonst nichts.

Das stimmt nicht mehr. Wir wissen inzwischen, dass das Fettgewebe ein sehr hormonell aktives Organ ist. Es beeinflusst deine Gefäße, indem es nämlich die Gefäßweite über Hormone beeinflusst. Es beeinflusst dein Nervensystem, weil es nämlich mit der Leptinsituation zusammenhängt, und es beeinflusst deine Nieren und deinen Salz- und Wasserhaushalt. Und damit wird auch der Blutdruck geregelt. Und diese Hormone, die dieses Fettgewebe ausschüttet, das sind vergleichbar wie Stresshormone, und die kratzen eben halt an deinen Gefäßen.

Es entsteht also mehr Druck in den Gefäßen, dadurch werden die Gefäße steifer, es werden Stresshormone aktiviert, und durch die Salz- und Wasserbindung steigt dein Blutdruck und dein Körpergewicht. Und nochmal: Du hast eine verringerte Gefäßelastizität. Das bedeutet, wenn dein Herz schlägt, dann wird kurzfristig Blut herauskommen. Die Gefäße dehnen sich aber nicht mehr richtig, sodass sie in der Diastole auch dann den Blutdruck und das Blut nicht mehr so gut vorantreiben können. Und das schränkt deine Leistungsfähigkeit ein.

Das heißt, durch das Übergewicht und das vermehrte hormonell aktive Fett gerät dein Körper in einen dauerhaften Hochdruckmodus, und der dauerhafte Hochdruckmodus ist ein dauerhafter Stressmodus. Und wenn das Gewicht aber sinkt, entspannt sich dieses System wieder, und deswegen ist die Körpergewichtssenkung auch nur in kleinen Mengen so effektiv. Menschen brauchen dann logischerweise weniger Blutdruckmedikamente. Manche reduzieren sie etwas, manche können sie ganz absetzen, und bei einigen normalisiert sich der Blutdruck komplett normal.

Das bedeutet für dich, wenn du zu den Menschen gehörst, die mindestens einen Body Mass Index höher haben als, ich nenne es jetzt mal, 26, 27, ist es vielleicht sinnvoll, mal auf die S-Bremse zu treten oder etwas wegzulassen, was dein Körpergewicht senkt.

Nun muss man aber auch überlegen, wir wissen ja alle, dass diese Crash- oder irgendwelche Hammer-Diäten, die dein Körpergewicht in ruckzuck kurzer Zeit zu senken vermögen, nicht das Dauerziel sein können, weil du kannst dich ja so nicht weiter ernähren und du hast dann auch keinen Spaß mehr, sozusagen dein Essen zu genießen.

Und da sind wir bei einem ganz wichtigen Punkt, nämlich: Wenn ich jetzt dir eine Diätempfehlung gebe, die deine Ernährungsgewohnheiten komplett umkrempelt, dann zeigst du mir nach 14 Tagen den Vogel. Weil nämlich deine ganzen Verhaltensweisen werden auf den Kopf gestellt und du empfindest plötzlich keine Lebensqualität mehr. Deswegen ist es nicht sinnvoll, dein Blutdruck, dein Gewicht um relativ kurz in relativ kurzer Zeit zu senken.

Das heißt, du solltest dir realistische Ziele setzen und die würden so etwa zum Beispiel 3 bis 5 Kilo weniger in mehreren Monaten. Langsam und stabil und vor allen Dingen nachhaltig und machbar. Fängst also bei kleinen Dingen an. Wenn du deinen Ernährungsbereich nicht komplett umstellen willst, aber kannst du schon ganz viele kleine Dinge tun. Du kannst zuerst zum Beispiel mal so was entwickeln wie ein Portionsbewusstsein. Das heißt, du musst nicht verzichten auf das, was du gerne isst, sondern du reduzierst einfach die Menge. Das heißt, die Portion ist einfach nicht mehr: Boah, die deckt jetzt zweimal den ganzen Teller ab, sondern die deckt einfach nur eben halt einen kleinen Teller ab. Und diese genießt du dann.

Das ist überhaupt beim zweiten Thema Genuss, ein ganz wichtiger Punkt. Das heißt also, das, was du gerne isst, isst du langsam, du genießt den Geschmack und bist beim Essen, nur beim Essen und nicht bei irgendwelchen anderen Dingen, um gleichzeitig wieder aufzuspringen und das nächste Task zu erledigen, die nächste Aufgabe zu erledigen.

Und da sind wir beim ganz wichtigen Punkt, nämlich: Reduzier deinen Stress, wo immer es möglich ist, reduzier deinen Stress. Und zu diesem Thema hatte ich bereits mehrere Podcast-Folgen gemacht, wie man, wie du deinen Stress reduzieren kannst. Und das ist ein ganz wichtiger Punkt, denn Stress schüttet wieder diese Hormone aus, die eben halt deine Gefäße langfristig schädigen.

Stress war früher normal, wenn man sozusagen vor einem Tier, vor einem bösen Tier fliehen wollte als Säugetier, da war das gut, das war da ein paar Minuten, da warst du weg und da war der Stress wieder weg. Also, du hast aber mit dem erhöhten Blutdruck, mit dem Übergewicht quasi eine Dauerstresssituation und die darfst du reduzieren. Also, Stress solltest du versuchen zu reduzieren.

Und dann noch ein Tipp: Wenn du morgens zur Arbeit fährst, parkst du dein Auto wirklich 500 Meter vor deiner Arbeitsstelle und gehst die 500 Meter morgens zu Fuß. Oder du nimmst die Treppe, wenn du in die zweite oder dritte Etage steigen musst. Und wenn du in die zehnte Etage steigen musst, dann gehst du die ersten drei Etagen zu Fuß und den Rest fährst du mit dem Aufzug. Versuch es, in kleinen Schritten hinzukriegen. Alle diese Maßnahmen senken deinen Blutdruck schon und du brauchst dir überhaupt keine Sorgen zu machen.

Und ein ganz wichtiger Punkt: Du gehst nicht jeden Tag auf die Waage. Wer jeden Tag auf die Waage geht, stresst sich. Die nächste ist dann: Wenn du dich wiegst, wiegst du dich einmal in der Woche, aber nicht häufiger. Und dann gehst du morgens nach dem Pipi machen, nach dem Wasserlassen auf die Waage, weil das ist genau die Menge Wasser, die in deinem Körper physiologischerweise ist. Und so stellst du dich auf die Waage und dann hast du auch vergleichbare Gewichte. Also einmal in der Woche und morgens nach dem Wasserlassen auf die Waage. Das Gewicht kannst du dir aufschreiben. Und das machst du bitte nur einmal in der Woche.

Was habe ich dir heute erzählt? Jedes Kilo weniger kann deinen Blutdruck messbar senken. 1 mm Hg Blutdruck runter, wenn du 1 Kilo an Gewicht verlierst. Und dann fang einfach mit kleinen Mengen an. Nicht irgendwann, nicht theoretisch, sondern geh einfach los und mach es. Und dann wirst du erkennen: Wow, jetzt habe ich meine ersten Erfolge bezüglich meines Blutdrucks eingefahren und kann vielleicht schon eine Tablette absetzen.

Ja, ich danke dir, dass du bis hierher zugehört hast. Ich würde natürlich gerne wissen, welche Erfahrungen du mit deinem Blutdruck und deinem Körpergewicht gemacht hast. Und vielleicht schreibst du es unter die Shownotes mal oder du schickst mir eine Nachricht oder kontaktierst deine Erfahrungen auf Facebook in der Gruppe „Blutdruck im Griff ohne Stress“. Dann kannst du mit vielen Gleichgesinnten auch über dieses Thema reden und ihr könnt euch gegenseitig die besten Tipps geben.

Ja, und dann habe ich noch eine Bitte. Am Ende des Podcasts würde ich mich natürlich riesig freuen, wenn du bei Apple Podcasts oder bei Spotify oder bei YouTube, wo dieser Podcast auch erscheint, eine positive Nachricht hinterlässt. Denn dann können viel mehr Menschen diese Podcast-Folge hören und profitieren da vielleicht mit dem Gewicht, so wie du. Bis dann.

Dein Blutdruck – die Wahrheit über „normal“

Was ist denn jetzt nun der normale Blutdruck?

Die Diskussion um Blutdruck-Normwerte ist seit der Einführung neuer, deutlich niedrigerer Leitlinien besonders intensiv. Ich nehme dich mit auf eine sachliche Reise durch aktuelle Studien und Leitlinien und zeige auf, weshalb ein zu stark gesenkter Blutdruck nicht automatisch mit mehr Sicherheit verbunden ist. Dabei wird deutlich, dass niedrigere Werte auch unerwartete Risiken bergen können und dass der Blick auf den einzelnen Menschen entscheidend bleibt.

Kapitelübersicht

00:00 Blutdruck-Normwerte: Amerikanische Leitlinien

Praxisblutdruck:

KategorieSystolisch (mmHg)Diastolisch (mmHg)
Normal< 120< 80
Erhöht („Elevated“)120–129< 80
Hypertonie Stadium 1130–13980–89
Hypertonie Stadium 2≥ 140≥ 90

Therapieziel für nahezu alle Risikogruppen: < 130/80 mmHg

Ich erläutere die aktuellen amerikanischen Leitlinien und ordne ein, welche Veränderungen sie für die Definition von „normalem“ Blutdruck mit sich bringen.

03:00 Gefahren zu niedriger Blutdruckwerte

Ich zeige auf, welche Risiken mit sehr niedrigen Blutdruckwerten verbunden sein können und warum diese Aspekte in der öffentlichen Diskussion oft zu wenig Beachtung finden.

07:07 Individueller Zielblutdruck und Messung

Ich verdeutliche, weshalb der Zielblutdruck immer individuell festgelegt werden sollte und welche Rolle eine korrekte und kontextbezogene Messung dabei spielt.

10:09 Bedeutung der Versorgungsforschung

Ich stelle dar, warum Ergebnisse aus der Versorgungsforschung für die tägliche medizinische Praxis unverzichtbar sind und wie sie helfen, Therapieziele realistisch und patientenorientiert zu definieren.

Zentrale Zitate

„Wir leben hier nicht auf dieser Welt, um irgendwelche Normwerte zu erzielen, sondern wir wollen, dass unser Blutdruck möglichst normal ist und wir wollen ein möglichst langes Leben erzielen.“ – Dr. Harald Messner

„Das heißt, je niedriger dein Blutdruck in der Systole ist, kleiner 114 in dieser Gruppe, desto höher ist deine Wahrscheinlichkeit zu sterben.“ – Dr. Harald Messner

„Dein Hausarzt kennt deine Gefäße, kennt deine Situation und kennt deine Lebensführung. Deswegen ist ein Therapieziel von 130 zu 85 oder maximal 135 zu 85 in vielen Fällen sinnvoll.“ – Dr. Harald Messner

Hintergrund zur Geschichte

Die amerikanischen Leitlinien haben die Schwelle für einen als „normal“ geltenden Blutdruck deutlich abgesenkt. Dadurch werden erheblich mehr Menschen als hyperton eingestuft. Ich erläutere, weshalb diese strengen Grenzwerte nicht automatisch im besten Interesse jedes Patienten liegen. Anhand einer Studie zeige ich einen unerwarteten Zusammenhang zwischen einem sehr niedrigen systolischen Blutdruck und einer erhöhten Sterblichkeit bei normotensiven Menschen auf. Diese Ergebnisse stellen die weit verbreitete Annahme infrage, dass ein möglichst niedriger Blutdruck grundsätzlich mit einem besseren gesundheitlichen Ausgang verbunden ist, und unterstreichen die Bedeutung individueller Therapieentscheidungen.

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Transkript:

Ja, immer wieder höre und sehe ich Diskussionen über, wow, ist das jetzt nun mein normaler Blutdruck oder ist der nicht normal, was muss er jetzt tun? Und jetzt sind diese amerikanischen Leitlinien so weit runtergegangen, dass sogar ein Blutdruck systolisch über 120 offensichtlich ein Problem darstellt. Ja, ich will dich mal aufklären, viel Spaß dabei.

Oder ich will dir besser mal meine Meinung zu dem Thema sagen. Erstens, wir leben hier nicht auf dieser Welt, um irgendwelche Normwerte zu erzielen, sondern wir wollen, dass unser Blutdruck möglichst normal ist und wir wollen ein möglichst langes Leben erzielen. Und das ist unser Ziel. Aber wir wollen aber auch ein beschwerdefreies Leben erzielen. Wir wollen bei allen therapeutischen Gesichtspunkten, die man so hat, natürlich auch kein erhöhtes Risiko eingehen, indem man zum Beispiel einen Wert sehr niedrig macht oder einen Wert sehr hoch lässt oder einen Wert niedrig macht und damit sozusagen negative Effekte zum Beispiel von Medikamenten oder anderen Therapien einzugehen. Also wir wollen hier einen Risikofaktor behandeln, wenn der Blutdruck nicht extrem hoch ist und extrem hoch, würde ich jetzt mal ansagen, ist auf die Dauer Ein Blutdruck über 140 zu 95, wenn der morgens bei dir auf der Bettkante gemessen wird, dann muss man darüber nachdenken, irgendetwas zu tun. Und jetzt kommen wir mal zu den niedrigen Blutdruckwerten.

Und zwar die amerikanischen Leitlinien haben jetzt gesagt, und damit sind ganz, ganz viele Menschen plötzlich zu Hypertonikern geworden, dass ein normaler Blutdruck unter 120 zu 80 sein soll und dass ein erhöhter Blutdruck bereits bei 120 bis 129 mm Hg systolisch und bei einem Blutdruck größer gleich 80 mm Hg ist. Oh, Stein, vor allem kleine 80 mm Hg. Das heißt also, wenn du einen Blutdruck von 125 zu 75 hast, dann hast du nach den amerikanischen Leitlinien schon einen erhöhten Blutdruck. Damit werden ein Haufen von Amerikanern plötzlich zu Hypertonikern. Das wird vor allen Dingen die Pharmaindustrie interessieren. Und das bedeutet für dich und für die Pharmaindustrie, wow, essentiell bin ich gesund, wenn ich 120 zu 75 habe und ich muss jetzt bald Medikamente nehmen. Und da freut sich die Pharmaindustrie.

Aber jetzt wollen wir mal die Kirche im Dorf lassen. Diese Normwerte sind nahezu meines Erachtens nicht vernünftig zu interpretieren und auch gar nicht zu vertreten. Denn es gibt eine sehr schöne Untersuchung. Die haben sich nämlich mal die Aufgabe gemacht, die Menschen, die nach den alten Leitlinien Normwert Blutdruckwerte, Menschen waren das nämlich alle die, die kleiner 140 zu 90 Blutdruck hatten. Und da haben sie insgesamt, lass mich schauen, in der englischen Biobank

Menschen insgesamt gefunden, die eben halt nicht hypertone waren, also die einen dauerhaften Blutdruck kleiner 140 zu 90 mm AG haben. Und die haben sie dann untersucht und haben sie über 13,7 Jahre nachverfolgt und in dieser Zeit gab es 2553 Todesfälle. Und jetzt findet man ja einen linearen Zusammenhang zwischen dem diastolischen Blutdruck und der Mortalität. Das bedeutet, je höher der diastolische Blutdruck war in dieser Gruppe der noch Normotensiven, desto größer war deren Chance an der Gruppe der 2553 Toten beteiligt gewesen zu sein. Aber in Bezug auf den systolischen Blutdruck gab es eine ganz andere Nachricht, und zwar die, die den niedrigsten systolischen Blutdruckwert hatten. Und das war die Gruppe, die einen systolischen Blutdruck dauerhaft unter 114 hatten, war mit einer 16-prozentig höheren Wahrscheinlichkeit zu versterben gekennzeichnet. Das heißt, je niedriger dein Blutdruck in der systole ist, kleiner 114 in dieser Gruppe, desto höher ist deine Wahrscheinlichkeit zu sterben. Und wenn der Blutdruck in dieser systolische Blutdruck in dieser Gruppe größer 120 zu 126 war, dann war bei den Normotensiven auch da die Wahrscheinlichkeit, dass sie versterben auch etwas höher.

Was bedeutet das für diese Normwertdiskussion um den systolischen Blutdruck? Da sage ich mal ganz die Kirche im Dorf lassen. Und zwar muss man sagen, dass offensichtlich Blutdruckwerte bis 135 zu 185 Normwert Blutdruckwerte gemessen sind, wenn sie Plaque Praxis Blutdruckwerte sind. Das heißt also, wenn du in deinen Hausarzt gehst und dort deinen Blutdruck messen lässt, dann ist das einfach ein Praxisblutdruck Und der sollte 135 zu 85 nicht überschreiten. Und dann gibt es hier eine Situation, wo das vergleichbar ist, nämlich auch bei der Langzeitblutdruckmessung sagt man, dass der Tagesblutdruck nicht über 135 zu 85 sein sollte, und zwar der mittlere Tagesblutdruck und nicht kleiner 120 zu 80 und deswegen bitte lasst eure Blutdruckwerte nicht zu niedrig senken, denn dann nehmen die Nebenwirkungen zu.

Und es gibt noch eine sehr schöne Studie, die zwar bei Diabetikern gemacht worden ist, und zwar ging es dabei um die Anwendung des Medikamentes Irbisatan und dabei hat man festgestellt, dass diese Gruppe derer, die durch das Irbisartan mit einem sehr niedrigen Blutdruck behaftet waren, eine höhere Mortalität hatten. Diese hatten aber auch das mal auch ganz klar sagen, mehr Beschwerden unter der Blutdrucksenkung. Deswegen kommen wir zu dem Du darfst mit deinem Hausarzt zusammen deinen Zielblutdruck festlegen. Das ist der Blutdruck, bei dem du keine Beschwerden hast, der am besten im Bereich von 135 zu 85 und tiefer liegt, aber der sicherlich nicht unter 120 zu 80 sein wollen, denn wir wollen ja nicht sozusagen, dass die Pharmaindustrie unnötiges Geld verdient für Situationen, die einfach deine Prognose nicht beeinflussen oder sogar deine Prognose verschlechtern.

Ich wiederhole es noch Deine Blutdrucktherapie darfst du mit deinem Hausarzt festlegen unter den Kriterien, die du mit deinem Hausarzt vereinbart hast. Dein Hausarzt kenn deine Gefäße und kennt deine Situation und der kennt deine Lebensführung und deswegen ist da insgesamt ein Therapieziel von 130 zu 85 oder maximal 135 zu 85 sicher sinnvoll. Solltest du älter sein, auch da gibt es immer noch Leitlinien, die ganz klar sagen, dass dann der Blutdruck systolisch etwas höher sein darf. Auf keinen Fall sollte aber dein Blutdruck dauerhaft unter 100 mm Hg gesenkt werden. Oder sogar nach dieser Studie der Normotensiven unter 114 mm Hg, denn dann wird deine Prognose nach dieser Untersuchung bei einer großen Patienten oder Probandenzahl offensichtlich deutlich schlechter, also hin zu deinem Hausarzt, diskutiere das mit ihm und dann wird bei dir der Ruheblutdruck gemessen und du sollst den Wirklich in Ruhe messen.

Das ist der morgendliche Blutdruck auf der Bett. Ich wiederhole es, ich weiß das, Aber dieser Blutdruck ist so entscheidend für deine Prognose, weil da bist du nämlich dann nicht mehr nervös, da bist du nicht beunruhigt und da sind deine endogenen Substanzen, die eben halt deinen Blutdruck aus dir selbst heraus am höchsten. Und das ist eben halt Adrenalin, Noradrenalin und das Cortisol und andere Faktoren, die dann den Blutdruck im Laufe des Tages erhöhen, sind am Morgen am höchsten. Und deswegen solltest du deinen Ruheblutdruck morgens auf der Bettkante messen. Und wenn du zu deinem Hausarzt gehst und dich schon sorgst beim Blutdruckmessen durch die Helferin oder durch den Hausarzt selber, dann kannst du davon ausgehen, dass dein Blutdruck auf jeden Fall höher ist, als er normalerweise ist.

Und Wenn du eine 24 Stunden Blutdruckmessung machst und kannst die ganze Nacht nicht schlafen, weil das Blutdruckmessgerät dich an deinem Arm stört, dann kann man diese Werte auch nicht benutzen, um einen Blutdruck festzustellen. Das heißt, nur die in Ruhe gemessenen Werte sind die entscheidenden. Und auch so sind die meisten Untersuchungen ausgelegt. Und dann noch vielleicht was Es gibt immer nur Studien mit einzelnen Medikamenten oder Medikamentenkombinationen oder irgendwelchen anderen Geschichten, die isoliert an einer Gruppe von Menschen gemacht worden ist. Aber es gibt leider keine Versorgungsforschung. Was bedeutet Versorgungsforschung? Versorgungsforschung bedeutet, dass man alle Menschen, die sozusagen in der Praxis irgendwo aufschlagen, mit einer gewissen Therapie versieht und schaut, wie diese Situation sich bei den Menschen langfristig ändert. Denn da fallen dann auch die Sachen mit rein, die eben halt ganz bedeutungsvoll sind, Nämlich zum Beispiel lassen manche Menschen die Medikamente einfach weg, holen sie sich die und nehmen die einfach nicht. All diese Dinge oder sie ändern ihre Lebensumstände und all diese Dinge, die sind doch viel auch noch entscheidend für das Ergebnis, für dein subjektives Ergebnis nach 10 oder 20 Jahren Bluthochdruck.

Deswegen halt die, sage ich mal, halt die Waffen still und gehe erstmal in Ruhe zu deinem Hausarzt, bestimm das mit ihm und und dann kannst du über die anderen Dinge der Lebensführung über die ich ja hier auch sehr viel berichte, auch nachdenken, sodass du dann deinen individuellen Normwert sogar mit wenigen oder gar keinen Medikamenten erreichen kannst. Ja gut, nochmal Aufklärung zu den Normwerten, die eben halt, ich glaube, sehr stark in die Diskussion hinein verändert werden müssen.

OK, ich wünsche dir noch einen schönen Tag. Ich danke dir, dass du bis hierher gehört hast. Ich freue mich, Wenn du bei Apple Podcast, bei Spotify oder bei YouTube oder überall da, wo man die Podcasts hören kann, eine positive Bemerkung hinterlässt, wenn diese Podcast Folge dir gefallen hat. Denn dann kommen immer mehr Menschen in die Lage, diese Podcast Podcast zu hören und sich über ihren Blutdruck zu informieren. Und wenn dir was einfällt, was ich unbedingt besprechen soll, dann schick mir eine Mail. Ich freue mich darauf. Bis bald.