Die faszinierende Geschichte der Blutdruckmessung
Du wirst nun auf eine Reise in die Vergangenheit mitgenommen. Du blickst zurück auf die Entwicklung des medizinischen Verständnisses von Blutkreislauf und Blutdruck. Dabei stellt sich die grundlegende Frage: Wann begriff der Mensch überhaupt, dass Blut in einem Kreislauf fließt? Und ab welchem Zeitpunkt wurde ein Zusammenhang zwischen erhöhtem Blutdruck und Krankheit erkannt? Diese beiden Leitfragen ziehen sich durch die gesamte historische Entwicklung.
All das erfährst du in dieser Podcastfolge!
Frühe Beobachtungen: Die Entdeckung des Zusammenhangs
Bereits vor etwa 4000 Jahren machte der chinesische Gelehrte Huang Ti bemerkenswerte Beobachtungen. Er stellte einen Zusammenhang her zwischen der Qualität des Pulses, Übergewicht, Salzkonsum und dem Risiko eines Schlaganfalls. Seine Methode war schlicht, aber präzise: Er tastete den Puls am Handgelenk seiner Patienten.
Dabei fiel ihm auf, dass ein harter, schwer komprimierbarer Puls besonders häufig bei übergewichtigen Menschen vorkam, die viel Salz zu sich nahmen. Genau diese Personen erlitten später häufiger Schlaganfälle. Schon in dieser frühen Phase der Medizin erkannte man also, dass Lebensgewohnheiten mit gesundheitlichen Risiken verknüpft sind.
Etwa 2000 Jahre später beschrieb Galen im europäischen Raum erstmals den sogenannten „Pulsus Durus“ – den „harten Puls“. Auch er verband diesen Befund mit einer ungünstigen Prognose. Obwohl die physiologischen Mechanismen noch unbekannt waren, legten diese Beobachtungen den ersten Grundstein für das spätere Verständnis von Bluthochdruck.
Der Kreislauf des Blutes: Eine bahnbrechende Entdeckung
Erst 1628 kam es zu einem entscheidenden Durchbruch. William Harvey erkannte, dass das Herz als Pumpe fungiert und das Blut in einem geschlossenen Kreislauf zirkuliert. Er zeigte, dass Blut vom Herzen durch den Körper strömt, zurückkehrt und über die Lunge geleitet wird.
Diese Erkenntnis widersprach der damaligen Lehrmeinung, nach der Blut im Körper „verbraucht“ werde. Harveys Entdeckung veränderte die Medizin grundlegend. Sie schuf erst die Grundlage dafür, über Druckverhältnisse in den Gefäßen nachzudenken – und damit über Blutdruck im modernen Sinne.
Ohne dieses Verständnis des Kreislaufs wäre eine gezielte Blutdruckmessung niemals möglich gewesen. Die gesamte moderne Kardiologie baut auf dieser Einsicht auf.
Die ersten Messungen: Von Pferden zu Menschen
Die erste tatsächliche Blutdruckmessung erfolgte 1733 durch Stephen Hales. Er führte eine direkte, invasive Messung an einem Pferd durch, indem er eine Glasnadel in die Halsschlagader einführte und das Blut in einen senkrechten Schlauch steigen ließ. Die Höhe der Blutsäule entsprach dem Blutdruck.

Eine historische Abbildung der ersten blutigen Blutdrucmessung beim Pferd 1733
Obwohl diese Methode wissenschaftlich wegweisend war, war sie für den Menschen ungeeignet. Damit wurde klar: Es musste eine nicht-invasive Messmethode entwickelt werden.
Ende des 18. Jahrhunderts entstand schließlich das Quecksilbermanometer, das Druck über die Höhe einer Quecksilbersäule sichtbar machte. Damit rückte eine praktikable Blutdruckmessung erstmals in greifbare Nähe.
Die Oberarmmanschette: Ein Meilenstein
1896 entwickelte Scipione Riva-Rocci die heute noch bekannte Oberarmmanschette. Sie wurde um den Oberarm gelegt und aufgepumpt, bis der Puls am Handgelenk nicht mehr tastbar war. Über ein Quecksilbermanometer konnte der Druck abgelesen werden.
Beim langsamen Ablassen der Luft wurde der Wert registriert, bei dem der Puls wieder fühlbar war – der systolische Blutdruck. Obwohl Riva-Rocci nur diesen oberen Wert bestimmen konnte, ist sein Name bis heute präsent: „RR“ steht für Riva-Rocci.
Seine Methode machte die Blutdruckmessung erstmals wiederholbar, vergleichbar und klinisch nutzbar. Damit begann die routinemäßige Blutdruckkontrolle in der Medizin.
Korotkow-Töne: Die komplette Blutdruckmessung
Der entscheidende nächste Schritt gelang Nikolai Korotkow. Er nutzte ein Stethoskop in der Ellenbeuge während der Messung mit der Manschette.
Beim Ablassen der Luft hörte er erstmals Klopfgeräusche – die später nach ihm benannten Korotkow-Töne. Der Moment ihres Auftretens markierte den systolischen Wert. Das Verschwinden dieser Töne entsprach dem diastolischen Blutdruck.
Damit war es erstmals möglich, beide Blutdruckwerte präzise zu bestimmen. Die Messung nach Korotkow bildet bis heute die Grundlage der klassischen auskultatorischen Blutdruckmessung.
Moderne Messverfahren: Präzision und Komfort
Heute stehen dir mehrere Messmethoden zur Verfügung:
1) Palpatorische Methode nach Riva-Rocci
Du pumpst die Manschette auf und tastest den Puls. Der systolische Wert wird abgelesen, sobald der Puls wieder fühlbar ist.
2) Auskultatorische Methode mit Stethoskop
Du hörst mit dem Stethoskop die Korotkow-Töne ab. Beginn der Töne = systolisch, Ende der Töne = diastolisch. Diese Methode gilt als besonders präzise.
3) Oszillometrische Messung mit automatischen Geräten
Moderne Blutdruckmessgeräte erfassen die Pulswellen in der Manschette und berechnen beide Werte per Algorithmus. Sie sind benutzerfreundlich und ideal für die Heimmessung.
Jede Methode hat ihren Platz: Die auskultatorische Messung wird häufig in der ärztlichen Praxis verwendet, während automatische Geräte die regelmäßige Selbstkontrolle erleichtern.
Warum die Blutdruckmessung so wichtig ist
Erst seit wenigen Jahrhunderten ist der Blutkreislauf wissenschaftlich verstanden, und erst seit gut 100 Jahren ist eine zuverlässige Blutdruckmessung möglich. Davor konnte man den Blutdruck nur indirekt über den Puls abschätzen.
Gleichzeitig zeigt die Geschichte, dass der Zusammenhang zwischen Pulsqualität und Krankheit bereits vor Jahrtausenden erkannt wurde. Die Entwicklung von der einfachen Pulstastung bis zu modernen Messgeräten verdeutlicht den enormen medizinischen Fortschritt.
Eine zuverlässige Blutdruckmessung ist heute ein zentrales Instrument zur Prävention und Behandlung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Ein gut eingestellter Blutdruck ist eine wesentliche Voraussetzung für langfristige Gesundheit.
Fazit
Von Huang Tis frühen Beobachtungen über Harveys Entdeckung des Blutkreislaufs bis hin zu Riva-Roccis Manschette und Korotkows Stethoskop-Methode hat sich das Verständnis des Blutdrucks Schritt für Schritt entwickelt. Moderne automatische Geräte ermöglichen dir heute präzise, einfache und regelmäßige Messungen.
In der nächsten Folge erfährst du, wie du die verschiedenen Messmethoden sinnvoll und korrekt bei dir selbst anwenden kannst. Bleib dabei – und entdecke, wie du deinen Blutdruck zuverlässig im Blick behältst.
Viel Spaß beim Zuhören! Und wie immer: bei Fragen: info(at)runtermitdemblutdruck.de
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Transkript:
Hallo, hier ist wieder Harald Messner mit dem Podcast „Runter mit dem Blutdruck“. Schön, dass du dich auch bei der dritten Folge des Podcasts eingeschaltet hast.
Du wirst dich sicher erinnern, in der zweiten Folge hatten wir besprochen, was im Körper den Blutdruck reguliert. Wir haben gemerkt, dass die Weite der Gefäße den Blutdruck viel, viel mehr reguliert als die Schlagkraft des Herzens.
Die Schlussfolgerung für uns und für dich war ganz wichtig, dass das Herz nicht die Ursache des hohen Blutdruckes ist, sondern eher unter dem hohen Gefäßwiderstand leidet. Und das führt dazu, dass es Herzerkrankungen gibt und das ist auch ein wichtiger Grund, warum wir versuchen sollten, deinen Blutdruck so gut wie möglich einzustellen.
Heute habe ich sicher ein paar spannende Themen ausgepackt, und zwar eher so historische Themen, die uns darauf hinweisen, wie spät oder wie früh die Menschen auf die Idee gekommen sind, dass es überhaupt einen Kreislauf im Körper gibt.
Heute wollen wir einen Ausblick oder besser einen Rückblick in die Vergangenheit wagen, und ich will dir erzählen, wann zum ersten Mal eine Verbindung zwischen einem möglichen hohen Blutdruck und einer krankmachenden Situation entdeckt wurde.
Vor 4000 Jahren beschreibt der Chinese Huang Ti, dass es eine Verbindung gibt mit der Höhe der Pulsqualität, dem Übergewicht, dem Salzkonsum und der Folge daran, an einem Schlaganfall zu erleiden. Was hat Huang Ti gemacht? Er hat einfach nur den Puls an seiner Hand gefühlt und an der Hand der Patientin gefühlt und hat festgestellt, wenn der Puls sehr hart ist und schwer unterdrückbar ist, dass das häufig Patienten sind, die ein Übergewicht haben, die eine Menge Salz zu sich nehmen und in deren weiterem Lebenslauf offensichtlich gehäuft Schlaganfälle vorkommen.
Vor 2000 Jahren hat dann Galen auch zum ersten Mal in der Literatur im europäischen Sprachraum den sogenannten Pulsus Durus beschrieben. Das nennt sich nichts anderes als der harte Puls, und auch da war die Assoziation offensichtlich, dass dieser Pulsus Durus mit einer schlechten Prognose für das Überleben des Patienten verbunden ist.
Und dann hat es ewig lange gedauert, bis im Jahr 1628, bis man dann entdeckte, dass das Herz im Prinzip eine Pumpe ist und dass diese Pumpe einen Kreislauf aufrechterhält und dass das Blut im Körper kreist und wieder zum Herzen zurückfließt, über die Lungen fließt. All das hat William Harvey im Jahre 1628 entdeckt, also noch gar nicht so lange her.
Und die erste wirkliche Blutdruckmessung, die ist beschrieben im Jahre 1733. Da hat nämlich Stephen Hales oder Stephen Hales, er kam aus England, eine blutige Blutdruckmessung beim Pferd durchgeführt. Er hat das Pferd hingelegt und hat dann in die Halsschlagader des Pferdes eine dünne Glasnadel eingefüllt und dann einen Schlauch damit verbunden und den Schlauch senkrecht nach oben gehoben und hat dann ablesen können, an der Höhe, wie hoch das Blut durch den Druck in dem Schlauch nach oben ging, wie hoch der Blutdruck war. Das war für die regelmäßige Blutdruckmessung auch beim Menschen überhaupt nicht zu gebrauchen, und es hat gedauert bis Ende des 18. Jahrhunderts, wo man dann das Quecksilbermanometer eingeführt hat.
Das Quecksilbermanometer ist ein ganz einfaches Prinzip. Da wird der Druck, der in einer Flüssigkeit oder in der Luft herrscht, gemessen gegen eine Quecksilbersäule. Die Quecksilbersäule stellt das Gegengewicht gegen den Druck dar, und je nachdem, wie hoch die Quecksilbersäule nach oben getrieben wird, so riss dann auch der Druck in dem entsprechenden Bereich, der gemessen wird.
Und noch viel später, 1896, also kurz vor 1900, hat dann Scipione Rivarocci die Oberarmmanschette entdeckt. Denn er ist hergegangen und hat einfach eine Manschette genommen und die um den Oberarm gelegt. Diese Manschette enthielt quasi einen luftdichten Raum, den er aufblasen konnte, und dieser luftdichte Raum, den er aufblies, der wurde dazu aufgeblasen, bis der Puls in der Hand nicht mehr tastbar war. Und er hat dann diese Manschette mit einem Quecksilbermanometer verbunden, und er konnte dann sozusagen den Blutdruck darüber messen.
Und zwar ist er hergegangen, hat dann den Puls oder die Manschette so weit aufgeblasen, bis er an der Hand keinen Puls mehr tasten konnte und hat dann langsam die Luft aus der Manschette herausgelassen. Und zu dem Zeitpunkt, wo er dann wieder einen Puls tasten konnte, hat er dann den Blutdruck abgelesen. Und wie du dir sicher vorstellen kannst, hat er den systolischen Blutdruck abgelesen, nämlich den Blutdruck, der dann entsteht, wenn das Herz mit der Pulswelle, die sich gerade zusammengezogen hat und die Pulswelle erzeugt hat. Das bedeutet, Scipione Rivarocci hat nur die systolische Blutdruckmessung vollziehen können.
Obwohl Rivarocci nur den systolischen Blutdruck messen konnte, ist sozusagen seine Namensgebung heutzutage auf jeder Blutdruckregistrierung zu sehen. Die Ärzte schreiben dann immer „RR“ hin, und „RR“ bedeutet Blutdruck, und diese „RR“ stehen für Rivarocci. Der Blutdruck wurde auch bei Scipione Rivarocci schon mit dem Quecksilbermanometer gemessen, sodass die Blutdruckwerte, die er systolisch registriert hatte, die systolischen Blutdruckwerte, die wir heute auch mit einer normalen Blutdruckmanschette messen können.
Nikolai Korotkow ist auf die Idee gekommen, ein Stethoskop zur Blutdruckmessung zur Hilfe zu nehmen. Und zwar hat er das Stethoskop auf die Ellenbogen gelegt und die Manschette so weit aufgeblasen, bis er keinen Puls mehr in der Schlagader am Handgelenk tasten konnte. Dann hat er langsam die Luft aus der Manschette abgelassen und konnte genauso wie Rivarocci dann mit dem Puls wieder den systolischen Blutdruck messen. Er hat aber dabei bemerkt, zu dem Zeitpunkt, wo er den systolischen Blutdruck gemessen hat, fing ein Klopfen im Stethoskop an, und das Klopfen hielt so lange an, bis es plötzlich verschwand. Und dieser zweite Blutdruck, wo das Klopfen im Arm plötzlich verschwindet, das entspricht dem sogenannten diastolischen Blutdruck.
Eigentlich messen wir heute also nicht nach Rivarocci den Blutdruck, sondern nach Nikolai Korotkow. Und der feine Unterschied dabei ist, wir können sozusagen jetzt hergehen, zwischen dem oberen und dem unteren Blutdruck unterscheiden und auch da viele neue Erkenntnisse über die Gefäße herausgewinnen.
Du siehst also, die Blutdruckmessung ist noch gar nicht so lange vorhanden. Man konnte das früher schätzen, und viel, viel entscheidender ist, dass wir sehr spät, wir Menschen, erst darauf gekommen sind, dass das Blut sich in einem Kreislauf bewegt und nicht irgendwo im Körper verloren geht, wie das viele Jahre bis 1628 eigentlich die Menschen dachten.
Nochmal: Blutdruck wird also durch den Begriff Rivarocci, der hat die Manschette erfunden, und wir nutzen heutzutage die Korotkow-Töne, um den systolischen und den diastolischen Blutdruck zu messen. Wir haben im Prinzip drei verschiedene Blutdruckmessungen. Die einfachste ist die palpatorische nach Rivarocci. Das heißt, die Manschette wird aufgeblasen, die Luft wird abgelassen, und zu dem Zeitpunkt, wo der systolische Blutdruck den Manschettendruck übersteigt, kannst du den systolischen Blutdruck auf der Skala der Quecksilbersäule oder dem Manometer ablesen. Die zweite Möglichkeit ist die auskultatorische. Du gehst also her und legst ein Stethoskop auf den Ellenbogen, und du bist in der Lage, dann den systolischen Blutdruck zum Zeitpunkt Beginn der Korotkow-Töne und den diastolischen Blutdruck zum Zeitpunkt des Endes der Korotkow-Töne abhören. Und die neuesten Messmethoden sind die, die mit den automatischen Geräten gemacht werden. Das sind sogenannte oszillometrische Messmethoden. Im Prinzip geht dieses Gerät her und nimmt den kräftigsten Puls wahr, und der Unterschied zwischen dem oberen und dem unteren Blutdruck wird damit im Prinzip über einen Rechenweg sehr verlässlich gemessen.
Was habe ich dir erzählt? Blutdruck ist erst sehr spät entdeckt worden. Herz und Kreislauf sind spät entdeckt worden. Die Notwendigkeit der Blutdruckmessung wurde schon sicher früh erkannt, weil die Erkrankungsassoziation schon vor 4000 Jahren bei den Chinesen bekannt war, und ich habe dir die verschiedenen Messverfahren erklärt.
In der nächsten Folge werde ich mit dir besprechen, wie man sinnvoll und einfach die einzelnen Messmethoden bei sich selber durchführen kann. Ich freue mich, dass du eingeschaltet hast, und ich wünsche dir noch einen schönen Tag. Bis dann, tschüss.
