Dein Blutdruck bei Hitze

Warum du vor Hitze keine Angst haben musst

Die aktuelle Berichterstattung über Hitzewellen gleicht oft einem Katastrophenfilm. In Medien und Politik wird eine regelrechte Angst vor hohen Außentemperaturen geschürt. Es fallen Behauptungen, dass bei 40 Grad Celsius das menschliche Gehirn Schaden nehmen würde. Doch ist diese Furcht medizinisch begründet? Als Arzt für Innere Medizin und Nephrologie sehe ich die Dinge gelassener. Unser Körper ist ein Meisterwerk der Anpassung.

Die Evolution hat uns mit einer beeindruckenden Fähigkeit ausgestattet, die uns von anderen Säugetieren unterscheidet. Wir sind darauf ausgelegt, Wärme abzuführen. Wer die physiologischen Abläufe kennt, verliert die Angst vor dem Sommer. In dieser Analyse schauen wir uns an, wie dein Körper mit Hitze umgeht und warum Schwitzen ein Zeichen von Gesundheit ist.

Die Thermoregulation: Dein Körper arbeitet für dich

Dein Körper hält seine Kerntemperatur konstant bei etwa 36,5 Grad. Wenn es draußen heiß wird, möchte der Organismus überschüssige Energie loswerden. Dies geschieht in zwei klugen Schritten. Zuerst weitet der Körper die Hautgefäße aus. Das Blut strömt vermehrt an die Oberfläche, um die Wärme an die Umgebung abzugeben. Dieser Vorgang bewirkt eine angenehme Senkung des Gefäßwiderstands.

Die Folge davon ist ein sinkender Blutdruck. Was in der Sauna gesundheitlich erwünscht ist, passiert auch an heißen Sommertagen ganz natürlich. Wärme kann bei richtiger Handhabung also sogar eine Wohltat für dein Herz-Kreislauf-System sein. Solange die Kerntemperatur nicht exzessiv ansteigt, gibt es keinen Anlass zur Sorge um deine geistige Leistungsfähigkeit oder deine Gesundheit.

Schwitzen: Die körpereigene Klimaanlage

Wenn die Außentemperatur die 37-Grad-Marke überschreitet, reicht die bloße Abstrahlung über die Haut nicht mehr aus. Hier greift der zweite Mechanismus: das Schwitzen. Flüssigkeit wird auf die Hautoberfläche gepumpt und verdunstet dort. Dabei entsteht Verdunstungskälte, die den Körper effizient abkühlt.

Dies ist der Grund, warum wir Menschen die ausdauerndsten Läufer unter den Säugetieren sind.

Andere Tiere, wie beispielsweise Hunde, sind dazu nicht in der Lage. Sie besitzen kaum Schweißdrüsen und müssen über Hecheln kühlen. Das ist bei weitem weniger effizient. Wir Menschen hingegen können unsere Temperatur über Stunden hinweg halten, solange wir Wasser nachliefern. Das Schwitzen schützt uns vor Überhitzung und ist somit ein essenzieller Bestandteil unserer körperlichen Robustheit.

Worauf du an heißen Tagen achten solltest

Obwohl dein Körper gut gerüstet ist, unterstützen ihn ein paar einfache Maßnahmen. Trinke an heißen Tagen etwa 2,5 Liter Wasser. Bei starker körperlicher Aktivität darf es etwas mehr sein. Die Waage ist ein hervorragendes Kontrollinstrument: Wenn du morgens und abends wiegst, erkennst du genau, wie viel Flüssigkeit du durch das Schwitzen verloren hast.

Beim Thema Wohnraum ist frische Luft wichtiger als hermetische Abriegelung. Geschlossene Fenster bei Hitze führen oft zu einer hohen Luftfeuchtigkeit im Raum. Da feuchte Luft den Verdunstungseffekt des Schweißes behindert, wird das Klima für dich unangenehmer. Öffne daher die Fenster, um den Wasserdampf abzuführen und für Zirkulation zu sorgen.

Besondere Vorsicht für Herz- und Nierenpatienten

Für Menschen mit einer vorliegenden Herzschwäche gelten andere Regeln. Ein geschwächtes Herz neigt dazu, Wasser im Körper einzulagern, da es die Flüssigkeitsmengen schlechter verarbeiten kann. Wer unter Ödemen leidet, sollte die Trinkmenge nicht eigenmächtig drastisch erhöhen. Hier ist eine engmaschige Kontrolle durch den Hausarzt sowie eine Beobachtung des eigenen Gewichts unerlässlich.

Besonders wichtig ist die Abstimmung der Medikamente. Patienten, die Diuretika zur Blutdrucksenkung einnehmen, sollten mit ihrem Arzt besprechen, ob eine Anpassung der Dosis während der heißen Tage sinnvoll ist. Ein zu niedriger Blutdruck kann gerade bei Hitze den Kreislauf belasten. Suche hier das Gespräch mit deinem Mediziner, anstatt Eigenentscheidungen zu treffen.

Pflegebedürftigkeit und menschliche Zuwendung

Ein oft vernachlässigter Aspekt ist die Betreuung älterer und pflegebedürftiger Menschen. Diese Personengruppe kann ihre Bedürfnisse oft nicht mehr selbstständig äußern oder umsetzen. Ein zusätzliches Glas Wasser oder das einfache Öffnen eines Fensters sind hier entscheidende Hilfeleistungen. Anstatt in teure technische Lösungen wie Klimaanlagen in Heimen zu investieren, sollte der Fokus auf mehr Zeit und menschlicher Zuwendung liegen.

Pflegekräfte sind durch enge Zeittakte oft überfordert. Wertschätzung und eine ausreichende Personaldecke sind der wirksamste Schutz für gefährdete Menschen. Wenn wir die Bedürfnisse älterer Mitbürger wahrnehmen, können wir viele hitzebedingte Probleme vermeiden, ohne in Panik zu verfallen. Menschliche Fürsorge schlägt hier jede technische Anlage.

Fazit: Vertraue deinem Körper

Habe keine Angst vor der Hitze. Dein Körper ist durch Millionen Jahre Evolution perfekt darauf vorbereitet, hohe Temperaturen auszugleichen. Nutze das Schwitzen als natürliches Signal deines Organismus und unterstütze ihn mit ausreichend Flüssigkeit und frischer Luft. Wenn du zudem auf deinen Blutdruck achtest und bei Vorerkrankungen deinen Arzt einbeziehst, wirst du auch heiße Tage unbeschadet überstehen.

Genieße die Sonne und das warme Wetter. Wir sind anpassungsfähig und stark. Sorge für eine gute Belüftung, trinke bei Bedarf und bewahre dir deinen gesunden Menschenverstand. Dann steht einem schönen Sommer, ob im Urlaub oder zu Hause, nichts im Wege.

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FAQ – Hitze und Blutdruck

1. Senkt Hitze den Blutdruck?

Ja, hohe Außentemperaturen können den Blutdruck senken. Der Körper erweitert bei Wärme die Hautgefäße, um überschüssige Wärme abzugeben. Dadurch sinkt der Gefäßwiderstand, was bei vielen Menschen zu niedrigeren Blutdruckwerten führt. Deshalb können sich an heißen Tagen Schwindel oder Kreislaufprobleme bemerkbar machen – insbesondere bei Menschen, die bereits blutdrucksenkende Medikamente einnehmen.

2. Wie viel sollte man bei Hitze trinken?

Gesunde Erwachsene benötigen an sehr heißen Tagen häufig etwa 2,5 Liter Flüssigkeit, bei starkem Schwitzen auch mehr. Der tatsächliche Bedarf hängt jedoch von der körperlichen Aktivität, der Schweißmenge und individuellen Erkrankungen ab. Menschen mit Herzschwäche oder Dialysepflicht sollten eine Erhöhung der Trinkmenge nicht eigenständig vornehmen, sondern sich an die ärztlichen Empfehlungen halten.

3. Muss man bei starkem Schwitzen zusätzlich Salz einnehmen?

Nicht unbedingt. Beim Schwitzen verliert der Körper zwar Wasser und Salz, gleichzeitig kann er sich an regelmäßige Hitze anpassen und den Salzverlust im Schweiß verringern. Eine pauschale Empfehlung zur zusätzlichen Salzaufnahme gibt es daher nicht. Eine ausgewogene Ernährung reicht für die meisten gesunden Menschen aus.

4. Sind Klimaanlagen bei Hitze sinnvoll?

Klimaanlagen können das Wohlbefinden verbessern. Besonders angenehm sind Geräte, die nicht nur kühlen, sondern gleichzeitig die Luft entfeuchten. Eine geringere Luftfeuchtigkeit erleichtert die Verdunstung des Schweißes und unterstützt damit die natürliche Kühlung des Körpers. Wichtig ist außerdem eine ausreichende Frischluftzufuhr.

5. Sollte man Blutdruckmedikamente bei großer Hitze reduzieren?

Das sollte niemals in Eigenregie geschehen. Da der Blutdruck an heißen Tagen häufig niedriger ist, kann es in einzelnen Fällen sinnvoll sein, die Therapie ärztlich zu überprüfen. Wer Schwindel, sehr niedrige Blutdruckwerte oder Kreislaufbeschwerden bemerkt, sollte dies mit seiner Hausärztin oder seinem Hausarzt besprechen. Besonders bei entwässernden Medikamenten (Diuretika) kann während längerer Hitzeperioden eine individuelle Anpassung erforderlich sein.

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Transkript:

00:00:02 – 00:00:19 
Auch heute habe ich mal wieder eine Frage, die ich allerdings am Ende des Podcasts oder dieser Podcast-Folge beantworten werde. Also, ihr könnt mal drüber nachdenken: Welche Säugetier kann wohl am ausdauerndsten laufen?

00:00:25 – 00:01:15 
Okay, also jetzt erst mal zum Thema. Das Thema Hitze geht durch aller Munde, ja, da wird sogar eine Angst vor der Hitze in der Presse und in allen Medien geschürt. Ja, um Gottes willen, wir haben jetzt eine Hitze, die es noch nie gab. Und ja, das krönte sich sozusagen darin, dass namhafte Politiker, die auch Ärzte sind, behaupteten, dass bei einer Außentemperatur von 40 Grad das Gehirn auflöse. Also, ich muss mal ehrlich gestehen, ich habe schon mal Fieber gehabt mit 40 Grad. Ich sitze hier gerade am Mikrofon und mir geht es gut. Ich glaube nicht, dass sich mein Gehirn während dieser 40-Grad-Temperatur, die ich mal als Kind hatte, irgendwie aufgelöst hat.

00:01:15 – 00:02:26 
Und ich gehe noch regelmäßig in die Sauna, und da in der Sauna sind dann auch schon mal, ich liebe das, wenn das so schön heiß ist, 90 Grad, und dann freue ich mich auch auf den Aufguss, und da wird es dann auch schon mal wärmer. Also, eine Außentemperatur von über 40 Grad schadet dem Gehirn überhaupt nicht. Wer sowas einfach verbreitet, muss man sagen, der hat unlautere Interessen, die er hier machen will, der möchte Angst schüren. Und gerade zu dem Thema Angst haben wir ja vor zwei Tagen ein sehr schönes Webinar gemacht, was Angst mit dir macht und wie Angst mit dir umgeht, und wie du vor allen Dingen mit der Angst umgehen kannst, um nicht von außen steuerbar zu werden. Also, noch mal: Fieber und Sauna lassen den Körper auch ansteigen in der Körpertemperatur, und wenn das Gehirn auf 40 Grad ist, und es ist auf 40 Grad, wenn man eine Rektaltemperatur von 40 Grad hat, dann löst sich in meiner Birne und auch in vielen anderen Köpfen nichts aus.

00:02:26 – 00:03:22 
Auf Entschuldigung. Und bei der Sauna schon lange nicht. Die Frage ist also: Wie regeln wir denn unsere Körpertemperatur? Zugegebenermaßen, wenn wir sagen, okay, wir würden jetzt die Kerntemperatur auf 45 Grad steigen lassen, dann wäre das nicht mehr gut fürs Gehirn. Aber wir haben ja ein Thermoregulationssystem, und das scheinen die Politiker und auch die Ärzte, die sich da vor diesen Karren dieser Hitze-Diskussion gespannt haben lassen, wohl offensichtlich übersehen. Also, was passiert bei der Körpertemperatur? Wenn es heiß wird, dann möchte der Körper ja die Energie, die in ihm selber entsteht, also das, was deinen Körper auf 36,5 Grad hält, da möchte der Körper diese überschüssige Energie an die Umwelt abgeben.

00:03:22 – 00:04:12 
Was macht er als Allererstes? Der geht her und stellt alle Hautgefäße weit, damit die Haut sozusagen gut durchblutet wird, und dass dann deine Hautwärme quasi in der Lage ist, die Wärme an das Umfeld abzugeben. Verrückt, was passiert da mit deinem Blutdruck, wenn die Hautgefäße weit gestellt werden? Na ja, wenn du meine Podcast-Folgen gehört hast, dann weißt du: Der Blutdruck sinkt. Na klar, weil der Gefäßwiderstand sinkt und das ist auch der Effekt, der eigentlich in der Sauna eintritt. Du weißt also, wenn du in die Sauna gehst oder dich körperlich belastest, dass deine Haut dann besser durchblutet wird, dann sinkt auf jeden Fall dein Blutdruck. Na ja, also kann Wärme für deinen Blutdruck gar nicht so schlecht sein.

00:04:13 – 00:05:31 
Gut, und dann passiert noch Folgendes: Wenn dann die Körpertemperatur über die Abstrahlung von Wärme über die Haut nicht mehr gelingt, weil die Außentemperatur eben halt 37 Grad überschreitet, dann passiert Folgendes. Kannst du dich erinnern, was da passiert? Natürlich, du fängst an zu schwitzen. Und beim Schwitzen, da wird sozusagen Flüssigkeit aus den Schweißdrüsen auf die Hautoberfläche gepumpt, und diese Flüssigkeit stammt natürlich aus deinem Blut, die stammt aus deinem Körper. Und diese Flüssigkeit verdunstet auf deiner Haut, und dadurch, dass sie auf deiner Haut verdunstet, entsteht sogenannte Verdunstungskälte. Also kannst du auch bei viel höheren Außentemperaturen deinen Körpertemperatur konstant halten, weil durch das Verdunsten deines Körperwassers quasi eine Verdunstungskälte entsteht. Das kannst du auch mal spüren, wenn du gehst ins Wasser draußen im Meer, ja, und du kommst aus dem Wasser raus und die Umgebungstemperatur entspricht gerade mal 25, 26 Grad.

00:05:32 – 00:06:33 
Und dann fangen viele Menschen an zu frieren, weil nämlich dann in dem Moment, wo der nasse Körper von der Luft bestrichen wird, quasi die Verdunstungskälte einsetzt. Und das kennst du sehr wahrscheinlich auch: Wenn du aus dem Wasser rauskommst oder aus der warmen Dusche herauskommst, dann ist es einfach klug, diese Verdunstungskälte sozusagen entstehen zu lassen. Also, was hast du gemacht? Du fängst an zu schwitzen. Und weil du dann auch Wasser nachliefern kannst, kannst du sehr, sehr lange deine Körpertemperatur auf jeden Fall konstant halten, weil die Verdunstungskälte quasi deine Temperatur runterregelt. Und das Verrückte ist: Wenn jemand wie du, der möglicherweise an das Schwitzen nicht gewöhnt ist, der wird auch dann mit diesem Schwitzen auch Natrium verlieren. Und weil du Natrium verlierst, sinkt auch weiter dein Blutdruck.

00:06:34 – 00:07:15 
Also, dieses Schwitzen an sich ist auch für deinen Körper und für deine Blutdruckregulation gut. Und du kennst das selber: Wenn du mal geschwitzt hast und du hast die Haut trocknen lassen und hast dann mal so ein bisschen über deine Haut geleckt, dann entsteht ein salziger Geschmack. Und das ist der Salzverlust, den du beim Schwitzen eingehst. Ich kann natürlich sagen: Was passiert denn in warmen Ländern, wo die Menschen dauerhaft schwitzen? Müssen die ständig Salz zu sich nehmen? Nein, müssen sie nicht, weil je mehr du ans Schwitzen gewöhnt bist, desto weniger Natrium ist in deinem Schweiß drin. Der Körper kann sich also dieser Situation quasi anpassen.

00:07:16 – 00:08:18 
Der ist angepasst an eine Situation, wo eben halt häufig geschwitzt wird. Und jetzt kommt der verrückte Teil: Wenn du nicht an das Schwitzen gewöhnt bist, verlierst du etwa gleiche Menge Natrium wie Flüssigkeit. Und das führt dazu, dass du ein geringeres Durstgefühl hast als der, der weniger Natrium in seinem Schweiß verliert. Also wirst du eher darüber nachdenken müssen, dass du während dieser warmen Tage, an die du nicht gewöhnt bist, natürlich Flüssigkeit zuführen musst. Über die Menge reden wir gleich noch, ja. Aber jetzt noch was ganz anderes, Wichtiges: Wir haben über die Verdunstungskälte gesprochen, aber das Verdunsten bedeutet, das Wasser auf deiner Haut wird in Wasserdampf umgewandelt. Und diese Umwandlung von der flüssigen Form in diese gasförmige Form, das bedeutet die Abgabe von Energie.

00:08:19 – 00:08:57 
Aber wann kann denn das Wasser auf deiner Haut nur verdunsten, wenn die Sättigung in der Luft nicht hoch ist? Wenn nämlich die Wasserdampfsättigung in der Luft hoch ist, dann ist der Schwitzeffekt immer geringer. Und das bedeutet für dich auch, dass du, wenn du schwitzt, eben halt nicht in geschlossenen Räumen, in geschlossenen Räumen und Fenster zu schwitzt, sondern dann passiert Folgendes: Dann ist es zwar in deiner Wohnung kalt oder kälter als draußen, aber dann steigt die Luftfeuchtigkeit an.

00:08:57 – 00:09:39 
Und weil die Luftfeuchtigkeit in einem kälteren Bereich ansteigt, ist dann auch die Sättigung der Luft sehr schnell da. Das bedeutet für dich: Wenn du in einer Situation bist, wo du keine Klimaanlage hast und wo du das Fenster, wo du quasi in der Wohnung bist, dann ist es immer klug, auch wenn die Sonne scheint, die Fenster etwas zu öffnen, hinter den möglicherweise heruntergelassenen Gardinen, damit sozusagen der überschüssige Wasserdampf, der durch dein Schwitzen entsteht, mit der durchströmenden Luft quasi entfernt werden kann.

00:09:39 – 00:10:21 
Also bedeutet das für dich, wenn du im Schrauben bist, dass du auf jeden Fall, der nicht klimatisiert ist durch eine Klimaanlage, da komme ich gleich noch mal drauf, solltest du auf jeden Fall bei sehr warmen Temperaturen auf ordentliche Luftzufuhr achten. Und da habe ich schon mal was geschrieben im Internet, da kam dann so eine Bemerkung: „Ja, dann kriegen die alten Leute, wenn sie im Bett sind und im Zug liegen, eine Lungenentzündung.“ Das ist doch Blödsinn. Das ist eine Situation, die kriegen eher eine Lungenentzündung und kriegen eher große Probleme, wenn sie ihre Flüssigkeit und ihre Feuchtigkeit, ihre Schwitzmöglichkeit verlieren, weil in der Luft so viel Wasserdampf drin ist, dass die Sättigung fast erreicht, dass es fast im Raum regnet.

00:10:22 – 00:10:52 
Also, es ist nicht klug, dann bei geschlossenem Fenster im geschlossenen Raum zu sitzen, sondern das Fenster aufzumachen und auch die warme Luft, die ja möglicherweise sogar noch mehr Wasserdampf aufnehmen kann als die kalte Luft oder sicher dir dann über die Haut streicht, damit du weiter schwitzen kannst. Also, Schwitzen ist absolut notwendig und macht dir eine wirklich fantastische Thermoregulation.

00:10:52 – 00:11:23 
Jetzt kommen wir noch mal zur Trinkmenge. Ja, die Trinkmenge muss erhöht werden, und ich sage mal so: 2,5 Liter um den Dreh solltest du an sehr heißen Tagen trinken. Wenn du merkst, dass du mehr Durst kriegst, darfst du auch 2,5 bis 3 Liter trinken. Viel mehr lohnt sich aber nicht, es sei denn, du schwitzt mehr. Ich kenne Menschen, die haben in einem Raum gesessen, wo nichts passiert ist und wo es total heiß war, die haben innerhalb von 5 Stunden 5 Kilo Wasser verloren, weil sie da nicht weg konnten.

00:11:23 – 00:11:51 
Das war zum Beispiel an der Dialyse. Das war einfach nicht zu erwarten, dass die Menschen, weil der Raum war nicht klimatisiert in der Dialyse damals, dass man sagen muss: „Hey, also hier müssen wir aufpassen, wie viel Wasser du verlierst.“ Und das kannst du natürlich schnell feststellen, indem du einfach mal morgens auf die Waage gehst und wenn du denkst: „Oh, ich habe viel geschwitzt“, gehst du noch mal auf die Waage, dann weißt du, wie viel Kilo Wasser du verloren hast. Also, das ist eine ganz einfache Möglichkeit.

00:11:52 – 00:12:32 
Also grundsätzlich 2,5 Liter, beim Herzgesunden ist das kein Problem. Wenn du allerdings herzkrank bist, musst du eins im Auge behalten, und zwar: Der Herzkranke neigt ja dazu, das Wasser im Körper zu behalten, weil das Herz, der Körper misst sozusagen die Herzleistung und sagt: „Boah, die Herzleistung ist zu niedrig, also ich werfe ich alle Mechanismen an, um wieder mehr Wasser im Körper behalten zu können.“ Das ist ein physiologischer Mechanismus, der aber den Herzinsuffizienten, also denen, die eine Herzminderleistung haben, nicht gut tut.

00:12:33 – 00:13:43 
Deswegen kriegen ja diese Herzminderleistungspatienten auch häufig Mittel, mit denen das Wasser aus dem Körper herausgetrieben werden kann. Also, wenn du Ödeme, also Wassereinlagerungen im Körper hast, an den Beinen und möglicherweise sogar im Becken, wenn man im Bett liegt, dann ist es nicht sinnvoll, die Trinkmenge dramatisch zu erhöhen, weil du wirst ja dann noch mehr Wasser zuführen und die Problematik mit der Herzminderleistung möglicherweise steigern. Also, hier musst du die Waage zurate ziehen oder deine fürsorglichen Mitmenschen müssen einfach mal auf deine Beine gucken und gucken, wie viel Wasser du eigentlich noch im Körper hast. Also, hier muss etwas vorsichtig gewarnt werden vor zu großer Wasserzufuhr. Auch Menschen, die eben halt keine intakten Nieren mehr haben, die dialysepflichtig sind, die eben halt auf die Wasserentfernung durch apparative Maßnahmen angewiesen sind, sollten auf keinen Fall ihre Trinkmenge so dramatisch steigern.

00:13:44 – 00:14:58 
Gut, dann wollte ich noch ein bisschen was zur Klimaanlage sagen. Klimaanlage ist für die meisten Menschen immer so ein Ding: „Ja, das macht die Luft kalt und dann fühle ich mich wohler.“ Ja, stimmt auch, Luft wird kälter. Aber was passiert, wenn die Luft kälter wird? Dann kann sie weniger Wasser, weniger Feuchtigkeit speichern. Also, da steigt im kalten Raum sozusagen die Luftfeuchtigkeit dramatisch an, und deswegen ist es sinnvoll, dass man nur Klimaanlagen baut, die gleichzeitig auch die Luft entfeuchten können. Und Klimaanlagen nur zur Kühlung der Luft sind ein großes Problem, und deswegen sollte man nur Klimaanlagen verbauen, die auch so einen Entfeuchtungsweg mit haben, damit nämlich deine Thermoregulation, so wie du sie brauchst, auch erhalten bleiben kann. Also, nicht nur Luft kalt, sondern auch entfeuchten. Das ist sicherlich 50 Prozent deines Wohlbefindens, dass die Klimaanlage auch in der Lage ist, die Luft zu entfeuchten.

00:14:59 – 00:15:57 
Ja, jetzt haben wir noch eine besondere Gruppe, das sind nämlich bettlägerige und pflegebedürftige Menschen. Und das sind Menschen, denen ist natürlich, weil sie bettlägerig und pflegebedürftig sind, die Daseinsvorsorge so ein bisschen abhandengekommen. Die brauchen einfach eine größere Zuwendung, weil sie trinken dann möglicherweise sehr wenig, weil sie nicht an den Trinkbecher rankommen oder der Trinkbecher nicht nachgefüllt wird oder weil sie zu länger zugedeckt liegen, obwohl es eigentlich nicht klug ist, sozusagen bei warmer Temperatur oder wenn die Sonne auf das Pflegezimmer scheint, komplett mit einer dicken Steppdecke zugedeckt zu sein. All das sind Dinge, die natürlich für die pflegebedürftigen Menschen in den Heimen oder auch zu Hause eine große Herausforderung darstellen.

00:15:57 – 00:16:42 
Und deswegen muss man einfach sagen, für diese Menschen bedarf es einer größeren Zuwendung in dieser Zeit. Und wenn ich dann sehe, dass die Personalschlüssel in den Heimen nach unten gedreht werden, sodass man sagen muss, dass immer weniger Pflegekräfte da sind, dann sind die überfordert. Und dann kann natürlich hier eine größere Zuwendung fast gar nicht geschehen. Da sind ja so enge Zeittakten, die dort drin sind, dass einfach die Menschen nicht mehr ordentlich versorgt werden können. Und da muss man dann sagen, da sind wir dann wirklich in der Gefahr, dass hier mehr Menschen an der Wärme versterben, als das bisher früher war.

00:16:42 – 00:17:16 
Das heißt, auch diese Menschen liegen sich natürlich bei Wärme, wo sie schwitzen, sie schwitzen natürlich auch, auf einer Unterlage, die möglicherweise eben halt zum Schutz des Bettes da drunter war, schneller durch, weil die Feuchtigkeit entsteht dort und weil sie sich dort eben halt nicht bewegen können, liegen sie einfach schneller durch. Das heißt, eine größere pflegerische Zuwendung für diese Menschen ist unabdingbar notwendig, und wenn die nicht da ist, dann kann ich das auch durch Klimaanlagen nicht beeinflussen.

00:17:16 – 00:18:07 
Also, die Forderung Klimaanlage für Heime finde ich ein bisschen am Wege vorbei. Ich denke mal, die Forderung ist erstmal Pflegepersonal für die Heime und dem Pflegepersonal genügend Raum zu lassen, um den Menschen, die sozusagen alt geworden sind, die möglicherweise unser Land mit aufgebaut haben, die dafür gesorgt haben, dass es uns heute so gut geht, dass die eine ausreichende Zuwendung und Wertschätzung bekommen. Das halte ich für viel, viel wichtiger, als Klimaanlagen in diesen Heimen zu machen und die Pflege zu digitalisieren. Aber das ist jetzt ein Aufruf von mir, den müsst ihr einfach ertragen, weil ich das so entsetzlich finde, dass immer wieder mehr in technischen Lösungen gesucht werden, statt Lösungen zu suchen, die eben halt durch menschliche Zuwendung zu erreichen sind.

00:18:07 – 00:18:30 
Also, was habe ich dir in dieser Podcastfolge gesagt? Ja, Wärme tut deinem Blutdruck gut. Versuche, deinen Flüssigkeitshaushalt, so gut es dir gelingt, auszugleichen. Du musst nicht 4, 5 Liter trinken, das ist nicht nötig. Wenn du merkst, dass du mehr schwitzt, dann kannst du da noch was dazulegen zu den 2,5 Litern, und dann fühlst du dich auch wohl.

00:18:30 – 00:18:57 
Dann noch vielleicht, ja, ich muss es doch noch ergänzen, die Einnahme von Diuretika im Rahmen der Blutdrucktherapie. Wenn du schnell wirkende Diuretika wie das Lasix, Furosemid, Torasemid oder ähnliches nimmst, sprich mit deinem Hausarzt, ob diese Medikamente während dieser warmen Tage abgesetzt werden sollen oder abgesetzt werden können, ohne dich zu gefährden.

00:18:57 – 00:19:18 
Und wenn du merkst, dass dein Blutdruck selber zu niedrig wird, dann kannst du auch über deinen Hausarzt entscheiden lassen, ob deine Medikamente in den warmen Tagen möglicherweise um die Kalziumantagonisten reduziert werden können. Aber das ist eine Sache, die kannst du nur zusammen mit deinem Hausarzt machen.

00:19:18 – 00:19:56 
Oh, und jetzt bin ich dir noch schuldig, meine Frage zu Beginn dieser Podcastfolge: Ja, welches Säugetier kann am ausdauerndsten laufen? Na, jetzt bin ich ja mal gespannt, ob ihr darauf kommt. Nein, es ist nicht das Pferd und es ist nicht der Hund und es ist ganz eindeutig der Mensch, denn der hat am meisten Schweißdrüsen und kann seine Körpertemperatur, das heißt, seine im Körper entstehende Wärme am besten abgeben, und das limitiert die Ausdauer sozusagen bei allen Säugetieren.

00:19:56 – 00:20:18 
Und ja, Pferde können auch schwitzen, das ist keine Frage, aber sie können es nicht in dem Maße im Verhältnis zu ihrer Körperoberfläche wie Menschen. Und Hunde können das gar nicht. Hunde können nur über ihre Zunge schwitzen, das ist eine relativ kleine Fläche, und übers Hecheln. Die schwitzen auch über die ganzen Drüsen im Bereich des Mundes.

00:20:18 – 00:20:42 
Aber wenn ich dann im Sommer sehe, dass Fahrradfahrer ihre Hunde neben sich herjoggen lassen bei heißen Temperaturen, dann ist das für das Tier eine Quälerei, weil die können nämlich ihre Körpertemperatur so schnell und so gut nicht abgeben wie wir Menschen. Also, wir Menschen sind die, die unsere Körpertemperatur am besten konstant halten können.

00:20:42 – 00:21:14 
Deswegen brauchst du auch keine Angst zu haben, wenn die Tagestemperatur mal über 40 Grad ist. Du kannst auf jeden Fall hergehen, durch Schwitzen deine Körperkerntemperatur deutlich darunter halten, im Normbereich halten, auf 36,5 Grad. Und weil es draußen 40 Grad ist, sage ich dir auch ganz klar, wird dein Gehirn auch nicht geschädigt wie manche Menschen, die hier offensichtlich für Gesundheitsfragen zuständig sind, dir Glauben machen wollen.

00:21:15 – 00:21:41 
Also, habe keine Angst vor der Wärme. Du kannst es selber regulieren, es tut deinem Blutdruck gut, und natürlich ist es angenehmer, wenn es 26, 27 Grad sind. Aber es ist unsere Zeit, und ich kann mich erinnern, in Wuppertal hatten wir häufig wochenlang Temperaturen über 38 Grad, da gab es überhaupt kein Thema. Aber jeder muss denken, wie es ist.

00:21:41 – 00:21:54 
Ich sage, du musst keine Angst haben, und ich wünsche dir ein paar warme Tage, an denen du schwitzen kannst, und wünsche dir natürlich in dieser Jahreszeit, wenn du wegfährst, einen wunderschönen Urlaub. Bis bald.