„Endlich erwachsen“ – vom Kinderarzt zur Eigenverantwortung

Endlich erwachsen - vom Kinderarzt zur Eigenverantwortung

„endlich erwachsen“

Ich freue mich sehr, mit dieser Folge einen kleinen Beitrag dazu leisten zu dürfen, dass diese wertvolle Arbeit mehr Aufmerksamkeit bekommt. Diese Episode von “Runter mit dem Blutdruck” beleuchtet die Herausforderungen und Chancen für junge Menschen mit chronischen Nierenerkrankungen beim Übergang von der Kinder- zur Erwachsenenmedizin. Es werden die Bedeutung von Akzeptanz und Unterstützung hervorgehoben.

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Podcasthon 2026

Die Einladung, mich am Podcasthon 2026 mit einer eigenen Folge zu beteiligen, habe ich sehr gerne angenommen.

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Der Podcasthon ist eine wunderbare Initiative, die Podcasts auf der ganzen Welt zusammenbringt, um gemeinnützige Organisationen und ihre wichtige Arbeit sichtbar zu machen. Genau dieses Anliegen hat mich sofort angesprochen: Menschen und Projekte zu unterstützen, die sich mit Engagement und Herz für andere einsetzen.

Gastinformationen

  • Helen Zentner Helen Zentner: Teilnehmerin am Programm “Endlich erwachsen”, teilt ihre persönliche Geschichte und Erfahrungen.
  • Christina Breuch: Fachkrankenschwester für Nephrologie und Dialyse, Leiterin des KfH-Transferprogramms “Endlich erwachsen”.
  • Professor Dr. Beige: Leitender Arzt im KfH-Zentrum Leipzig und Finsterwalde, medizinischer Leiter des KfH.

Diskussionspunkte

  • Persönliche Erfahrung mit Nierenerkrankung: Helen Zentner Helen Zentner erzählt von ihrer Kindheit mit Nierenerkrankung, der Zeit der Peritonealdialyse und der Transplantation. Sie spricht über die Wichtigkeit der Akzeptanz ihrer Krankheit und wie sie daraus Stärke zieht.
  • Herausforderungen des Übergangs: Frau Breuch und Herr Professor Beige diskutieren die Sensibilität des Übergangs von der pädiatrischen zur Erwachsenenmedizin. Sie erläutern, dass der plötzliche Wechsel, der Verlust des umfassenden Betreuungspakets und die kürzeren Arzttermine eine große Belastung darstellen.
  • Das Programm “Endlich erwachsen”: Das Programm bietet Jugendlichen ein Forum zum Austausch, sportliche Aktivitäten und interaktiven Unterricht zu medizinischen Themen. Ziel ist es, sie auf ein selbstbestimmtes Leben vorzubereiten und ihnen Ängste zu nehmen.
  • Prävention und Akzeptanz: Die Experten betonen die wachsende Bedeutung der Prävention von Nierenerkrankungen und die Rolle der Akzeptanz der Krankheit als entscheidender Faktor für den Umgang damit.
  • Rolle des Kuratoriums für Dialyse und Nierentransplantation e.V. (KfH) : 
    Herr Professor Beige erläutert die gemeinnützige Arbeit des KfH und dessen Engagement für die langfristige Betreuung von Patienten nicht nur durch das Programm „Endlich erwachsen“.

Zitate

  • Helen Zentner “Ich glaube, endlich erwachsen hat mir dabei geholfen, meine Krankheit viel mehr zu akzeptieren und auch alltäglicher damit umzugehen.”
  • Helen Zentner “Ich sehe das durchaus jetzt als: ‘Die Krankheit bin ich, und ich bin die Krankheit’, also gar nicht so als das Negative, dass viele das vielleicht denken, sondern es ist eigentlich eher was Positives, und ich kann daraus sehr viel Stärke ziehen.”
  • Christina Breuch: “Redet wieder persönlich miteinander.”
  • Professor Dr. Beige: “Kluge Kompromisse sind der Weg zum Frieden.”

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Häufig gestellte Fragen 💭

Q: Was ist die “Endlich erwachsen”-Initiative?
A: “Endlich erwachsen” ist eine Initiative des Kuratoriums für Dialyse und Nierentransplantation (KfH). Sie wurde gegründet, um jungen Menschen mit chronischen Nierenerkrankungen den Übergang von der Kinder- in die Erwachsenenmedizin zu erleichtern. Das Programm unterstützt sie dabei, Selbstständigkeit und Wissen über ihre Krankheit zu entwickeln.

Q: Warum ist der Übergang von der Kinder- in die Erwachsenenmedizin für junge Menschen mit chronischen Nierenerkrankungen so schwierig?
A: Der Übergang ist sensibel, weil er oft abrupt kommt und die vertraute, umfassende Betreuung im Kinderzentrum wegfällt. Im Erwachsenenbereich sind Termine kürzer, ein Vorwissen über die Erkrankung wird erwartet, und die psychosoziale Unterstützung ist oft weniger ausgeprägt, was zu Unsicherheiten führen kann.

Q: Was lernen Jugendliche im Programm “Endlich erwachsen”?
A: Die Jugendlichen lernen in interaktiven Workshops viel über Anatomie, Physiologie, Medikamentenmanagement und Nierentransplantation. Zudem werden Themen wie Ernährung, Sport, psychosoziale Aspekte (z.B. Schwerbehindertenausweis) und Zukunftsplanung behandelt, um sie auf ein selbstbestimmtes Leben vorzubereiten.

Q: Wie ist das Programm “Endlich erwachsen” strukturiert?
A: Das Programm beginnt mit einem einwöchigen Auftaktseminar in Österreich. Danach folgen über drei Jahre verteilt sechs Workshops in verschiedenen deutschen Städten, bei denen sich die Gruppen mischen und ein wichtiger Austausch stattfindet.

Q: Welche Vorteile hat der Austausch mit anderen Betroffenen im Rahmen von “Endlich erwachsen”?
A: Der Austausch mit anderen, die ähnliche Erfahrungen machen, ist für die Jugendlichen sehr wichtig. Helen Zentner berichtet, dass ihr die Gespräche mit älteren Teilnehmern viel Ruhe gegeben und Ängste genommen haben, da sie Fragen direkt an Freunde stellen konnte, die die Situation bereits erlebt haben.

Q: Welche Rolle spielt Akzeptanz im Umgang mit einer chronischen Nierenerkrankung?
A: Akzeptanz ist laut Helen Zentner entscheidend, um die Krankheit als Teil von sich selbst zu sehen und daraus Stärke zu ziehen. Anstatt gegen die Krankheit anzukämpfen, ermöglicht die Akzeptanz einen alltäglicheren Umgang und hilft, positiv mit der Situation umzugehen.

Q: Wie können junge Menschen motiviert werden, Verantwortung für ihre Gesundheit und ihr Berufsleben zu übernehmen?
A: Christina Breuch motiviert die Jugendlichen, indem sie ihnen hilft, ihre Stärken zu erkennen und ihre Zukunftswünsche zu verfolgen. Sie kämpft gegen Vorurteile des Arbeitsamtes und zeigt auf, dass viele Wunschberufe trotz Erkrankung realisierbar sind, um ein selbstbestimmtes Leben zu führen und am gesellschaftlichen Leben teilzuhaben.

Transkript:

Ich glaube, endlich erwachsen hat mir dabei geholfen, meine Krankheit viel mehr zu akzeptieren und auch alltäglicher damit umzugehen. Ich sehe das durchaus jetzt als: „Die Krankheit bin ich, und ich bin die Krankheit“, also gar nicht so als das Negative, dass viele das vielleicht denken, sondern es ist eigentlich eher was Positives, und ich kann daraus sehr viel Stärke ziehen.

Hallo, ich begrüße dich zu einer Folge, die kein Marathon ist, aber ein Podcast-Ton ist und deswegen eine ganz besondere Folge ist.

Warum komme ich auf Podcast-Ton? Podcast-Ton ist eine internationale Veranstaltung, in der Podcaster eingeladen werden, gemeinnützigen Organisationen ein Forum zu bieten. Und da ich Nephologe bin, ist natürlich naheliegend, dass ich mich mit einem Nierenthema an diesem Podcast-Ton beteilige.

Die meisten Menschen gehen davon aus, dass Nierenerkrankungen nur im hohen Alter vorkommen können. Falsch! Sie können leider auch im Kinder- und Jugendlichenalter vorkommen, und sie sind dann genauso schwerwiegend wie im Erwachsenenalter. Das heißt, diese Kinder bedürfen der regelmäßigen Betreuung durch eine nephrologische Klinik oder einen Fachnephrologen und sind dann quasi auch in ihren Lebensbereichen durch die Erkrankung genauso teilweise eingeschränkt, wie es eben halt auch Jugendliche (Diabetiker) sind oder Menschen mit einem chronischen Asthma auch als Kinder.

Und dann passiert auch Folgendes: Diese Kinder werden älter, und dann trifft es die besonders hart im Bereich der Pubertät. Dann, wenn sie ihre Selbständigkeit, ihren Eigensinn, ja, und ihre Initiative entfalten wollen, dann treffen sie auf Einschränkungen – Einschränkungen, die die Erkrankung für diese Kinder mit sich bringen. Und dann passiert noch Folgendes: Dann sagen die Kinderärzte: „Boah, da sind wir ja auch bald nicht mehr für zuständig.“ Oder der Jugendliche sagt: „Ich möchte nicht mehr zum Kinderarzt, ich möchte zum Erwachsenenmediziner.“ Und dann kommt es zu der sogenannten Transition.

Das heißt also, der Kinderarzt sagt: „Jetzt ist es nicht mehr meins, jetzt musst du in die Erwachsenenmedizin.“ Und das ist eine schwere Umstellung, weil dann treffen die auf ein komplett anderes Alterskollektiv. Und das in einer Zeit, wo sie in der Pubertät oder am Ende in ihrer schulischen Laufbahn sind, also eine schwierige Situation.

Und für diese schwierige Situation hat das Kuratorium für Dialyse und Nierentransplantation eine Initiative gegründet, und die heißt „Endlich erwachsen“, und über diese werden wir jetzt sprechen. Heute drei liebe Menschen, die sich mit dem Thema „Endlich erwachsen“ beschäftigen. Und als allererstes begrüße ich die Frau Helen Zentner, die wohl die Erfahrenste, weil sie subjektiv gemerkt hat, was das Programm „Endlich erwachsen“ mit ihr gemacht hat, weil sie nämlich Teilnehmerin ist.

Dann sehe ich Frau Christina Breuch. Sie ist Fachkrankenschwester für Nephrologie und Dialyse und seit vielen, vielen Jahren Leiterin des KFH-Transferprogramms „Endlich erwachsen“. Und heute habe ich gelesen, dass sie diesen Helmut-Werner-Preis von der Kinderhilfe-Organtransplantation bekommen. Da sage ich immer noch mal: Herzlichen Glückwunsch! Ist ja auch erst ein Jahr her, habe ich gesehen.

Vielen Dank.

Und dann sehe ich natürlich meinen Kollegen, Herrn Professor Dr. Beige. Er hat sich sozusagen als leitender Arzt im KFH-Zentrum Leipzig und Finsterwalde sozusagen profiliert und ist nebenbei auch noch medizinischer Leiter oder Advisor des KFHs. Und ich begrüße ihn ganz herzlich, weil wir heute sicher am Ende auch ein bisschen über mein Lieblingsthema reden werden, nämlich über die Prävention in der wirklichen im wirklichen Sinne auch für Nierenerkrankungen. Frau Zentner, mit Ihnen würde ich gerne beginnen.

Ja.

Okay. Viele Menschen können sich wirklich nur schwer vorstellen, wie es ist, als junger Mensch mit einer chronischen Erkrankung zu leben. Vielleicht erzählen Sie uns ein wenig von Ihrer Geschichte.

Ja, also ich bin mit meiner Nierenerkrankung aufgewachsen. Also das erste Mal wurde das festgestellt, als ich ca. 4 und 5 Jahre alt war. Also ich bin damit quasi groß geworden, und da kann ich gar nicht so von meinem Leben ohne Krankheit berichten. Aber ja, es war schon immer ein großer Teil meines Lebens. Und gerade deshalb, da ich damit aufgewachsen bin, ja, habe ich alle Höhen und Tiefen meiner Krankheit miterlebt.

Und gerade die Zeit während der Dialyse, der Bauchfelldialyse, die ich ja gemacht habe in der dritten und vierten Klasse, also während ich 8 oder 9 Jahre alt war, ja, war, glaube ich, das, was so am meisten hängengeblieben ist, auch von dem, ja, also von der Krankheit an sich, das Schlimme quasi, weil ich im Jahre 2017 dann transplantiert wurde, also nun schon 9 Jahre her ist, und seitdem tatsächlich ein sehr friedliches Leben führe und ein relativ normales Leben.

Natürlich muss ich täglich Medikamente nehmen und auch auf meine Trinkmenge achten, dass ich täglich 2 Liter trinke, was der Niere einfach dabei hilft, vernünftig zu arbeiten. Aber ja, gerade die Zeit während der Dialyse ist natürlich etwas, was sehr mit viel Anstrengung und Schmerzen behaftet ist und was Betroffenen auch generell am meisten, ja, Kraft, also bei Betroffenen am meisten Kraft beansprucht.

Und ja, da kann ich mich nur daran erinnern, wie ich einmal im Sommer 2016 in meinem Bett lag und an der Dialyse und dialysiert habe. Und das ist, glaube ich, das, was am meisten bei mir, ja, das Negative an der Krankheit zurückholt, weil man doch sehr abgeschottet lebt in dieser Zeit oder in der Zeit einer Dialyse, gerade wenn man nicht Freunde hat, die das verstehen, was natürlich durch „Endlich erwachsen“ sozusagen.

Sagen Sie was. Da ist ja in der Zeit, wo man so eine schwere Erkrankung hat, ist ja die Zeit, wo man so als Jugendlicher aufblüht, wo man möchte, dass man teilnimmt an ganz vielen Dingen. Wie haben Sie das denn erlebt eigentlich? Haben Sie da eine Situation erlebt, wo Sie gesagt haben: „Boah, meine Freunde und Bekannte, die merken das, und denen kann ich das erklären“? Oder waren Sie da wie so der spooky Geist, und der da nicht dran teilnehmen konnte?

Ich war ja noch recht jung, deshalb Kinder verstehen das noch nicht so gut. Und ich bin sehr viel zu spät gekommen in der Zeit der Dialyse, also zu spät zur Schule. Und ganz viele meiner Klassenkameraden haben das dann nicht verstanden. Und ja, es ist natürlich auch als Kind schwer, das zu erklären, und da fühlt man sich ab und zu schon etwas alleingelassen.

Aber gerade wenn man älter wird, ist der Umgang damit, auch mit den Mitmenschen, sehr viel einfacher. Und man lernt ja auch sozusagen damit umzugehen, und man ist irgendwann daran gewöhnt, das Leuten zu erklären. Und gerade das ist, wenn man damit aufwächst, eben ein sehr großer Prozess, auch mit der Krankheit umzugehen.

Was hier ist, mein Publikum weiß ja nicht, was Peritonealdialyse ist. Können Sie da vielleicht sagen, was das für ein Aufwand für Sie war als Kind in der Schule? Wie haben Sie das gemanagt? Das ist doch super interessant.

Also ich hatte die PD, die Bauchfelldialyse, und das macht man oder das kann man zu Hause machen, über Nacht. Und das ist quasi so, dass man die Flüssigkeit im Bauchfell jede Nacht ausgetauscht wird. Dann verweilt die kurzzeitig im Bauchfell, und dann entgiftet das sozusagen den Körper und übernimmt quasi die Aufgabe der Niere, die die Niere nicht mehr selbstständig ausführen kann, weil die Niere eben zu schwach ist und nicht mehr selbstständig den Körper im Laufen halten kann. Und ich hatte das Glück, dass ich es eben zu Hause machen konnte.

Und ja, genau, dadurch ist man halt aber die ganze Nacht an so einem Gerät befestigt quasi und kann nicht aufstehen und muss die ganze Zeit liegen. Aber man kann den Tagesablauf noch halbwegs normal ausführen und hat auch einen Alltag dementsprechend und muss nicht, wie zum Beispiel bei der PD, bei der HD, hier regelmäßig ins Krankenhaus fahren. Also man hat einen geordneteren Tagesablauf, den man auch die ganze Woche lang ausführen kann.

Gut. Aber abends so: Wie alt waren Sie, bis wann Sie noch Peritonealdialyse gemacht haben?

Da war ich 9 Jahre alt, und dann wurde ich ja transplantiert. Und dann wurde ich wirklich quasi aus dem Leben gerissen in der vierten Klasse für ein paar Monate. Aber ja, ich bin sehr dankbar, dass ich in meinen jugendlichen Jahren quasi nicht an der Dialyse war, weil mich das schon sehr eingeschränkt hätte.

Ja. Haben Sie das alles selbst gemacht, die Peritonealdialyse, oder haben das Ihre Eltern gemacht?

Größtenteils haben das meine Eltern gemacht, weil ich eben sehr jung war. Aber mit dem Alter würde das auch selbst an das Kind weitergegeben werden.

Super. Jetzt haben wir das Thema „Endlich erwachsen“. Wie sind Sie denn damit in Kontakt gekommen? Wann haben Sie dann diese Beziehung zu „Endlich erwachsen“ bekommen? Wer hat Sie da in Verbindung gebracht?

Ja, also das erste Mal „Endlich erwachsen“ wurde ich aufmerksam durch Christina Breuch. Und ja, ich wurde gefragt, ob ich nicht vielleicht Lust hätte, mal daran teilzunehmen und mir das mal anzuschauen. Und dann haben wir uns das mal angeguckt und dann auch direkt angemeldet.

Und das ist ja so, dass man eine Woche lang in Österreich ist, auf dem Ederhof, und sich dort kennenlernt. Und je nachdem, zu welcher Jahreszeit man dann dort ist, fährt man eventuell Ski oder geht ein bisschen wandern. Und ja, im Nachmittag setzt man sich dann mit den verschiedenen Krankheiten auseinander, die die Niere betreffen können.

Und das Schöne daran ist, dass man sich dann nach dieser Woche einmal im halben Jahr wiedersieht und in verschiedene Städte in Deutschland fährt und dort dann Workshops macht und alle Teilnehmer wiedersieht, auch die Teilnehmer aus anderen Wochen. Und ja, einfach der Austausch ganz wichtig ist bei „Endlich erwachsen“. Und gerade das ist auch das, worauf man sich immer am meisten freut, die anderen wiederzusehen und auch neue Gesichter zu sehen.

Hat der Austausch?

Ich konnte ja Helen persönlich ansprechen, weil Helen in Hamburg behandelt wurde und ich in der Zeit dort gearbeitet habe und auch mir angeguckt habe, wer von den Patienten wäre denn jetzt im Alter. Und da hatte ich da direkt ein Auge auf sie. Und dann ist es auch noch mal persönlicher, dann als jetzt einfach so einen Prospekt zu lesen und das dann wieder auf Seite zu legen. Habe ich da ein bisschen dran gearbeitet, dass das Interesse steigt.

Ja, ich sehe schon, dass Sie sich sehr gut verstehen hier. Das finde ich ganz toll. Das kommt super gut rüber. Frau Zentner, Sie erzählen das ganz toll. Was hat denn der Austausch Ihnen vermittelt?

Da ich eine der jüngeren Kandidaten bin, ist der Austausch mit den Älteren, die schon auch natürlich haben wir alle unser eigenes Päckchen zu schleppen, aber die schon etwas mehr Erfahrung auch mit der Erwachsenenmedizin haben, super wichtig für mich gewesen. Und das hat mir unglaublich viel Ruhe gegeben und mir auch richtig viele Ängste genommen. Und immer, wenn ich Fragen hatte, konnte ich direkt meine quasi Freunde fragen.

Und ja, das war einfach das Schöne daran, dass man nicht sich bei einem seiner Fachärzte melden muss, sondern direkt den Zugang zu Freunden hat. Und auch wenn ich immer noch Fragen habe, würde ich mich eher tendenziell bei meinen Freunden melden, die den Kontakt direkt und es quasi schon erlebt haben. Deshalb ja.

Also bevor Sie den Arzt aufsuchen, fragen Sie Ihre Freunde.

Tendenziell eher, ja.

Sehr schön. Hat sich denn eigentlich, das würde ich gerne wissen, Ihr Blick auf Ihre Erkrankung durch diesen „Endlich erwachsen“-Prozess geändert?

Ich glaube, „Endlich erwachsen“ hat mir dabei geholfen, meine Krankheit viel mehr zu akzeptieren und auch alltäglicher damit umzugehen. Ich sehe das durchaus jetzt als: Die Krankheit bin ich, und ich bin die Krankheit. Also gar nicht so als das Negative, dass viele das vielleicht denken, so, sondern es ist eigentlich eher was Positives, und ich kann daraus sehr viel Stärke ziehen.

Super. Sie strahlen das aber auch wirklich komplett aus. Das darf ich Ihnen mal sagen. Herzlichen Glückwunsch.

Dankeschön.

Wenn Sie möchten, auch für uns „Erwachsenenärzte“ in Anführungsstrichen. Also ich bin kein Kindernephrologe, Frau Zentner, sondern für die Großen. Ich arbeite aber hier direkt in einem Nachbarschaftsverhältnis mit der Kindernephrologie.

Die sind 50 Meter von uns entfernt, und wir haben immer wieder dann die jungen Leute, die wir entweder als Transplantierte, manchmal in der Nierensprechstunde, manchmal aber auch an der Dialyse übernehmen. Und Sie wissen ja nur selber, Sie haben es ja erfahren, dass die Bedingungen in der Erwachsenennephrologie schon ganz anders sind, Stichwort Betreuungsschlüssel und solche Dinge.

Und obwohl ich kann mir sehr gut vorstellen, dass die betroffenen Jugendlichen oder jungen Erwachsenen das manchmal schon schwierig aufnehmen, diesen Übergang. Aber ich kann Ihnen versichern, dass wir uns da viel Gedanken drum machen und genauso wie Sie so eine Übergangsproblematik entwickeln und uns überlegen, was wir richtig und falsch machen.

Und eins kann ich Ihnen auch sagen: Also wir fühlen uns natürlich schon verantwortlich, aber sicherlich auf eine ganz andere Art und Weise, als das die Kinderärzte tun, die natürlich entwicklungspsychologisch und so weiter da viel besser geschult sind als wir. Also wir liefern einfach nur unsere medizinische Professionalität ab und hoffen, dass das für einen Patienten möglichst gut ist.

Und deswegen ist natürlich die Funktion so eines Programms, was Sie auf diesen Wechsel vorbereitet, auch aus meiner Sicht ganz wichtig.

Ja, was sehr Wichtiges gesagt, Herr Professor Beige, weil ich glaube, in der Erwachsenennephrologie, da steht, ich sag mal, ich nenne das jetzt mal ganz banal, das Kreatinin und die Spiegel und das im Vordergrund und der Blutdruck. Und auch da müssen wir uns mal die Nase packen. Da ist die seelische Seite sicherlich unterversorgt, sage ich mal so ganz ehrlich. Und das ist sicherlich auch ein Thema, über das wir mal reden müssen, sage ich mal ganz ehrlich. Ich möchte aber noch einmal mit Frau Zentner was wissen: Was würden Sie denn einem Jugendlichen sagen, der jetzt gerade erfährt: „Wow, du hast, er hätte eine chronische Nierenerkrankung“? Was würden Sie dem mitgeben?

Ich finde, das ist eine sehr schwierige Frage, weil es doch immer sehr individuell ist. Aber ich glaube persönlich, dass Akzeptanz ganz, ganz wichtig ist und dass man durch Akzeptanz auch später dadurch viel mehr Kraft aus der Krankheit rausziehen kann und ja, sehr stolz darauf sein kann, was man schon alles geschafft hat und was man schon alles erlebt hat. Und ja, das gibt einem einfach sehr viel Stärke. Und deshalb: Akzeptanz ist da ein sehr großes Thema, finde ich.

Frau Zentner, Sie sind unglaublicherweise, darf ich Ihnen das mal sagen, weil wir kämpfen oder die Leute kämpfen immer gegen ihre Erkrankung an. Wenn ich das aus meiner Ambulanz sehe: Ich kämpfe gegen meinen hohen Blutdruck. Das geht immer in die Hose. Und aber das sagen Sie: Akzeptieren und dann entsprechend handeln, ist wesentlich besser. Ganz toll. Ich bin begeistert.

Jetzt möchte ich jetzt zu Frau Breuch kommen. Frau Breuch, Sie leiten dieses Programm „Endlich erwachsen“. Und vielleicht beginnen wir mal mit einer grundsätzlichen Frage: Warum ist der Übergang von der Kinder- in die Erwachsenenmedizin eigentlich so sensibel?

Ja, das kann man ganz gut jetzt anknüpfen an das, was die beiden Vorgänger gesagt haben. Der ist sensibel, weil er in der Regel abrupt kommt, auch wenn wir versuchen, die darauf vorzubereiten. Er kommt meistens abrupt. Man hat immer irgendwas, wo man es auf Seite schieben kann. Dann kommt der Tag X, du musst das Kinderzentrum verlassen und du musst zum Erwachsenenzentrum. Und dann ist das ein Arzt, den man überhaupt nicht kennt. Also es ist eine ganz neue Beziehung, die man aufbauen kann. Da gibt es erst mal kein Vertrauensverhältnis.

Unsere Jugendlichen sind ja oft von klein an gewöhnt, in unseren Kinderzentren betreut zu werden, was in der Regel eine hervorragende Betreuung ist, muss man sagen, weil wir nicht nur den Arztkontakt, die Kinder haben nicht nur den Arztkontakt, sondern die haben ein ganzes Paket dabei. Die haben die Pflegekräfte, die ansprechbar sind. Die haben das ganze psychosoziale Team. Teilweise sind Erzieher da, Ernährungsberatung, Psychologen, Sozialpädagogen, die bei Anträgen helfen, die aber auch bei Schwierigkeiten Gespräche mit den Eltern führen oder mit den Kindern. Und das entfällt alles. Also das ist so für die, sagen wir mal, das Paket, so ein Wohlfühlprogramm, was für die ganz normal ist, für die Familien.

Und dann kommt aber der Cut, Erwachsenennephrologe. Alles ist neu, der arbeitet anders, die Termine sind anders getaktet. Also die sind viel kürzer. Die Ärzte gehen davon aus, dass ein Vorwissen da ist über die Erkrankung. Das ist, wenn jetzt ein Patient nicht kommt, da ruft keiner an und sagt: „Warum bist du nicht gekommen? Lass uns mal einen neuen Termin ausmachen“, so wie wir das machen. Wir sind direkt: „Oh, der ist nicht gekommen.“ Wird direkt ein Zettel auf die Akte geklebt, muss man anrufen: „Was war los? Warum bist du nicht gekommen?“ Manchmal verblaseln es die Eltern, manchmal die Kinder oder Jugendlichen selber. Aber da sind wir natürlich hinterher, weil wir die Spiegelkontrolle machen müssen etc. Einfach die regelmäßigen Kontrollen. Und das entfällt da alles. Auch es gibt keinen Ansprechpartner mehr für psychologische Fragen oder so. Und ja, und dann

gehen die Kinder oder Jugendlichen da ungerne hin. Das dauert, bis man da irgendwie diese Verbindung geschaffen hat, dass man sich wohlfühlt. Deshalb ist unser Anliegen, dass die Jugendlichen mit 17 anfangen, sich eine Praxis zu suchen, wo sie hingehen. Es ist ja nicht immer wie beim Professor Beige, dass beides im KFH dann ist, oft sind es niedergelassene Ärzte, sich die Leute anguckt und sagt: „Der ist mir aber überhaupt nicht sympathisch. Da habe ich aber die Möglichkeit, mir noch mal einen anderen Arzt anzugucken und schon mal sagen: Ich würde dann in einem Jahr kommen. Sie werden dann mein neuer Arzt und so weiter.“

Dass man da schon mal so ein bisschen ins Gespräch kommt, dass man auch vielleicht mal dann dem Nephrologen im Kinderzentrum sagen kann: „Könnt ihr nicht mal Kontakt aufnehmen?“ So ein bisschen Übergabe des Patienten, damit es nicht so abrupt ist.

Und sensibel ist es auch deshalb, weil das ist nicht das Einzige, was ist, wenn die Patienten 18 werden. Es kommen andere Sachen dazu. Es kommt vielleicht eine Berufsausbildung dazu, ein Studium, ein Wohnungswechsel in einer anderen Stadt. Und dann passiert so viel bei denen. Das ist eine komplett neue Welt. Da muss man sich erst mal zurechtfinden.

Und am ehesten leidet dann vielleicht diese Versorgung, diese medizinische Versorgung. Dann sagt man: „Ah ja, ist ja gut gegangen.“ Und dann hat man mal vielleicht die Tabletten nicht genommen. Ist ja auch gut gegangen. Passiert ja nichts. Werte waren noch in Ordnung. Aber irgendwann ist es dann vielleicht auch mal zu spät.

Und da wollen wir halt vorbeugen, dass die das wissen, dass das eigentlich man kann mal was verbaseln, aber dann muss man wieder den Anschluss finden und sich da gut betreuen lassen.

Haben Sie das erlebt, Frau Breuch, dass mal was zu spät war in so einer Situation?

Ich frage das: Was war der Anlass? Ist ja im Prinzip die Frage: War mal irgend so ein Ereignis ein Anlass: „Boah, wir müssen jetzt was tun?“ Und die nächste wichtige Frage noch mal für den, der zu dem Thema eigentlich nichts weiß: Da ist ja ein zwanghafter Schnitt mit dem 18. Lebensjahr, so viel ich weiß. Da wird einfach die Kindermedizin nicht mehr bezahlt. Ist das nicht so oder ist das?

Genau. Also es gibt jetzt gerade Diskussionen beziehungsweise ich glaube, es ist schon durch, eine Verlängerung, dass Jugendliche bis zum 21. Lebensjahr weiter betreut werden können. Ich glaube, da hat man dann sehr hart für gekämpft, weil je nachdem, in welcher Phase man erkrankt, gibt es halt körperliche Entwicklungsdefizite, und Pubertät findet später statt. Und deshalb verzögert sich das bei vielen so ein bisschen nach hinten. Und wir sind der Ansicht oder viele Ärzte halt, dass unsere Patienten halt noch nicht reif sind für die Erwachsenennephrologie. Und da gibt es früher gab es das mit Anträgen für Ausnahmen, dass man Patienten länger behält. Aber ich glaube, beide, wissen Sie, es ist, glaube ich, jetzt durch, dass.

Also sagen wir mal so: Es gibt ja Patientinnen und Patienten, die leider nicht mit so einer offenbar auf den ersten Blick guten Gesundheit gesegnet sind, wie das bei der Helen Zentner jetzt der Fall ist. Gerade wenn man lange Jahre und Jahrzehnte der Kindheit und Entwicklung an der Dialyse geblieben ist, hat man häufig Entwicklungsverzögerung, Kleinwüchsigkeit, kognitive Einschränkungen. Also wirklich Besonderheiten, die dann wir müssen ja auch trennen zwischen diesen beiden Szenarien: Transplantiert oder vielleicht selten auch noch mal Sprechstunde, also ambulante Betreuung. Und das andere ist natürlich bestehende Dialysenotwendigkeit und dann eben häufig sogar als Hämodialyse. Das sind dann häufig die Jugendlichen, bei denen die Peritonealdialyse schon über viele Jahre gelaufen ist, dann irgendwann mal nicht mehr funktioniert.

Und dann ist es Hämodialyse. Und dann kommt man in so ein Erwachsenenzentrum mit fünf, sechs Erwachsenen oberhalb 70 Jahre im Zimmer. Natürlich versuchen wir, das zu sortieren, na klar. Aber manchmal sind die Zwänge einfach so. Und in solchen Fällen, auf Schilderung der speziellen Situation, haben wir eigentlich die Erfahrung hier gemeinsam mit unseren Kindernephrologinnen hier nebenan, dass die Kostenträger dann schon noch mal nach Verlängerung zustimmen. Teilweise auch also einen Patienten mit wirklich so schwierigen, spezifischen Problemen. Die ist jetzt 28 geworden und immer noch bei den Kolleginnen drüben.

Aber das Problem ist ja, es geht nicht weg. Irgendwann muss man quasi mal springen.

Irgendwann muss man erwachsen werden, ja.

Ja, aber na gut. Aber wie gesagt, das sind ganz andere Patientinnen als Frau Zentner. Und das wird häufig dann doch individuell mit den Kostenträgern irgendwie besprochen. Und zumindest hier in Leipzig gibt es häufig Auswege. Aber also nicht jeden Ausweg sollte man nutzen, so will ich es vielleicht ausdrücken. Manchmal ist es auch sinnvoll, dann doch mal über eine Brücke zu gehen.

Also es ist so, in vielen Fällen, die sich nicht so abbilden lassen, wie eigentlich die Medizin das sehen möchte, kann man, wenn man engagierter Arzt ist, auch Sonderregelungen erwirtschaften. Das habe ich auch in vielen Fällen gesehen. Aber das muss man einfach dann auch mit einer gewissen Zähigkeit machen, weil man dann schon mal gegen Verständnislosigkeit kämpfen muss.

Und ich als jetzt in der Sprechstundensituation Transplantierte, da muss ich vielleicht das so ein bisschen ergänzen. Also ich meine, wir haben ja schon also ich sehe meine Patienten eben auch über Jahrzehnte immer die gleichen. Und ich habe dann schon auch eine enge Betreuung und so weiter. Und wenn es ernst wird, ich habe zwar nur die berühmte Viertelstunde bis manchmal eine halbe, aber dann habe ich eben notfalls in ein oder zwei Wochen einen Wiederholungstermin bei Problemen.

Also ich würde das schon so ein bisschen also wenn man also gerade in so einem ambulanten Bereich beim KFH oder sicherlich auch in einer niedergelassenen Praxis hat man schon eine persönliche Bindung. Und das ist einfacher, das Setting, als dieses Setting Erwachsenenhemodialyse. Also das ist, glaube ich, für junge Leute wirklich schwierig. Aber die Ambulanz kann auch ganz gut laufen, so nach.

Ja gut, aber da gibt es ja auch diese jedenfalls war das in unserem Zentrum so, dass eine psychosoziale Betreuung auch da war. Wenn man das wollte, wenn man schwere Indikationen hat, ging das auch super gut. Also da kann ich das KFH aus meiner Erfahrung nur loben in der Situation.

Das gibt es aber nur im KFH.

Ja, ich sage das ja auch nur in dieser Situation.

Ja. Aber noch mal zu der Frage, ob ich das schon mal erlebt habe. Also jetzt von meinen Patienten insofern nicht, dass es jetzt im Nachhinein mal so gewesen ist, dass sie eine Abstoßungsreaktion hatten. Jetzt also gerade rede ich jetzt von den Transplantierten.

Aber ich hatte mal einen Teilnehmer, der mir der ist als also der war schon über 18, als er mitgefahren ist. Und der hat mir halt erzählt, dass er im Prinzip durch solche Sachen seine Niere wirklich versemmelt hat. Und der war natürlich auch ein guter Gesprächspartner für die anderen Teilnehmer, weil er gesagt hat: „Ich würde es nie wieder machen.“ Und der hat die dann also wirklich so aufgeklärt und auch gewarnt, dass man so gewisse Dummheiten einfach nicht machen soll.

Ich habe aber schon auch erlebt, dass während unserer Maßnahmen in Österreich hat ein Betreuer von uns gesagt: „Christina, komm mal mit, guck mal in die Toilette. Da lagen halt die ganzen Tabletten drin.“ Und dann habe ich mir eine Ärztin geschnappt und dann haben wir da reingeguckt und: „Das ist das, das ist das, das ist das. Ah, das kann nur der und der Patient sein.“

Datenschutz, ja.

Ja, genau.

Und da hatten wir halt auch noch nicht das Thema Medikamente besprochen. Und das bot sich dann halt super an. Und ich meine, ich sage den Teilnehmern auch: „Was ihr jeden Tag also als transplantierte Patienten an Medikamenten nehmen musst, das sind ja manchmal Hände voll.“ Das

schaffen wir schaffen als Gesunde noch nicht mal, Antibiotika ordentlich zu nehmen bis zum Schluss. Also fällt uns schwer. Und ich bewundere die, dass die das machen, dass die das echt können. Und ich habe auch Verständnis dafür, dass sie mal eine Ladung ins Klo schmeißen, weil sie einfach gerade die Nase voll haben und nicht mehr schlucken wollen.

Es war gerade auch unsere Aufgabe, das so zu gestalten, dass es möglichst wenige Tabletten zur gleichen Wirkung führen. Da muss ich sagen, also ich habe immer den großen Reinigungs-, Befreiungsschlag, wenn die Leute aus der Kindermedizin kommen, einfach, weil wir nicht so kompliziert dosieren auf die letzte Kommastelle nach Gewicht und irgendwie. Also und da das ist auch so eine Erfahrung, dass auch viele erst mal misstrauisch sind: „Was, der macht aus vier Tabletten eine? Das kann kein guter Arzt sein.“

Ja, genau.

Genau.

Wenn das Umfeld der Mitpatienten in der Zentrumshemodialyse ins Spiel kommt, dann haben wir eben ein medianes Alter heutzutage von 70 Jahren in unseren Dialysen. Und dann sind wir jetzt, glaube ich, ganz glücklich, doch wieder bei uns hier, weil wir so eine große Dialyse sind, wo es eben auch junge Leute gibt.

Ja, also wie gesagt, im Peritonealdialyse oder allgemein Heimdialysebereich, also auch Heimhemodialyse ist ja durchaus denkbar und eben Transplantierte und auch durchaus Nierensprechstunde, das gibt es ja auch noch, Vor- und Nierenersatztherapie, bleibt ja so ein individueller Arzt-Patientenbezug erhalten. Da spielt jetzt das Umfeld der Mitpatienten nicht so eine große Rolle.

Jetzt möchte ich noch mit Herrn Professor Beige reden. Der hat schon einen Teil meiner Fragen beantwortet eben in dem Thema, nämlich: Wie sieht das aus, wenn jetzt so jemand aus einer Kinderdialyse zu Ihnen kommt? Wie erleben Sie diesen Übergang? Da noch mal vielleicht kurz drauf einzugehen, wäre, glaube ich, für den Hörer auch noch ganz hilfreich und wird das Programm „Endlich Erwachsen“ noch mal in seiner Bedeutung unterstreichen.

Frau Breuch, Sie strahlen die Faszination für Ihre Tätigkeit richtig aus. Das macht mich total glücklich, dass Sie das so toll machen. Und das haben Sie offensichtlich an die Frau Zentner auch ganz erfolgreich weitergegeben. Die ist ja auch so ein ja, die strahlt das genauso aus.

Also das ist so richtig schön zu hören, dass die wirklich so ihre Ziele auf so lange Sicht dann erreicht haben und glücklich sind. Also die machen alle einen relativ glücklichen Eindruck.

Da kommen auch direkt Mails zurück: „Ja, ich bin jetzt verheiratet. Meine Niere ist schon 37 Jahre alt. Ich bin total happy.“ Oder: „Ich hatte mal einen Rückfall und was weiß ich, Hodenkrebs bekommen, aber da bin ich jetzt auch drüber weg und wird alles wieder besser.“

nachzuarbeiten oder mal einen anzusprechen. Und das ist eigentlich so das Schöne, dass es vorangeht, dass es aufwärts geht. Ich habe also Teilnehmer, die mich zwischendurch noch mal anrufen oder ich schreibe mal, sage: „Hallo, wie geht’s?“

Ja, überhaupt zu fahren wird schwieriger. Aber es ist dann einfach so schön zu sehen, dass man so ja, ich will nicht sagen erfolgreich, aber dass man doch merkt: Ja, die haben was mitgenommen. Das eine früher, das andere später. Aber ich habe ja die drei Jahre Zeit, immer noch mal so ein bisschen

Das ist immer schwieriger wird.

Da gibt es so viel Potenzial. Und dann natürlich auch die Veränderung zu sehen, wenn man die dann beim nächsten Workshop sieht, dass die halt vielleicht ihre Bahnfahrt schon selber organisiert haben und vorher gar nicht wussten, wie man überhaupt Zug fährt. Das ist so was, was man.

Das sind ihre Freunde, ne?

Also viele fühlen sich ja auch schlecht und elendig und allein. Und die sind oft ja, wenn man die so ein bisschen kennenlernt, so länger, sind die ja alle ganz süß.

dass ich mich also ich glaube, ich habe so einen ganz guten Draht zu Jugendlichen. Ich kann mich ganz gut in die reindenken. Aber ich versuche natürlich so rauszukristallisieren: Wo kann ich bei wem ansetzen? Das ist ja nicht bei allen gleich. Wo kriege ich den irgendwie gepackt, wenn er irgendwie zurückhaltend ist? Also das macht mir Spaß, da mich vorwärts zu pirschen, um dann halt ja gute Ansätze zu vermitteln, die mal so ein bisschen anzustupsen und zu sagen: „Mensch, mach das doch oder das ist doch super und du hast auch so und so viele Stärken und nutz die doch.“

Im Prinzip ist das,

Super. Frau Breuch, Sie haben einen tollen Ausdruck gerade gebraucht, dass der Wunschberuf, dass die Faszination und da kommt für mich sofort die Frage: Was motiviert Sie an der Arbeit mit den jungen Menschen?

Es gibt wenige Berufe, die die nicht machen können. Aber dann muss man sich halt entsprechend schützen, wenn es Infektionszeit ist und so weiter. Aber wir haben da gute Erfahrungen mit. Also was die Teilnehmer berichten, ist eigentlich gut.

Ich sage: „Wenn ihr einen Job machen wollt, ist das meistens machbar.“ Viele sagen auch: „Du darfst den Job nicht machen und den Job nicht machen.“ Wir haben Profifußballer, die sind transplantiert. Ja, wir haben ich habe Teilnehmer, die haben Medizin studiert und arbeiten in der Klinik oder machen Arzthelferinnen oder Arzthelfer. Da heißt es ja auch mal: „Jetzt alles viel zu gefährlich, viel zu viel Infektionsgefahr.“ Aber wenn das ein Wunschberuf ist, finde ich immer, sollte man das möglichst durchziehen.

Ich hatte mal einen Teilnehmer, der hat gesagt: „Mein Ziel ist es mal, Rentner zu werden.“ Und da bin ich ja erst mal vom Stuhl gefallen. Aber er meinte tatsächlich, er möchte so lange arbeiten, um Rentner zu werden. Das fand ich eigentlich ganz schön. Ja, also das ist nicht immer so, dass die sagen: „Ja, toll, dass du das sagst. Das stimmt ja und so.“ Aber ich glaube, dass die das schon aufnehmen und mitnehmen.

Haben die Kinder da auch Verständnis für? Sagen die: „Boah, Frau Breuch, da haben Sie recht?“ Oder gibt es da welche: „Boah, ich habe da eigentlich gar keine Lust drauf. Ich setze mich lieber zurück und sage: Ich mache den Rentner.“

Dann kämpfe ich aber im Vorfeld dagegen an und sage: „Leute, ihr seid jung. Ihr wollt was vom Leben haben. Dazu braucht man Geld. Dazu braucht man einen Job. Und dafür braucht man Anteilnahme am Leben. Und wenn ihr Rentner seid, dann hockt ihr mit euren paar Mark zu Hause und dann ist das Leben vorbei, bevor es angefangen hat. Weil da könnt ihr keine nichts mit reisen mit den paar Euro, die es da gibt.“

Problematisch ist oft das Arbeitsamt, weil die sagen: „Boah, der ist transplantiert, der hat das und das. Nee, der ist nicht vermittelbar. Am besten machen wir ein Rentnerausdehnen.“ Und da kämpfe ich halt im Vorfeld schon gegen ja, das ist tatsächlich so.

Super.

Und dann gibt es mal so ein paar: „Ja, ich möchte mal gerne ins Ausland.“ Aber das ist alles, was machbar ist. Das ist eigentlich sehr schön zu hören, weil man kann die auch daranführen und sagen: „Okay, da fehlt dir noch ein bisschen Schule. Da musst du das und das noch machen.“ Aber in der Regel kannst du deine Ziele eigentlich sehr gut erreichen.

Und das Schöne ist, also eigentlich durchweg ist es sehr bescheiden. Man will die Jugendlichen wollen eine Familie gründen. Die wollen nur eine eigene Wohnung haben. Die wollen ein Auto haben. So.

Also ich mein, mein Part ist zum Beispiel, ich rede mit denen einfach so ganz locker über: „Was habt ihr denn für Zukunftswünsche? Was wollt ihr werden? Könnt ihr das mit eurer Schulausbildung oder müsst ihr dann auch was dranhängen? Was habt ihr für eine Lebensvorstellung? Was habt ihr für Visionen überhaupt?“

Dialyse also Dialyseverfahren Moment. Na, wie soll ich jetzt sagen? Nierenersatzverfahren. Das ist Sport und Bewegung, Ernährung und Kochen, Psychosoziales. Also wir sprechen über den Schwerbehindertenausweis. Was hat der für Vor- und Nachteile? Muss ich das meinem Arbeitgeber überhaupt melden oder kann ich das auch sein lassen?

Also dann ist es das Auftaktseminar vom Januar und vom Dezember und von den Jahren davor. Die mischen sich dann. Und dann kommt immer eine Gruppe quasi dazu und eine geht wieder raus, weil nach drei Jahren verabschieden wir die dann. Also man macht ein Auftaktseminar, sechs Workshops. Zwei Workshops finden im Jahr statt. Und wenn man den sechsten hat, wird man verabschiedet ganz offiziell. Dann fangen die Themen wieder von vorne an. Und also wir haben ja so Schwerpunkte. Das ist

Also wir bieten zweimal im Jahr ein Auftaktseminar an, so heißt das. Das ist eine Woche. Also es ist von Samstag bis Samstag in Österreich, wo man einmal dran teilnehmen kann. Und danach bieten wir Workshops an, wo sich dann verschiedene Gruppen auch wieder mischen.

Wie lange sind denn die Jugendlichen da jeweils bei Ihnen? Sind die eine Woche oder zwei Wochen oder haben die immer eine Anlaufstelle, die sie haben? Rufen die immer bei Frau Breuch an, wenn es Themen gibt oder wie sieht das aus?

Dann haben wir das ist jetzt ein bisschen durcheinander. Also wir reden über Medikamente, wir reden über das Thema Transplantation. Was passiert da? Wie wird das gemacht? Was ist, wenn man eine Lebensspende kriegt oder eine Verstorbenenspende? Wie funktioniert die Vergabe auch? Dann haben wir Säure-Basen-Haushalt.

Und dann haben wir so einen medizinischen Bereich. Wir haben halt Ärzte, die unterrichten. Und das ist also so möglichst interaktiv wird das gestaltet. Also nicht hier, wir stehen da und reden und ihr habt zuzuhören, sondern wir gucken auch immer, was haben die denn für Erfahrungen und so weiter. Dann machen wir Anatomie. Ja, wie ist der Körper aufgebaut? Dann machen wir Physiologie.

Unser, sagen wir mal, unser Seminarprogramm sieht halt also den also wir haben immer entweder Vor- oder Nachmittagsunterricht und den anderen Part machen wir Sportanbietung. Also entweder im Winter ist es halt Skifahren und im Herbst sind es so Freizeitgestalten wie Klettern, Bogenschießen, ja, was weiß ich, was wir da alles mal wandern und so weiter.

Okay. Also das Angebot ist erst mal also ich finde, dass die größte Nummer ist, dass wir den Jugendlichen ein Forum bieten, wo sie zusammenfinden können und zusammenleben können. Also wir leben auch wir als Betreuer, wir machen alles also wir versuchen, alles zusammen zu machen. Unterricht, gut, da ist immer der eine oder andere draußen, zusammen zu essen, zusammen Spaß zu haben, zusammen Sport zu machen. Das ist so unser Anliegen, dass wir so viel wie möglich zusammen machen, aber jeder natürlich auch von den Teilnehmern, die die Möglichkeit hat, sich zurückzuziehen, in den Austausch zu gehen und so weiter.

Frau Breuch, die Frau Zentner hat schon so ein bisschen anklingen lassen, was denn in diesem Programm „Endlich Erwachsen“ passiert. Vielleicht können Sie uns und dem Hörer ein paar so Stichpunkte sagen, welche Dinge Sie mit dem wie das Angebot aussieht und was Sie mit denen machen.

Super, reicht aus. Reicht aus, fantastisch. Ich danke Ihnen allen drei recht herzlich. Ich nehme aus diesem Gespräch wirklich mit, dass die Menschen, die egal, was sie für ein Schicksal haben, was sie ihnen sozusagen ihr Körper, ihre Seele anbietet, wer nicht aufgibt, sondern versucht, ja, das anzuerkennen, was da ist, zu akzeptieren, Frau Zentner, der schafft es und der kann konstruktiv im Hier und Jetzt sein.

Redet wieder persönlich miteinander.

Sehr gut. Und Frau Breuch?

Kluge Kompromisse sind der Weg zum Frieden.

Herr Beige, fällt Ihnen was ein?

Super.

Ich glaube, ich würde so was schreiben wie: „Legen Sie sich einen Organspendeausweis zu.“

Smartphone, SMS, mehr nicht.

Einen Satz, oh.

Einen Satz.

Wie viele Sätze dürfen wir denn schreiben?

Was?

Wie viele Sätze dürfen wir denn schreiben?

Freiwillige vor.

Sehr gut. Und dann wünsche ich Ihnen da super viel Spaß dabei. Ich habe aber an alle drei noch eine andere Frage. Wenn Sie einen Tag lang eine Botschaft auf alle Smartphones der Welt schicken könnten, was würden Sie schreiben?

Ich mache dieses Jahr mein Abitur und danach geht es hoffentlich ein bisschen auf Reisen und ein bisschen die Welt entdecken.

Aber Sie haben es in die Hand genommen. Und aber das zeichnet alle drei Mitstreiter hier aus, dass Sie sich nicht sozusagen zurückgelegt haben, ich kann ja sowieso nichts tun, sondern alle drei Mitstreiter hier, und ich schließe mich da auch so ein bisschen ein, Sie haben das in die Hand genommen und nicht einfach sich ergeben. Und das finde ich ganz, ganz wichtig. Frau Zentner, ich bin neugierig, was machen Sie jetzt im Moment beruflich? Erzählen Sie mal.

Und die Freiheit kam dann später.

Ja, also ich bin nämlich, also das war, ich bin in der DDR groß geworden und mit 18,5 wurde ich zur Nationalen Volksarmee mehr oder weniger gezwungen. Anderthalb Jahre Pflichtgrundwehrdienst. Und danach habe ich mich dann entschieden, dieses Land zu verlassen. Sodass, also sagen wir mal, dieses endlich erwachsen für mich schon mit großen Problemen gestartet ist.

Sie können auch sagen, Ihnen fällt nichts ein, da würde ich jetzt nicht.

Das ist sehr persönlich.

Im eigenen biografischen Kontext, ja.

Im eigenen biografischen Kontext, ja.

Super, vielen Dank. Herr Professor Beige, was bedeutet das für Sie? Endlich erwachsen.

Also da hat man ganz schnell gemerkt, dass man wieder in seine Schranken gewiesen wird und wirklich auch Unterstützung der Eltern braucht, auch egal, ob krank oder gesund. Das ist bei allen gleich. Und hat dann so manchmal so ein bisschen die Laune verhagelt. Aber im Großen und Ganzen war das schon Eigenverantwortung, selbstbestimmtes Leben und.

Natürlich habe ich natürlich auch die Klatsche bekommen, eigene Wohnung, jetzt muss man auch noch sich um Versicherungen kümmern und dies und das. Und das waren alles Sachen, ja, die zählten, aber jetzt nicht zu endlich erwachsen werden. Da hatte man gar keinen Bock drauf. Aber man musste seinen Fernsehrundfunk bezahlen und was weiß ich, was da alles kam.

Also ich endlich erwachsen, also wenn ich da zurückdenke, dass ich davor stand, endlich erwachsen zu werden, war das für mich die Freiheit schlechthin. Also Jubelschreie, boah, jetzt bin ich endlich erwachsen. Jetzt kann ich machen, was ich will. Keiner hat mir was vorzuschreiben. Ich kann Auto fahren, also damals war es ja noch mit 18, ich kann einen Führerschein machen, ich kann Auto fahren. Und keiner kann mir mehr sagen, was ich zu tun habe. Und das war für mich erst mal so der Befreiungsschlag.

Ja, genau.

Meinen Sie jetzt für mich persönlich?

Super. Frau Breuch, was bedeutet für Sie der Titel „Endlich Erwachsen“?

Ja, also „Endlich Erwachsen“ verbinde ich natürlich direkt mit dem Projekt und dementsprechend auch mit Austausch, aber halt auch mit unglaublich viel Wissensvermittlung durch Workshops und halt durch diese eine Woche, die man dann in Österreich verbringt. Aber ja, auch mit Freunden und mit sehr viel Freiraum, den man dann hat und der einem dadurch auch geboten wird.

Herr Beige, Sie treten bei mir offene Türen ein, weil aus diesem Grund habe ich auch mit dem KFH zusammengearbeitet. Das haben Sie sehr schön geschildert. Ich habe jetzt noch, finde ich, ein, zwei Fragen an die Gesprächsrunde. Und zwar, wenn man den Titel hört „Endlich Erwachsen“, was bedeutet dieser Begriff für Sie persönlich? Vielleicht fange ich da Frau Zentner an, die die ganze Zeit schweigen musste oder durfte, was dazu sagen. Was bedeutet für Sie „Endlich Erwachsen“?

Aber wir sind ja auch ein ärztlich getragener Verein, das merkt man ja immer wieder, dass wir doch aus der Sicht der, na ja, der Träger dieser Versorgung eine erhebliche Mitsprache haben. Und das ist fürs KFH, denke ich, schon eine positive Einschätzung. Und da gibt es nicht mehr viel davon mit diesen Institutionen, die wirklich so viel ärztliche Mitwirkung haben.

Das Einzige, was man sich natürlich positiv überlegen kann, dass wirklich Gelder, Mittel, die Versicherte einbezahlt haben, nicht an private Anteilseigner von Aktienfirmen abfließen. Was ich, also das ist ein Widerspruch in sich, wie unser Gesundheitswesen da aufgestellt ist mit diesem erheblichen Anteil privatwirtschaftlicher Organisationen. Also sozusagen im täglichen Alltag, um Ihre Frage zu beantworten, merkt man es vielleicht nicht immer, weil ja, wo die Gewinne hingehen, das wirkt sich nicht unbedingt in jedem Alltag aus.

Ich habe mir immer gewünscht, dass ich sozusagen Gesundheitsleistung, ärztliche Tätigkeit nicht eingebunden in gewinnmaximierte private Organisationen erbringen kann. Das ist in vielen Krankenhäusern so, das ist auch im KFH so. Nichtsdestotrotz, also gerade Krankenhäuser sind unter erheblichem Druck, dass KFH auch unter nicht unerheblichen wirtschaftlich arbeiten. Und am Ende die schwarze Null muss man ja doch. Also der Kostendruck, der berühmte, ist dann doch da.

Vielleicht noch eine Frage zum KFH selbst. Das KFH arbeitet ja als gemeinnützige Organisation. Was bedeutet dieser Auftrag für Sie in Ihrem klinischen Alltag?

Noch, eigentlich haben Sie jetzt gerade schon ein ganz positives Datum gesetzt oder dazu angesetzt, dass wir also in den entwickelten Ländern deutlich weniger Menschen trotz eingeschränkter Nierenfunktion an die Dialyse tun müssen. Und das finde ich schon sehr, sehr wichtig, unterstreicht auch noch mal die Wertigkeit der Vorbeugung. Was für mich eine Katastrophe war, dass bis vor ein paar Jahren die Bestimmung der Nierenfunktion nicht Teil der Gesundheitsuntersuchung war, war für mich eine Katastrophe. Das hat sich ja jetzt Gott sei Dank gebessert.

Da machen 60 bis 70 Prozent aller Grunderkrankungen, wie wir das nennen, an der Dialyse aus. Ich würde dann die Herzerkrankungen noch mit dazunehmen, also die Durchblutungsstörungen des Herzens, die dann im hohen Alter zu Herzinfarkten führen. Und da fällt dann natürlich auch so die Hochaltrigkeit insgesamt rein, die Lebenserwartung steigt. Die Leute werden mit ihren Herz-Kreislauf-Erkrankungen immer älter. Und die Niere ist dann aber eines der Organe, welches dann am Ende eben doch irreversibel geschädigt ist. Deswegen erleben heute viele noch Dialyse, die es vielleicht vor 25, 30 Jahren nicht erlebt hätten.

Also Diabetes, Bluthochdruck, Übergewicht, diese normalen Dinge, die häufig für klein gehalten werden, und aber doch dann hinterher dazu führen, dass die Menschen doch eine chronische Nierenerkrankung bekommen.

Viele Menschen denken ja immer, chronische Nierenerkrankung ist Dialyse. Aber eigentlich beginnt das ja schon viel, viel früher. Und deswegen ist es eben halt so wichtig, präventiv, also vorbeugend tätig zu werden, zu erkennen, wer sozusagen in der Lage ist, irgendwie eine Nierenerkrankung zu entwickeln oder wer überhaupt eine Nierenerkrankung entwickelt. Und da sollten wir vielleicht auch mal kurz über die Risikofaktoren reden, die eben halt mit einer chronischen Nierenerkrankung verbunden sind.

Als Überbegriff für alle Ursachen. Also es gibt da natürlich verschiedene Krankheiten, angeborene Fehlbildungen, wie das vielleicht bei Frau Zentner war. Dann gibt es Autoimmunerkrankungen, dann gibt es Hochdruck und Diabetesschäden. Und diese chronische Nierenerkrankung, das ist so ein Sammelbecken für alles sozusagen.

Aber CKD müssen wir noch mal für das ist Chronic Kidney Disease, also das ist eine chronische Nierenerkrankung. Dass wir das noch für den, der sich mit den Terminologien nicht so auskennt, ergänzen.

Was absolut für die Prävention spricht, ja.

Also was ja für die Prävention spricht.

Und bei uns ist es so, dass wir natürlich, Sie hatten Prävention angesprochen, jetzt diese erweiterten Instrumentarien der neuen Medikamente haben und wir jetzt mittlerweile ganz viel eben auch abfangen. Und wir haben zwar mittel- und höhergradige Nierenschwäche in der Bevölkerung, sagen wir mal 10 bis 20, 25 Prozent altersabhängig, aber das muss sich nicht mehr weiterentwickeln, jedenfalls so in der Breite und in der Masse. Also was ich einfach erlebe, dass wir viel weniger Dialysezugänge haben bei gleichzeitig verdoppelten und verdreifachten Patientenzahlen in der Sprechstunde. Also wir bis.

Ich habe jetzt gerade aber vergangenes Wochenende ganz neue Daten gehört, Krankenkassendaten, die zeigen, dass also Deutschland genauso wie alle entwickelten Länder, gerade in Europa, sich jetzt mit den Zuwachszahlen auch in dem CKD-Bereich deutlich langsamer entwickelt als ärmere Länder. Also die CKD-Epidemie, die schlägt so ganz hart in Afrika zu, also auch bei jüngeren Menschen dort einfach wegen der fehlenden Versorgung.

Das ist eine schwierige Frage. Also ein bisschen allgemeiner kann ich sie beantworten. Es hat vor einigen Jahren die Publikation vom Kollegen Gürnt aus Halle gegeben im Deutschen Ärzteblatt, der eigentlich diese Erhebung seine eigene dort publiziert hat. Und da kann man so grob gesagt sagen: Na ja, in der Größenordnung 10 Prozent in der Allgemeinbevölkerung, vielleicht 7, 8, und aber bei älteren Menschen dann bis 20, 25 Prozent mindestens mittelgradige Nierenschwäche.

Kann ich nur unterstreichen. Wenn wir jetzt den Blick ein bisschen erweitern, wie groß ist denn eigentlich, Herr Professor Beige, das Problem chronischer Nierenerkrankungen in Deutschland aktuell?

Und soweit wir im individuellen Verhältnis sind, dadurch, dass es eine Langzeitbetreuung ist, haben wir, glaube ich, gegenüber der Allgemeinmedizin insgesamt als Nephrologen ja doch ein bisschen was zu bieten, weil wir so lange mit unseren Patienten ja Kontakt haben.

Also diese äußeren Dinge versuchen wir zu korrigieren.

Bei uns sind das sechs, in manchen Zentren auch acht oder so.

Für mich, das ist eigentlich die größte Herausforderung dieses Mitpatientenumfeld, damit eben der Veränderungsschock aus dieser doch behüteten Welt mit ja auch meistens weniger Mitpatienten, also in den Kinderhemozentren, da liegen, Frau Breuch, widersprechen Sie mir, aber da liegen, glaube ich, kaum mal mehr als vier in einem Behandlungsraum.

Ja, das haben die auch so gemacht.

Die versuchen wir dann so ein bisschen in die Obhut von diesen, ja, dann doch berufstätigen, eben sagen wir mal, mittelalten Menschen zu geben, die sich dann auch manchmal so ein bisschen um die jungen Leute auch kümmern. Und wenn man das schafft zu organisieren in diesen etwas rehabilitativer ausgerichteten Schichten, wo die berufstätigen sind und so weiter, dann klappt das auch.

Ex-Kinder, der ist gut.

Und weil ich für meine auch erwachsenen Patienten seit 20 Jahren so ein bisschen dieses Schild der rehabilitativen Dialyse vor mir hertrage. Und deswegen haben wir Spätschichten und Nachtschichten. Und wir ziehen eben mit diesen Angeboten auch jüngere Hemodialysepatienten an. Und dann versuchen wir, die ganz jungen Leute, das sind nur wenige. Wir haben zwei, drei zurzeit oder so, also transitierte Ex-Kinder oder wie man das nennen will.

Das glaube ich auch, das ist ganz entscheidend, auch in der neuen Zeit, in der wir hier leben, dass wir uns auf das Präsens, auf das, was wir tun und machen, aktuell konzentrieren und nicht in die Zukunft gucken. Und ich nehme auch mit, dass solche super schönen oder super gut durchdachten Angebote, wir endlich erwachsen, wir viel, viel mehr bräuchten, um unsere Menschen, um unsere Mitbürger durch, sage ich mal, durch den Irrgarten der Gesundheitsversorgung zu führen. Und da danke ich Ihnen allen sehr, sehr herzlich.

Also das Projekt „Endlich Erwachsen“ zeigt, wie wichtig eine strukturelle Begleitung für junge Menschen mit chronischen Nierenerkrankungen ist. Und ich werde all das auch noch mal in den Shownotes veröffentlichen, Ihre Adressen, und werde oder zumindest den Zugang zum KFH und werde da noch mal die Links auch zu Ihrem Preis, Frau Breuch, nehmen, damit Sie ein bisschen mehr die Menschen auch die Möglichkeit bekommen, zu sehen, was endlich erwachsen ist.

Ich sage vielen Dank, wünsche allen noch einen schönen Abend und danke den Zuhörern, die das bis hierhin mitangehört haben, und freue mich auf die nächste Podcast-Folge und viel Erfolg beim Marathon, beim Podcaston. Schönen Abend.

Autor: HarMes

Arzt für Innere Medizin Nephrologie, Podcaster, Archetypen Coach, 1972-1983 Krankenpfleger, 1977-1983 Studium der Medizin Universität Essen 1983 Promotion 1983-1989 Facharzt Ausbildung Innere Medizin 1990 Zusatzbezeichnung Nephrologie Oberarzt Städtische Kliniken Wuppertal, Einführung der LDL Apherese in Wuppertal 1992 Gründung der Praxis für Innere Medizin Nephrologie Brändströmstr. 1995 Hypertensiologe DHL 2019 im Dezember im Unruhestand, Gründung Podcast und Ausbildung zum Archetypen Coach

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