Deinen Arztbesuch für Dich aktiv nutzen

Warum du dich nach dem Arztbesuch oft verloren fühlst

Viele Gespräche sind zu kurz. Du bekommst Informationen, aber keinen klaren Weg. Das erzeugt Unsicherheit und Frust.

Wartezimmer

Das eigentliche Problem ist die Kommunikation

Es geht nicht darum, was gesagt wird, sondern wie. Und oft auch darum, was nicht gesagt wird.

Warum dein Arzt nicht mehr Zeit hat

Das System ist eng getaktet. Viele Patienten, viel Bürokratie. Das Gespräch wird dadurch automatisch kürzer.

Ärztin übergibt Rezept

Dein Arzt ist dein Berater

Er kennt den Weg. Aber gehen musst du selbst. Das ist die zentrale Wahrheit beim Blutdruck.

Deine Rolle in der Therapie

Du bist der entscheidende Faktor. Bewegung, Ernährung, Stress – alles liegt in deiner Hand.

So nutzt du deinen Arztbesuch aktiv

Schreibe dir Fragen auf. Bitte um einfache Erklärungen. Fordere Klarheit ein.

  • Viele Patienten fühlen sich nach Arztbesuchen nicht ausreichend informiert oder verstanden, da die Kommunikation oft mangelhaft ist und Termine zu kurz sind.
  • Das Gesundheitssystem übt enormen Zeitdruck auf Ärzte aus, was die Qualität der Patientengespräche und die Aufklärung beeinträchtigt.
  • Patienten müssen eine aktive Rolle in ihrer Gesundheitsversorgung übernehmen, indem sie gezielte Fragen stellen und selbst für die Umsetzung von Lebensstiländerungen verantwortlich sind.
  • Der Arzt ist ein Berater und Wegweiser, nicht der alleinige Problemlöser; die letzte Verantwortung für die eigene Gesundheit liegt beim Patienten.
  • Es ist ratsam, einen Arzt zu suchen, der eine offene Kommunikation ermöglicht, oder aktiv um mehr Zeit und detailliertere Erklärungen zu bitten.
  • Eine Verhaltensänderung beginnt damit, Fragen zu stellen und benötigte Informationen selbstbewusst einzufordern, um eine informierte Entscheidung zu treffen.

FAQ Modul

1. Warum habe ich nach dem Arztbesuch oft Fragen?

Weil die Zeit knapp ist und wichtige Dinge nicht ausreichend erklärt werden.

2. Was kann ich tun, um den Arzt besser zu verstehen?

Bereite konkrete Fragen vor und bitte um einfache Erklärungen.

3. Ist mein Arzt verantwortlich für meine Gesundheit?

Er begleitet dich. Die Umsetzung liegt bei dir.

4. Wie viele Fragen sollte ich stellen?

2–3 klare Fragen reichen oft völlig aus.

5. Darf ich den Arzt wechseln?

Ja. Wenn du dich nicht verstanden fühlst, ist das sinnvoll.

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Transkript

Also, du sitzt im Wartezimmer, wartest vielleicht schon 30 Minuten, und dann ruft dich die Helferin auf, und dann gehst du zum Arzt, und der Arzt spricht mit dir 5 Minuten, und dann hast du ein Rezept und gehst wieder raus, und dann stehst du vor der Tür und hast nix kapiert. Und das ist das Thema, über das wir beide uns gleich unterhalten.

Ja, du denkst: „War’s das jetzt?“ Und ganz ehrlich, mit diesem Gefühl gehen ganz viele Menschen nach dem Arztbesuch nach Hause. Und vor allen Dingen Menschen mit hohem Blutdruck, da ist ja nichts weiter zu untersuchen, erst mal schnell, ho, dann nimmt der Arzt schnell mal das Rezept aus der Tasche und gibt dir das und sagt: „Ja, nehmen Sie mal“, und dann sinkt der Blutdruck. Aber ich würd wirklich gerne mal etwas genauer reinschauen in dieses Thema.

Mein Arzt hat sich nicht genug Mühe gegeben, das sagen die meisten, der hat einfach keine Zeit für mich, der hat kein Interesse an mir. Aber ich würde mal sagen, die Wahrheit ist ein bisschen komplexer. Und zwar gibt es da sehr gute Untersuchungen drüber, nicht schon wieder eine Studie, denkst du jetzt, ja, aber trotzdem sollte man mal hin oder hören. Und zwar: Es finden seltsamerweise geht es aber hierbei nicht um das fehlende medizinische Wissen des Arztes, sondern es liegt immer fast ausschließlich an der Kommunikation. Und Kommunikation passiert auf beiden Seiten. Man kann also auch einfacher sagen: Es ist nicht so entscheidend, das, was gesagt wird, sondern es ist entscheidend, wie es gesagt wird oder was eben nicht gesagt wird. Und deswegen ist es auch so, dass du dich häufig nicht gehört fühlst. Das heißt also, es kommt nicht zu einer Kommunikation, wo du auch sagen darfst: „Hey, das ist das Thema um den Blutdruck herum“, weil einfach dieses Gespräch oder das nicht angesprochen wird.

Ja, du gehst da raus und sagst: „Ich bin da gar nicht angekommen, ich hab einfach mal kurz den Sessel da plattgedrückt und dann war ich ruckzuck wieder draußen, damit der Sessel und der Arzt sich wieder entspannen konnten.“ Ja, das bedeutet für dich, es geht dir alles zu schnell. Das Gefühl: Ich hatte keine Chance, irgendwelche Fragen zu stellen. Und dann hast du eine Diagnose bekommen, essentielle arterielle Hypertonie, und dann hat dein Arzt schnell noch mal gesagt: „Ja, da müssen deine Lifestyles modifiziert werden, dich das.“ Ja, dann sollst du abnehmen, sollst quasi kein Salz essen und den ganzen Spaß, und das alles in 2 Sekunden und ohne Modifikation. Und das Gesamtgefühl, mit dem du dann die Bude von dem Arzt verlässt, ist dann: Ich hab keine Ahnung, was ich jetzt tun soll, weil dir der Weg nicht gezeigt wurde. Dir wurde mal so schnell eine Lösung angeboten, eine Pille und Lifestyle. Das ist dann für dich eine Lösung. Und da du natürlich auch ein bequemer Mensch bist, sagst du auch: „Ja, ich die Pille nehme, ist das Thema geregelt.“ Das ist aber nicht der Fall.

Und deswegen ist es natürlich Aufgabe des Arztes, herzugehen und dir einen Weg aufzuzeigen. Denn dein Weg, der vorher da war, hat dich ja in die Situation geführt, dass du jetzt einen hohen Blutdruck hast. Also wirst du auch den Weg möglicherweise mit oder ohne Pille modifizieren müssen. Und das ist natürlich in einem Gespräch, was 5 Minuten dauert, nicht rüberzubringen. Und das würde ich jetzt mal ganz ehrlich sagen: Es kommt ein ganz wichtiger Punkt. Dein Gefühl ist absolut verständlich, ich bin da voll dir, aber es gibt natürlich auch die Seite des Arztes.

Unser Gesundheitssystem ist getaktet, da sollen 50 Patienten am Tag durchgezogen werden, ich sag das mal so, damit diese Arztpraxis sich auch wirklich rechnet, damit die Helferinnen bezahlt werden können, die Räumlichkeiten bezahlt werden können, die Energieversorgung bezahlt werden kann. All diese Dinge, die noch da sind, dann müssen Steuern bezahlt werden, dann müssen Lohnnebenkosten bezahlt werden und das ganze Ding. Und das soll innerhalb einer Lösung sein, wo der Arzt vielleicht für das Gespräch und für das Ganze, was jetzt da passiert, vielleicht 20 oder 30 Euro bekommt und das einfach mit der Situation nicht möglich. Ich will da nicht jammern, um Gottes Willen, darum geht es nicht. Aber es geht darum, mal die andere Seite aufzuzeigen, die da ist. Nämlich es kommt noch was anderes hinzu. Zu den 50 Patienten besteht auch für den Arzt eine Dokumentationspflicht. Das heißt, das, was er sogar mit dir gemacht hat, muss er sorgfältig dokumentieren. Und deswegen verschwindet er leider zack, zack hinterher wieder auf der Tastatur mit dem Gesicht auf dem PC und guckt dir nicht in die Augen. Und das ist ein Problem. Das heißt, die Bürokratie, die an deinem Arztbesuch dranhängt, die ist auch eine Herausforderung, die von der Praxis und von dem Arzt gestemmt werden müssen. Und dann gibt es auch klare Zeitvorgaben, die der Arzt auch bei der ganzen Geschichte nicht überschreiten darf. Ja, das ist total pervers, wenn wir es gibt Zeitvorgaben, wenn du so und so viel Patienten pro Tag behandelst, dann hast du eine Zeitvorgabe. Und wenn du die Zeitvorgabe überschreitest, kriegst du hinterher möglicherweise das Geld für diese Behandlung nicht. Also das System ist schon irgendwo ein ganz klein bisschen pervers. Es geht hier darum, dass oft daraus kommt, dass es eigentlich nicht zu einem Gespräch kommt, sondern es ist einfach ein Zeitfenster, was der Arzt sieht. Und da sind die Allgemeinmediziner besonders unter Druck und natürlich auch die, die eben halt mit Fachgebieten da sind, wo es eben halt nicht so stark um die Anamnese geht oder die einfach nur kurz mal in den Hals und in die Ohren und in die Nase schauen. Und das ist ein richtiges Problem. Und in diesem Zeitfenster verlangt der Patient natürlich mit Recht, gar keine Frage, dass eben halt Diagnose, Therapie, Dokumentation und Aufklärung natürlich komplett erfolgt, dass du also mit gutem Wissen nach Hause kommst. Und das funktioniert einfach nicht perfekt. Das kann nicht laufen, weil einfach diese Zeitfenster nicht stimmen.

Dein Arzt also ist nicht dein Gegner, sondern dein Arzt ist unter Druck. Er ist auch nicht dein Problemlöser in der Situation, sondern dein Arzt ist nichts anderes als dein Berater. Natürlich hat er die Pflicht herzugeben und zu sagen: „Boah, ich unterkümmere mich erst mal um dein Thema und nehme das Thema wahr“, was ja total wichtig ist. Das Thema muss er wahrnehmen, sonst kann er dir in der Form nicht helfen. Er kann kein guter Berater sein, wenn er dich nicht gehört hat, weil er muss mal dein Problem genau erkennen. Und das Problem beim hohen Blutdruck ist nicht nur das des hohen Blutdruckes, sondern es ist möglicherweise die menschliche, nervliche, somatische Herausforderung, die in dir schmunzelt und die sagt: „Boah, kümmer dich mal um deinen Blutdruck, um deinen Körper, weil irgendetwas stimmt nicht.“ Und von daher ist es vielleicht sinnvoll, dass wir mal ein bisschen einen Perspektivwechsel vornehmen.

Viele gehen zum Arzt mit der Erwartung: „Das wird für mich jetzt schon das Problem sein, das da gelöst wird, und dann ist alles gut und ich muss nichts weiter tun.“ Ich habe nichts weiter zu tun. Entschuldigung, dass ich das jetzt so ein bisschen abschneide. Aber gerade beim Blutdruck gilt: Der Arzt kann dir einen Weg zeigen, aber den Weg musst du selber gehen. Und das ist der entscheidende Punkt. Der Arzt ist wie ein Bergführer. Und ein Bergführer, der kennt den Weg und der weiß, wo es steil ist.

Und er weiß auch, ob er wie er schon nach da oben hinkommt. Er war schon 100 Mal oben auf dem Berg. Aber gehen musst du selbst. Du kannst hinter ihm herlaufen, aber gehen musst du selbst. Vielleicht hilft dir dieser Gedanke: Der Arzt verschreibt dir Tabletten, aber er kann sie nicht für dich schlucken. Er kann sie nicht für dich spazieren gehen. Er kann nicht für dich ruhiger werden.

Er kann nicht für dich abnehmen. Er kann nicht für dich auf die Bierchen und den Wein oder die Zigaretten verzichten. Das heißt, es ist so schade, wie es ist: Du hast die Verantwortung für deinen hohen Blutdruck selbst. Der Arzt ist dein Bergführer, mehr aber nicht. Aber die gute Nachricht ist daraus: Du bist selbst ermächtigt. Du kannst alleine entscheiden, was mit dir passiert.

Du bist nicht abhängig. Klar, du bist abhängig davon, dass der Arzt dir die Pille verschreibt. Aber diese Pille musst du selber nehmen und du musst auch hergehen und die anderen Maßnahmen auch durchführen. Das heißt, du kannst entscheiden, was du bist. Du bist der wichtigste Faktor in deiner eigenen Therapie, und das ist dir möglicherweise nicht bewusst. Natürlich setzt das ein intaktes Arzt-Patienten-Verhältnis voraus, dass du dich verstanden fühlst, keine Frage. Aber vielleicht ist es auch klug, dann mal herzugehen und den Arzt zu bitten, es genauer zu erklären, auch wenn er dieser Situation erst mal nicht nachkommen will.

Und dann gibt es natürlich auch die Möglichkeit zu sagen: „Wow, ich suche mir einen Arzt aus, dem ich diese Fragen stellen darf und wo ich den Eindruck habe, dass er mir zuhört.“ Also noch mal: Du bist der wichtigste Faktor in der eigenen Therapie. Und das bedeutet auch: Du darfst dem Arzt gegenüber deine Fragen klar äußern. Und wenn er dafür keine Zeit hat, dann bitte um einen Termin, wo er die Zeit hat. Oder du hast die Chance, das Angebot, das ärztliche Angebot, zu wechseln. Und das ist ganz ehrlich gesagt keine Last, das ist eine Chance. Du kannst diese Chance nutzen, denn die Bewegung liegt bei dir, die Ernährung liegt bei dir, der Stress liegt bei dir, die Ruhe liegt bei dir.

Und zu welchem Arzt du gehst, liegt auch bei dir. Und vielleicht gehst du beim nächsten Arztbesuch mit einer ganz anderen Haltung rein. Nicht als jemand, der eine Lösung bekommt, sondern als jemand, der sich Orientierung holt.

Stell dir vor: 2 bis 3 konkrete Fragen. Schreib sie dir vorher auf. Bitte aktiv um einfache Erklärungen und frag dann bewusst: „Was kann ich selbst tun?“ Da wird dir, glaube ich, jeder Arzt sofort helfen. Und wenn du nach dem Arztbesuch enttäuscht bist, dann stimmt etwas nicht. Aber es bedeutet nicht, dass du es verloren hast. Es bedeutet, dass du angefangen hast, eine aktivere Rolle zu spielen, indem du fragst und indem du die Informationen, die du benötigst, wirklich einforderst.

Und genau da beginnt die Veränderung. Ganz ruhig, ganz, ganz einfach und Schritt für Schritt. Und wenn dir diese Folge geholfen hat, freue ich mich, dass du sie positiv bewertest und vielleicht bei YouTube, bei Spotify oder bei Apple Podcasts eine positive Nachricht hinterlässt, damit auch mehr Menschen in die Lage kommen, diese Podcastfolge zu hören. Und noch mehr würde ich mich über ein Like bei YouTube freuen oder auch über einen Kommentar, denn das vergessen die meisten Leute mal, einen positiven Kommentar hinterzulassen. Könnte auch einen negativen Kommentar sein, Hauptsache Kommentar, denn dann weiß ich, was ich besser machen kann. Und dann möchte ich dich natürlich auch auf meinen Newsletter hinweisen, den du auf der Seite runtermitdemblutdruck.de dich einschreiben kannst, damit du keine Folge mehr verpasst und die aktuellen Situationen bezüglich des Blutdrucks und deren Entwicklungen auch nicht versäumst. Ich wünsche dir noch einen schönen Tag.

Systembedingter Druck auf Ärzte
Die scheinbare mangelnde Zuwendung der Ärzte ist oft eine direkte Folge des strukturellen Drucks im Gesundheitssystem. Arztpraxen müssen eine hohe Anzahl von Patienten pro Tag behandeln, um wirtschaftlich rentabel zu sein, was sich in sehr kurzen Zeitfenstern pro Patient niederschlägt. Neben dem Gespräch muss der Arzt auch eine umfassende Dokumentationspflicht erfüllen, was dazu führt, dass er sich nach dem Patientengespräch oft wieder dem Computer zuwenden muss. Zusätzlich gibt es klare Zeitvorgaben pro Behandlung, deren Überschreitung sogar zu Honorarkürzungen führen kann, was das System als “pervers” erscheinen lässt und die Qualität der Arzt-Patienten-Interaktion maßgeblich beeinflusst.

Die Rolle des Patienten in der Therapie
Der Arzt sollte als Berater und Bergführer verstanden werden, der den Weg aufzeigt, aber der Patient muss diesen Weg selbst gehen. Der Arzt kann Medikamente verschreiben, aber nicht für den Patienten einnehmen oder die notwendigen Lebensstiländerungen (wie Bewegung, Ernährungsumstellung oder Stressreduktion) umsetzen. Dies betont die Eigenverantwortung des Patienten. Es ist entscheidend, dass Patienten aktiv werden, indem sie gezielt Fragen stellen, um einfache Erklärungen bitten und bewusst nachfragen, was sie selbst tun können.

Gestaltung einer erfolgreichen Arzt-Patienten-Beziehung
Eine effektive Therapie setzt ein intaktes Arzt-Patienten-Verhältnis voraus. Patienten sollten sich nicht scheuen, den Arzt um genauere Erklärungen zu bitten oder bei Bedarf einen Folgetermin für ein ausführlicheres Gespräch zu vereinbaren. Falls die Kommunikation wiederholt unzureichend bleibt, besteht die Möglichkeit und Chance, den Arzt zu wechseln. Der Patient ist der wichtigste Faktor in seiner eigenen Therapie und hat die Macht zu entscheiden, welche Schritte unternommen werden. Indem Patienten eine aktivere Rolle spielen und Informationen einfordern, beginnt die eigentliche Veränderung hin zu einer besseren Gesundheitsversorgung.