Leisten, ohne dich zu verlieren – mit Britta Dohr

Du arbeitest gern – und deine eigene Kraft kommt oft zuletzt? Britta Dohr und Dr. Harald Messner sprechen über Leistungsdruck, Erholung und die eigenen Grenzen.

Podcastfolge 220: Leisten, ohne dich zu verlieren, mit Britta Dohr und Dr. Harald Messner.

Du arbeitest gern. Du übernimmst Verantwortung. Und wenn jemand ausfällt, springst du ein. Vielleicht hörst du erst am Abend, wie erschöpft du eigentlich bist. Vielleicht bemerkst du es auch daran, dass dich eine ganz einfache Frage schon überfordert: Was wollen wir heute essen?

In Folge 220 von „Runter mit dem Blutdruck“ spreche ich mit Britta Dohr darüber, wie Leistung und Erholung im Alltag zusammenfinden können. Britta ist Business-Coach und Resilienz-Trainerin. Sie erzählt von ihrer Karriere in der Wirtschaftsprüfung, vom Leben mit einer chronischen Erkrankung und von den Veränderungen, die ihr geholfen haben, mit ihren Kräften bewusster umzugehen.

Wenn ein Teil von dir zu Hause bleibt

Britta berichtet im Gespräch, dass sie ihre chronische Erkrankung im Beruf lange nicht offengelegt hat. Sie wollte an ihrer Arbeit gemessen werden und nicht an einer Diagnose. Zugleich bedeutete diese Entscheidung für sie, trotz Schmerzen zu arbeiten und Arzttermine in die freie Zeit zu legen.

Mich berührt daran besonders die Frage: Wie viel Kraft kostet es, nach außen leistungsfähig zu erscheinen, wenn es dir innerlich gerade ganz anders geht?

Britta erzählt von ihrem eigenen Weg. Vielleicht erkennst du dich in einem Teil ihrer Geschichte wieder. Dein Weg darf anders aussehen.

Was wird verlangt – und was nimmst du an?

Im Gespräch unterscheiden wir äußeren Druck und innere Ansprüche. Eine knappe Personaldecke, schwierige Vorgesetzte oder zu viele Aufgaben sind reale Belastungen. Gleichzeitig kann eine ungeprüfte Erwartung zusätzlichen Druck erzeugen: Ich muss sofort antworten. Ich darf niemanden enttäuschen. Ich muss im Urlaub erreichbar bleiben.

Brittas Vorschlag ist einfach und konkret: nachfragen. Bis wann wird die Aufgabe gebraucht? Was hat Vorrang? Was kann dafür warten?

Erholung braucht einen Platz im Alltag

Eine Pause kann damit beginnen, dass du für einen Moment nicht noch etwas erledigst. Keine schnelle E-Mail, keine zusätzliche Nachricht, keine neue Liste. Britta und ich sprechen darüber, was solche kurzen Unterbrechungen für uns persönlich bedeuten.

Eine Pause muss sich nicht erst durch mehr Leistung rechtfertigen. Du darfst dir einen Moment nehmen, um wieder bei dir anzukommen.

Welche Unterbrechungen möglich sind, hängt vom Beruf und von der Situation ab. Gerade in Pflege und Medizin braucht es neben persönlichen Absprachen auch Führung, die Pausen und Vertretung ermöglicht.

Urlaub beginnt mit einer guten Übergabe

Wer kurz vor dem Urlaub alles gleichzeitig fertig machen will, nimmt die Arbeit manchmal noch gedanklich mit. Im Gespräch schlägt Britta vor, rechtzeitig zu sortieren: Was muss abgeschlossen werden? Was bleibt offen? Wer übernimmt? Wer muss Bescheid wissen?

Dazu gehört für mich auch Vertrauen. Wenn ich Verantwortung übergebe, muss ein anderer Mensch nicht jeden Handgriff genauso machen wie ich. Entscheidend ist, dass die Aufgabe verlässlich versorgt ist.

Mit der „Erholungskurve“ beschreibt Britta ihre Beobachtungen beim Übergang in freie Zeit. Ihr Impuls: Erholung darf schon vor dem ersten Urlaubstag einen Platz bekommen.

Wie viel Energie ist heute da?

Britta nutzt eine Skala von eins bis zehn als persönliche Orientierung: Wie viel Energie habe ich heute? Welche Aufgabe passt dazu? Wo kann ich etwas verschieben oder Unterstützung holen?

Das ist eine Einladung zum Beobachten und dazu, den eigenen Tag bewusster zu gestalten.

Du darfst einen Gang zurückschalten

Zum Ende beschreibt Britta Resilienz als die Fähigkeit, mit den Phasen des Lebens umzugehen. Dazu dürfen auch Zeiten gehören, in denen du weniger leistest. Akzeptanz bedeutet für sie, Handlungsmöglichkeiten zu suchen und immer wieder zu prüfen, was ihr guttut.

Vielleicht ist das die Frage, die du aus dieser Folge mitnehmen kannst: Was könnte ich heute verändern, bevor ich wieder über meine Grenze gehe?

Manchmal ist es eine Rückfrage. Manchmal eine Pause. Manchmal die Bitte um Unterstützung. Und manchmal braucht es eine größere Veränderung der Bedingungen.

Die Folge hören

„Leisten, ohne dich zu verlieren“ – mit Britta Dohr und Dr. Harald Messner, Folge 220 von „Runter mit dem Blutdruck“.

Mehr über Britta: Britta Dohr Coaching.

Die persönlichen Erfahrungen aus dem Gespräch ersetzen keine individuelle medizinische Beratung. Veränderungen an einer laufenden Behandlung bitte mit dem behandelnden Team besprechen.

Häufige Fragen

Was bedeutet „Leisten, ohne dich zu verlieren“?

Im Gespräch geht es darum, eigene Grenzen und Erholung bei der Arbeit mitzudenken. Leistung darf Freude machen. Sie sollte aber nicht verlangen, Beschwerden dauerhaft zu übergehen oder notwendige Erholung immer wieder zu verschieben.

Wie erkenne ich meinen inneren Leistungsdruck?

Ein erster Hinweis können Sätze sein wie „Ich muss sofort antworten“ oder „Ich darf niemanden enttäuschen“. Britta schlägt vor, zu prüfen: Hat jemand das tatsächlich verlangt? Was kann ich durch eine Rückfrage klären? Äußere Belastungen bleiben dabei ebenso wichtig.

Wie kann ich mich im Arbeitsalltag erholen?

Eine mögliche kleine Unterbrechung ist, den Bildschirm kurz zu verlassen, aufzustehen oder für einen Moment keine neue Aufgabe aufzunehmen. Was möglich ist, hängt vom Arbeitsplatz ab. Pausen brauchen häufig auch Absprachen, Vertretung und Unterstützung durch die Führung.

Warum werde ich manchmal gerade im Urlaub krank?

Britta beschreibt aus ihren Gesprächen, dass manche Menschen gerade zu Beginn einer Auszeit Beschwerden bemerken. Ihr praktischer Impuls ist, nicht erst im Urlaub an Erholung zu denken: Eine rechtzeitige Übergabe und kleine Pausen im Alltag können den Übergang erleichtern.

Senken Pausen oder Akzeptanz automatisch meinen Blutdruck?

Wie sich Pausen und ein gelassenerer Umgang auf deinen Blutdruck auswirken, ist individuell. Stressbewältigung kann zur Behandlung dazugehören, kann aber nicht in jedem Fall eine individuell notwendige Therapie ersetzen.

Weitere alltagstaugliche Impulse bekommst du im kostenlosen Newsletter Dein Blutdruck Impuls.

Über Britta Dohr

Porträt von Britta Dohr, Business Health Coach und Resilienz-Trainerin.

Britta Dohr ist Business Health Coach und Resilienz-Trainerin aus Krefeld. Unter dem Leitthema „Starke Leistung ohne auszubrennen“ begleitet sie engagierte Berufstätige, Führungskräfte und Unternehmen dabei, ihre Energie und ihren Arbeitsalltag so zu gestalten, dass Leistung dauerhaft möglich bleibt.

Die Diplom-Kauffrau und frühere Steuerberaterin war über 20 Jahre in Konzern und Mittelstand tätig, zuletzt als Geschäftsführerin einer Wirtschaftsprüfungsgesellschaft. Zum Thema Energie kam sie über ihre chronische Erkrankung, die sie früh zwang, ihren Arbeitstag anders zu organisieren.

Angebot: 1:1-Coachings für Privatpersonen, Trainings und Workshops zu Resilienz und gesunder Führung für Unternehmen sowie Vorträge.

Website: brittadohr-coaching.de
E-Mail: info@brittadohr-coaching.de
LinkedIn: Britta Dohr auf LinkedIn

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Transkript

00:00:00–00:00:04 | Dr. Harald Messner

Sag mal, Gesundheit: Welche Rolle spielt die in deinem Leben?

00:00:06–00:00:27 | Dr. Harald Messner

Aber ganz ehrlich, es steht erstens die Familie im Vordergrund, steht die Arbeit im Vordergrund, steht die Verantwortung im Vordergrund, die tollen Ferien machen zu können, die Bucketlist füllen oder entleeren zu können, und wenn dann nichts mehr übrig bleibt, dann denken die meisten Menschen über Gesundheit nach.

00:00:27–00:00:29 | Dr. Harald Messner

Vielleicht geht dir das ja genauso.

00:00:29–00:00:38 | Dr. Harald Messner

Das heißt, die entscheidende Frage ist: Kannst du erfolgreich sein und trotzdem gesund bleiben?

00:00:39–00:00:48 | Dr. Harald Messner

Und zu dieser Frage habe ich heute Britta Dohr eingeladen, und ich freue mich, sie am Mikrofon begrüßen zu können.

00:00:53–00:01:04 | Dr. Harald Messner

Und sogar sichtbar, und ich freue mich riesig. Sie ist Business-Coach und Resilienz-Trainerin, und da sagt man: Whoa, ja? Nein, nix.

00:01:04–00:01:15 | Dr. Harald Messner

Hier geht es um die Frage: Wie kannst du leistungsfähig sein und trotzdem gesund sein? Hallo, Frau Dohr, vielen Dank, dass Sie sich die Zeit genommen haben.

00:01:15–00:01:28 | Dr. Harald Messner

Sie sind ja selber mal krank gewesen — Entschuldigung, jetzt habe ich wieder zwischengequatscht, nein, haha. Sie sind ja selber mal krank gewesen und können das aus eigener Gesundheit oder aus eigenen Erfahrungen berichten.

00:01:28–00:01:37 | Dr. Harald Messner

Wie man Karriere, die haben Sie ja gemacht, oder machen Sie immer noch, und trotzdem haben Sie eine Erkrankung. Vielleicht berichten Sie mal darüber.

00:01:38–00:01:46 | Britta Dohr

Das mache ich gerne, Herr Dr. Messner. Also, erstmal möchte ich natürlich sagen: Vielen, vielen Dank für die Einladung, und danke, dass ich hier sein darf und mit Ihnen ein bisschen plaudern.

00:01:47–00:02:14 | Britta Dohr

Ja, also, Sie haben gesagt, ich war krank. Ich bin auch noch krank. Und zwar ist bei mir zum Ende meines Studiums eine chronische Autoimmunerkrankung festgestellt worden, ein systemischer Lupus erythematodes. Und für die, die jetzt natürlich nicht wissen, was das ist: Das ist eine Autoimmunerkrankung, bei der der Körper die eigenen Organe angreift. Und das Tückische ist, man weiß nie so sehr, welches Organ, weil es kann eigentlich — es kann eigentlich jedes Organ sein.

00:02:14–00:02:37 | Britta Dohr

Und das war bei mir direkt zum Ende meines Studiums. Und ich stand natürlich vor dieser Entscheidung: Ich gehe jetzt ins Berufsleben. Und ich hatte mir immer vorgenommen, ich möchte Karriere machen. Und da war natürlich jetzt die Frage: Geht das überhaupt noch mit so einer Erkrankung? Und dann habe ich für mich eine Entscheidung getroffen, die mich dann auch letztendlich mein ganzes Berufsleben begleitet hat.

00:02:37–00:03:00 | Britta Dohr

Und zwar habe ich entschieden, dass ich es in meinem Berufsleben, solange das gesundheitlich möglich ist, nicht erzählen werde, dass ich krank bin. Weil ich bin damals in den Bereich Wirtschaftsprüfung-Steuerberatung eingestiegen, und das war und ist vielleicht heute auch noch natürlich eine Branche, wo "krank" immer mit "nicht leistungsfähig" gleichgesetzt wurde. Und —

00:03:00–00:03:06 | Dr. Harald Messner

Das ist der Grund, warum Sie dann gesagt haben: Boah, da kann ich jetzt nichts von erzählen, dann werde ich behindert dadurch, oder wie war das?

00:03:06–00:03:19 | Britta Dohr

Genau. Ich wollte — also ich wollte nicht als die Kranke gelten. Ich wollte nicht, dass die Leute mich komisch angucken. Und als bei mir damals der Lupus festgestellt worden ist, da war die Erkrankung noch sehr unbekannt.

00:03:19–00:03:39 | Britta Dohr

Heute ist das ein bisschen anders, weil natürlich auch inzwischen ein paar Prominente mit der Erkrankung auch rausgegangen sind. Aber wenn man früher "systemischer Lupus" gegoogelt hat, dann kamen da eigentlich nur diese Horrorgeschichten, die ganz schweren Verläufe. Und ich habe gesagt: Ich kann ja jetzt nicht einfach sagen, ich bin krank, und dann nicht sagen, was es ist. Da werden die Leute ja nachfragen.

00:03:39–00:03:56 | Britta Dohr

Und deswegen habe ich gesagt, ich möchte nicht die Kranke sein. Und ich glaube auch, ich hätte nicht die Karriere gemacht, die ich gemacht habe, wenn ich es damals erzählt hätte. Aber es war natürlich auch immer so, dass ich einen Teil von mir auch zu Hause gelassen habe.

00:03:58–00:04:02 | Dr. Harald Messner

Das müssen Sie mir mal erzählen. Was ist denn — welchen Teil haben Sie zu Hause gelassen?

00:04:03–00:04:16 | Britta Dohr

Wir sind ja ganzheitliche Menschen. Also, das heißt, wir sind ja nicht der Mensch, der zur Arbeit geht, und der Privatmensch, oder der kranke Mensch und der gesunde Mensch. Sondern wir sind ja so — also so sehe ich das — wir sind ja eine Person.

00:04:16–00:04:37 | Britta Dohr

Und ich habe ja immer diesen Teil, dem es nicht gut ging, den habe ich ja quasi zu Hause gelassen. Was also auch dazu geführt hat, dass ich mit Schmerzen arbeiten gegangen bin, dass ich für jeden Arzttermin Urlaub genommen habe. Also, es hatte — die Entscheidung hatte schon für mich Konsequenzen, aber ich habe sie halt auch nicht aus Scham getroffen, sondern einfach, weil es für mich eine Rechnung war.

00:04:39–00:05:06 | Dr. Harald Messner

Rechnung, aber das ist ja ein Wahnsinnsstress für mich. Also, ich stelle mir das gerade vor: Ich habe — wenn ich arbeiten gehe, ich habe die Schmerzen und gehe da hin, in diese Schmerzen rein, aber die sind Bestandteil meines Lebens, aber ich will trotzdem leistungsfähig sein. Das ist ja doppelter Stress. Man ist ja auf der einen Seite super leistungsfähig und auf der anderen Seite ja auch super leistungsfähig im Kampf mit dir, ne?

00:05:09–00:05:14 | Britta Dohr

Ja. Also, im Kampf mit mir würde ich jetzt gar nicht so sagen, weil ich habe meine Krankheit immer akzeptiert.

00:05:14–00:05:23 | Britta Dohr

Also, ich höre immer von vielen Menschen, dass sie so gegen die Krankheit kämpfen, die Krankheit so als Feind ansehen. Das habe ich nie gemacht. Ich habe immer gesagt: Okay, es gehört halt zu mir.

00:05:23–00:05:35 | Britta Dohr

Es war ja auch klar: Eine Autoimmunerkrankung ist nicht — zumindest nach heutigem Stand der Medizin — nicht heilbar. Und damals war das natürlich — da war die Medizin ja noch nicht mal so weit.

00:05:36–00:05:51 | Britta Dohr

Deswegen habe ich immer gesagt: Okay, ich lerne damit leben. Und ich habe dann schon für mich auch Strategien entwickelt, etwas später in meinem Berufsleben, weil ich halt einfach gesehen habe: So wie ich angefangen habe, kann ich das nicht lange gesundheitlich durchhalten.

00:05:52–00:06:20 | Dr. Harald Messner

Sie haben gerade was sehr Wichtiges gesagt, und das ist auch genau das, was ich fehlempfinde: Wenn man anfängt, gegen eine Erkrankung, zum Beispiel den Blutdruck oder auch bei Ihnen diesen systemischen Lupus erythematodes, anzukämpfen, dann wird das schlimmer, eigentlich. Und ich habe die Erfahrung gemacht: Wenn man aufhört zu kämpfen und es akzeptiert, dann werden die Symptome der Erkrankung eigentlich geringer. Ist das bei Ihnen so aufgetreten?

00:06:21–00:06:42 | Britta Dohr

Wahrscheinlich. Also, nicht bewusst würde ich das jetzt nicht — also, ich habe es natürlich nicht gemerkt. Aber Akzeptanz heißt für mich auch nicht, sich quasi seinem Schicksal ergeben. Also, Akzeptanz — Akzeptanz hieß für mich auch viel ausprobieren: Was tut mir gut und was tut mir auch nicht gut. Und immer wieder anzupassen. Also, so trial and error, immer wieder zu gucken.

00:06:43–00:07:01 | Britta Dohr

Also, schon mit der Krankheit und auch mit diesen Wellen — Autoimmunerkrankungen verlaufen ja in Schüben — immer wieder auch mitzugehen. Also, das ist für mich Akzeptanz. Nicht zu sagen: Ich ergebe mich meinem Schicksal und ich kann jetzt nichts. Sondern immer zu gucken: Was kann ich tun? Und was tut mir auch gut? Und das hat mir auch im Berufsleben natürlich immer geholfen.

00:07:03–00:07:14 | Dr. Harald Messner

Super. Sie sind da mal konstruktiv dran gegangen. Ich nehme diese Herausforderung an und lebe mit dieser Herausforderung und versuche, in dieser Herausforderung zu gestalten.

00:07:15–00:07:34 | Britta Dohr

Genau. Also, ich glaube, heutzutage würde man sagen: lösungsorientiert. Den Begriff kannte ich natürlich damals nicht. Aber ja, für mich war klar: Es hilft mir nichts, wenn ich jetzt entweder die Augen zumache — also, ich habe damals auch einen Partner gehabt, der mit einer Erkrankung nicht gut umgehen konnte. Das macht es natürlich nicht einfacher.

00:07:34–00:07:46 | Britta Dohr

Aber für mich war klar: Es gehört einfach dazu, und ich werde damit leben. Und ich — wie gesagt, ich habe immer dieses Thema Karriere gehabt und wollte natürlich auch, so weit wie möglich, damit Karriere machen.

00:07:46–00:07:49 | Dr. Harald Messner

Ja, dann erzählen Sie mal, was haben Sie für eine Karriere gemacht?

00:07:50–00:08:13 | Britta Dohr

Also, ich bin eingestiegen als Assistentin in der — also, ich habe ganz normal BWL beziehungsweise Wirtschaftswissenschaften studiert, bin dann eingestiegen im Bereich Wirtschaftsprüfung-Steuerberatung als Assistentin, dann irgendwann Steuerberater gemacht. Also, es ist so dieser typische Weg, den man da in diesem Bereich geht. Und war zuletzt 8 Jahre lang dann Geschäftsführerin auch einer Wirtschaftsprüfungsgesellschaft.

00:08:14–00:08:38 | Britta Dohr

Aber man muss natürlich auch sagen: Ich habe auch diese Phasen, ich sage mal, der wahnsinnig harten Arbeit miterlebt. Weil als Assistentin in der Steuerberatung und Wirtschaftsprüfung, da haben Sie relativ wenig Spielraum. Also, da können Sie nicht sagen: Ich arbeite heute mal weniger. Da wird man zu einem Projekt, zu einem Kunden geschickt, und dann arbeitet man.

00:08:38–00:09:17 | Britta Dohr

Und ich kenne gut diese Phasen, in denen 60, 70 Stunden in der Woche noch fast wenig waren. Also, wo ich nur — ich sage mal — nur nachts zum Duschen kurz nach Hause gefahren bin, weil wir die ganze Nacht im Büro verbracht haben. Und ich erinnere mich da gut an eine Szene: Ich habe zu der Zeit viel im Ausland gearbeitet, und dann sind wir morgens immer — am Montagmorgens mit dem ersten Flieger nach Wien geflogen und freitagsabends mit dem allerletzten zurück. Und irgendwann stehe ich montags morgens am Flughafen, und ich hatte wirklich richtig Fieber, und mein Chef sagt zu mir: "Sie haben aber heute schlechte Laune."

00:09:18–00:09:18 | Dr. Harald Messner

Wow.

00:09:19–00:09:38 | Britta Dohr

Und eigentlich wäre das natürlich eine Situation gewesen, wo ich mich hätte krank melden müssen. Aber natürlich bin ich mitgeflogen, und natürlich habe ich die ganze Woche auch gearbeitet, und auch mehr als 40 Stunden. Und habe dann aber irgendwann für mich auch gemerkt: Wenn ich das so weitermache, dann halte ich das gesundheitlich nicht lange durch.

00:09:40–00:09:52 | Dr. Harald Messner

War das der Klick in dieser Situation, wo Sie gesagt haben: Oh, ich beschäftige mich ja jetzt mal mehr mit diesem Thema? Was dann zu Ihrem Coaching auch geführt hat?

00:09:52–00:10:04 | Dr. Harald Messner

Oder gab es da ein anderes Ereignis, was eben halt diese Umschwenkung quasi von der Leistung auf, ja, gesund bleiben und Leistung, den Aspekt gelegt hat?

00:10:04–00:10:10 | Dr. Harald Messner

Sie haben ja jetzt eher von Ihrer Karriere gesprochen, und jetzt plötzlich kommt so was.

00:10:11–00:10:13 | Dr. Harald Messner

Ist es das wert?

00:10:13–00:10:18 | Dr. Harald Messner

Ist das dieses Thema gewesen, oder was hat sich da geändert bei Ihnen?

00:10:21–00:10:34 | Britta Dohr

Es war nicht die Frage: Ist es das wert? Also, ich wollte — ich habe ja auch immer gerne gearbeitet. Also, mir hat das ja auch extrem viel Freude gemacht, zu arbeiten. Und ich habe aber für mich gesehen: So, wie ich das am Anfang gemacht habe, geht es nicht.

00:10:35–00:10:46 | Britta Dohr

Und dann habe ich halt für mich sukzessive über ganz viele Berufsjahre auch da immer wieder ausprobiert: Was funktioniert für mich? Wie kann ich mit meiner eigenen Energie auch arbeiten? Und wie kann ich das nutzen?

00:10:46–00:11:01 | Britta Dohr

Wie kann ich auch Strategien entwickeln, wenn ich ausfalle? Und das mit dem Coaching kam — natürlich war das irgendwo die Vorbereitung, aber das kam viel, viel später. Da war ich schon viele Jahre Geschäftsführerin, als ich mich dann entschieden habe, was anderes zu machen.

00:11:05–00:11:36 | Dr. Harald Messner

Wie haben Sie denn diesen Druck gespürt? Wenn man — also, wenn ich viele Leute so betrachte, die empfinden ja nur, dass der Druck von außen kommt. Die empfinden ja nicht, dass in Ihnen auch was ist, was Druck macht und was eben halt eine Leistung fordert. Wie kann man den Menschen klar machen, dass sie betrachten: Was ist der objektive Druck und was ist der subjektive Druck in einem selbst?

00:11:37–00:11:51 | Britta Dohr

Also, wir haben auf jeden Fall diese zwei Arten, wie Sie schon sagen, von Druck: der Druck von außen und der Druck von innen. Und beide sind wirklich real. Also, es ist jetzt nichts, was wir uns irgendwie nur einbilden. Und fangen wir mal vielleicht an mit dem Druck von außen.

00:11:52–00:12:12 | Britta Dohr

Also, da sehen wir — und es gibt zum Beispiel den DGB-Index guter Arbeit, der hat in 2024 Beschäftigte befragt, und da haben 2 von 3 Beschäftigten gesagt, dass sie mindestens in dem Jahr einmal krank arbeiten waren. Das muss man sich mal überlegen: 2 von 3 Beschäftigten waren krank arbeiten. Und das ging mir auch so.

00:12:12–00:12:27 | Britta Dohr

Und ich habe da noch ein schönes anderes Beispiel: Ich lag irgendwann — also, meine Erkrankung hat sich immer wieder auch über Fieber geäußert, und irgendwann lag ich wirklich mit einem richtigen grippalen Infekt im Bett. Und wir hatten am nächsten Tag einen Termin mit einem potenziellen Neukunden.

00:12:28–00:12:45 | Britta Dohr

Und mein Chef hat mich angerufen, und ich habe gesagt: Ich kann nicht, ich liege mit Fieber im Bett. Und da hat er zu mir gesagt: "Sie werden da sein." Und was habe ich gemacht? Natürlich saß ich am nächsten Tag in dem Gespräch. Und ja, wir haben den Kunden gewonnen.

00:12:46–00:12:59 | Britta Dohr

Ich bin aber danach wochenlang mit einer Kehlkopfentzündung ausgefallen, weil ich einfach nicht mehr sprechen konnte. Und ich merke das heute noch, und das ist jetzt so viele Jahre her: Jedes Mal, wenn ich erkältet bin, schlägt mir das sofort auf den Kehlkopf.

00:13:00–00:13:05 | Dr. Harald Messner

Das sieht man mal, dass der Körper einem solche Warnzeichen sendet.

00:13:06–00:13:25 | Dr. Harald Messner

Also, ich trenne ja zwischen Körper, Geist und Seele. Und da ist es einfach so, dass die Seele sagt dann dem Körper: Ich mache dir jetzt solche Symptome, damit du endlich in die Ruhe kommst, wie das jetzt eben bei dieser Aufforderung durch Ihren Chef war: Du kommst jetzt vorbei, und wir machen das Ding jetzt hier.

00:13:26–00:13:36 | Dr. Harald Messner

Und Sie bewegen sich dann dahin, gegen Ihren Willen, gegen Ihren Körper. Und dann setzt der Körper noch eine Nummer drauf, um Sie dann stillzumachen.

00:13:37–00:13:51 | Britta Dohr

Genau. Ja. Und die Rechnung ist ja — also, wenn man sie macht, sie ist nicht aufgegangen. Also, Kunde gewonnen, und dafür bin ich wochenlang ausgefallen. Also, das hat sich auch wahrscheinlich für das Unternehmen finanziell nicht wirklich gut gerechnet. Muss man also auch mal — und für mich natürlich auch überhaupt nicht.

00:13:51–00:14:05 | Britta Dohr

Aber ich hatte natürlich auch Angst um meinen Arbeitsplatz. Und ich glaube, das geht vielen Menschen so, die krank arbeiten gehen. Das ist die Sorge um den Arbeitsplatz. Das ist dieses Gefühl: Ich kann meine Kollegen nicht hängen lassen.

00:14:05–00:14:32 | Britta Dohr

Das ist auch dieses: Wir sind ja eh permanent erreichbar, und wir haben ja heute — und das sehe ich bei vielen Menschen, die jetzt so — ich meine, ich bin jetzt auch über 50, die so in meinem Alter sind — die haben nicht nur Familie, da sind die Kinder ja inzwischen größer, aber die haben inzwischen auch Angehörige, Eltern, die sie pflegen müssen. Und da kann man sich ja auch nicht mal eben krank melden. Also, das kommt ja alles noch dazu.

00:14:32–00:14:49 | Britta Dohr

Und bei Selbstständigen, so wie mir, ist es ja gleich so: Man verdient ja auch kein Geld, wenn man nicht arbeitet. Also, und da kommt, glaube ich, dieser äußere Druck auch her: Warum melden wir uns nicht krank? Und was sagen Sie als Arzt? Was hat das für Auswirkungen, wenn wir krank arbeiten gehen, immer wieder?

00:14:50–00:15:03 | Dr. Harald Messner

Ja, also, ich meine, die Erkrankung selber, sage ich, ist ja schon mal ein Hinweis, dass die Seele oder der Körper so nicht möchte, dass man so weiter funktioniert. Ganz einfach. Das ist simplex.

00:15:03–00:15:21 | Dr. Harald Messner

Und dann ist es so, weil ja in dem Beruf sozusagen während des Tages das Cortisol hoch ist, das Adrenalin ist hoch, und all diese Hormone, die eigentlich Fight- und Flight-Mechanismen sind, die sind ständig hoch. Und die sind dann ständig hoch.

00:15:21–00:15:52 | Dr. Harald Messner

Und irgendwann einmal, wenn dann kurzfristig diese Unterbrechung kommt, dann fallen die runter, und dann nimmt das Immunsystem eine Auszeit. Und dann werden Sie einfach krank. Dann ist eine basale Viruskontamination einer Seite oder irgendwas am Glas oder so weiter, und dann haben Sie den Spaß, dass Sie entweder einen Durchfall kriegen oder dass Sie eine Kehlkopfentzündung kriegen, weil sich jemand angehustet hat. Das ist aber so. Man ist empfänglich dafür.

00:15:52–00:16:07 | Dr. Harald Messner

Ich kann nur sagen: Wir waren — ich war in der Corona-Zeit sehr häufig unterwegs, weil ich auch Vorträge gemacht habe und so was. Da war ich mit ganz vielen Menschen zusammen, die Corona hatten. Ich hatte nichts. Das ist einfach so.

00:16:07–00:16:36 | Dr. Harald Messner

Aber wenn dann das wegbricht, dann plötzlich entsteht die Chance, dass man eben halt dann eben halt mehr empfänglich für solche Erkrankungen wird. Ich glaube, da haben Sie auch mal so den Begriff — ich habe ja auch ein bisschen geleuert — den Begriff "Erholungskurve" geprägt. Vielleicht können Sie dazu noch mal, dass diese Kurve mal ein bisschen für mich mit Worten füllen, oder für den Hörer.

00:16:37–00:16:41 | Britta Dohr

Das mache ich gerne. Soll ich zuerst noch was zu der zweiten Art des Drucks sagen? Die wir noch gar nicht —

00:16:41–00:16:43 | Dr. Harald Messner

Logo. Natürlich. Wow, das ist ja ein guter —

00:16:44–00:16:44 | Britta Dohr

Gar nicht gesprochen.

00:16:45–00:16:47 | Dr. Harald Messner

Ich komme zurück auf die Erholungskurve. Keine Panik.

00:16:47–00:17:06 | Britta Dohr

Genau. Nur damit wir den Druck einmal vollständig haben. Und zwar: Wir haben ja gerade über den äußeren Druck schon gesprochen, und Sie haben ja jetzt ganz toll auch — jetzt verstehe ich das auch — warum wir dann plötzlich auch so richtig krank werden und warum mich auch, ich sage mal, nach meinem grippalen Infekt diese Kehlkopfentzündung so richtig da niedergelegt hat.

00:17:07–00:17:33 | Britta Dohr

Aber wir haben so diese innere Seite des Drucks, also unseren eigenen Anspruch. Und das ist inzwischen sogar der größte Stressfaktor, noch vor dem Beruf. Also dieses: Wir lesen unsere Mails im Urlaub, weil wir meinen, es wird erwartet. Wir melden uns nicht krank, weil wir denken, dann reden die Kollegen schlecht über uns. Wir sagen ja, weil wir immer das Gefühl haben, das Nein wird uns übel genommen. Und wir haben aber gar nicht nachgefragt.

00:17:34–00:17:52 | Britta Dohr

So, und was wir ganz einfach tun können, ist, uns einfach mal selbst zu fragen: Hat das wirklich jemand verlangt von mir, oder nehme ich das nur an? Und nach außen auch einfach mal nachzufragen: Bis wann brauchen Sie das? Wie dringend ist das? Und was kann ich dafür auch hinten anstellen?

00:17:53–00:18:11 | Britta Dohr

Und dann sieht man, dass sich manche Dinge einfach auch erledigen, dass manche Dinge vielleicht doch gar nicht so wichtig sind. Aber so können wir dann diesen inneren Druck so ein bisschen abmildern. Weil den machen wir uns einfach selber. Und der ist genauso real wie dieser äußere Druck und wirkt sogar noch stärker.

00:18:12–00:18:34 | Dr. Harald Messner

Das ist eine wichtige Frage, die Sie da gestellt haben. Da steht: Wer ist der Anlass oder wer ist der Anlassgeber dafür, dass ich jetzt meine E-Mails noch mal im Urlaub oder wo du weißt wo kontrolliere? Das bin immer nur ich, wenn ich da hingehe. Denn wenn ich im Urlaub bin, dann bin ich im Urlaub. Da habe ich nichts mit E-Mails zu tun.

00:18:35–00:19:04 | Dr. Harald Messner

Es ist ja auch häufig so, dass viele Menschen — da habe ich gerade auch eine Kurzpodcast-Folge darüber gemacht, oder glaube ich, ein Kurzvideo — die Leute sind im Urlaub, und am letzten Urlaubstag sind die schon geistig wieder im Beruf. Das heißt also, die blättern dann schon wieder die E-Mails, die denken drüber nach: Was wird der Chef morgen sagen, was kommt? Wie häufig? Wie voll ist mein Postfach? Habe ich so einen Stapel, den ich abarbeiten muss? Die sind dann schon gar nicht mehr im Urlaub. Und das ist ja verrückt.

00:19:06–00:19:21 | Britta Dohr

Und Sie sagen "am letzten Tag". Häufig beginnt das ja noch fast noch früher. Und das ist so diese gewisse Rückkehrangst oder Rückkehrnervosität. Dieses: Was ist schiefgelaufen? Was liegt da alles auf meinem Schreibtisch? Also, das erlebe ich sehr, sehr häufig.

00:19:21–00:19:41 | Britta Dohr

Und da haben wir jetzt auch direkt, glaube ich, diesen Schwenk zu der Erholungskurve. Denn auch dem können wir so ein bisschen entgegenwirken, indem wir den Urlaub ja so ein bisschen besser vorbereiten. Und so sind wir ja, glaube ich, auch auf diese Erholungskurve gekommen, über dieses Thema "krank im Urlaub werden".

00:19:41–00:19:59 | Britta Dohr

Denn das betrifft ja sehr, sehr viele Menschen. Und nicht alle haben immer zu mir gesagt: "Och, ich dachte, ich bin der Einzige." Und dabei betrifft das so viele Menschen, die plötzlich, wenn die Erholung ansteht, also Urlaub oder Wochenende, dann plötzlich krank werden.

00:19:59–00:20:12 | Britta Dohr

Und das haben Sie ja eben auch kurz schon als medizinisch erklärt: Das Cortisol ist hoch, die ganzen Stresshormone, und plötzlich fallen die ab, und plötzlich nimmt das Immunsystem alles auf, was da so kommt.

00:20:12–00:20:32 | Britta Dohr

Und ich sage immer: Der Urlaub ist nicht zu kurz, sondern der fängt zu spät an. Denn wenn wir mal von einer Woche Urlaub — wenn wir von einer Woche Urlaub ausgehen und so dieser erste Einbruch, den wir häufig erleben, 2 bis 3 Tage dauert, dann ist der Urlaub einfach schon fast vorbei, bis wir anfangen, uns zu erholen.

00:20:33–00:20:35 | Dr. Harald Messner

Wie bereiten Sie Ihren Urlaub vor?

00:20:37–00:20:55 | Britta Dohr

Gut, als Selbstständige ist das, glaube ich, noch mal ein bisschen was anderes, weil da ist man ja eh, ich sage mal, etwas besser vorbereitet, weil ich arbeite alleine. Das heißt, ich weiß, welche Projekte ich abgeschlossen haben muss, welche noch laufen, welche Kunden, welche Geschäftspartner ich informieren muss.

00:20:56–00:21:14 | Britta Dohr

Aber genau das Gleiche kann man natürlich auch in der Anstellung machen, indem man sich einfach 1 bis 2 Wochen vorher schon überlegt: Was muss ich bis dahin noch fertig machen? Was bleibt offen? Wen muss ich informieren? Wem kann ich etwas übergeben? Und welche Kunden muss ich auch informieren?

00:21:14–00:21:30 | Britta Dohr

Indem man — also, es geht nicht darum, in den 2 Wochen vorm Urlaub nichts mehr zu tun, sondern einfach strategisch auf diesen Urlaubspunkt hinzuarbeiten. Weil dann kann ich an meinem Urlaubstag in den Urlaub gehen und weiß genau: Es ist alles geregelt. Und —

00:21:30–00:21:45 | Dr. Harald Messner

Das ist, glaube ich — Entschuldigung — das ist, glaube ich, der entscheidende Punkt: Es ist alles geregelt, auch wenn man das bis zum letzten Tag macht. Aber man hat das Bewusstsein: Du hast nichts hinterlassen, was einen anderen jetzt in eine Bredouille bringt oder so.

00:21:45–00:22:37 | Britta Dohr

Genau. Und ich habe auch nicht dieses Gefühl, ich muss ständig meine Mails checken, weil irgendwas anbrennen könnte. Also, auch da wirklich eine Übergabe, eine Vertretungsregelung zu treffen. Und Sie sprachen gerade den letzten Tag an. Ich höre immer wieder Menschen, die zu mir sagen: "Och, der letzte Tag vorm Urlaub, das ist der produktivste Tag im ganzen Jahr." Und dann sage ich immer: "Herzlichen Glückwunsch." Weil damit verschlimmert man diesen Einbruch noch mal deutlich. Weil das kann man sich so vorstellen: Wenn wir normal in den Urlaub gehen, fahren wir von 100 auf 0 runter. Wenn wir aber am letzten Tag noch mal richtig Gas geben, ist das so: 180, und plötzlich treten wir in die Bremse. Also ja, dieser Tag kann natürlich sehr produktiv sein, aber diesen Einbruch, den wir erleben, den verschlimmern wir damit unter Umständen.

00:22:40–00:22:56 | Dr. Harald Messner

Das geht natürlich — da haben Sie recht — das geht in jeder Art von Beschäftigung, dass man einfach sagt: Ab dieser Zeit bin ich nicht mehr da, und ich möchte nichts hinterlassen, was in irgendeiner Form schädlich oder was eben halt aufenthält. Oder ich sorge für Vertretung.

00:22:56–00:23:12 | Dr. Harald Messner

Das ist ja auch ein entscheidender Punkt. Also, ich hatte ja — war ja selbstständig niedergelassen, mit einer relativ großen Einheit, und da musste ich einfach sehen, dass die Patienten als Dialysepatienten versorgt wurden oder versorgt werden. Und das ist ein entscheidender Punkt.

00:23:13–00:23:29 | Dr. Harald Messner

Und wenn ich — seitdem ich dann regelmäßig eine Vertretung hatte und das auch überlassen konnte, weil ich auch dieser Vertretung die Kompetenz gegeben habe, genau das genauso zu tun, wie ich es auch bin, und nicht gefragt habe: "Machst du das alles richtig?" und so was.

00:23:29–00:23:39 | Dr. Harald Messner

Das Loslassen ist, glaube ich, auch ein entscheidender Punkt. Können Sie das vielleicht auch mal kommentieren? Das mit dem Loslassen finde ich total wichtig.

00:23:40–00:24:01 | Britta Dohr

Ist ein wichtiger Punkt. Also, zum einen für uns selber, damit wir nicht im Kopf ständig an diese Aufgaben denken, die noch offen sind, oder: "Macht der das auch richtig?" Und das ist ja auch was, was viele Führungskräfte, wo sie sich am Anfang damit schwer tun, Aufgaben an Menschen zu übergeben und dann den Menschen auch den eigenen Weg zu überlassen.

00:24:02–00:24:14 | Britta Dohr

So, also dieses — und so wie Sie richtig sagen: Ihnen war wichtig, dass die Patienten gut versorgt sind, dass das weitergeht. Wie aber Ihr Kollege das in der Zwischenzeit gehandhabt hat, da haben Sie Vertrauen dazu gehabt.

00:24:14–00:24:41 | Britta Dohr

Und ich glaube, das ist ein ganz, ganz wichtiger Faktor, auch anderen Menschen zu vertrauen, den Menschen zu sagen: "Das und das ist offen, die und die Kunden müssen betreut werden" und den Menschen das dann aber ja auch überlassen. Weil jeder hat ja auch eine andere Art zu arbeiten. Und wenn ich jetzt sage, mein Kollege soll das genauso machen, wie ich das tue, dann schränke ich den ja wirklich ein und zwänge den in Sachen, die für ihn vielleicht gar nicht sich gut anfühlen.

00:24:42–00:24:49 | Dr. Harald Messner

Und ich komme in den Kontrollzwang, weil ich dann will: "Wow, läuft das alles so richtig?" Und dann kann ich ja sowieso nicht loslassen.

00:24:49–00:25:02 | Britta Dohr

Genau. Und dann kann ich auch nicht mehr in den Urlaub fahren. Also, dann muss ich wirklich — und es gibt ja Menschen, die sagen: "Nee, in den Urlaub fahre ich nicht, weil da bleibt zu viel liegen, das funktioniert dann alles nicht." Und das sind dann ja die Menschen, die so sukzessive krank werden.

00:25:03–00:25:44 | Dr. Harald Messner

Das sind meine Eltern. Meine Eltern, die hatten Drogerie, und die sind höchstens mal eine Woche 14 Tage, das war das Längste, was sie sich zugemutet haben. Und das war auch immer wieder mit dem Thema verbunden: "Läuft das alles? Gehen da keine Kunden verloren?" und so weiter. Ich habe ganz — ich habe relativ früh — ich habe sofort angefangen, nach dem ersten halben Jahr, ich habe echt neu niedergelassen. Also, morgens kam einer, nachmittags ließ es nach. Das war in der Anfangszeit so. Aber dann habe ich auch relativ früh gesagt: "Das will ich für mich nicht haben." Weil ich dann wirklich unter dieser Dauerbeschallung oder Daueranspannung stehe.

00:25:44–00:26:21 | Dr. Harald Messner

Aber eigentlich muss ich ja nicht das Glück — und das haben Sie, glaube ich, auch — dass das, was Sie tun, fasziniert. Und wenn einem — wenn man was macht, was einen fasziniert, dann macht man keinen — braucht man keinen Urlaub machen. Das ist was Verrücktes. Mein Sohnemann hat mir mal gesagt: "Papa, der Jüngere, wenn ich ein Arzt möchte, ich nicht werden, dann muss man so viel arbeiten." Da habe ich ihm mal gesagt: "Wenn du dein Hobby zum Beruf machst, dann brauchst du überhaupt nicht mehr zu arbeiten."

00:26:22–00:26:34 | Dr. Harald Messner

Und jetzt kommt die Nummer: Der hat was ganz anderes gemacht und arbeitet jetzt viel mehr als ich oder jemals gearbeitet habe. Und dann habe ich ihm vor ein paar Jahren schon gesagt: "Hör mal, kannst du dich an den Spruch erinnern?" "Ja, wir reden nicht drüber."

00:26:34–00:27:01 | Dr. Harald Messner

Wenn man sein Hobby zum Beruf machen kann, das zu erkennen, dass man da auch — jetzt komme ich wieder auf das Thema zurück — an Leistungsgrenzen stoßen kann, auch wenn man von dem, was man tut, fasziniert ist. Und da hätte ich gerne, dass Sie vielleicht dazu Stellung nehmen: Wo erkenne ich, dass ich an meine Leistungsgrenze stoße, obwohl ich von dem, was ich tue, so begeistert bin, dass ich gar nicht davon loslassen kann?

00:27:02–00:27:13 | Britta Dohr

Genau. Sie haben eben gesagt: "Wenn man das tut, was man liebt, braucht man keinen Urlaub." Also, da würde ich sagen — und das haben Sie ja gerade auch schon wieder eingeschränkt — ich glaube, wir brauchen trotzdem Urlaub und Erholung.

00:27:14–00:27:32 | Britta Dohr

Ob es jetzt immer diese 3 Wochen am Stück sein müssen, da können wir, glaube ich, drüber reden. Aber es geht ja vor allen Dingen um diese alltägliche Erholung, die immer wieder auch einzubinden in den Alltag, immer wieder Pausen zu schaffen, auch für den Kopf, der einfach mal was anderes bekommt.

00:27:32–00:27:58 | Britta Dohr

Und Sie haben gerade gesagt: "Wie merkt man, dass es zu viel wird?" Also, ich glaube, zuerst merken wir das auf einer körperlichen Ebene, dass wir nicht — dass wir — dass unser Körper, dass wir — dass wir Kopfschmerzen haben am Wochenende, dass wir immer wieder einen Infekt bekommen, dass wir uns einfach nicht mehr so wohlfühlen, dass wir Migräne kriegen, manche Leute bekommen plötzlich einen Tinnitus. Also, körperliche Symptome, das können auch nur ganz kleine sein.

00:27:59–00:28:24 | Britta Dohr

So, und dann irgendwann merken wir das so an unserer Stimmung. Wir werden immer gereizter, kleine Fragen werden zu viel. Also, selbst so eine Frage wie: "Wo wollen wir heute Abend essen gehen?" überfordert uns dann schon. Und dann ändert sich auch irgendwann das Verhalten. Also, wir sind immer noch — wir sind nervös, wir checken ständig unsere E-Mails, wir können die Dinge auch nicht mehr genießen.

00:28:24–00:28:53 | Britta Dohr

Aber so dieses erste Signal sendet meistens der Körper, bei fast allen. Und das können wir eigentlich auch am besten erkennen. Und jetzt sagen ganz viele Menschen immer: "Ja, merke ich doch nicht, weiß ich doch nicht, was mein Signal ist." Und dann sage ich immer: "Frag mal die Menschen, mit denen Sie eng zusammenleben oder arbeiten." Weil die kennen dieses erste Signal meistens sehr, sehr gut. Die merken das nämlich meistens schneller als wir selber.

00:28:54–00:29:11 | Dr. Harald Messner

Ja. Dass man nicht mehr an dem anderen, der da ist, oder an den Sachen, die daneben sind, dass man da keine Valenzen mehr für hat. Wenn zum Beispiel jemand die Frage: "Wo wollen wir denn heute — was wollen wir denn heute Abend essen?"

00:29:12–00:29:32 | Dr. Harald Messner

Ja, da gibt es in meinem Leben auch Phasen, wo ich sage: "Ha, ist mir eigentlich egal, wünsch dir was" oder sag dir — dann ist aber das — da ist man nicht mehr — ist man nur noch gedanklich hinter dieser Nummer. Und das kenne ich sehr gut. Das ist schon mal auch für mich immer ein Zeichen gewesen: "Jetzt musst du mal auf die Bremse treten."

00:29:33–00:29:59 | Britta Dohr

Genau. Weil wir können es uns vorstellen wie so einen Akku oder wie so einen Tank. Und jede Entscheidung, die wir treffen — wenn wir sehr viel arbeiten, treffen wir ja sehr viele Entscheidungen. Und jede Entscheidung kostet uns Energie. Und irgendwann ist der Tank halt einfach leer. Und dann überfordert uns einfach diese Frage: "Was wollen wir heute Abend essen?" Also, nicht weil die Frage schwer ist, sondern weil einfach nichts mehr da ist, was wir dagegen setzen können. Und —

00:29:59–00:30:01 | Dr. Harald Messner

Ja, vor allen Dingen, weil einem nichts mehr dazu einfällt.

00:30:01–00:30:13 | Britta Dohr

Genau. Ja, weil es ist nicht — es ist nichts mehr da. Es ist — der Kopf fühlt sich einfach leer an, und man ist nicht mehr in der Lage zu sagen: "Italienisch, asiatisch, gut bürgerlich" funktioniert einfach nicht mehr.

00:30:13–00:30:32 | Britta Dohr

Und dann kommt noch eine Sache hinzu, die vielleicht viele auch kennen: Dann sind wir am Wochenende gereizt, sagen irgendwas Nicht-Nettes zu unserem Partner oder zu unseren Kindern und bekommen dann auch noch ein schlechtes Gewissen, weil wir denken: "Jetzt bin ich auch noch ein schlechter Partner." Also, es ist so ein — wie so ein kleiner Teufelskreis, der sich dadurch auch ergibt.

00:30:33–00:30:58 | Dr. Harald Messner

Ja, das stimmt. Jetzt gibt es ja auch eine andere Situation: Wenn man zum Beispiel immer viel gearbeitet hat und tritt dann in den Ruhestand, ist das eine vergleichbare Situation, wo man sagt: "Es gibt ja auch viele Menschen, wenn die in den Ruhestand treten, dann werden die häufig auch krank." Ist das eine vergleichbare Reaktion, wie auch so eine Erholungskurve?

00:30:59–00:31:09 | Dr. Harald Messner

Wobei das Krankwerden ja keine Erholung ist. Deswegen war ich so ein bisschen bei dem Begriff "Erholungskurve" — war ja erst mal eine Erkrankungskurve, und dann kommt ja später.

00:31:09–00:31:09 | Britta Dohr

Genau, genau.

00:31:09–00:31:18 | Dr. Harald Messner

Das Thema. Wir haben ja die Kurve nur in der Initialphase besprochen. Aber vielleicht können wir die Erholungskurve ja anhand des Rentenalters noch mal bearbeiten.

00:31:20–00:31:35 | Britta Dohr

Also, ich sage mal: Zum Ruhestand fehlt mir natürlich ein bisschen die Erfahrung, weil ich ja hauptsächlich mit Menschen arbeite, die noch im Berufsleben stehen. Ich glaube, es ist aber gut vergleichbar mit einer längeren Auszeit. Nur der Ruhestand ist natürlich noch mal etwas größer.

00:31:36–00:31:58 | Britta Dohr

Und ich glaube, da können wir unterscheiden: Wenn sich jemand nur über die Arbeit definiert, wenn Arbeit so das Einzige ist, was wir auch im Leben — was uns wichtig ist, dann kommt ja bei einer längeren Auszeit oder im Ruhestand diese Frage: "Wer bin ich denn ohne meine Arbeit?" Und wenn das die einzige Säule ist, dann bricht die natürlich plötzlich weg.

00:31:59–00:32:21 | Britta Dohr

Wenn wir im Leben aber mehrere Säulen haben, zum Beispiel Familie, Interessen, Hobbys, einen Freundeskreis, vielleicht auch noch ein Ehrenamt, dann können diese anderen Säulen das natürlich weitertragen. Und ich erlebe dann immer wieder auch Menschen, die zum Beispiel in so einem Sabbatical sagen: "Jetzt kümmere ich mich wirklich intensiv um mein Ehrenamt" und um solche Dinge.

00:32:21–00:32:37 | Britta Dohr

Und dann steht man halt nicht plötzlich vor dieser Leere. Und ich glaube, es sind häufig die Menschen, die krank werden, die halt sehr, sehr engagiert auch im Beruf waren und diese anderen Säulen vielleicht auch etwas vernachlässigt haben. Ich weiß nicht, wie erleben Sie das aus Ihrer Sicht?

00:32:38–00:32:56 | Dr. Harald Messner

Ich habe das — ich habe das — ja, ich muss sagen, ich bin so ein bisschen — ich bin nicht unvorbereitet in den Ruhestand gegangen, sondern ich habe ein paar Dinge gemacht. Erzähle ich gleich was zu. Aber trotzdem war der Sprung in den Ruhestand schon — den habe ich unterschätzt, obwohl ich viele Dinge gemacht habe.

00:32:56–00:33:37 | Dr. Harald Messner

Also, dieser Ruhestand ist für mich ja jetzt immer noch ein bisschen ein Unruhestand, weil ich diesen Podcast hier mache. Den mache ich ehrenamtlich, sage ich so ganz ehrlich, weil mir das Spaß macht und weil ich eben halt nicht möchte, dass vor den Hörern oder vor den Häusern und Wohnungen der Hörer irgendwann einmal der Notarzt stehen muss. Das ist für mich einfach — Prävention ist für mich mein Thema. Vor allem Verhinderung von Erkrankungen im Herz-Kreislauf-System, weil das einfach die häufigste Erkrankungserwartung ist. Das ist das eine. Und ich möchte den Menschen, mit denen ich zusammenarbeite, auch was zurückgeben. Also habe ich meine Rolle da wieder gefunden. Das war ein ganz wichtiger Punkt in der Situation.

00:33:37–00:34:16 | Dr. Harald Messner

Nichtsdestotrotz ist es eine Änderung, die man sehr, sehr wohl angehen muss. Ich habe so viele Menschen in meinem Leben — ich bin ja 40 Jahre wirklich berufstätig gewesen — und habe so viele Menschen gesehen, die sind in den Ruhestand gegangen und haben gesagt: "Boah, jetzt kümmere ich mich um meinen Garten oder mache Bastel an meinem Haus." Das ist der Begriff oder der Einstieg in die Stagnation. Weil man braucht, glaube ich, man benötigt Herausforderungen, um wirklich am Leben teilzunehmen, im wahrsten Sinne des Wortes.

00:34:17–00:34:55 | Dr. Harald Messner

Ich habe einen sehr schönen Film, habe ich mal im Flugzeug gesehen. Da sind — haben ein amerikanisches Forscherehepaar hergegangen und haben 40 Mäuse zusammen umgerechnet 60 Jahre alt werden lassen. Und dann haben sie 20 Mäuse in einen Stoffwechselkäfig hineingebracht. Das war eben halt der Garten Eden, alles war toll, immer Sonne, Essen genug da. Der andere Käfig war eben halt mit kleinen Feinden, mal dunkel, mal hell, mal viel zu essen, mal wenig zu essen. Die Letzteren haben den Ersteren um 50 Prozent überlebt.

00:34:56–00:35:39 | Dr. Harald Messner

Das ist genau das, was ich auch gesehen habe in den 40 Jahren Berufstätigkeit. Klar, mit schweren Erkrankungen, aber auch das modifiziert, also die Haltung, die sich hinter einem Engagement verbirgt, modifiziert den Krankheitsstatus. Ja, ich glaube, das ist das, was Sie auch erleben: Ihre Haltung zu Ihrer Erkrankung, sprich: "Ich kämpfe nicht, sondern ich lebe damit und ich arrangiere mich damit und akzeptiere sie", führt dazu, dass Sie einfach sagen: "Wow, ich mache das jetzt und dann gelingt mir das auch." Und das ändert die Haltung vollständig.

00:35:40–00:36:17 | Dr. Harald Messner

Und das ist genau der entscheidende Punkt. Das darfst du auch — oder darf man auch — habe ich den Hörer angesprochen — nach dem Ruhestand oder im Ruhestand nicht verlieren. Und genau wie das gegen den Blutdruck anzukämpfen ist auch Blödsinn, weil dann steigt der Blutdruck. Denn im Kampf geht Adrenalin und Noradrenalin nach oben, und dann hast du genau das Gegenteil. Aber jetzt habe ich das Thema ein bisschen verlassen. Aber das mit dem Ruhestand, diese, was Sie auch selber in dem Schreiben auch gesagt haben, das ist ein wichtiges Thema, und das darf man nicht unterschätzen.

00:36:18–00:36:29 | Britta Dohr

Ich glaube, was ganz wichtig ist, was Sie gesagt haben: Diese Herausforderungen, die wir uns ja im Berufsleben gesetzt bekommen, selber setzen, dass wir da auch im Ruhestand das weiterhaben, unseren Kopf auch beschäftigen.

00:36:29–00:36:40 | Britta Dohr

Und ich glaube, was wir nicht unterschätzen dürfen, ist dieses — unsere gewohnte Tagesstruktur, die Kontakte, die wir haben, dass das ja plötzlich auch alles nicht mehr da ist.

00:36:40–00:36:48 | Britta Dohr

Und wenn man da, so wie Sie ja richtig gesagt haben, was anderes aufbaut, dann kommt so dieses In-ein-Loch-Fallen.

00:36:48–00:36:58 | Britta Dohr

Und da reicht eben nicht der Garten. Das kann mal schön sein für 2, 3 Wochen, aber auf Dauer geht es natürlich darum, auch andere Dinge zu finden, die das Leben wieder füllen.

00:36:59–00:37:17 | Dr. Harald Messner

Ich habe eben ein schönes Stichwort genannt, fällt mir jetzt gerade ein: Es geht dabei um die eigene Energie. Was ist denn — wie erkenne ich denn, was meine eigene Energie ist, damit ich adäquat mit ihr umgehe?

00:37:19–00:37:55 | Britta Dohr

Ich glaube, wir können da unterscheiden: einmal so zwischen unserer Gesamtenergie, was habe ich heute für eine Energie insgesamt, und die Energie, die im Lauf des Tages schwankt. Und wie finde ich so meine Gesamtenergie raus? Also, indem ich mir einfach mal morgens die Frage stelle, wenn ich auf einer Skala von 1 bis 10 gucke: "Wie hoch ist meine Energie heute?" Jetzt sagen viele: "Boah, weiß ich doch nicht." Und dann sage ich immer: "Überleg dir mal einen Tag, an dem du das Gefühl hattest: Heute kann ich Bäume ausreißen." So, das ist die 10. Und dann so ein Tag, wo man denkt: "Oh, heute komme ich kaum aus dem Bett." Das wäre dann so die 1.

00:37:55–00:38:16 | Britta Dohr

Und dann morgens sich mal die Frage zu stellen: "Wie ist denn heute die Energie? Ist sie eher so im 4er, 5er Bereich, oder bin ich vielleicht bei 8, 9 oder sogar 10?" Und an Tagen, wo ich viel Energie habe, da nehme ich mir eher die schwierigen Dinge vor, also soweit ich das selber beeinflussen kann. Und an Tagen, wo halt die Energie eher niedriger ist, mache ich eher die leichten Sachen.

00:38:17–00:38:42 | Britta Dohr

Und dann haben wir ja aber auch eine Energiekurve, die über den Tag schwankt. Und bei den meisten Menschen ist die Energie eher morgens hoch oder höher. Das heißt, da eher die herausfordernden Aufgaben hinlegen und einfach mal zu gucken: "Wie schwankt denn so meine Energie auch über den Tag?" Und jetzt sagen viele: "Ja, aber ich kann das ja überhaupt nicht beeinflussen." Ich glaube, wir haben viel mehr Dinge, die wir beeinflussen können.

00:38:42–00:39:01 | Britta Dohr

Also zum Beispiel einfach mal diese Frage stellen: "Muss die E-Mail heute raus oder reicht es morgen? Muss ich das Telefonat jetzt machen oder geht vielleicht später? Muss ich zu diesem Termin gehen oder reicht vielleicht auch ein kurzes Telefonat?" Also, wenn wir wirklich mal gucken, tauchen da viel mehr Spielräume auch auf, als wir erst mal denken.

00:39:02–00:39:18 | Dr. Harald Messner

Ist natürlich — ich stelle mir jetzt gerade vor, ich bin Krankenschwester auf irgendeiner Station oder Gesundheitspfleger, so heißen die ja heute, und da fallen dann die Dinge an, und da kann ich die nicht gestalten in der Situation.

00:39:18–00:39:24 | Dr. Harald Messner

Und da ist das schwieriger, zu sagen: "Wow, heute ist meine Energie nicht so hoch, ich gehe den heute mal nicht abtropfen."

00:39:24–00:39:24 | Dr. Harald Messner

Das geht nicht.

00:39:25–00:39:32 | Dr. Harald Messner

Oder: "Ich versorge den mal heute nicht, weil der auch nicht sehr freundlich ist oder auch sehr unter einer Erkrankung leidet."

00:39:32–00:39:33 | Dr. Harald Messner

Das geht einfach nicht.

00:39:33–00:39:36 | Dr. Harald Messner

Und da sind die Spielräume meines Erachtens sehr, sehr eng.

00:39:37–00:40:10 | Britta Dohr

Da sind sie ja auf jeden Fall enger, als wenn ich jetzt einen Job im Büro habe. Aber auch da ist es natürlich — da ist es eher Führungsaufgabe, zu gucken, mit den Schichtplänen entsprechend auch Ruhezeiten einzuplanen oder auch wirklich mal mit den Kollegen zu reden und zu sagen: "Hör mal zu, mir geht es heute nicht gut. Kannst du heute mal den schwierigen Patienten nehmen? Ich mache das dann morgen für dich." Oder — also, wenn man da mit den Kollegen auch ins Gespräch kommt, weil jeder hat ja mal so Tage, wo es einfach nicht gut geht. Und ich glaube, dann kann man viel schieben. Aber es ist aber auch viel Aufgabe der Führungskraft.

00:40:10–00:40:41 | Britta Dohr

Und auch da ganz wichtig: kleine Pausen machen. Also, das sage ich immer auch meinen Klienten: Es muss nicht immer die — und im Pflegeberuf, im ärztlichen Beruf geht das ja auch nicht. Da kann ich nicht mal eben sagen: "Ich mache jetzt mal eine Stunde Mittagspause." Aber immer mal wieder zwischendrin mal 5 Minuten, mal aufstehen, was anderes machen, ans Fenster gehen, zwei, dreimal durchatmen. Also immer mal wieder kleine Pausen auch. Und dann tanke ich auch wieder immer wieder ein bisschen Energie. Und das geht. Und das geht auch in jedem Job.

00:40:42–00:40:46 | Dr. Harald Messner

Ja, da gebe ich — also die Reanimation kann ich nicht verschieben, aber —

00:40:48–00:40:54 | Britta Dohr

Okay, aber die schüttet auch so viel Adrenalin — die schüttet auch so viel Adrenalin aus, dass die Energie da automatisch ganz hoch ist.

00:40:55–00:40:57 | Dr. Harald Messner

Sind Sie mir nicht böse, ich neige zu solchen Jokes.

00:41:00–00:41:04 | Britta Dohr

Nein, absolut. Sie haben ja recht. Es gibt Dinge, die kann man nicht verschieben.

00:41:05–00:41:20 | Dr. Harald Messner

Nee, nee, ich habe — ich habe das aber nicht die Reanimation verschoben, aber ich habe wirklich, ja wirklich, das sehr lange gemacht. Und es war eigentlich toi, toi, toi, nie krank. Und ich habe aber immer wieder Pausen gemacht.

00:41:20–00:41:39 | Dr. Harald Messner

Da haben Sie total — ich habe morgens — habe ich immer nach einer Stunde oder ja, nach einer Stunde habe ich dann einfach 4 Minuten oder 5 Minuten mir meine Ruhe genommen. Da bin ich einfach — ich konnte so zwischen zwei Zimmern wechseln, konnte dann in Ruhe, zack, dann jetzt nach 4 Minuten nichts.

00:41:40–00:41:57 | Britta Dohr

Und da sagen Sie was ganz, ganz Wichtiges: dieses Nichtstun. Weil wozu neigen wir? Wir haben Pause, was machen wir? Wir nehmen unser Handy und scrollen am Bildschirm, wir checken schnell die E-Mails. Und das ist nämlich keine Pause. Es ist dieses Mal Nichtstun.

00:41:57–00:42:13 | Britta Dohr

Der Kopf macht mal was ganz anderes als vorher. Und das sage ich auch meinen Klienten immer: Eine Pause am Bildschirm ist keine Pause. So. Und das ist genau das, was Sie gesagt haben: mal 4 Minuten nichts. Und das regeneriert wieder.

00:42:14–00:42:36 | Dr. Harald Messner

Total. Was auch — was viele Leute unterschätzen — es gibt ja so was, die sagen: "Boah, ich gehe einmal in der Woche in die Muckibude und dann habe ich für meinen Körper genug gemacht." Das bringt überhaupt nicht so viel, wie wenn man jetzt sagt: "Nach 60 Minuten, boah, ich mache jetzt mal so eine Übung, wo ich mal die beiden Hände verschränke und kräftig ziehe und wieder drücke, und das 4 oder 5 Mal."

00:42:36–00:42:47 | Dr. Harald Messner

Das macht die Vigilanz sofort viel besser. Und es werden Hormone ausgeschüttet, die den Zucker senken, ja, die aus dem Knochen kommen. Und das ist das Verrückte, das wissen die wenigsten.

00:42:47–00:43:04 | Dr. Harald Messner

Aber so kann man — solche Dinge habe ich auch während meiner Arbeitszeit immer mal gemacht, weil ich einfach dann gesagt habe: "Boah, dann fühle ich mich wohler." Das habe ich aber nicht gelernt, sondern habe gesagt: "Boah, das geht einfach besser, wenn du so was zwischendurch machst, wenn du dann mal so eine Übung machst oder so." Das war schon —

00:43:04–00:43:19 | Britta Dohr

Ja, so eignet man sich das an. Das ist wie bei mir mit der Energie, dass ich einfach geguckt habe: Wie kann ich denn gut arbeiten? Und ich glaube, Sie sagen da was ganz Wichtiges, weil viele denken immer: "Oh, ich muss dann so viel ändern, jetzt muss ich jeden Tag Sport machen und sagen: Ich mache jetzt jeden Morgen eine Stunde Sport."

00:43:20–00:43:32 | Britta Dohr

Statt einfach zu sagen: "Ich mache nach dem Mittagessen einen kurzen Spaziergang." Wenn ich das dann dauerhaft mache, bringt mir das ja auch wesentlich mehr, als: "Ich mache einmal Sport und dann 5 Tage nicht, weil ich so Muskelkater habe."

00:43:33–00:44:08 | Dr. Harald Messner

Kaufen Sie den Hund für den Spaziergang. Ich habe hier einen, der hat auch gerade mal eben gebellt. Ich hoffe, Sie haben das nicht gehört. Gut. Ja, das war schon super gut. Also: gesund bleiben, ohne weniger zu leisten, ist das Thema. Und wenn jetzt so ein Mensch auf uns zugehört hat, welche Frage würden Sie dem stellen, wenn er so an der Grenze seiner Leistungsfähigkeit ist? Wie würden Sie ihn bewegen, jetzt was anderes zu tun?

00:44:10–00:44:28 | Britta Dohr

Ich würde ihn erst mal fragen: Was ist das früheste Signal, was Sie merken? So, weil wenn ich mein frühestes Signal merke, dann kann ich was verändern. Und auch wenn ich das schon merke, sollte ich was verändern. Und wenn es nur kleine Pausen sind, etwas mehr Erholung.

00:44:29–00:44:48 | Britta Dohr

Und was ich, glaube ich, ganz wichtig finde, ist zu sagen: Gesundheit nicht als etwas zu sehen, was nach der Arbeit kommt, sondern was ein ganz, ganz wesentlicher Bestandteil ist. Weil ich glaube, das ist eins der Dinge, die wir übersehen haben, weil wir sie auch immer anders gelernt haben.

00:44:49–00:44:59 | Britta Dohr

Wir haben immer gelernt: Schlafen kannst du, wenn du tot bist. Erst kommt die Arbeit und Erholung kommt dann irgendwann. Und das haben wir uns so — das haben wir so verinnerlicht.

00:45:00–00:45:07 | Britta Dohr

Und das ist, glaube ich, das Umdenken: Zu sagen: Erholung ist ein ganz wesentlicher Bestandteil von Leistung. Und sie ist Voraussetzung auch für Leistung.

00:45:10–00:45:32 | Dr. Harald Messner

Sehr gut. Mir fällt da noch was ein, was ich erlebt habe, eigentlich, weil ich ja schon relativ lange — seit 1972 bin ich ja berufstätig — ist das so, dass die Leistungs- oder die Arbeitsdichte in den letzten 30, 40 Jahren doch wahnsinnig zugenommen hat.

00:45:33–00:45:50 | Dr. Harald Messner

Wenn ich so überlege, als ich anfing, da gab es wirklich auch — ich habe ja zunächst 5 Jahre als Krankenpfleger gearbeitet — da gab es wirklich regelhafte Pausen, auch in so einer Situation, weil das ganze Thema entschleunigter war.

00:45:51–00:46:06 | Dr. Harald Messner

Jetzt, wenn man sich heute angieht: Du hast dann die Dokumentationsaufgabe, 5 Nachfragen, 6 andere Dinge, die noch nebenbei neben deiner anderen Arbeit erledigt werden müssen, und dann versucht man, das in den Berufsalltag zu packen.

00:46:07–00:46:12 | Dr. Harald Messner

Sind wir da auf dem falschen Weg?

00:46:12–00:46:34 | Britta Dohr

Also, die Antwort wäre natürlich ja. Ich glaube aber, es lässt sich im Moment nicht verhindern, dass es so ist. Und also ja, wir sehen eine deutliche Arbeitsverdichtung. Es ist immer mehr Arbeit, mehr Anforderungen für immer weniger Beschäftigte, die da sind. Hinzu kommt jetzt ja den Druck, den uns auch die künstliche Intelligenz macht, den wir uns teilweise auch selber machen.

00:46:34–00:46:51 | Britta Dohr

Ich erlebe es aber immer wieder: Es ist nicht die viele Arbeit, die die Menschen krank macht. Es sind eher die fehlenden Pausen, die fehlende Priorisierung, auch das fehlende, selbst mal Nein zu sagen. Wir haben vorhin über das Nachfragen gesprochen: "Was kann ich schieben?"

00:46:51–00:47:03 | Britta Dohr

Also, da sind wir wieder ein bisschen bei diesem inneren Druck. Ja, die Arbeit ist mehr geworden, und das wird sich wahrscheinlich auch nicht ändern lassen. Wir können aber Strategien entwickeln, damit umzugehen.

00:47:05–00:47:25 | Dr. Harald Messner

Vielleicht wäre eine Strategie — ich überlege gerade — sitzt da als Büroarbeiter, und dann kommt mein Chef rein und legt mir noch mal so einen Stapel von 20 Zentimeter Akten da hin. Und dann ist ja die Frage, wie ich das in der Situation, wenn er das da hinlegt, ist das ja eine Aufforderung, das zu regeln oder das zu machen.

00:47:26–00:48:01 | Dr. Harald Messner

Wenn ich das jetzt nicht bewerte, wenn ich jetzt sage: "Ja, das sind jetzt 20 Zentimeter Akten, ich mache die in meinem normalen Tempo weiter", dann hätte ich diese Akten, die 20 Zentimeter, nicht bewertet. Also, sie hätten keine emotionale Ausprägung auf mich. Ich würde mich da nicht drüber ärgern. Ich würde das jetzt im Laufe meiner möglichst zur Verfügung stehenden Zeit — Zeit für die Akte, nicht Zeit für die 20 Zentimeter — sondern dann herzugeben. Dann wäre ich ohne Bewertung, und es hätte keinen Stress.

00:48:01–00:48:32 | Dr. Harald Messner

Das heißt also, wenn ich aber dann sage: "Boah, und ich bewerte das schon, dass es wieder mehr ist", dann mache ich mir selber den Stress. Und ich glaube, dass man sagen darf: Erst mal gucken, wenn man so was kriegt oder wenn so was passiert, dass man erst mal die 700 Millisekunden, die man Zeit hat, erst mal sich die Frage: "Wann fängst du an zu bewerten?" Und das ist, glaube ich, super — also für mich ist das wichtig.

00:48:32–00:48:46 | Dr. Harald Messner

Also, ich merke das häufig, weil ich auch neige dazu, dann auch schnell den emotionalen Teil zu sehen, dass ich dann mich aber so erziehe, dass ich sage: "Wow, jetzt fängt der Grad der Bewertung an, also mache ich da Schluss."

00:48:47–00:49:06 | Britta Dohr

Und Sie haben ja automatisch angenommen, dass das jetzt alles ganz dringend ist. Vielleicht hat der Chef auch nur seinen Schreibtisch aufgeräumt und hat es bei Ihnen einfach abgelegt. Und auch da dieses Thema wieder nachfragen: Was davon ist wichtig und was davon — was kann ich dafür da hinten anschieben? Also, was kann ich dafür weglassen? So.

00:49:06–00:49:24 | Britta Dohr

Aber das Bewertungsthema ist ein ganz, ganz Wichtiges, was Sie da ansprechen. Ja, wir machen uns viel, viel einfach im Kopf, weil wir einfach Dinge annehmen, Dinge bewerten, Dinge auch emotionalisieren. Und wenn der Chef reinkommt, ist das natürlich immer irgendwie ein emotionales Thema, weil das natürlich immer auch was mit Hierarchie, mit Druck, auch mit Angst zu tun hat.

00:49:26–00:49:28 | Dr. Harald Messner

Was ist für Sie Resilienz?

00:49:32–00:50:05 | Britta Dohr

Resilienz ist für mich sehr, sehr umfassend. Es ist so ein bisschen, würde ich sagen, mit dem, was das Leben mir gibt, umzugehen. Resilienz heißt für mich nicht: Ich lasse alles an mir abprallen und lasse nichts an mir ran. Resilienz heißt auch mal: Ich darf auch mal einen Gang zurücktreten. Ich darf auch mal — wir sprachen ja über Leisten — ich darf auch Phasen haben, in denen ich weniger leiste. Und das bewusst zu akzeptieren, das ist für mich Resilienz. Resilienz ist für mich, mit den Phasen des Lebens einfach mitzugehen, anstatt dagegen zu schwimmen.

00:50:06–00:50:39 | Dr. Harald Messner

Das haben Sie super schön beschrieben. Sie haben also meinen Zuhörern wirklich sehr vielen schönen Tricks geholfen. Jetzt habe ich noch eine persönliche Frage an Sie: Sie werden jetzt ausgesetzt auf einer einsamen Insel, dürfen keinen Menschen mitnehmen, niemand, der Sie sonst begleitet. Und was nehmen Sie mit auf diese einsame Insel, um diese Zeit auf der einsamen Insel möglichst für Sie angenehm zu verbringen?

00:50:41–00:50:45 | Britta Dohr

Oh, ich würde meinen Kindle mitnehmen, auf den ich ganz viele Bücher geladen habe.

00:50:45–00:50:51 | Dr. Harald Messner

Ah, sehr schön. Das ist wichtig, zu lesen. Aber Sie können nicht nachladen, vorsichtig.

00:50:51–00:51:02 | Britta Dohr

Deswegen habe ich — deswegen da den Kindle und nicht das einzige Buch. Deswegen habe ich den ganz voll geladen, mit Romanen, mit Krimis, mit Fachliteratur. Und da würde mir nie langweilig.

00:51:03–00:51:08 | Dr. Harald Messner

Na gut, hoffentlich haben Sie eine Batterie hinter, die dann lang genug den Kindle aufrechterhält.

00:51:09–00:51:10 | Britta Dohr

Der hält ja sehr lange.

00:51:10–00:51:28 | Dr. Harald Messner

Ja, meiner ist schon ein bisschen älter, der hält nicht mehr so lange. Aber ist gut. Nein, das ist blöde jetzt. Aber ich finde das toll. Das mit dem Buch hätte ich genauso gemacht. Machen auch viele so. Frau Dohr, haben Sie noch einen ganz wichtigen Satz für meinen Zuhörer, oder sind wir eigentlich für Sie auch durch?

00:51:30–00:51:37 | Britta Dohr

Also, ich würde noch sagen: Wir haben immer einen Spielraum. Auch wenn er nur ganz klein ist. Aber wir haben immer was, was wir selber bewegen können.

00:51:39–00:52:05 | Dr. Harald Messner

Vielen, vielen Dank, Frau Dohr, für dieses tolles Interview. Sie haben meinem Hörer wirklich super geholfen — oder meiner Hörerin, ich bin nicht so der Gender-Man — sehr geholfen. Und ich finde das toll, welche Achtsamkeit Sie auch für sich, Ihren Körper und auch für die Menschen mit sich bringen, die dann eben halt sagen: "Wow, hier gibt es einen Druck in mir."

00:52:05–00:52:22 | Dr. Harald Messner

Und das zu spüren, ist schon immer schwierig. Und das auch anzuerkennen, das ist ja schmerzhaft, anzuerkennen, zu sagen: "Boah, ich bin überlastet." Das ist ja schon ein Weg, den man gehen muss. Und der ist nicht einfach. Aber dieser Weg befreit einen.

00:52:22–00:52:41 | Dr. Harald Messner

Und das haben Sie sehr schön dargestellt und sich für Ihr Leben auch entschieden. Also, ich bin ganz begeistert. Und ich danke auch allen Zuhörern, die es bis hierhin geschafft haben. Und ich freue mich riesig, wenn die Zuhörer für die Frau Dohr oder für mich so ein Häkchen hinterlassen, weil ihnen die Folge gefallen hätte.

00:52:41–00:53:03 | Dr. Harald Messner

Dann kommen immer mehr Menschen in diese Lage, auch mal diese anderen Podcast-Folgen zu hören. Und vielleicht ist es dann auch dieser Podcast der Grund, warum vor deiner Haustür nicht mal irgendwann der Notarztwagen stehen muss. Und positive Beurteilung wäre natürlich auch nicht schlecht. Da würden wir uns auch drüber freuen. Also, bis zum nächsten Mal. Ich danke Ihnen, Frau Dohr, ganz toll.

00:53:03–00:53:04 | Britta Dohr

Vielen Dank.

Autor: HarMes

Arzt für Innere Medizin Nephrologie, Podcaster, Archetypen Coach, 1972-1983 Krankenpfleger, 1977-1983 Studium der Medizin Universität Essen 1983 Promotion 1983-1989 Facharzt Ausbildung Innere Medizin 1990 Zusatzbezeichnung Nephrologie Oberarzt Städtische Kliniken Wuppertal, Einführung der LDL Apherese in Wuppertal 1992 Gründung der Praxis für Innere Medizin Nephrologie Brändströmstr. 1995 Hypertensiologe DHL 2019 im Dezember im Unruhestand, Gründung Podcast und Ausbildung zum Archetypen Coach